
{"id":2406,"date":"2018-09-18T16:17:11","date_gmt":"2018-09-18T14:17:11","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=2406"},"modified":"2018-09-25T13:48:30","modified_gmt":"2018-09-25T11:48:30","slug":"inside-dhm-einem-namen-auf-der-spur","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2018\/09\/18\/inside-dhm-einem-namen-auf-der-spur\/","title":{"rendered":"Inside DHM: Einem Namen auf der Spur"},"content":{"rendered":"<h1>Einem Namen auf der Spur<\/h1>\n<p><strong>In der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums ist derzeit die Intervention &#8222;<a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/rueckansicht.html\" target=\"_blank\">R\u00dcCKANSICHT. Die verborgene Geschichte eines Gem\u00e4ldes von Adolph Menzel<\/a>&#8220; zu sehen. Gegenstand der von den Volont\u00e4r*innen Susan Gei\u00dfler, Darja Jesse und Tobias Schlage ersten eigenst\u00e4ndig konzipierten Ausstellung ist die R\u00fcckseite des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220; von Adolph Menzel. Auf dieser befinden sich Schriftz\u00fcge und Etiketten, die bei einer detektivischen Recherche Auskunft \u00fcber Besitzer und Herkunft des Gem\u00e4ldes gaben, wie Tobias Schlage in seinem Beitrag deutlich macht.<\/strong><\/p>\n<p>Bereits im Sommer 2017 begannen wir Volont\u00e4r*innen mit der Themenfindung f\u00fcr unsere Intervention, wobei uns die komplexe Herkunftsgeschichte des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220; von Adolph Menzel (1815\u20131905) besonders spannend und bewegend erschien. Bevor das Kunstwerk 2001 an das Deutsche Historische Museum kam, erregte es gro\u00dfes \u00f6ffentliches Interesse. Es war das erste Kunstwerk eines Berliner Museums, welches nach Verabschiedung der &#8222;Washingtoner Erkl\u00e4rung&#8220; von 1998 aus deutschem Bundesbesitz an die rechtm\u00e4\u00dfigen Erben restituiert wurde. In der Zeit des Nationalsozialismus musste es unter Druck verkauft werden.<\/p>\n<p>Doch wie und woran l\u00e4sst sich die Provenienz, also die Herkunft eines Kunstwerkes kl\u00e4ren? Wo beginnt die Suche nach Fakten? Verbirgt das Gem\u00e4lde selbst Informationen? Gibt es Hinweise zu einstigen Besitzern oder vielleicht auch Leerstellen?<\/p>\n<div id=\"attachment_2423\" style=\"width: 670px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2423\" class=\"size-full wp-image-2423\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1-2-Borussia-Adolph-Menzel.jpg\" alt=\"R\u00fcck- und Vorderseite des Gem\u00e4ldes &quot;Borussia&quot;, Adolph Menzel, 1868, \u00d6l auf Leinwand, Berlin \u00a9 Deutsches Historisches Museum\" width=\"660\" height=\"516\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1-2-Borussia-Adolph-Menzel.jpg 660w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1-2-Borussia-Adolph-Menzel-300x235.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><p id=\"caption-attachment-2423\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcck- und Vorderseite des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220;, Adolph Menzel, 1868, \u00d6l auf Leinwand, Berlin \u00a9 Deutsches Historisches Museum<\/p><\/div>\n<p>Gem\u00e4lder\u00fcckseiten sind h\u00e4ufig der Schl\u00fcssel zur Provenienz, doch sind sie selten in Ausstellungen zu sehen. In unserer Intervention hingegen steht die R\u00fcckansicht der\u00a0&#8222;Borussia&#8220; mit all ihren r\u00e4tselhaften Zahlen, Etiketten und Namen im Mittelpunkt. Um die unbekannte Herkunftsgeschichte des Gem\u00e4ldes auch der \u00d6ffentlichkeit m\u00f6glichst l\u00fcckenlos zu pr\u00e4sentieren, mussten diese vielen Aufschriften genauestens inspiziert und deren Bewandtnis hinterfragt werden. Der Name &#8222;Mendelsohn&#8220; findet sich gleich dreifach auf der Gem\u00e4lder\u00fcckseite. Da ich mich fragte, wer die Mendelssohns wohl waren, versuchte ich, mehr \u00fcber diese Familie zu erfahren.<\/p>\n<div id=\"attachment_2414\" style=\"width: 487px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2414\" class=\"size-full wp-image-2414\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Mendelssohn.jpg\" alt=\"R\u00fcckseite des Gem\u00e4ldes &quot;Borussia&quot; mit dem Schriftzug Mendelsohn, Adolph Menzel, Borussia, 1868, \u00d6l auf Leinwand, Berlin @ Deutsches Historisches Museum\" width=\"477\" height=\"721\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Mendelssohn.jpg 477w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Mendelssohn-198x300.jpg 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><p id=\"caption-attachment-2414\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220; mit dem Schriftzug &#8222;Mendelsohn&#8220;, Adolph Menzel, Borussia, 1868, \u00d6l auf Leinwand, Berlin @ Deutsches Historisches Museum<\/p><\/div>\n<h3>Zeitgen\u00f6ssische Presseartikel als erster Anhaltspunkt<\/h3>\n<p>Infolge einer Hungersnot in Ostpreu\u00dfen entstand das Gem\u00e4lde\u00a0&#8222;Borussia&#8220; 1868 f\u00fcr einen Wohlt\u00e4tigkeitsbasar im Berliner Schloss, wovon zeitgen\u00f6ssische Presseartikel berichteten. Demnach wurde die\u00a0&#8222;Borussia&#8220; dort von &#8222;Herr(n) Geheimrath Mendelssohn&#8220; gekauft. Ferner geh\u00f6rte seine Ehefrau, &#8222;Geheimr\u00e4thin Alex. Mendelssohn&#8220;, zum Organisationskomitee des Basars. Weitere Hinweise zur Familie Mendelssohn lieferten mir Ausstellungskataloge und Literatur zu Adolph Menzel.<\/p>\n<p>Alexander Mendelssohn (1798\u20131871), Spross einer der bekanntesten j\u00fcdischen Familien Berlins, war 1848 Seniorchef in der von seinen Vorfahren Ende des 18. Jahrhunderts gegr\u00fcndeten Privatbank &#8222;Mendelssohn &amp; Co.&#8220; geworden.<\/p>\n<div id=\"attachment_2408\" style=\"width: 487px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2408\" class=\"size-full wp-image-2408\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/4-Alexander-Mendelssohn-\u00a9-Kunstsammlungen-und-Museen-Augsburg.jpg\" alt=\"Geheimer Kommerzienrat Alexander Mendelssohn (1798\u20131871), K\u00e4ufer des Gem\u00e4ldes Borussia, Robert Jefferson Bingham (1824\/1825\u20131870), Paris, um 1860\/1865, Albuminpapier, Karton, Berlin \u00a9 Privatbesitz\" width=\"477\" height=\"750\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/4-Alexander-Mendelssohn-\u00a9-Kunstsammlungen-und-Museen-Augsburg.jpg 477w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/4-Alexander-Mendelssohn-\u00a9-Kunstsammlungen-und-Museen-Augsburg-191x300.jpg 191w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><p id=\"caption-attachment-2408\" class=\"wp-caption-text\">Geheimer Kommerzienrat Alexander Mendelssohn (1798\u20131871), K\u00e4ufer des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220;, Robert Jefferson Bingham (1824\/1825\u20131870), Paris, um 1860\/1865, Albuminpapier, Karton, Berlin \u00a9 Privatbesitz<\/p><\/div>\n<p>Sein Wohnsitz befand sich im Stammhaus des erfolgreichen Unternehmens in der J\u00e4gerstra\u00dfe 51, im Zentrum Berlins, wohin er auch die &#8222;Borussia&#8220; brachte. Neben dieser T\u00e4tigkeit war Alexander engagierter Kunstsammler, M\u00e4zen und wohlt\u00e4tiger Stifter. Wie ich aus Ausstellungskatalogen und Unterlagen im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin erfahren konnte, wurde das Gem\u00e4lde sp\u00e4ter f\u00fcr zwei Menzel-Ausstellungen entliehen. Alexanders Sohn Franz von Mendelssohn (1829\u20131889) verlieh das Kunstwerk 1885 und dessen Nachkomme Franz von Mendelssohn (1865\u20131935) zwanzig Jahre sp\u00e4ter. In den Akten fand ich zudem einen Vermerk \u00fcber den Versicherungswert f\u00fcr das Gem\u00e4lde in H\u00f6he von 15.000 Mark \u2013 ein wichtiger Beleg f\u00fcr den sp\u00e4teren Zwangsverkauf.<\/p>\n<div id=\"attachment_2412\" style=\"width: 487px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2412\" class=\"size-full wp-image-2412\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Franzvon-Medelssohn.jpg\" alt=\"Geheimer Kommerzienrat Franz von Mendelssohn d. \u00c4. (1829\u20131889), Besitzer sowie Leihgeber des Gem\u00e4ldes Borussia f\u00fcr eine Ausstellung zu Menzels 70. Geburtstag in der K\u00f6niglichen Akademie der K\u00fcnste zu Berlin, K\u00f6nigliche Hoffotografen H. Lehmann &amp; Co., Berlin, um 1865\/1870, Albuminpapier, Karton, 10,5 x 6,2 cm, Berlin \u00a9 Privatbesitz\" width=\"477\" height=\"739\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Franzvon-Medelssohn.jpg 477w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Franzvon-Medelssohn-194x300.jpg 194w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><p id=\"caption-attachment-2412\" class=\"wp-caption-text\">Geheimer Kommerzienrat Franz von Mendelssohn d. \u00c4. (1829\u20131889), Besitzer sowie Leihgeber des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220; f\u00fcr eine Ausstellung zu Menzels 70. Geburtstag in der K\u00f6niglichen Akademie der K\u00fcnste zu Berlin, K\u00f6nigliche Hoffotografen H. Lehmann &amp; Co., Berlin, um 1865\/1870, Albuminpapier, Karton, Berlin \u00a9 Privatbesitz<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_2411\" style=\"width: 487px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2411\" class=\"size-full wp-image-2411\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/FranzundMarie.jpg\" alt=\"Franz d. J. (1865\u20131935) und Marie (1867\u20131957) von Mendelssohn, Besitzer sowie Leihgeber des Gem\u00e4ldes Borussia f\u00fcr eine Retrospektive zum Tode Menzels in der K\u00f6niglichen Nationalgalerie in Berlin 1905, Fotoatelier Wilhelm Fechner, Berlin, um 1890\/1895, Albuminpapier, Karton, 16,3 x 10,5 cm, Berlin \u00a9 Privatbesitz\" width=\"477\" height=\"671\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/FranzundMarie.jpg 477w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/FranzundMarie-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><p id=\"caption-attachment-2411\" class=\"wp-caption-text\">Franz d. J. (1865\u20131935) und Marie (1867\u20131957) von Mendelssohn, Besitzer sowie Leihgeber des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220; f\u00fcr eine Retrospektive zum Tode Menzels in der K\u00f6niglichen Nationalgalerie in Berlin 1905, Fotoatelier Wilhelm Fechner, Berlin, um 1890\/1895, Albuminpapier, Karton, Berlin \u00a9 Privatbesitz<\/p><\/div>\n<p>Die 1967 von Familienangeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete Mendelssohn-Gesellschaft hat im ehemaligen Bankhaus ihren heutigen Sitz. In der dortigen Dauerausstellung erinnern verschiedenste Gegenst\u00e4nde aus dem Besitz der Mendelssohns und Mendelssohn Bartholdys an die einzigartige Geschichte dieser weitverzweigten deutsch-j\u00fcdischen Familie von Bankiers, Denkern, K\u00fcnstlern und Musikern. Trotz kenntnisreicher Gespr\u00e4che \u00a0und verschiedener Dokumente sowie Fotografien im Archiv der Gesellschaft, die mir freundlicherweise einen Einblick gew\u00e4hrte, fand ich keine weiteren Hinweise zum Gem\u00e4lde.<\/p>\n<h3>Familienalben und Aktenberge<\/h3>\n<p>Allerdings vermittelte mir die Mendelssohn-Gesellschaft den Kontakt zur Enkeltochter Marie von Mendelssohns (1867\u20131957), der letzten Besitzerin der &#8222;Borussia&#8220;.<\/p>\n<div id=\"attachment_2410\" style=\"width: 487px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2410\" class=\"size-full wp-image-2410\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/6-Marie-von-Mendelssohn-\u00a9-Kunstsammlungen-und-Museen-Augsburg.jpg\" alt=\"Marie von Mendelssohn, geb. Westphal (1867\u20131957), letzte Besitzerin und Verk\u00e4uferin des Gem\u00e4ldes Borussia, o. O., um 1925\/1935, sp\u00e4terer Abzug, Barytpapier, Berlin \u00a9 Privatbesitz\" width=\"477\" height=\"658\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/6-Marie-von-Mendelssohn-\u00a9-Kunstsammlungen-und-Museen-Augsburg.jpg 477w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/6-Marie-von-Mendelssohn-\u00a9-Kunstsammlungen-und-Museen-Augsburg-217x300.jpg 217w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><p id=\"caption-attachment-2410\" class=\"wp-caption-text\">Marie von Mendelssohn, geb. Westphal (1867\u20131957), letzte Besitzerin und Verk\u00e4uferin des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220;, o. O., um 1925\/1935, sp\u00e4terer Abzug, Barytpapier, Berlin \u00a9 Privatbesitz<\/p><\/div>\n<p>Die Begegnung mit ihr war nicht nur h\u00f6chst eindrucksvoll, sondern wurde f\u00fcr mich zur wichtigsten Informationsquelle. Zun\u00e4chst trafen wir uns vor dem Gem\u00e4lde in der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums und besprachen erste Details. Sp\u00e4ter erhielt ich Einblick in mehrere Familienalben. Was die Literatur nicht verriet, erfuhr ich nun aus erster Hand. Anhand ihrer und den Erz\u00e4hlungen naher Verwandter erkl\u00e4rte sich der Verbleib des Gem\u00e4ldes nach 1905, das sich nach ihren Aussagen zuletzt im Kassenraum des Bankhauses befand.<\/p>\n<div id=\"attachment_2409\" style=\"width: 487px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2409\" class=\"size-full wp-image-2409\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/5-Haus-J\u00e4gerstra\u00dfe-51-\u00a9-Architekturmuseum-TU-Berlin.jpg\" alt=\"Bankhaus und Stammsitz der Familie von Mendelssohn in der J\u00e4gerstra\u00dfe 51, Berlin, K\u00f6niglich Preu\u00dfische Messbild-Anstalt, Berlin, um 1885\/1890, Barytpapier, Berlin \u00a9 Architekturmuseum der Technischen Universit\u00e4t Berlin\" width=\"477\" height=\"472\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/5-Haus-J\u00e4gerstra\u00dfe-51-\u00a9-Architekturmuseum-TU-Berlin.jpg 477w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/5-Haus-J\u00e4gerstra\u00dfe-51-\u00a9-Architekturmuseum-TU-Berlin-300x297.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><p id=\"caption-attachment-2409\" class=\"wp-caption-text\">Bankhaus und Stammsitz der Familie von Mendelssohn in der J\u00e4gerstra\u00dfe 51, Berlin, K\u00f6niglich Preu\u00dfische Messbild-Anstalt, Berlin, um 1885\/1890, Barytpapier, Berlin \u00a9 Architekturmuseum der Technischen Universit\u00e4t Berlin<\/p><\/div>\n<p>Der Terror des NS-Regimes gegen\u00fcber Juden und somit gegen die Familie von Mendelssohn nahm nach 1935 zu. Laut Gesch\u00e4ftsbuch der Galerie Haberstock aus dem Haberstock-Archiv in Augsburg war Marie von Mendelssohn, vertreten durch die Bank, im April 1937 gezwungen, das Kunstwerk f\u00fcr die damals kl\u00e4gliche Summe von 19.000 Reichsmark an den Galeristen Karl Haberstock (1878\u20131956) zu ver\u00e4u\u00dfern. Haberstock verkaufte es dann 1940 f\u00fcr 48.000 Reichsmark an die Reichskanzlei. Ganz offensichtlich war diese Summe, die Marie von Mendelssohn f\u00fcr das Gem\u00e4lde erhielt, zu gering. Zwar fand sich weder eine Aufnahme des Gem\u00e4ldes, noch ein Inventar vom Bankhaus oder von der Villa der Gro\u00dfeltern, dennoch \u00fcberlie\u00df mir die Enkeltochter Maries f\u00fcr unsere Ausstellung Fotografien der wichtigsten Protagonisten.<\/p>\n<p>Eine letzte Spur f\u00fchrte mich schlie\u00dflich in das Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin, das Zentrale Grundbucharchiv Berlins sowie das Amtsgericht Charlottenburg. Das Mendelssohn-Archiv besitzt etliche Familienbriefe, mehrere Bilder der Familie und Teile des Bankhausarchives. Zu &#8222;unserer&#8220; &#8222;Borussia&#8220; fanden sich trotz zahlreicher Dokumente und Abbildungen keinerlei Nachweise. Im Zentralen Grundbucharchiv und im Amtsgericht Charlottenburg lagern alle Unterlagen zu den Geb\u00e4uden in der J\u00e4gerstra\u00dfe und in Berlin-Grunewald. Aus den Grundbuchakten erfuhr ich einiges \u00fcber die Grundst\u00fccksk\u00e4ufe der von Mendelssohns in Berlin und die Zwangsverk\u00e4ufe an das NS-Regime \u2013 zur\u00a0&#8222;Borussia&#8220; selbst beinhalteten sie jedoch keine Informationen.<\/p>\n<p>Die Recherche zum Namenszug &#8222;Mendelsohn&#8220; gestaltete sich r\u00fcckblickend als ausgesprochen detektivisch. Auch wenn der Verbleib des Gem\u00e4ldes innerhalb der Familie von Mendelssohn nicht fotografisch belegt werden kann, l\u00e4sst sich doch der Weg der\u00a0&#8222;Borussia&#8220; vom Ankauf bis zum Zwangsverkauf anhand von Akteneintr\u00e4gen, Dokumenten, Katalogen und pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen mit Familienangeh\u00f6rigen eindeutig darstellen.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckgabe des Gem\u00e4ldes an die Familie von Mendelssohn war erst durch die Wiedervereinigung Deutschlands und vorrangig durch die &#8222;Washingtoner Erkl\u00e4rung&#8220; von 1998 m\u00f6glich. Die &#8222;Washingtoner Erkl\u00e4rung&#8220; ist eine internationale Vereinbarung, welche versucht, L\u00f6sungen zur R\u00fcckgabe von verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut aus der NS-Zeit zu finden. Allerdings beruht sie nicht auf Rechtsnormen. Nur so konnte die Familie trotz der abgelaufenen gesetzlichen Verj\u00e4hrungsfrist von 30 Jahren ihre Restitutionsanspr\u00fcche geltend machen.<\/p>\n<p>Provenienzforschung ist inzwischen eine der zentralen Aufgaben in der Museumsarbeit. Mit ihr wird das Ziel verfolgt, den ethischen Normen im Umgang mit musealen Sammlungen und damit insbesondere den Richtlinien der &#8222;Washingtoner Erkl\u00e4rung&#8220; gerecht zu werden. Die Rekonstruktion der Besitzgeschichte des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220; innerhalb unserer Ausstellung demonstriert wie wichtig, langwierig und umfangreich Provenienzforschung ist und sein kann. Dabei war die Erschlie\u00dfung des Namens Mendelssohn nur ein Teil des Ganzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/h3>\n<p>Bertz, Inka \/ Dorrmann, Michael (Hg.): Raub und Restitution. Kulturgut aus j\u00fcdischem Besitz von 1933 bis Heute, Ausstellungskatalog, Berlin, Frankfurt am Main 2008.<\/p>\n<p>Keisch, Claude \/ Riemann-Reyher, Marie Ursula (Hg.): Das Labyrinth der Wirklichkeit. Menzel 1815\u20131905, Ausstellungskatalog, K\u00f6ln 1996.<\/p>\n<p>Mendelssohn Gesellschaft e.V., URL: http:\/\/www.mendelssohn-remise.de.<\/p>\n<p>Schoeps, Julius: Das Erbe der Mendelssohns. Biographie einer Familie, Frankfurt am Main 2011.<\/p>\n<p>Uebel, Lothar: Die Mendelssohns in der J\u00e4gerstrasse. Das Haus Mendelssohn J\u00e4gerstrasse 51 in Berlin, Berlin 2001.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"title-block\">\n<h3 class=\"fs14\">Onlinepublikation:<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"body-text fs12\">\n<div id=\"bildblock\">\n<p><a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/fileadmin\/medien\/relaunch\/ausstellunngen\/Rueckansicht\/Rueckansicht_1-35_Online_150dpi.pdf\" target=\"_blank\">Hrsg. von Fritz Backhaus und Brigitte Reineke f\u00fcr das Deutsche Historische Museum: R\u00dcCKANSICHT \u2013 Die verborgene Geschichte eines Gem\u00e4ldes von Adolph Menzel \u00a9 Deutsches Historisches Museum und die Autorinnen und Autoren 2018<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Inside DHM: Einem Namen auf der Spur<span><\/h2>\n<p>In der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums ist derzeit die Intervention &#8222;R\u00dcCKANSICHT. Die verborgene Geschichte eines Gem\u00e4ldes von Adolph Menzel&#8220; zu sehen. Gegenstand der von den Volont\u00e4r*innen Susan Gei\u00dfler, Darja Jesse und Tobias Schlage ersten eigenst\u00e4ndig konzipierten Ausstellung ist die R\u00fcckseite des Gem\u00e4ldes &#8222;Borussia&#8220; von Adolph Menzel. Auf dieser befinden sich Schriftz\u00fcge und Etiketten, die bei einer detektivischen Recherche Auskunft \u00fcber Besitzer und Herkunft des Gem\u00e4ldes gaben, wie Tobias Schlage in seinem Beitrag deutlich macht.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2413,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1534,1593,1183,1460],"class_list":["post-2406","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-inside-dhm","tag-gemaelde","tag-mendelssohn","tag-provenienz","tag-provenienzforschung"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2406","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2406"}],"version-history":[{"count":15,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2406\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2428,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2406\/revisions\/2428"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2413"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2406"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2406"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}