
{"id":230,"date":"2016-11-17T09:29:40","date_gmt":"2016-11-17T08:29:40","guid":{"rendered":"http:\/\/dhm.web11.server10.lombego.de\/?p=230"},"modified":"2016-12-09T16:25:44","modified_gmt":"2016-12-09T15:25:44","slug":"die-forschungsreisen-von-humboldt","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2016\/11\/17\/die-forschungsreisen-von-humboldt\/","title":{"rendered":"Die Forschungsreisen von Humboldt"},"content":{"rendered":"<div class=\"title-block\">\n<h1 class=\"fs28\">ALEXANDER VON HUMBOLDT UND DIE BESTEIGUNG DES CHIMBORAZO<\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"body-text fs12\">\n<p><b>Nach Jahren akribischer Vorbereitung reiste Alexander von Humboldt 1799 nach S\u00fcdamerika. Bis heute z\u00e4hlt seine amerikanische Reise zu den ber\u00fchmtesten Expeditionen der Menschheitsgeschichte. Dabei erwies sich von Humboldts Wissensdurst als so gro\u00df, dass er und seine Begleiter immer wieder in Lebensgefahr gerieten. So etwa im Fr\u00fchsommer 1802, als der Wissenschaftler zu einer waghalsigen Mission aufbrach: der Erstbesteigung des nach damaliger Kenntnis h\u00f6chsten Gipfels der Erde.<\/b><\/p>\n<p>Im matten Licht der \u00d6llampe hebt Alexander von Humboldt den Blick aus seinem Tagebuch. W\u00e4hrend er die Erlebnisse der letzten Tage trotz K\u00e4lte und Dunkelheit zu Papier bringt, schlafen seine Kompagnons Bonpland und Mont\u00fafar an der Feuerstelle. Wenige Meter entfernt sitzen die einheimischen Tr\u00e4ger und fl\u00fcstern, hinter ihnen die laut atmenden Lastentiere. Humboldt befreit sich aus der dicken Wolldecke, streckt seine Rechte in einer Vorahnung in den pechschwarzen Himmel und merkt, wie seine Hand sich langsam mit feinen Schneeflocken bedeckt. Einen Moment glaubt er aus dem Inneren des Chimborazo ein tiefes Grollen zu h\u00f6ren, verbannt seine Vermutung dann aber doch ins Reich der Einbildungen. Morgen m\u00f6chte von Humboldt es wagen: Den m\u00e4chtigen Andengipfel zu besteigen, als erster Mensch der Welt.<\/p>\n<h2>FORSCHUNGSMARATHON IN DER NEUEN WELT<\/h2>\n<p>Es ist der <a class=\"textlink internal\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1789-1871.html\" target=\"_blank\">Sommer 1802<\/a>. Drei Jahre schon w\u00e4hrt die Reise, die die beiden Naturforscher Alexander von Humboldt und Aim\u00e9 Bonpland \u00fcber den Ozean und durch weite Teile S\u00fcdamerikas gef\u00fchrt hat. Sie haben mehr als 50 moderne Instrumente wie Fernrohre, Barometer, Sextanten oder Teleskope im Gep\u00e4ck \u2013 und einen wahren Forschungsmarathon hinter sich. Die Verbindung zwischen den Fl\u00fcssen Orinoco und Amazonas: bewiesen. Die Pflanzen- und Tierwelt der Tropenw\u00e4lder: erforscht. Die Silber- und Goldminen Kolumbiens: inspiziert. Vor allem Bonpland, dieser furchtlose Franzose, ist im Laufe der Reise mehr als einmal nur knapp dem Tod entkommen.<\/p>\n<p>Nun k\u00e4mpfen sie sich die Flanke des m\u00e4chtigen Chimborazo hinauf. Trotz widriger Umst\u00e4nde haben die forschenden Abenteurer ein wichtiges Zwischenziel erreicht \u2013 die Schneefallgrenze. Hier machen sie halt, bevor sie am Folgetag den Gipfel des sagenumwobenen Berges anvisieren. Seine Besteigung soll den H\u00f6hepunkt ihrer aktuellen Mission darstellen \u2013 der Erforschung der Allee der Vulkane, einer Reihe von mehr als 20 feuerspeienden Bergen inmitten des beeindruckenden Andengebirges.<\/p>\n<h2>HUMBOLDT UND SEINE BEGLEITER WAGEN DEN RISKANTEN AUFSTIEG<\/h2>\n<p>Als Humboldt am Morgen des 23. Juni 1802 als erster erwacht, ist das Feuer beinahe erloschen, das Lager eingeschneit. Der Naturwissenschaftler will keine Zeit verlieren, weckt seine Begleiter und mahnt zu baldigem Aufbruch. Bonpland und der erst 21-j\u00e4hrige Carlos de Mont\u00fafar, der sich dem deutsch-franz\u00f6sischen Duo in Quito angeschlossen hatte, sind alsbald bereit. Die Einheimischen jedoch weigern sich standhaft, weiter voranzuschreiten. Sollen diese verr\u00fcckten Europ\u00e4er doch alleine sterben \u2013 mit ihnen jedenfalls sei dieses wahnsinnige Unternehmen nicht zu machen, so der unmissverst\u00e4ndliche Tenor. Schlie\u00dflich wagen Humboldt und seine beiden Begleiter den gef\u00e4hrlichen Aufstieg zu dritt.<\/p>\n<p>Die Bedenken der Einheimischen sind durchaus begr\u00fcndet. Nicht umsonst haben sie und ihre Vorfahren noch nie die Schneefallgrenze \u00fcberschritten. Die Indios wissen: Weiter oben beginnt, was Bergsteiger heute die \u201eTodeszone\u201c nennen \u2013 gef\u00e4hrlich d\u00fcnne Luft. Die Ausr\u00fcstung des Trios um Humboldt ist vollkommen mangelhaft. Ihre Stiefel sind kaputt und nass, Handschuhe fehlen. Egal, mag Humboldt denken, wer es so weit geschafft hat, ist durch nichts mehr aufzuhalten.<\/p>\n<h2>DIE ENTDECKER GERATEN IN LEBENSGEFAHR \u2013 HUMBOLDT ENTDECKT DIE \u201eBERGKRANKHEIT\u201c<\/h2>\n<p>So klettern sie Richtung Gipfel, w\u00e4hrend der Preu\u00dfe immer wieder H\u00f6he, Temperatur und Luftdruck misst, Gesteinsproben entnimmt, Pflanzenteile vorsichtig abtrennt und einsteckt. Je weiter sie in die H\u00f6he vordringen, desto st\u00e4rker sinken die Temperaturen, desto rarer werden die Gew\u00e4chse am Wegesrand. Als der Schneefall st\u00e4rker wird und der Nebel z\u00e4her, ermahnt Humboldt seine Begleiter, man m\u00f6ge zusammenbleiben, schaut in diesem Moment in Richtung Bonpland und sieht, wie dem Franzosen das Blut in dicken F\u00e4den aus der Nase l\u00e4uft. Er h\u00e4lt das zun\u00e4chst f\u00fcr nur m\u00e4\u00dfig beunruhigend, bis er sieht, dass auch Mont\u00fafar im gesamten Gesicht blutet, ja sich pl\u00f6tzlich sogar ohne Vorwarnung \u00fcbergibt. Als wenige Augenblicke sp\u00e4ter auch Humboldt selbst von Schwindel, \u00dcbelkeit und Nasenbluten befallen wird, ist er sicher: Dies kann kein Zufall sein. Die drei m\u00fcssen an einer bisher unbekannten Krankheit leiden \u2013 der \u201eBergkrankheit\u201c, wie er sie sp\u00e4ter nennen wird.<\/p>\n<p>Die benommenen Abenteurer irren weiter, bis nur noch \u201edie dreimalige H\u00f6he der Peterskirche zu Rom\u201c \u2013 so wird es Humboldt sp\u00e4ter notieren \u2013 sie vom Gipfel trennt. Da sto\u00dfen die M\u00e4nner, mehr irrend als laufend, auf eine un\u00fcberbr\u00fcckbare Spalte, die sie zur Umkehr zwingt \u2013 und sich letztlich als ihre Rettung erweist: Noch w\u00e4hrend ihres Abstiegs setzt ein selten starker Schneefall ein, der sie jegliche Orientierung verlieren l\u00e4sst. Planlos stolpern sie herunter, da taumeln sie, der Zufall will es so, in die Arme ihrer einheimischen Tr\u00e4ger. Trotz des Unwetters haben die Indios an der Schneefallgrenze ausgeharrt \u2013 und bringen die ersch\u00f6pften Entdecker nun schnellstm\u00f6glich ins Tal zur\u00fcck. W\u00e4ren Humboldt, Bonpland und Mont\u00fafar weiter Richtung Gipfel geklommen \u2013 es h\u00e4tte wom\u00f6glich ihr Ende bedeutet.<\/p>\n<h2>HUMBOLDT UND DER CHIMBORAZO: EIN ZWIESP\u00c4LTIGES VERH\u00c4LTNIS<\/h2>\n<p>Humboldts gro\u00dfer Traum, die Erstbesteigung des Chimborazo, war fehlgeschlagen. Dennoch war das waghalsige Abenteuer keineswegs vergeblich gewesen: Schon bald nach der Strapaze sollte Alexander von Humboldt in seinem Tagebuch als erster Mensch die H\u00f6henkrankheit beschreiben \u2013 und seinem bemerkenswerten Reigen an Entdeckungen eine weitere hinzuf\u00fcgen. Humboldts Verh\u00e4ltnis zum Chimborazo hingegen blieb zwiesp\u00e4ltig: Die knapp verpasste Bezwingung des Vulkans wurmte ihn derart, dass er seine Leistungen am Berg als unbedeutend darstellte und in einem ironischen Essay herunterspielte. Als Humboldt sich jedoch <a class=\"textlink internal\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/bestand\/objekt\/leichenfeier-fuer-alexander-von-humboldt-1859.html\" target=\"_blank\">kurz vor seinem Tode<\/a> im Jahr 1859 noch einmal malen lie\u00df, konnte es nur eine Kulisse f\u00fcr das Gem\u00e4lde geben: den m\u00e4chtigen Chimborazo. Die Erstbesteigung erlebte Humboldt indes nicht mehr. Sie gelang dem Briten Edward Whymper erst 1880 \u2013 78 Jahre nachdem eine Felsspalte Humboldt und seinen Begleitern das Leben gerettet hatte.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ALEXANDER VON HUMBOLDT UND DIE BESTEIGUNG DES CHIMBORAZO Nach Jahren akribischer Vorbereitung reiste Alexander von Humboldt 1799 nach S\u00fcdamerika. 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