
{"id":251,"date":"2016-10-28T09:26:53","date_gmt":"2016-10-28T07:26:53","guid":{"rendered":"http:\/\/dhm.web11.server10.lombego.de\/?p=251"},"modified":"2016-12-09T14:55:29","modified_gmt":"2016-12-09T13:55:29","slug":"die-geschichte-der-uhrzeit","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2016\/10\/28\/die-geschichte-der-uhrzeit\/","title":{"rendered":"Die Geschichte der Uhrzeit"},"content":{"rendered":"<div class=\"title-block\">\n<h1 class=\"fs28\">DIE GESCHICHTE DER UHRZEIT<\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"body-text fs12\">\n<p><b>7:20 Uhr aufstehen, 9 Uhr im B\u00fcro, 18.30 Uhr beim Training \u2013 unsere Tage sind exakt vermessen und getaktet. Doch seit wann wissen wir eigentlich genau, wie sp\u00e4t es ist?<\/b><\/p>\n<p>G\u00e4sten eine warme Mahlzeit vorzusetzen, ist in unserer Zeit relativ einfach: Man l\u00e4dt f\u00fcr 20 Uhr ein, bereitet das Essen vor und p\u00fcnktlich zur Ankunft des Gastes steht das dampfende Gericht auf dem Tisch. Ein Gastgeber, der um das Jahr 1200 auf dem Land lebte, hatte es deutlich schwerer. In Ermangelung einer genauen Uhrzeit konnte er den Zeitpunkt seiner Einladung nur vage benennen, zum Beispiel \u201ezur D\u00e4mmerung\u201c. Legte der Gast diese Formulierung gro\u00dfz\u00fcgig aus und erschien beim allerletzten Tageslicht, war das Essen kalt.<\/p>\n<h2>VERABREDUNG ZUM HAHNENSCHREI<\/h2>\n<p>Die Einteilung von Tag und Nacht in zw\u00f6lf Teile kannten zwar schon die Babylonier \u2013 eine exakte Uhrzeit spielte f\u00fcr unsere Vorfahren aber sehr lange keine Rolle. Man orientierte sich grob an nat\u00fcrlichen Abl\u00e4ufen wie dem Stand der Sonne und verabredete sich einfach zum Hahnenschrei am Morgen \u2013 oder eben zur D\u00e4mmerung.<\/p>\n<p>Die strenge Gliederung des Tages nahm ihren Ursprung in den Kl\u00f6stern, wo das L\u00e4uten der Stunden den M\u00f6nchen den Takt f\u00fcr Gebet und Arbeit vorgab. Diese Praxis ging auf die St\u00e4dte \u00fcber, in denen \u00f6ffentliche Stundenglocken zum Beispiel das Signal f\u00fcr das \u00d6ffnen und Schlie\u00dfen der Stadttore gaben. Die L\u00e4nge der Stunden gaben Kerzen-, Wasser- oder Sonnenuhren vor, und fiel je nach Ort und Jahreszeit verschieden aus.<\/p>\n<h2>WENN ES IN K\u00d6LN 4 UHR WAR, KONNTE ES IN D\u00dcSSELDORF 6 UHR SEIN<\/h2>\n<p>Der Weg zur exakten Stunde begann erst ab dem 14. Jahrhundert, als sich mechanische Uhr- und Schlagwerke von Italien aus in ganz Europa verbreiteten. Fortan wusste jeder B\u00fcrger der Stadt, was \u201edie Stunde geschlagen\u201c hatte, wie lange genau er sein Handwerk aus\u00fcben durfte oder wann er zu einer Ratssitzung erscheinen musste.<\/p>\n<p>Die mechanischen Uhren, die anfangs Gangdifferenzen von 15 Minuten am Tag aufwiesen, wurden im Laufe der Jahrzehnte genauer \u2013 nur gingen sie von Stadt zu Stadt anders. Wenn die Uhr in K\u00f6ln die vierte Stunde schlug, konnte es in D\u00fcsseldorf bereits die sechste sein. Jeder Ort hatte gewisserma\u00dfen seine eigene Zeitzone. \u201eDie\u201c Uhrzeit gab es nicht. Diese \u201eUngleichzeitigkeit\u201c fiel allerdings kaum auf, da Verbindungen zwischen St\u00e4dten ohnehin nur durch lange, beschwerliche Reisen m\u00f6glich waren.<\/p>\n<p>Der Bedarf nach einer synchronen Zeit f\u00fcr alle entstand erst ab dem 18. Jahrhundert, als Verkehr und Handel stark zunahmen. Zun\u00e4chst war es die Post, die eine einheitliche Zeit brauchte, um \u201ep\u00fcnktlich\u201c sein zu k\u00f6nnen und sich nicht zu \u201eversp\u00e4ten\u201c.<\/p>\n<h2>DIE ZEIT WIRD ZUM WIRTSCHAFTSGUT<\/h2>\n<p>Endg\u00fcltig vom Rhythmus der Natur l\u00f6ste sich die Zeitrechnung dann in den Fabriken des beginnenden <a class=\"textlink internal\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/bestand\/objekt\/rb000115\" target=\"_blank\">industriellen Zeitalters<\/a>. Zeit wurde zum wirtschaftlichen Gut, das knapp, begrenzt und umk\u00e4mpft war. Erst jetzt verbreiteten sich \u00f6ffentliche Zeigeruhren mit Minuten- und Sekundenanzeige, mit denen sich die Zeit exakter unterteilen und berechnen lie\u00df.<\/p>\n<p>Eine verbindliche, im ganzen Land einheitliche Zeit gibt es in Deutschland erst seit 1893. Die Eisenbahn mit ihren minutengenauen Fahrpl\u00e4nen hatte diese Gleichtaktung des ganzen Reiches n\u00f6tig gemacht \u2013 und damit den Weg f\u00fcr die heutige, vollst\u00e4ndig synchron laufende Welt gelegt, in der sich Menschen auf verschiedenen Kontinenten auf die Sekunde genau zur Videokonferenz verabreden k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE GESCHICHTE DER UHRZEIT 7:20 Uhr aufstehen, 9 Uhr im B\u00fcro, 18.30 Uhr beim Training \u2013 unsere Tage sind exakt vermessen und getaktet. Doch seit wann wissen wir eigentlich genau, wie sp\u00e4t es ist? 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