
{"id":234,"date":"2016-11-10T09:28:20","date_gmt":"2016-11-10T08:28:20","guid":{"rendered":"http:\/\/dhm.web11.server10.lombego.de\/?p=234"},"modified":"2021-12-21T10:20:06","modified_gmt":"2021-12-21T09:20:06","slug":"werbung-in-zeiten-des-wirtschafts-wunders","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2016\/11\/10\/werbung-in-zeiten-des-wirtschafts-wunders\/","title":{"rendered":"Werbung in Zeiten des Wirtschafts-wunders"},"content":{"rendered":"<div class=\"title-block\">\n<h1 class=\"fs28\">WERBUNG IN ZEITEN DES WIRTSCHAFTSWUNDERS<\/h1>\n<\/div>\n<p><b>Schon im Deutschland der <a class=\"textlink internal\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1918-1933.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zwanzigerjahre<\/a> war Reklame weit verbreitet. W\u00e4hrend des Wirtschaftswunders hielt sie dank eines neuen Mediums auch Einzug in die heimischen Wohnzimmer: Am 3. November 1956 wurde der erste TV-Werbespot im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Heute sind die Spots spannende historische Dokumente \u2013 die uns viel \u00fcber die Stereotype und Rollenbilder der jungen Bonner Republik verraten.<\/b><\/p>\n<p>Elf Jahre nach <a class=\"textlink internal\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1945-1949.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kriegsende<\/a> geht es den Westdeutschen gut wie wahrscheinlich nie zuvor. Die Wirtschaft brummt, die L\u00f6hne steigen, die Vorratskammern und K\u00fchlschr\u00e4nke sind nach Jahren der Entbehrung wieder voll. Die Schrecken der <a class=\"textlink internal\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1933-1945.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Naziherrschaft<\/a> sind in weite Ferne ger\u00fcckt und werden in der \u00d6ffentlichkeit ohnehin kaum thematisiert. Kurzum: Mit dem \u201eWirtschaftswunder\u201c halten Wohlstand und Sorglosigkeit Einzug in <a class=\"textlink internal\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1949-1994.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die junge Bundesrepublik<\/a>. Begleiter der vermeintlich sch\u00f6nen, heilen Nachkriegswelt ist eine neue Konsumwelle. Die Bundesb\u00fcrger lassen es sich gut gehen \u2013 und investieren ihre frischen DM-Scheine in Konsumg\u00fcter, Haushaltsartikel und Autos.<\/p>\n<h2>DIE WERBEWIRTSCHAFT ENTDECKT DAS FERNSEHEN<\/h2>\n<p>Dieser Kaufrausch ruft die neu formierte Werbewirtschaft auf den Plan. Sie m\u00f6chte die Deutschen in Zukunft noch st\u00e4rker f\u00fcr die Vorz\u00fcge neuer Waren begeistern \u2013 und die Konsumwelle weiter wachsen lassen. Um dies zu erreichen, machen sich die Werbeschaffenden den Aufstieg eines neuen Mediums zunutze, das den Deutschen die sch\u00f6nen Produkte schon bald bis ins eigene Wohnzimmer bringen soll. Am 3. November 1956 ist es soweit: Im Bayerischen Rundfunk l\u00e4uft der erste Werbespot im Deutschen Fernsehen \u2013 ein 55-sek\u00fcndiger Kurzfilm der Waschmittelmarke Persil. Sein simpler Slogan: \u201ePersil und nichts anderes!\u201c<\/p>\n<p>Die von Beppo Brem und Liesl Karlstadt gespielten Eheleute verk\u00f6rpern anschaulich die Sorglosigkeit der jungen Bonner Republik. Dank des Aufschwungs kann das Durchschnittsehepaar im feinen Restaurant speisen, Probleme sind in seinem Leben h\u00f6chstens trivialer Natur. Als ein Fleck auf der Tischdecke die Harmonie tr\u00fcbt, erscheint Persil als Retter \u2013 und macht das Ehegl\u00fcck schnell wieder perfekt.<\/p>\n<div id=\"Some-Embed-b3c05609-df81-4e6b-bb69-5bb7b7efdd7b\" class=\"some-embed\" data-embed-src=\"https:\/\/youtu.be\/s2iVRi0_EDg\" data-embed-host=\"\" data-channel-name=\"\">\n  <div class=\"some-embed__iframe \" aria-hidden=\"true\"><\/div>\n  <div class=\"spinner spinner--is-inactive\" aria-hidden=\"true\">\n    <div class=\"double-bounce1\"><\/div>\n    <div class=\"double-bounce2\"><\/div>\n  <\/div>\n  <button class=\"some-embed__button has-background has-text-color\"><svg class=\"svg__hand\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 58 87\" width=\"60\" height=\"90\" role=\"img\" focusable=\"false\"><g fill=\"#000\" fill-rule=\"nonzero\"><path d=\"M51.673 41.034h-.425c-.939 0-1.83.207-2.63.577-.607-2.833-3.13-4.964-6.142-4.964h-.426a6.241 6.241 0 00-2.975.75 6.292 6.292 0 00-5.798-3.862h-.425c-.885 0-1.726.184-2.49.514v-9.018a6.289 6.289 0 00-6.283-6.281h-.425a6.289 6.289 0 00-6.281 6.281v23.101l-2.864 2.174a10.392 10.392 0 00-4.066 7.085 10.386 10.386 0 002.254 7.846l8.93 11.04v4.39a4.816 4.816 0 004.811 4.811h22.289a4.816 4.816 0 004.81-4.81l.001-4.169a20.262 20.262 0 004.416-12.604V47.316a6.287 6.287 0 00-6.28-6.282zm2.49 22.862c0 3.907-1.406 7.704-3.96 10.69-.296.344-.456.78-.456 1.233v4.85a1.02 1.02 0 01-1.02 1.02H26.44a1.02 1.02 0 01-1.02-1.02v-5.062c0-.434-.148-.854-.421-1.193l-9.352-11.56a6.628 6.628 0 01-1.439-5.008 6.64 6.64 0 012.594-4.52l.572-.434v5.25a1.896 1.896 0 003.791 0v-9.049-24.061a2.494 2.494 0 012.49-2.49h.426a2.494 2.494 0 012.491 2.49V39.819l.009 12.298a1.895 1.895 0 103.79-.002l-.01-12.288.002-.01a2.494 2.494 0 012.49-2.49h.425a2.494 2.494 0 012.492 2.49V42.932l.008 9.186c.001 1.046.85 1.893 1.896 1.893h.001c1.047 0 1.895-.85 1.894-1.897l-.009-9.184a2.494 2.494 0 012.491-2.49h.426a2.494 2.494 0 012.49 2.49v3.893c-.006.062-.019.123-.019.186l.01 5.11a1.895 1.895 0 001.895 1.892h.004a1.896 1.896 0 001.891-1.9l-.008-4.62c.006-.058.018-.114.018-.174a2.494 2.494 0 012.49-2.49h.426a2.494 2.494 0 012.49 2.49v16.579z\"\/><path d=\"M12.794 32.102a1.894 1.894 0 01-1.611-.894 14.567 14.567 0 01-2.198-7.706c0-8.05 6.55-14.6 14.6-14.6 8.052 0 14.601 6.55 14.601 14.6 0 1.406-.2 2.796-.593 4.133a1.895 1.895 0 11-3.637-1.07c.291-.99.44-2.02.44-3.062 0-5.96-4.85-10.81-10.81-10.81-5.961 0-10.81 4.85-10.81 10.81 0 2.024.562 3.996 1.624 5.703a1.895 1.895 0 01-1.606 2.896z\"\/><path d=\"M11.608 43.16c-.365 0-.734-.105-1.06-.325A23.307 23.307 0 01.269 23.5C.27 10.645 10.73.185 23.586.185c12.856 0 23.316 10.46 23.316 23.316 0 2.941-.54 5.81-1.608 8.526a1.895 1.895 0 11-3.528-1.387 19.445 19.445 0 001.345-7.139c0-10.766-8.758-19.525-19.525-19.525C12.82 3.976 4.06 12.736 4.06 23.5a19.52 19.52 0 008.61 16.192 1.895 1.895 0 01-1.062 3.467z\"\/><\/g><\/svg><span class=\"some-embed__header\">\n        <span class=\"some-embed__host-svg\"><\/span>\n        <span class=\"some-embed__heading\"> von <\/span>\n      <\/span>\n    <span class=\"some-embed__description\">Dieser - wird nach Ihrem Klick vom -Server abgerufen und hier eingebettet angezeigt. <br\/>Es gelten die Datenschutzhinweise von .<\/span>\n  <\/button>\n  <a class=\"some-embed__link icon-triangle-right\" href=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span>Zu den Datenschutzhinweisen von <\/span><\/a>\n<\/div>\n<h2>SPOTS SPIEGELN DAS FRAUENBILD<\/h2>\n<p>An der Vorstellung von Ehegl\u00fcck arbeiteten sich in den F\u00fcnfzigerjahren viele Werbespots ab. Zeitgen\u00f6ssische Vorstellungen des ehelichen Zusammenlebens und der Rolle der Frau vermittelten etwa die Clips der Marke Frauengold. Als vermeintlich Wunder bewirkendes St\u00e4rkungsmittel f\u00fcr die Hausfrau 1953 auf den Markt gebracht, spiegelt das Produkt in seinen Spots das patriarchalische Gesellschaftsbild der Zeit. Der Tenor: Auseinandersetzungen mit dem Chef oder dem Ehemann sollte die Hausfrau in jedem Falle meiden. In Konfliktsituationen lieber einen kr\u00e4ftigen Schluck Frauengold nehmen \u2013 und den Mann in seiner dominanten Rolle best\u00e4tigen. Der Grund f\u00fcr die beruhigende Wirkung von Frauengold lag dabei weniger in der speziellen Geheimrezeptur als vielmehr in den 16 Volumen-Prozent Alkohol. Diese sollten offenbar vergessen machen, dass die Frau in der jungen Bundesrepublik f\u00fcr gew\u00f6hnlich nur wenig zu sagen hatte.<\/p>\n<ul class=\"some-emded__error-list\"><li class=\"some-emded__error\">Die URL '4ZxcKjzDxks' ist nicht valide!<\/li><\/ul>\n<h2>HEIMATFILME EN MINIATURE<\/h2>\n<p>Die Gesellschaft der F\u00fcnfzigerjahre strebte nach Ruhe, Sicherheit und Wohlstand. Die schreckensreichen Kriegsjahre wollte sie dabei m\u00f6glichst weit hinter sich lassen. Diese Entwicklung spiegelte sich im Erfolg von Heimatfilmen, die eine von Problemen befreite, auf naive Weise intakte Welt darstellten. Die Werbung blieb davon nicht unber\u00fchrt: Die Spots der Lebensmittelmarke B\u00e4renmarke waren Heimatfilme en miniature. Sie befriedigten die deutsche Sehnsucht nach harmonischem Landleben und makellosen Alpenkulissen. Gleichzeitig brachten sie eine der ersten Werbefiguren hervor, die bis heute bekannt sind: den kleinen B\u00e4ren, der \u201edie gute B\u00e4renmarke bringt.\u201c<\/p>\n<ul class=\"some-emded__error-list\"><li class=\"some-emded__error\">Die URL '4ZxcKjzDxks' ist nicht valide!<\/li><\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>WERBEFIGUREN SCHAFFEN IDENTIFIKATION<\/h2>\n<p>Der Vorteil von Werbefiguren lag auf der Hand: Sie verschafften den Produkten einen Wiedererkennungswert und steigerten die Popularit\u00e4t der Marken. Meister Proper, der Haribo Goldb\u00e4r oder Frau Antje sollten dies vor allem ab den Sechzigerjahren unter Beweis stellen. Eine andere, bereits in den F\u00fcnfzigern erfundene Figur genie\u00dft in Deutschland bis heute Kultstatus. Dabei steht sie f\u00fcr ein Produkt, das bereits seit 1974 nicht mehr im deutschen Fernsehen beworben werden darf \u2013 damals jedoch weitgehend unkritisch konsumiert wurde:<\/p>\n<ul class=\"some-emded__error-list\"><li class=\"some-emded__error\">Die URL '4ZxcKjzDxks' ist nicht valide!<\/li><\/ul>\n<h2>HB-M\u00c4NNCHEN BEKANNTER ALS BUNDESKANZLER<\/h2>\n<p>Das HB-M\u00e4nnchen Bruno war in den Sechzigerjahren 96 Prozent der Bundesb\u00fcrger ein Begriff \u2013 und \u00fcberstieg damit den Bekanntheitsgrad des Bundeskanzlers. Die Wendung \u201eWer wird denn gleich in die Luft gehen?\u201c fand gar ihren Weg in die Alltagssprache. Die Werbung hatte damit bereits im Jahrzehnt nach ihrem TV-Gang ein wichtiges Ziel erreicht: Produkte zu platzieren, mit denen sich der Verbraucher maximal identifizieren konnte. Das funktionierte nur, weil sich die Werbung in jeder Hinsicht am Zeitgeist orientierte \u2013 und dessen Rollenbilder tausendfach reproduzierte. In dieser Hinsicht hat sich in der Werbung bis heute nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WERBUNG IN ZEITEN DES WIRTSCHAFTSWUNDERS Schon im Deutschland der Zwanzigerjahre war Reklame weit verbreitet. W\u00e4hrend des Wirtschaftswunders hielt sie dank eines neuen Mediums auch Einzug in die heimischen Wohnzimmer: Am 3. November 1956 wurde der erste TV-Werbespot im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. 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