
{"id":259,"date":"2016-10-26T09:23:51","date_gmt":"2016-10-26T07:23:51","guid":{"rendered":"http:\/\/dhm.web11.server10.lombego.de\/?p=259"},"modified":"2016-12-09T15:00:24","modified_gmt":"2016-12-09T14:00:24","slug":"mein-geschichtsstueck-anne-wizorek","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2016\/10\/26\/mein-geschichtsstueck-anne-wizorek\/","title":{"rendered":"Mein Geschichtsst\u00fcck: Anne Wizorek"},"content":{"rendered":"<div class=\"title-block\">\n<h1 class=\"fs28\">\u201eICH FINDE ES WICHTIG, SICH ERFOLGE BEWUSST ZU MACHEN\u201c<\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"body-text fs12\">\n<p><b>Mein Geschichtsst\u00fcck: Die Autorin und Aktivistin Anne Wizorek stellt ihr Lieblingsobjekt im Deutschen Historischen Museum vor.<\/b><\/p>\n<p>Mein Geschichtsst\u00fcck im Deutschen Historischen Museum ist das Plakat gegen die Ablehnung der Fristenl\u00f6sung f\u00fcr Abtreibungen <a class=\"textlink internal\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1949-1994.html\" target=\"_blank\">aus dem Jahr 1975<\/a>. Die regierende SPD sah damals vor, Schwangerschaftsabbr\u00fcche in den ersten drei Monaten straffrei zu stellen. CDU und CSU klagten dagegen erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht und erhielten Recht: Abtreibung blieb strafbar. Das Plakat greift die Begr\u00fcndung der Verfassungsrichter auf, die sich auf die im Grundgesetz definierte Unantastbarkeit der Menschenw\u00fcrde berufen hatten \u2013 und zeigt die Richter selbst als eine Gruppe alter M\u00e4nner, die sich an einem nackten weiblichen K\u00f6rper vergreifen.<\/p>\n<p>Wenn ich das Plakat betrachte, denke ich: Was f\u00fcr eine krasse Darstellung. Es macht deutlich, wie viel die Frauenbewegung in den letzten Jahrzehnten schon erreicht hat. Zum Beispiel, dass die damals geforderte Fristenl\u00f6sung bei Abtreibungen heute verwirklicht ist. Ich finde es wichtig, sich als Aktivist_in Erfolge auch mal bewusst zu machen, statt immer gleich zur n\u00e4chsten Baustelle \u00fcberzugehen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig zeigt mir das \u00fcber 30 Jahre alte Plakat aber auch, wie viel Arbeit noch vor uns liegt. Wahrscheinlich ist den meisten Menschen gar nicht bewusst, dass ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland immer noch illegal ist. Er wird nur unter bestimmten Bedingungen nicht mehr bestraft. Das m\u00f6chten viele andere Feminist_innen und ich \u00e4ndern. F\u00fcr uns ist Abtreibung Teil der sexuellen Selbstbestimmung und damit ein Menschenrecht. Auch auf anderen Gebieten sind wir noch weit von Geschlechtergerechtigkeit entfernt. Zu viele Menschen vertreten auch die Haltung: \u201eWir haben ja schon alles erreicht. Was wollt ihr denn noch?\u201c Bis zu einem gewissen Alter mag es auch so sein, dass M\u00e4dchen und Frauen heute eine subtilere Ber\u00fchrung mit dem Thema Sexismus haben \u2013 zumindest weil ihnen suggeriert wird, alles werden zu k\u00f6nnen. Aber wenn es zum Beispiel um Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, merken viele: Ich werde anders behandelt als meine m\u00e4nnlichen Kollegen. Diesen Aha-Moment erleben Frauen meiner Generation mitunter sp\u00e4ter als die Frauen, die damals das Plakat entwarfen \u2013 aber sie erleben ihn.<\/p>\n<p>Der feministische Aktivismus von heute nutzt zur Sichtbarmachung solcher Probleme andere Kan\u00e4le, vor allem das Internet. Dort ist es viel leichter, sich auszutauschen, Gleichgesinnte zu finden und Aktionen wie den Hashtag \u201eAufschrei\u201c zu starten.<\/p>\n<p>Meine Erfahrung aus dem Gespr\u00e4ch mit Frauen aus der \u00e4lteren Generation ist, dass viele von ihnen eine Zeit lang Angst hatten, dass da in Sachen Feminismus nichts mehr nachkommt. Dass junge Frauen von heute sich nicht mehr f\u00fcr Politik interessieren. Der feministische Nachwuchs vernetzt sich aber eben vor allem im Internet, das ist auch notwendiger denn je. Wenn ich mir anschaue, wie manche gesellschaftlichen Gruppen momentan versuchen, beim Thema Frauenrechte die Uhr zur\u00fcckzudrehen, wei\u00df ich, dass es f\u00fcr Feminist_innen immer noch sehr viel zu tun gibt \u2013 um Verschlechterungen zu verhindern, aber gleichzeitig auch weiter an den noch fehlenden Verbesserungen zu arbeiten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eICH FINDE ES WICHTIG, SICH ERFOLGE BEWUSST ZU MACHEN\u201c Mein Geschichtsst\u00fcck: Die Autorin und Aktivistin Anne Wizorek stellt ihr Lieblingsobjekt im Deutschen Historischen Museum vor. Mein Geschichtsst\u00fcck im Deutschen Historischen Museum ist das Plakat gegen die Ablehnung der Fristenl\u00f6sung f\u00fcr Abtreibungen aus dem Jahr 1975. Die regierende SPD sah damals vor, Schwangerschaftsabbr\u00fcche in den ersten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":156,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[135,139,137,133,5],"class_list":["post-259","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-leute","tag-aktivistin","tag-anne-wizorek","tag-autorin","tag-lieblingsobjekt","tag-mein-geschichtsstueck"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=259"}],"version-history":[{"count":1,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":260,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259\/revisions\/260"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/156"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=259"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=259"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=259"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}