
{"id":1434,"date":"2018-01-04T16:22:12","date_gmt":"2018-01-04T15:22:12","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=1434"},"modified":"2019-04-16T13:59:53","modified_gmt":"2019-04-16T11:59:53","slug":"wie-das-lenin-denkmal-ins-deutsche-historische-museum-gelangte","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2018\/01\/04\/wie-das-lenin-denkmal-ins-deutsche-historische-museum-gelangte\/","title":{"rendered":"Wozu das denn? Das Lenin-Denkmal im DHM"},"content":{"rendered":"<h1>Wie das Lenin-Denkmal ins Deutsche Historische Museum gelangte<\/h1>\n<p><strong>Im Foyer der Ausstellungshalle des Deutschen Historischen Museums ist sie derzeit zu sehen \u2013 die 3<\/strong><strong>,20 Meter hohe und 2,9 Tonnen schwere Statue von Wladimir I. Lenin (1870\u20131924). Sie ist Teil der Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/1917-revolution?nomobile=1\" target=\"_blank\">&#8222;1917. Revolution. Russland und Europa&#8220;<\/a>, die das Museum noch bis zum 15. April 2018 zeigt. Der <\/strong><strong>Projektleiter der Ausstellung<\/strong><strong>, <\/strong><strong>Dr. Arnulf Scriba, schildert die spannende Geschichte dieses Objekts, das <\/strong><strong>Zeugnis des fr\u00fchen Personenkults um Lenin ist.<\/strong><\/p>\n<p>1925, bereits ein Jahr nach dem Tod von Wladimir I. Lenin schuf der russische Bildhauer Matwej G. Maniser die gro\u00dfe Bronze-Statue. Sie wurde 1926 rund 25 Kilometer s\u00fcdlich von Leningrad in der heutigen Stadt Puschkin aufgestellt, als Zarskoje Selo einst die Sommerresidenz des Zaren \u2013 ein wohl \u00fcberlegter Ort zu Ehren des Revolutionsf\u00fchrers. Die Statue selbst ist ein beeindruckendes Zeugnis des schon fr\u00fch nach Lenins Tod einsetzenden Personenkults um den Staatsgr\u00fcnder der Sowjetunion.<\/p>\n<p>Nachdem die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg bis vor die Tore Leningrads gesto\u00dfen war und Puschkin eingenommen hatte, demontierte sie 1943 die Statue und transportierte sie rund 2.000 Kilometer nach Eisleben. In der dortigen Krugh\u00fctte sollte sie als dringend ben\u00f6tigtes Metall f\u00fcr die Kriegsproduktion eingeschmolzen werden. Aus ungekl\u00e4rten Gr\u00fcnden \u00fcberdauerte die Statue den Krieg, vermutlich war sie f\u00fcr den Schmelzofen schlicht zu gro\u00df. Das nutzte die DDR sp\u00e4ter zu einer Legendenbildung: So seien es sowjetische Zwangsarbeiter und &#8222;klassenbewusste&#8220; Arbeiter der Mansfeld AG gewesen, die in einem &#8222;spontanen Zusammenschluss&#8220; die Statue unter einem Schrotthaufen versteckt und somit gerettet h\u00e4tten. Als dann die Rote Armee 1945 Einzug in Eisleben hielt, habe die Stadtbev\u00f6lkerung Lenin &#8222;zum Zeichen der Dankbarkeit f\u00fcr die Befreiung vom Hilterjoch durch die ruhmreiche Rote Armee&#8220; aufgestellt, wie eine offizielle DDR-Brosch\u00fcre schrieb. Von ihrem Revolutionshelden und einer jubelnden Bev\u00f6lkerung begr\u00fc\u00dft, seien die Rotarmisten w\u00e4hrend eines festlichen Triumphmarschs mit Blumen beschenkt worden.<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t war wohl eine andere, als rund zwei Monate nach Kriegsende in Eisleben ein Wechsel der Besatzungstruppen von der US-Armee zur Roten Armee erfolgte. Die Stadt lie\u00df die Statue am 2. Juli 1945 tats\u00e4chlich auf dem Marktplatz aufstellen, um die sowjetischen Soldaten zu begr\u00fc\u00dfen. Diese begegneten Genosse Lenin aber offensichtlich mit v\u00f6lliger Gleichg\u00fcltigkeit, und auch Triumphmarsch, jubelnde Eislebener und bunte Blumen geh\u00f6ren ins Reich sozialistischen Wunschdenkens. Trotzdem soll die Sowjetunion von der Aufstellung so ger\u00fchrt gewesen sein, dass sie der Lutherstadt Eisleben die Statue in einer offiziellen Zeremonie im Beisein von Walter Ulbricht am 1. Mai 1948 schenkte. Damit war sie das erste Lenin-Denkmal in Deutschland.<\/p>\n<div id=\"attachment_1440\" style=\"width: 696px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1440\" class=\"size-full wp-image-1440\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/G0001639.jpg\" alt=\"Lenin-Denkmal aus Eisleben, Matwej G. Maniser, 1925 \u00a9 DHM\" width=\"686\" height=\"1000\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/G0001639.jpg 686w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/G0001639-206x300.jpg 206w\" sizes=\"auto, (max-width: 686px) 100vw, 686px\" \/><p id=\"caption-attachment-1440\" class=\"wp-caption-text\">Lenin-Denkmal aus Eisleben, Matwej G. Maniser, 1925 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Nach der Deutschen Einheit entschied der Eislebener Stadtrat die Demontage des Denkmals, das daraufhin 1991 als Dauerleihgabe in das Deutsche Historische Museum gelangte.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 5px;\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/csm_csm_Scriba_Arnulf_01_7e9629bcb4_a5bfaec0cd.jpg\" width=\"140\" \/><\/td>\n<td><\/td>\n<td bgcolor=\"#3d9b35\">\n<h4 style=\"color: #ffffff; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Dr. Arnulf Scriba<\/h4>\n<p style=\"color: #ffffff; padding: 0px 10px 5px 10px;\">Dr. Arnulf Scriba ist Leiter des Fachbereichs Sonderausstellungen und Projekte im Deutschen Historischen Museum und Projektleiter der Ausstellung &#8222;1917. Revolution. Russland und Europa&#8220;. Der Text erschien in leicht abgewandelter Form zuerst im <a style=\"color: white;\" href=\"http:\/\/www.museumsjournal.de\/\" target=\"_blank\">Museumsjournal<\/a><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Wie das Lenin-Denkmal ins Deutsche Historische Museum gelangte<span><\/h2>\n<p>Im Foyer der Ausstellungshalle des Deutschen Historischen Museums ist sie derzeit zu sehen \u2013 die 3,20 Meter hohe und 2,9 Tonnen schwere Statue von Wladimir I. Lenin (1870\u20131924). Sie ist Teil der Ausstellung &#8222;1917. Revolution. Russland und Europa&#8220;, die das Museum noch bis zum 15. April 2018 zeigt. 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