
{"id":1851,"date":"2018-05-09T17:06:14","date_gmt":"2018-05-09T15:06:14","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=1851"},"modified":"2018-05-09T17:06:14","modified_gmt":"2018-05-09T15:06:14","slug":"sparstrumpfnation-warum-das-bargeld-in-deutschland-noch-so-wichtig-ist","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2018\/05\/09\/sparstrumpfnation-warum-das-bargeld-in-deutschland-noch-so-wichtig-ist\/","title":{"rendered":"Kolumne: Sparstrumpfnation: Warum das Bargeld in Deutschland noch so wichtig ist"},"content":{"rendered":"<h1>Sparstrumpfnation: Warum das Bargeld in Deutschland noch so wichtig ist<\/h1>\n<p><strong>Daniel Korth vom <a href=\"https:\/\/finanzrocker.net\/\" target=\"_blank\">Finanzrocker-Blog<\/a> schreibt im Rahmen der Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/sparen\" target=\"_blank\">&#8222;Sparen \u2013 Geschichte einer deutschen Tugend&#8220;<\/a> \u00fcber seine Sicht auf das Verhalten der Deutschen zum Bargeld.<\/strong><\/p>\n<p>Als ich vor zehn Jahren einige Monate in Neuseeland lebte, bezahlte ich einen Schokoriegel f\u00fcr einen Dollar mit meiner EC-Karte. 2018 hat sich das nicht wirklich ge\u00e4ndert. Auch heute bezahle ich &#8211; wo es nur geht &#8211; kontaktlos mit meiner Kredit- oder EC-Karte. Damit stehe ich aber allein auf weiter Flur. Das merke ich nicht zuletzt daran, dass ich noch immer komisch angeschaut werde, wenn ich &#8222;Kleckerbetr\u00e4ge&#8220; mit Karte zahlen m\u00f6chte. Und die Statistik gibt mir recht: Nach Daten der Deutschen Bundesbank wurden 2017 sogar 74 Prozent aller Eink\u00e4ufe bar bezahlt.<\/p>\n<h3>Bargeldlos zahlen &#8211; In anderen L\u00e4ndern l\u00e4ngst Standard<\/h3>\n<p>Ganz anders in Schweden: Dort l\u00e4uft der Umsatz im Einzelhandel zu 95 Prozent bargeldlos ab. Vielerorts wird in den schwedischen L\u00e4den kein Bargeld mehr angenommen. 80 Prozent aller Transaktion werden inzwischen digital get\u00e4tigt. Und bis <a href=\"http:\/\/worldtimes-online.com\/kultur\/226-schweden-wird-das-erste-bargeldlose-land-der-welt.html\" target=\"_blank\">2030 soll das Bargeld komplett abgeschafft<\/a> werden.<\/p>\n<p>In China wurde die Kreditkarten\u00e4ra sogar komplett \u00fcbersprungen und <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/finanzen\/article168164059\/China-schafft-in-stiller-Revolution-das-Bargeld-ab.html\" target=\"_blank\">die Chinesen bezahlen fast ausschlie\u00dflich \u00fcber digitale Bezahlplattformen<\/a>. Sogar an den kleinen Imbissbuden am Stra\u00dfenrand wird per Smartphone bezahlt &#8211; das ist hierzulande undenkbar.<\/p>\n<p>Auch in den benachbarten Niederlanden oder in D\u00e4nemark wird wesentlich h\u00e4ufiger digital bezahlt als in Deutschland. Nur warum gibt es so eklatante Unterschiede zwischen den L\u00e4ndern? Und warum setzt Deutschland immer noch auf das altbew\u00e4hrte Bargeld?<\/p>\n<h3>Safety First<\/h3>\n<p>Der Grund daf\u00fcr ist tief verwurzelt in den Genen der Deutschen und h\u00e4ngt mit der Angst zusammen, die Kontrolle zu verlieren. Nicht umsonst gibt es daf\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article132728527\/Die-German-Angst-steckt-tief-in-unseren-Genen.html\">speziellen Begriff \u201eGerman Angst\u201c.<\/a> Das l\u00e4sst sich nicht nur beim Bargeld beobachten, sondern auch beim Thema Selbstst\u00e4ndigkeit oder dem Anlegen an der B\u00f6rse. Die Unsicherheit schwingt stets mit. Gleiches gilt f\u00fcr die Kontrolle \u00fcber die eigenen Daten. Bezahle ich digital, kann jeder sehen, was ich gekauft habe.<\/p>\n<p>Ironischerweise verschenken die Deutschen im gleichen Atemzug ihre Einkaufsdaten an Payback oder andere Bonuskarten-Anbieter. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/payback-wie-das-system-von-bonuskarten-funktioniert-14876049.html\" target=\"_blank\">Ganze 29 Millionen aktive Punktesammler<\/a> gibt es, die f\u00fcr ihre Daten mit billigen Pr\u00e4mienprodukten abgespeist werden.<\/p>\n<h3>Nur Bares ist Wahres<\/h3>\n<p>Fakt ist: Das sogenannte Buchgeld auf den Konten besitzt hierzulande nicht die gleiche Bedeutung wie Bargeld. Als Wertaufbewahrungsmittel liegt es immer noch ganz vorn, ganz nach dem Motto &#8222;Nur Bares ist Wahres&#8220;. Bargeld l\u00e4sst sich anfassen und ansehen, was eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle spielt, wie Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in seinem lesenswerten Artikel des <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/sparen\/publikation.html\" target=\"_blank\">Ausstellungskataloges<\/a> schreibt.<\/p>\n<p>Der Vorteil am Bargeld ist, dass man auch in unvorhergesehenen Momenten jederzeit eine Reserve in der Hinterhand hat. Denn gerade in Deutschland sind die technischen Voraussetzungen f\u00fcr eine unbare Zahlungsweise nicht immer gegeben. Und nicht zu vergessen: Barzahlungen bieten eine gute Kontrolle f\u00fcr die Ausgaben. Geld, das ich nicht im Portemonnaie habe, kann ich auch nicht ausgeben.<\/p>\n<p>Mitte 2017 bestand \u00fcber eine Billion Euro bei den Deutschen aus Bargeld und Sichteinlagen auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto. Dieses Verm\u00f6gen hat sich seit der Finanzkrise 2008 und der damit einhergehenden Unsicherheit mehr als verdoppelt. Ein hoher Teil dieser Ersparnisse wandert also nach wie vor in Kopfkissen und Sparstr\u00fcmpfe. So l\u00e4sst sich das Verm\u00f6gen jederzeit anfassen und ist krisensicher. Das glauben zumindest die meisten. Dabei nagt die Inflation jedes Jahr immer weiter daran &#8211; ohne dass ein Ausgleich stattfindet.<\/p>\n<p>Gold spielt bei uns Deutschen ebenfalls eine gro\u00dfe Rolle. Auch das l\u00e4sst sich anfassen, im Garten vergraben oder sogar in den eigenen vier W\u00e4nden einmauern. Au\u00dferdem ist es so gesch\u00fctzt vor Politikern, der kriselnden EU oder den schwankenden Aktienm\u00e4rkten.<\/p>\n<p>Ein St\u00fcck weit h\u00e4ngt diese Einstellung auch mit den Erlebnissen aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und dem geteilten Deutschland zusammen. Das gilt als die Grundlage der sogenannten &#8222;German Angst&#8220;. Seitdem wird sie von Generation zu Generation \u00fcber die Erziehung weitergegeben. Selbst die J\u00fcngeren bezahlen viel lieber bar als mit dem Smartphone oder kontaktlos mit der Kreditkarte.<\/p>\n<h3>Zeiten \u00e4ndern sich<\/h3>\n<p>Doch langsam l\u00e4sst sich ein Wandel erkennen. Die Generation der Menschen, die die harte Zeit nach dem Krieg miterlebt haben und dieses Sparstrumpfverhalten mitgepr\u00e4gt hat, stirbt langsam aus. Die j\u00fcngeren Generationen werden mit der modernen Technik gro\u00df, haben mehr Vertrauen in die Entwicklungen und probieren mehr aus. \u00dcberzeugt man sie von den Vorteilen digitaler Zahlungsm\u00f6glichkeiten, werden sie sich auch daran wagen und diese vermehrt nutzen. So werden die Vorurteile langfristig abgebaut und das bargeldlose Zahlen wird sich weiter verbreiten.<\/p>\n<p>Erste Tendenzen lassen sich bereits erkennen: Die Zahl der Aktion\u00e4re ist in diesem Jahr auf 10,1 Millionen angestiegen. Jeder sechste Deutsche ist so an b\u00f6rsennotierten Unternehmen beteiligt. Damit liegt die Zahl der Anleger wieder auf dem gleichen Stand wie 2007 vor der Finanzkrise.<\/p>\n<p>Auch meine Freundin hat sich jahrelang geweigert mit der Karte zu bezahlen oder gar Online-Banking zu betreiben. Der Hauptgrund war die Angst, etwas falsch zu machen oder Opfer eines Datendiebstahls zu werden. Erst nachdem sie die Vorteile erkannte und die Vorurteile nicht haltbar waren, wurden die digitalen M\u00f6glichkeiten genutzt. Und jetzt zahlt sie sogar h\u00e4ufiger kontaktlos als ich. Auch den Schokoriegel f\u00fcr einen Euro. Zeiten \u00e4ndern sich.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 5px;\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Profilbild_Finanzrocker.jpeg\" width=\"140\" \/><\/td>\n<td><\/td>\n<td bgcolor=\"#3d9b35\">\n<h4 style=\"color: #ffffff; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Daniel Korth<\/h4>\n<p style=\"color: #ffffff; padding: 0px 10px 5px 10px;\">Daniel Korth schreibt seit 2015 in seinem preisgekr\u00f6nten <a style=\"color: white;\" href=\"https:\/\/finanzrocker.net\/\" target=\"_blank\">Finanzrocker-Blog<\/a> \u00fcber Finanzen, Geldanlage und Verm\u00f6gensaufbau. Seinen Finanzrocker-Podcast h\u00f6ren \u00fcber 90.000 Menschen im Monat. Zusammen mit dem Finanzwesir Albert Warnecke versucht er im Podcast \u201eDer Finanzwesir rockt\u201c die Finanzbildung in deutschen Wohnzimmern salonf\u00e4hig zu machen.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Sparstrumpfnation: Warum das Bargeld in Deutschland noch so wichtig ist<span><\/h2>\n<p>Daniel Korth vom Finanzrocker-Blog schreibt im Rahmen der Ausstellung &#8222;Sparen \u2013 Geschichte einer deutschen Tugend&#8220; \u00fcber seine Sicht auf das Verhalten der Deutschen zum Bargeld.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1852,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[701],"tags":[1405,885,1389,857,1340],"class_list":["post-1851","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne","tag-bargeld","tag-geld","tag-geldanlage","tag-kolumne","tag-sparen"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1851"}],"version-history":[{"count":3,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1851\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1859,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1851\/revisions\/1859"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1852"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}