
{"id":2178,"date":"2018-07-17T11:57:45","date_gmt":"2018-07-17T09:57:45","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=2178"},"modified":"2018-07-20T14:03:14","modified_gmt":"2018-07-20T12:03:14","slug":"inside-dhm-ein-schoener-ruecken-provenienzforschung-im-deutschen-historischen-museum","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2018\/07\/17\/inside-dhm-ein-schoener-ruecken-provenienzforschung-im-deutschen-historischen-museum\/","title":{"rendered":"Inside DHM: \u201eEin sch\u00f6ner R\u00fccken\u2026\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>\u201eEin sch\u00f6ner R\u00fccken\u2026\u201c &#8211; Provenienzforschung im Deutschen Historischen Museum<\/h1>\n<p><strong>Im Juli startet das Deutsche Historische Museum eine gro\u00df angelegte Aktion: Die Dokumentation von Gem\u00e4lder\u00fcckseiten in der Dauerausstellung. W\u00e4hrend Anfang dieses Jahres bereits rund 220 Gem\u00e4lde im Depot untersucht wurden, findet die kommende Untersuchung nun bei laufendem Ausstellungsbetrieb statt. Dr. Heike Krokowski, Provenienzforscherin am Deutschen Historischen Museum, beschreibt die aufwendigen Schritte, um einzelne Teile eines gro\u00dfen Puzzles zu finden, sie zu einem Ganzen zusammenzusetzen und schlie\u00dflich die Herkunft eines Objektes kl\u00e4ren zu k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Seit November 2017 \u00fcberpr\u00fcft das Deutsche Historische Museum, ob sich in einem Teil seiner <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/de\/sammlung-forschung\/sammlungen00\/kunst.html\" target=\"_blank\">Gem\u00e4ldesammlung<\/a> Objekte befinden, die w\u00e4hrend des <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1933-1945.html\" target=\"_blank\">Nationalsozialismus<\/a> verfolgungsbedingt entzogen worden sind. Zu dieser systematischen \u00dcberpr\u00fcfung geh\u00f6rt neben der Sichtung von Haus- und Objektakten, Datenbankabfragen und Literaturrecherchen auch die Begutachtung und Dokumentation der Gem\u00e4lder\u00fcckseiten. Denn die R\u00fcckseiten von \u00d6lbildern k\u00f6nnen entscheidende Hinweise darauf geben, wann sich das jeweilige Bild wo befunden und auch, wem es einmal geh\u00f6rt hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_2188\" style=\"width: 966px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2188\" class=\"size-large wp-image-2188\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Arbeitsfotos_2018_-12-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"956\" height=\"638\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Arbeitsfotos_2018_-12-1024x683.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Arbeitsfotos_2018_-12-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Arbeitsfotos_2018_-12-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 956px) 100vw, 956px\" \/><p id=\"caption-attachment-2188\" class=\"wp-caption-text\">Untersuchung und Dokumentation der R\u00fcckseite eines Gem\u00e4ldes. \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Etwa 480 Bilder werden im Rahmen eines vom <a href=\"https:\/\/www.kulturgutverluste.de\/Webs\/DE\/Start\/Index.html\" target=\"_blank\">Deutschen Zentrum Kulturgutverluste<\/a> in Magdeburg finanziell gef\u00f6rderten Projektes auf einen m\u00f6glichen verfolgungsbedingten Entzug beforscht. Von ihnen werden im Juli rund 250 Gem\u00e4lde w\u00e4hrend des laufenden Ausstellungsbetriebes begutachtet. Im Obergeschoss des <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/de\/ueber-uns\/die-gebaeude\/zeughaus.html\" target=\"_blank\">Zeughauses<\/a> ist f\u00fcr eine provisorische \u201eWerkstatt\u201c ein Teil der Dauerausstellung abgesperrt, in der die Gem\u00e4lde fotografiert und die dabei gefundenen Spuren dokumentiert werden. <\/p>\n<div id=\"attachment_2199\" style=\"width: 966px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2199\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Werkstatt_3-1024x678.jpg\" alt=\"\" width=\"956\" height=\"633\" class=\"size-large wp-image-2199\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Werkstatt_3-1024x678.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Werkstatt_3-300x199.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Werkstatt_3-768x509.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 956px) 100vw, 956px\" \/><p id=\"caption-attachment-2199\" class=\"wp-caption-text\">Die provisorische &#8222;Werkstatt&#8220; in der Dauerausstellung im Obergeschoss des Zeughauses. \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Bei diesen Spuren kann es sich um Aufkleber oder Beschriftungen ehemaliger <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/\" target=\"_blank\">Ausstellungen<\/a>, Verk\u00e4ufe oder Vorbesitzer handeln. Je nachdem wie aussagekr\u00e4ftig sie sind, geben sie nachfolgende Recherchewege vor: Bei einem Ausstellungsaufkleber wird \u00fcberpr\u00fcft, wann und wo die Ausstellung stattfand und ob im <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/de\/sammlung-forschung\/forschung\/publikationen.html\" target=\"_blank\">Ausstellungskatalog<\/a> ein fr\u00fcherer Besitzer angegeben wird. Namensz\u00fcge oder Stempel m\u00fcssen \u00fcberpr\u00fcft und ehemalige Eigent\u00fcmer oder Kunsth\u00e4ndler angeschrieben werden. Nicht immer werden die Begutachtung der R\u00fcckseiten und die anschlie\u00dfenden Recherchen handfeste Nachweise erbringen, aber jede einzelne Information ist ein Puzzleteil, das in das gro\u00dfe Ganze eingepasst werden kann.<\/p>\n<div id=\"attachment_2195\" style=\"width: 966px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2195\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/K1000129_2018_-05-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"956\" height=\"638\" class=\"size-large wp-image-2195\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/K1000129_2018_-05-1024x683.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/K1000129_2018_-05-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/K1000129_2018_-05-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 956px) 100vw, 956px\" \/><p id=\"caption-attachment-2195\" class=\"wp-caption-text\">Die R\u00fcckseite eines Gem\u00e4ldes mit Beschriftungen und Aufklebern. \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<h2>Unter den Augen der \u00d6ffentlichkeit<\/h2>\n<p>Ein H\u00e4ngeteam transportiert die Gem\u00e4lde zu der provisorischen \u201eWerkstatt\u201c, wo sie auf einer Staffelei abgestellt werden. Das Kunstwerk wird sodann gut ausgeleuchtet, mit der Lupe genauestens untersucht, begutachtet und fotografiert. Alle Spuren werden schriftlich festgehalten, auch abgewischte Beschriftungen, abgerissene Aufkleber oder mechanische Ver\u00e4nderungen an der Leinwand oder den Rahmen. Das kleinste Detail kann sp\u00e4ter einmal das entscheidende Puzzleteil sein, das zur Aufl\u00f6sung einer der zahlreichen Fragen rund um die <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/de\/sammlung-forschung\/forschung\/provenienzforschung.html\" target=\"_blank\">Provenienz<\/a> eines Kunstwerkes beitr\u00e4gt.<\/p>\n<div id=\"attachment_2187\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2187\" class=\"size-large wp-image-2187\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Gro\u00dfformat2-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Gro\u00dfformat2-768x1024.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Gro\u00dfformat2-225x300.jpg 225w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Gro\u00dfformat2.jpg 1944w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-2187\" class=\"wp-caption-text\">Abh\u00e4ngen eines gro\u00dfformatigen Gem\u00e4ldes f\u00fcr die Untersuchung der R\u00fcckseite. \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Bereits Anfang des Jahres 2018 fand eine solche \u201eKampagne\u201c zur Dokumentation im Gem\u00e4ldedepot des Deutschen Historischen Museums statt. Bei mehr als 220 Gem\u00e4lden wurden die Spuren auf den R\u00fcckseiten der Objekte untersucht. Eines der Kunstwerke, das dabei analysiert und fotografiert wurde, ist das Gem\u00e4lde \u201eD\u00e4monische Prozession\u201c eines holl\u00e4ndischen, anonymen K\u00fcnstlers aus dem 17. Jahrhundert. Auf seiner R\u00fcckseite fanden sich zahlreiche \u201eProvenienzmerkmale\u201c: mehrere Aufschriften mit mutma\u00dflicher K\u00fcnstlerangabe, alte Inventarnummern und Datierungen; ein Sammlungsstempel aus Siegellack und einige Verkaufsangaben. Dar\u00fcber hinaus tr\u00e4gt das auf Holz gemalte Bild auch den Stempel einer italienischen Denkmalbeh\u00f6rde, mit dem seine Ausfuhr aus Italien genehmigt wurde, und einen weiterer Stempel, der nur aus einigen Buchstaben besteht: \u201eCAM ST. LOUIS\u201c. Zusammen mit der Aufschrift \u201e121 : 66\u201c konnte dieser Stempel dem City Art Museum of St. Louis in den Vereinigten Staaten zugeordnet werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_2204\" style=\"width: 1679px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2204\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/D\u00e4monische-Prozession-Vorder-und-R\u00fcckseite.jpg\" alt=\"\" width=\"1669\" height=\"680\" class=\"size-full wp-image-2204\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/D\u00e4monische-Prozession-Vorder-und-R\u00fcckseite.jpg 1669w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/D\u00e4monische-Prozession-Vorder-und-R\u00fcckseite-300x122.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/D\u00e4monische-Prozession-Vorder-und-R\u00fcckseite-768x313.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/D\u00e4monische-Prozession-Vorder-und-R\u00fcckseite-1024x417.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1669px) 100vw, 1669px\" \/><p id=\"caption-attachment-2204\" class=\"wp-caption-text\">D\u00e4monische Prozession, fl\u00e4misch, um 1650. Vorder- und R\u00fcckseite des Gem\u00e4ldes mitsamt aller Beschriftungen und Aufkleber. \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Das Saint Louis Art Museum, wie die Institution heute hei\u00dft, best\u00e4tigte auf unsere Nachfrage, dass es das Gem\u00e4lde im Jahr 1966 angekauft und sich etwa 20 Jahre sp\u00e4ter im Zuge einer Sammlungsbereinigung wieder von ihm getrennt habe. Im M\u00e4rz 1987 gab das Museum das Gem\u00e4lde bei Christie\u2019s in New York in den Verkauf. Damit konnte nachvollzogen werden, wieso sich das Kunstwerk, obwohl es den Inventarstempel eines nordamerikanischen Museums tr\u00e4gt, heute bei uns im Deutschen Historischen Museum befindet.<\/p>\n<p>Alle weiteren Provenienzspuren auf dem Gem\u00e4lde \u201eD\u00e4monische Prozession\u201c harren hingegen noch der Aufl\u00f6sung. Besonders spannend ist die Frage, ob eine der zahlreichen Aufschriften auch einen R\u00fcckschluss auf den Verbleib des Gem\u00e4ldes zwischen 1933 und 1945 zul\u00e4sst. Denn die Kl\u00e4rung der Provenienz dieser fast 480 Gem\u00e4lde ist letztlich das Ziel unserer ganz und gar nicht allt\u00e4glichen Aktion in der <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung.html\" target=\"_blank\">Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>\u201eEin sch\u00f6ner R\u00fccken\u2026\u201c &#8211; Provenienzforschung im Deutschen Historischen Museum<span><\/h2>\n<p>Im Juli startet das Deutsche Historische Museum eine gro\u00df angelegte Aktion: Die Dokumentation von Gem\u00e4lder\u00fcckseiten in der Dauerausstellung. W\u00e4hrend Anfang dieses Jahres bereits rund 220 Gem\u00e4lde im Depot untersucht wurden, findet die kommende Untersuchung nun bei laufendem Ausstellungsbetrieb statt. Dr. Heike Krokowski, Provenienzforscherin am Deutschen Historischen Museum, beschreibt die aufwendigen Schritte, um einzelne Teile eines gro\u00dfen Puzzles zu finden, sie zu einem Ganzen zusammenzusetzen und schlie\u00dflich die Herkunft eines Objektes kl\u00e4ren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2181,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[81,1534,1183,1460,199,1536],"class_list":["post-2178","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-inside-dhm","tag-dauerausstellung","tag-gemaelde","tag-provenienz","tag-provenienzforschung","tag-sammlung","tag-zeughaus"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2178"}],"version-history":[{"count":12,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2178\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2405,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2178\/revisions\/2405"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2181"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}