
{"id":1797,"date":"2018-04-18T11:27:03","date_gmt":"2018-04-18T09:27:03","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=1797"},"modified":"2018-04-18T16:09:20","modified_gmt":"2018-04-18T14:09:20","slug":"kolumne-sparen-gestern-heute-und-morgen","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2018\/04\/18\/kolumne-sparen-gestern-heute-und-morgen\/","title":{"rendered":"Kolumne: Sparen: Gestern, heute und morgen"},"content":{"rendered":"<h1>Sparen: Gestern, heute und morgen<\/h1>\n<p><strong>Am 22. M\u00e4rz wurde die Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/sparen.html\">\u201eSparen \u2013 Geschichte einer deutschen Tugend\u201c<\/a> er\u00f6ffnet, die das tradierte Sparverhalten der Deutschen auch vor dem Hintergrund aktueller internationaler Kritik betrachtet. Hansj\u00f6rg Leichsenring, Banker und Betreiber des <a href=\"https:\/\/www.der-bank-blog.de\/\">Bank Blogs<\/a>, nimmt die Ausstellung zum Anlass, eine kleine Geschichte des deutschen Sparverhaltens zu zeichnen und einen Ausblick auf die zuk\u00fcnftige Sparmotivation der Deutschen zu wagen.<\/strong><\/p>\n<p>Geld macht bekanntlich nicht gl\u00fccklich, <a href=\"https:\/\/www.der-bank-blog.de\/sparen-macht-gluecklich-und-sexy\/\">Sparen<\/a> anscheinend schon. Vielleicht deswegen, weil es manch einem erm\u00f6glicht, in Ruhe nach dem Gl\u00fcck Ausschau zu halten?<\/p>\n<p>Deutschland wird traditionell als \u201eNation der Sparer\u201c bezeichnet. Die Deutschen scheinen aus \u00dcberzeugung gerne und ausdauernd zu sparen und lassen sich auch durch niedrige Zinsen nicht davon abhalten. Verst\u00e4ndlich also, dass sich eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Berlin unter dem Titel \u201eSparen &#8211; Geschichte einer deutschen Tugend\u201c dem Thema widmet.<\/p>\n<p>Wie popul\u00e4r Sparen bei uns seit jeher ist, zeigt der erste deutsche Tonfilm \u201eMelodie des Herzens\u201c. Willy Fritsch (allgemein bekannt geworden durch <em>Die Drei von der Tankstelle<\/em>) himmelte darin seine Partnerin im Mondschein mit den wenig romantisch anmutenden Worte an:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><em><strong>\u201eIch spare n\u00e4mlich auf ein Pferd.\u201c<a style=\"color: #008000;\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><\/a> <\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p>Gemeint war damit kein Reitpferd sondern der Grundstock f\u00fcr die Existenzgr\u00fcndung eines eigenen Fuhrunternehmens. Die Angebetete antwortete \u2013 nachdem sie sich Gewissheit \u00fcber die ernsthaften Absichten des um sie Werbenden verschafft hatte \u2013 darauf:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><em><strong>\u201eJa, jetzt fange ich auch an zu sparen. Denk nur, wie viel fr\u00fcher wir dann das Pferd kaufen k\u00f6nnen.\u201c<a style=\"color: #008000;\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><\/a> <\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p>Bedenken sollte man dabei, dass der Film im Jahr 1929 erschien, also nur gerade mal sechs Jahre nach der vollst\u00e4ndigen Entwertung der Sparguthaben durch die Inflation 1923, auf die in der Ausstellung unter der Rubrik \u201eSparen in der Weimarer Republik\u201c eingegangen wird.<\/p>\n<h2>Die Tradition des Sparens<\/h2>\n<p>Fest steht: Sparen hat hierzulande Tradition. Vor rund 240 Jahren wurde in Hamburg die erste Sparkasse gegr\u00fcndet. Damit bekam das Sparen einen institutionellen Rahmen. Die Menschen mussten ihr Geld nicht mehr in den ber\u00fchmten Sparstrumpf f\u00fcllen oder unter der Matratze verstecken, sondern konnten es einer vertrauensw\u00fcrdigen Institution \u00fcbergeben. Diese wachte dar\u00fcber, dass nichts vom Ersparten wegkam und vermehrte es sogar durch Zahlung von Zinsen.<\/p>\n<p>Auch das Schulsparen wurde fester Bestandteil der kindlichen Fr\u00fcherziehung. Das Hinf\u00fchren zum Sparen war Bestandteil des \u201e\u00f6ffentlichen Auftrags der Sparkassen\u201c. Nat\u00fcrlich war es auch ein Weg, neue Kunden zu gewinnen, getreu dem Motto \u201evon der Wiege bis zur Bahre\u2026\u201c.<\/p>\n<p>Ich kann mich noch gut an mein pers\u00f6nliches erstes Sparerlebnis erinnern. Zur Einschulung gab es von der \u00f6rtlichen Sparkasse ein Schulsparheft als Geschenk. Dort konnte man Sparmarken einkleben. F\u00fcr eine Marke musste man bei einem Vertrauenslehrer 50 Pfennig einzahlen. Mit dem vollen Heft ging man dann zur Sparkasse und er\u00f6ffnete dort ein Spar(kassen)buch. Zus\u00e4tzlich zu den f\u00fcnf D-Mark, die man selbst gespart hatte, erhielt man dann weitere f\u00fcnf D-Mark als Geschenk von der Sparkasse.<\/p>\n<p>Wenn man bedenkt, wieviel manuelle Arbeit dahintersteckte, w\u00fcrden findige Unternehmensberater aus heutiger Sicht das Ganze als ineffizienten und zu optimierenden Prozess brandmarken. Zudem ist die Ansprache von Kindern in der Schule \u2013 nicht zuletzt aus Gr\u00fcnden des Datenschutzes \u2013 umstritten, wie eine Google-Suche nach \u201eSchulsparen\u201c schnell zeigt. Die meisten Institute haben sich daher aus dem Schulsparen zur\u00fcckgezogen. Dies ist umso bedauerlicher, wenn man <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/finanzen\/article161591772\/Viele-Deutsche-sind-in-Geldsachen-voellig-ahnungslos.html\">Untersuchungen <\/a>sieht, wonach die Mehrheit der Deutschen ein vergleichsweise schlechtes Finanzwissen aufweist, bzw. ihren <a href=\"https:\/\/www.der-bank-blog.de\/ratgeber\/bankenverband-warnt-deutsche-ueberschaetzen-ihr-finanzwissen\/2016\/\">Kenntnisstand in Sachen Finanzen \u00fcbersch\u00e4tzt<\/a>.<\/p>\n<h2>Klassisches Sparen f\u00fchrt zu Geldverlust<\/h2>\n<p>Weltweit z\u00e4hlt Deutschland zu den L\u00e4ndern mit der h\u00f6chsten Sparquote, wie <a href=\"https:\/\/data.oecd.org\/hha\/household-savings.htm\">OECD-Zahlen<\/a> belegen. Allerdings weist dieses Bild Risse auf. Einer aktuellen <a href=\"https:\/\/www.ing-diba.de\/pdf\/ueber-uns\/presse\/publikationen\/ing-diba-economic-analysis-hohe-kante-ausser-reichweite.pdf\">Umfrage<\/a> zufolge, hat immerhin ein Viertel der deutschen Verbraucher keine Ersparnisse. Das ist unter den 13 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern sowie Australien und den USA der zweith\u00f6chste Anteil. Diejenigen Deutschen, die etwas auf der hohen Kante haben, sparen hingegen \u00fcberdurchschnittlich viel. Mithin ist das Bild vom \u201eLand der Sparer\u201c durchaus differenziert zu betrachten.<\/p>\n<p>Zudem sparen die Deutschen gr\u00f6\u00dftenteils falsch. Sie bevorzugen noch immer vor allem festverzinsliche Anlageformen. Bis heute werden das gute alte Sparbuch, das es in Buchform heute kaum mehr gibt, Festgelder und Anleihen gegen\u00fcber Aktien und Aktienfonds vorgezogen, obwohl letztere \u2013 historisch betrachtet \u2013 eine h\u00f6here Rendite versprechen. So verliert einer k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.der-bank-blog.de\/ratgeber\/sparen-sich-die-deutschen-arm\/1647\/\">Studie<\/a> zufolge sogar ein einzelner Haushalt auf diese Weise im Durchschnitt 872 Euro pro Jahr.<\/p>\n<p>Neben dem unzureichenden Kenntnisstand in Sachen Finanzen, stellt auch das institutionelle Konstrukt einen wesentlichen Grund daf\u00fcr dar. Banken und Sparkassen haben n\u00e4mlich \u00fcber viele Jahrzehnte vor allem die \u00fcber das Sparen eingesammelten Einlagen im Blick gehabt. Diese wurden als Kredite (lange Zeit ausschlie\u00dflich) an Unternehmen ausgeliehen und von der Differenz (Zinsmarge) konnten die Kreditinstitute gut leben.<\/p>\n<p>Die Kreditinstitute, darunter vor allem die Sparkassen, haben erst sp\u00e4t erkannt, dass private Verbraucher als Kunden und vor allem das Wertpapiergesch\u00e4ft durch seine Provisionen gesch\u00e4ftspolitisch \u00fcberaus interessant sind.<\/p>\n<p>Zudem f\u00f6rdert der Gesetzgeber zwar das Sparen, stellt aber zugleich hohe Anspr\u00fcche an die Anlageberatung. Aus Verbraucherschutzgr\u00fcnden ist dies zwar nachvollziehbar, f\u00fchrt aber auch dazu, dass Wertpapiere bei uns weniger popul\u00e4r sind, als in anderen L\u00e4ndern.<\/p>\n<h2>\u00dcbernehmen zuk\u00fcnftig Roboter das Sparen?<\/h2>\n<p>In den letzten zehn bis f\u00fcnfzehn Jahren hat die Digitalisierung massiv Einzug in den Alltag von Unternehmen, Menschen und Gesellschaft gehalten. Auch der Umgang mit Finanzen und das Verh\u00e4ltnis zu Finanzinstituten unterliegen einem Wandel. Verst\u00e4rkt wird dies durch junge technologie-getriebene Unternehmen, den sogenannten <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2017-10\/fintech-digitalisierung-bankensystem-veraenderung\">FinTech-Startups<\/a>. Diese gehen mit <a href=\"https:\/\/www.der-bank-blog.de\/fintech-fordern-banken-heraus\/studien\/digitalisierung-finanzdienstleistung\/22795\/\">innovativen Ideen und Konzepten<\/a> neue Wege, um vor allem junge Kunden und Finanzdienstleistungen zusammenzubringen.<\/p>\n<p>Dies hat Auswirkungen, auch auf das Sparen. So gibt es mobile Apps, die automatisch \u00fcbersch\u00fcssige Kundengelder \u2013 nach Sparzielen differenziert \u2013 anlegen und dem Kunden regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Fortschritte berichten. Auch der Zugang zu bislang unterrepr\u00e4sentierten Sparformen soll durch digitale Unterst\u00fctzung erleichtert werden. Sogenannte Robo Advisor bieten Kunden auf die pers\u00f6nliche Bedarfssituation abgestimmte Anlagestrategien in Wertpapierfonds und b\u00f6rsengehandelte Indexfonds (sogenannte Exchange Traded Funds oder ETFs). Bedarfsermittlung, \u00dcberwachung und Anpassungen werden dabei digital durch intelligente Technologien automatisiert. Neue Technologien aus dem Bereich der K\u00fcnstlichen Intelligenz werden diese Entwicklung noch verst\u00e4rken.<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>Sparen wird in Deutschland auch weiterhin eine hohe wirtschaftliche gesellschaftspolitische Bedeutung haben. Konsum, Altersvorsorge und Wohneigentum stehen bei den <a href=\"http:\/\/www.bausparkassen.de\/index.php?id=sparklima&amp;L=0\">Sparmotiven<\/a> seit Jahren unver\u00e4ndert an den ersten drei Stellen. Daran wird sich auch in den kommenden Jahren nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Das entscheidende Argument jedoch, warum auch weiterhin gespart wird: Sparen macht zufriedener. Es macht stolz auf die eigene Leistung und steigert die Zufriedenheit. Selbst f\u00fcr Menschen mit geringen Ersparnissen bedeuten vorhandene Ersparnisse ein gutes Gef\u00fchl. Und regelm\u00e4\u00dfiges Sparen macht besonders zufrieden: 81 Prozent der Menschen, die jeden Monat Geld sparen, erkl\u00e4ren, dass sie zufrieden sind.<\/p>\n<p>Wer mag ob dieser Zahl noch daran zweifeln, dass Sparen nicht nur eine interessante Vergangenheit, sondern auch eine spannende Zukunft hat?<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 5px;\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/dr-hansjoerg-leichsenring-weisser-hintergrund.jpeg\" width=\"140\" \/><\/td>\n<td><\/td>\n<td bgcolor=\"#3d9b35\">\n<h4 style=\"color: #ffffff; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Dr. Hansj\u00f6rg Leichsenring<\/h4>\n<p style=\"color: #ffffff; padding: 0px 10px 5px 10px;\"><a style=\"color: white;\" href=\"http:\/\/www.hansjoerg-leichsenring.de\">Dr. Hansj\u00f6rg Leichsenring<\/a> ist Experte f\u00fcr Banking, Innovation, Digitalisierung, Social Media, Change Management, Kundenservice und Vertrieb.<br \/>\nEr befasst sich seit \u00fcber 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach einer Banklehre studierte er Volks- und Betriebswirtschaftslehre in Mainz und St. Gallen und arbeitete danach in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines Online Brokers.<br \/>\nAls Herausgeber des <a style=\"color: white;\" href=\"https:\/\/www.der-bank-blog.de\">Bank Blogs<\/a> berichtet er \u00fcber aktuelle und grunds\u00e4tzliche Entwicklungen der Finanzbranche und ist au\u00dferdem Redner und Moderator im In- und Ausland.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Sparen: Gestern, heute und morgen<span><\/h2>\n<p>Am 22. M\u00e4rz wurde die Ausstellung \u201eSparen \u2013 Geschichte einer deutschen Tugend\u201c er\u00f6ffnet, die das tradierte Sparverhalten der Deutschen auch vor dem Hintergrund aktueller internationaler Kritik betrachtet. Hansj\u00f6rg Leichsenring, Banker und Betreiber des Bank Blogs, nimmt die Ausstellung zum Anlass, eine kleine Geschichte des deutschen Sparverhaltens zu zeichnen und einen Ausblick auf die zuk\u00fcnftige Sparmotivation der Deutschen zu wagen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1802,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[701],"tags":[1380,1287,1382,885,1340,1378],"class_list":["post-1797","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne","tag-bank-de","tag-d-mark","tag-euro-de","tag-geld","tag-sparen","tag-sparkasse"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1797","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1797"}],"version-history":[{"count":6,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1797\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1820,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1797\/revisions\/1820"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1802"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}