
{"id":2507,"date":"2018-10-23T11:17:25","date_gmt":"2018-10-23T09:17:25","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=2507"},"modified":"2018-10-24T09:49:03","modified_gmt":"2018-10-24T07:49:03","slug":"europa-venedig-und-das-meer","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2018\/10\/23\/europa-venedig-und-das-meer\/","title":{"rendered":"Inside DHM: Europa, Venedig und das Meer"},"content":{"rendered":"<h1>Inside DHM: Europa, Venedig und das Meer<\/h1>\n<h3>Ein Beitrag zur <a href=\"https:\/\/salon-europa.eu\/blogparade\/\" target=\"_blank\">Blogparade #SalonEuropa<\/a><\/h3>\n<p><strong>Wussten Sie, dass Europa \u2013 gemessen an der K\u00fcstenl\u00e4nge und Gesamtgr\u00f6\u00dfe \u2013 der maritimste aller Kontinente ist? Haben Sie je dar\u00fcber nachgedacht, wie die Geschichte Europas verlaufen w\u00e4re, wenn sich seine Bewohnerinnen und Bewohner nicht auf die Meere hinausgewagt, Ozeane \u00fcberquert und auf diese Weise einen engen Austausch mit anderen Weltregionen etabliert h\u00e4tten? Oder welche Rolle das Meer bis heute f\u00fcr uns Europ\u00e4er spielt? In unserer <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/meer\" target=\"_blank\">Ausstellung \u201eEuropa und das Meer\u201c<\/a> gehen wir diesen Fragen nach und beleuchten, wie grundlegend das Meer die europ\u00e4ische Geschichte und Kultur gepr\u00e4gt hat. Anhand eines der meistbewunderten Objekte der Schau zeigt Ihnen Christiana Brennecke, Kuratorin der Ausstellung, wie sich ein kleiner europ\u00e4ischer Stadtstaat \u00fcber das Meer zur Gro\u00dfmacht aufschwang \u2013 und bis heute als Inbegriff europ\u00e4ischer Kultur wahrgenommen wird.<\/strong><\/p>\n<h3>Venedig, Prototyp der modernen Seemacht<\/h3>\n<p>Kaum jemand, der je in Venedig gewesen ist, wird sich der Faszination entziehen k\u00f6nnen, die die \u201eStadt im Meer\u201c bis heute aus\u00fcbt. Dort wo sonst Stra\u00dfen und Autos ein Stadtbild pr\u00e4gen, sorgen in Venedig Wasserwege, Vaporettos und Gondeln f\u00fcr einen ganz besonderen Charme. Hinzu kommen Stadtpal\u00e4ste und Kirchen, die an architektonischer Pracht ihresgleichen suchen. Den Reichtum vergangener Jahrhunderte, der noch immer \u00fcberw\u00e4ltigt, hatte Venedig dem Meer zu verdanken. Die Lage der Lagunenstadt auf zahlreichen, dem Festland vorgelagerten Inseln und die damit einhergehende maritime Pr\u00e4gung und Orientierung waren die Grundvoraussetzungen f\u00fcr den Aufstieg Venedigs zur f\u00fchrenden Seemacht im Mittelalter. Innerhalb weniger Jahrhunderte etablierten die Venezianer einen \u00e4u\u00dferst lukrativen Seehandel, der die vermutlich im 6.\u00a0Jahrhundert gegr\u00fcndete Stadt zur Drehscheibe zwischen dem Heiligen R\u00f6mischen Reich und dem Orient sowie zur reichsten Stadt Europas machte. Dieser wirtschaftliche Erfolg wiederum wurde durch milit\u00e4rische Mittel und Strategien gesichert, die Venedig zum Prototyp der modernen europ\u00e4ischen Seemacht werden lie\u00dfen: Um das Meer \u201ezu beherrschen\u201c und das Seeimperium auszubauen, schuf Venedig eine stets einsatzbereite Kriegsmarine, die in Europa ihresgleichen suchte. Zudem errichtete es ein St\u00fctzpunksystem zur Kontrolle der Seewege, das sp\u00e4ter von allen gro\u00dfen Seem\u00e4chten kopiert wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_2519\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2519\" class=\"wp-image-2519 size-full\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/1778_RA000153_Venedig.jpg\" alt=\"Ansicht von Venedig, in: &quot;Civitates orbis terrarum&quot; (dt. St\u00e4dte der Welt), Band 2, Autor: Georg Braun, Stecher: Franz Hogenberg, K\u00f6ln, 1599, Berlin \u00a9 Deutsches Historisches Museum\" width=\"1000\" height=\"714\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/1778_RA000153_Venedig.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/1778_RA000153_Venedig-300x214.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/1778_RA000153_Venedig-768x548.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-2519\" class=\"wp-caption-text\">Ansicht von Venedig, in: &#8222;Civitates orbis terrarum&#8220; (dt. St\u00e4dte der Welt), Band 2, Autor: Georg Braun, Stecher: Franz Hogenberg, K\u00f6ln, 1599, Berlin \u00a9 Deutsches Historisches Museum<\/p><\/div>\n<h3>Die Inszenierung der Macht: Das Modell des letzten <em>Bucintoro<\/em> von 1728<\/h3>\n<p>Wie keine andere europ\u00e4ische Macht verstand es Venedig dabei auch, seinen Erfolg und seinen Machtanspruch zu inszenieren. Herrschaftliche Pal\u00e4ste wurden gebaut, prunkvolle Feste gefeiert, jeder gro\u00dfe Seesieg in prachtvollen Gem\u00e4lden und anderen Kunstwerken festgehalten. H\u00f6hepunkt der Selbstinszenierung als Beherrscherin der Meere war die allj\u00e4hrlich an Christi Himmelfahrt gefeierte \u201eVerm\u00e4hlung Venedigs mit dem Meer\u201c, f\u00fcr die das preisgekr\u00f6nte Modell des letzten <em>Bucintoro<\/em> steht, das wir in unserer Ausstellung zum ersten Mal in Deutschland zeigen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2512\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2512\" class=\"wp-image-2512 size-full\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/DHM-Europa-Meer_610\u252c\u00aeSIESING.jpg\" alt=\"Modell des letzten &quot;Bucintoro&quot; in der Ausstellung &quot;Europa und das Meer&quot;, Aldo Baradel (1907\u20131985), 1972\u20131976, Venedig-Mestre \u00a9 Sammlung Aldo Baradel\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/DHM-Europa-Meer_610\u252c\u00aeSIESING.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/DHM-Europa-Meer_610\u252c\u00aeSIESING-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/DHM-Europa-Meer_610\u252c\u00aeSIESING-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-2512\" class=\"wp-caption-text\">Modell des letzten &#8222;Bucintoro&#8220; in der Ausstellung &#8222;Europa und das Meer&#8220;, Aldo Baradel (1907\u20131985), 1972\u20131976, Venedig-Mestre \u00a9 Sammlung Aldo Baradel<\/p><\/div>\n<p>Der <em>Bucintoro<\/em>, die Prunkgaleere der venezianischen Dogen, wurde seit dem 14.\u00a0Jahrhundert zu Repr\u00e4sentationszwecken zu Wasser gelassen und erlangte durch die Feierlichkeiten am Himmelfahrtstag europaweite Ber\u00fchmtheit: Im Rahmen einer gro\u00dfen Schiffsprozession wurde der Doge hierbei auf das offene Meer hinausgerudert, wo er mit den Worten<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em><span style=\"color: #008000;\"><strong>\u201eWir heiraten dich, Meer, zum Zeichen unserer wahren und best\u00e4ndigen Herrschaft\u201c<\/strong> <\/span><\/em><\/p>\n<p>einen goldenen Ring in die Fluten warf und die venezianische Seeherrschaft \u00fcber die Adria symbolisch bekr\u00e4ftigte. An der Prozession nahm die gesamte Staatsf\u00fchrung Venedigs teil, aber auch ausl\u00e4ndische Diplomaten lud man zum Zweck der Machtdemonstration gerne dazu. Der letzte <em>Bucintoro<\/em> von 1728 bot mit einer L\u00e4nge von knapp 35 Metern, einer Breite von 7,5 Metern und einer H\u00f6he von 8,5 Metern Platz f\u00fcr den Dogenthron und etwa 90 W\u00fcrdentr\u00e4gerinnen und -tr\u00e4ger. Gerudert wurde er von 168 Mann, die in der Regel dem Kreis der Arbeiterinnen und Arbeiter des Arsenals, der venezianischen Staatswerft, entstammten.<\/p>\n<p>Das Modell im Ma\u00dfstab von 1:25 wurde nach den bis heute erhaltenen Originalzeichnungen des letzten <em>Bucintoro<\/em> von 1728 angefertigt, der 1798 durch napoleonische Truppen zerst\u00f6rt wurde. In f\u00fcnfj\u00e4hriger Feinarbeit schuf Aldo Baradel (1907-1985) auf der Grundlage dieser Zeichnungen ein originalgetreues Abbild der Prunkgaleere, das mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde und heute als beste Rekonstruktion des <em>Bucintoro<\/em> gilt. Zentral im Ausstellungskapitel zur Seeherrschaft platziert, spiegelt das Modell f\u00fcr uns wie kein anderes den Reichtum und den Machtanspruch der Seerepublik Venedig wieder, die durch das Meer zur europ\u00e4ischen Gro\u00dfmacht wurde und den sp\u00e4teren Seem\u00e4chten Portugal, Niederlande und Gro\u00dfbritannien in strategischer Hinsicht den Weg wies. Ohne das Meer w\u00e4re die Geschichte Europas eine andere gewesen \u2013 Grund genug, die vielschichtige und wechselvolle Beziehung der Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er zum Meer einmal intensiver zu betrachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Inside DHM: Europa, Venedig und das Meer<span><\/h2>\n<p>Ein Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa: Wussten Sie, dass Europa \u2013 gemessen an der K\u00fcstenl\u00e4nge und Gesamtgr\u00f6\u00dfe \u2013 der maritimste aller Kontinente ist? Haben Sie je dar\u00fcber nachgedacht, wie die Geschichte Europas verlaufen w\u00e4re, wenn sich seine Bewohnerinnen und Bewohner nicht auf die Meere hinausgewagt, Ozeane \u00fcberquert und auf diese Weise einen engen Austausch mit anderen Weltregionen etabliert h\u00e4tten? Oder welche Rolle das Meer bis heute f\u00fcr uns Europ\u00e4er spielt? In unserer Ausstellung \u201eEuropa und das Meer\u201c gehen wir diesen Fragen nach und beleuchten, wie grundlegend das Meer die europ\u00e4ische Geschichte und Kultur gepr\u00e4gt hat. 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