
{"id":2765,"date":"2019-02-19T14:38:20","date_gmt":"2019-02-19T13:38:20","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=2765"},"modified":"2019-04-17T16:43:40","modified_gmt":"2019-04-17T14:43:40","slug":"er-war-noch-so-jung","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2019\/02\/19\/er-war-noch-so-jung\/","title":{"rendered":"\u201eEr war noch so jung\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>\u201eEr war noch so jung\u201c<\/h1>\n<h3>Besondere Vorkommnisse \u2013 Heute vor 30 Jahren | Teil 1<\/h3>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Zsuzsa Breier | 19. Februar 2019<\/span><\/p>\n<p><strong>Das Jahr 1989 entwickelt sich zu dem bedeutendsten Umbruchsjahr der Nachkriegszeit Europas. Als exklusiven Vorabdruck ihres Buches gew\u00e4hrt die Literaturwissenschaftlerin und Diplomatin Zsuzsa Breier in <a href=\"\/blog\/tag\/Zsuzsa-Breier\/\" target=\"_blank\">vier Beitr\u00e4gen<\/a> f\u00fcr den DHM-Blog einen Einblick in die rasanten Entwicklungen in Deutschland und Ungarn vor drei\u00dfig Jahren.<\/strong><\/p>\n<p>Am 1. und 2. Februar 1989 besucht eine Delegation des Deutschen Bundestages Ungarn, die Abgeordneten wollen sich \u00fcber die Fl\u00fcchtlingslage informieren. <em>Mehr als 13 000 rum\u00e4nische Staatsb\u00fcrger (mehrheitlich ungarischer Muttersprache) &#8230; \u00a0<\/em>kamen im Jahr 1988 nach Ungarn,<em> &#8230; die sich auf Menschenrechtsverletzungen berufen und eine R\u00fcckkehr in ihr Land verweigern.<\/em><sup><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">1<\/a><\/sup> Die Delegation reist nach Debrecen, um dort ein Fl\u00fcchtlingslager zu besichtigen.<\/p>\n<p>Im Anschluss an die Reise sagt Delegationsleiter Otto Schily \u00fcber die rum\u00e4nischen Fl\u00fcchtlinge:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Es ist ersch\u00fctternd, dass diese Menschen ihre Muttersprache nicht sprechen und ihre Kultur nicht pflegen d\u00fcrfen, ihre Kinder k\u00f6nnen in der Schule die Muttersprache ihrer Eltern nicht erlernen. Das geht, nach unserer \u00dcberzeugung, nicht konform mit den Prinzipien der europ\u00e4ischen Zivilisation und nicht mit den Prinzipien, die die vor kurzem unterzeichnete Wiener Schlussakte festlegen.<\/em>.<em>.<\/em><\/strong><\/span><sup><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Das Thema Menschenrechte besch\u00e4ftigt in diesen ersten Februartagen nicht nur Otto Schily, auch Stasi-Chef Erich Mielke kommt das Wort \u00fcber die Lippen, als er dem MfS-Kollegium das gerade vereinbarte KSZE Abschlussdokument erl\u00e4utert:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Ungeachtet der Tatsache, da\u00df es den westlichen L\u00e4ndern &#8230; gelungen ist, im (KSZE) Schlu\u00dfdokument ihre Vorstellungen zur Menschenrechtsproblematik weitgehend durchzusetzen, gilt jedoch &#8230; <\/em><em>\u00a0Die Legalisierung von Aktivit\u00e4ten sogenannter Helsinki-\u00dcberwachungsgruppen w\u00fcrde unter den konkreten Lagebedingungen der DDR erhebliche innen- und au\u00dfenpolitische Wirkungen nach sich ziehen. Unter diesem Deckmantel w\u00fcrden sich staatsfeindliche Gruppen und Kr\u00e4fte in der DDR legal organisieren k\u00f6nnen und offen durch den Gegner und seine Einrichtungen unterst\u00fctzt unter angeblicher Wahrung der Menschenrechte &#8230; gegen die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung der DDR auftreten. \u2026 Entsprechend einer zentralen Entscheidung werden wir deshalb eine Legalisierung der sogenannten Helsinki-\u00dcberwachungsgruppen in der DDR nicht zulassen und unsere diesbez\u00fcglichen Rechtsvorschriften so gestalten und anwenden, da\u00df jegliches T\u00e4tigwerden dieser Gruppen verhindert wird \u2026<\/em><\/strong><\/span><sup><a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">3<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Das k\u00fcrzlich von 35 Staaten des West- und Ostblocks unterzeichnete Abkommen der Wiener KSZE-Konferenz wird vom Bundesau\u00dfenminister Hans-Dietrich Genscher gelobt, er sagt, <em>Zwischen West und Ost entwickelt sich eine neue Qualit\u00e4t des Dialogs, <\/em>dr\u00fcckt aber auch seine &#8230; <em>aufrichtige Besorgnis aus, denn noch immer werden Menschenrechte verletzt oder missachtet. &#8230;<\/em><sup><a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">4<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Bj\u00f6rn Engholm, Ministerpr\u00e4sident des Landes Schleswig-Holstein, f\u00fchrt in diesen Tagen Gespr\u00e4che in der DDR. Die Stasi ist zufrieden mit dem Besuch und protokolliert:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>B. Engholm w\u00fcrdigte &#8230; die gro\u00dfe Aufmerksamkeit, die seine gestrige Begegnung mit E. Honecker in den Medien der DDR, insbesondere auch im &#8222;Neuen Deutschland&#8220;, gefunden habe und bemerkte dazu, da\u00df er froh w\u00e4re, wenn er eine solche Presse in seinem eigenen Bundesland Schleswig-Holstein h\u00e4tte.<\/em><\/strong><\/span><sup><a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">5<\/a><\/sup><\/p>\n<p>F\u00fcr Csilla von Boeselager ist der 4. Februar ein ganz besonderer Tag, ihr langj\u00e4hriger Einsatz tr\u00e4gt endlich Fr\u00fcchte: es ist ihr gelungen, das erste nichtstaatliche Hilfswerk im Ostblock, den <em>Ungarischen Malteser Caritasdienst<\/em> (MMSZ) zu gr\u00fcnden. Die geborene Ungarin, sie fl\u00fcchtete noch als Kind vor der Roten Armee, berichtet \u00fcber die Gr\u00fcndung an einen Freund:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Zur Gr\u00fcndungsversammlung des Magyar M\u00e1ltai Szeretetszolg\u00e1lat (MMSZ) &#8230; in der Pfarrei Zugliget sind viel mehr Leute erschienen, als wir dachten: 31 Erwachsene insgesamt &#8230; Die Gr\u00fcndung &#8230; wurde ein nationales Ereignis. S\u00e4mtliche Zeitungen haben dar\u00fcber berichtet. \u00a0&#8230; Das Interview mit Pfarrer Kozma und mir fand in der Kirche statt!! Und das in einem Land, wo die Priester au\u00dferhalb des Pfarreigel\u00e4ndes <u>nicht<\/u> einmal als Priester gekleidet erscheinen d\u00fcrfen.<\/em><\/strong><\/span><sup><a style=\"color: #008000;\" href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">6<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Die erste Februar-Ausgabe des <em>Spiegel<\/em> zeigt einen freundlich l\u00e4chelnden Adolf Hitler, umringt von freundlich l\u00e4chelnden M\u00e4nnern, Frauen und Kindern, links stehen dekorierte Offiziere, rechts eine Damenriege mit Kindern in Tracht, ein Junge \u00fcberreicht dem F\u00fchrer einen Blumenstrau\u00df. Das Foto ist fast ein halbes Jahrhundert alt. <em>Der Spiegel<\/em> schreibt, der Verfassungsschutz f\u00fcrchtet Ausschreitungen von Rechtsradikalen zum 100. Geburtstag des F\u00fchrers:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Mit Aktionen im In- und Ausland wollen Neonazis den 100. Hitler-Geburstag am 20. April begehen. Verfassungssch\u00fctzer rechnen mit gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen. \u2026\u00a0 Anders als in fr\u00fcheren Jahren, als rechtsextremistische Stammtischrunden in den deutschen Kneipen-Hinterzimmern \u2026 auf den F\u00fchrer anstie\u00dfen, soll diesmal am 20. April ein aufwendiger Propagandafeldzug mit Flugschriften und einer Gro\u00dfkundgebung f\u00fcr europaweites Aufsehen sorgen. &#8230; Ziele von Anschl\u00e4gen k\u00f6nnten Ausl\u00e4nderwohnungen, Beh\u00f6rden und die Einrichtungen der Alliierten sein.<\/em><\/strong><\/span><sup><a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">7<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Die<em> Wurzeln des Faschismus sind in der BRD nicht ausgerottet, <\/em>titelt <em>Neues Deutschland<\/em> an diesem 4. Februar:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Eine wesentliche Ursache f\u00fcr die zunehmenden neonazistischen Umtriebe in der BRD liegt nach Meinung des Pr\u00e4sidenten der WN \u2014 Bund der Antifaschisten, Kaplan Dr. Joseph C. Rossaint, in ihrer nunmehr 40j\u00e4hrigen Geschichte selbst begr\u00fcndet. Sein Land habe nach 1945 zu keiner Zeit die eigentlichen Wurzeln des Faschismus ausgerottet.<\/em><\/strong><\/span><sup><a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">8<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Noch im gleichen Jahr druckt <em>Neues Deutschland<\/em> den Satz in positiver Umkehrung, in Bezug auf den SED-Staat: <em>In der <\/em>DDR<em> sind die <\/em>Wurzeln<em> des Faschismus f\u00fcr immer ausgerottet.<\/em><sup><a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">9<\/a><\/sup><\/p>\n<p>In der DDR, in der es offiziell keine <em>neonazistischen Umtriebe <\/em>gab, wurden 1988 &#8230; <em>etwa 6.000 Neonazis &#8230; erfasst, &#8230;\u00a0 davon &#8230; \u00a0rund 1.000 &#8230; r\u00fcckf\u00e4llig dauergewaltbereit &#8230;. Monatlich wurden 1988 bis zu 500 Taten aus diesem Milieu registriert. Darunter auch Gewalttaten aus eindeutig ausl\u00e4nderfeindlichen Motiven.<\/em><sup><a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">10<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Der Bundesverfassungsschutz berichtet \u00fcber <em>103 Gewalttaten mit rechtsextremistischem Bezug<\/em> in der Bundesrepublik im Jahr 1989, dazu kommen ein T\u00f6tungsdelikt, 12 Brandanschl\u00e4ge, 52 K\u00f6rperverletzungen und 38 Sachbesch\u00e4digungen, sowie 1483 Propagandadelikte ohne Gewaltanwendung.<\/p>\n<div id=\"attachment_2776\" style=\"width: 966px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2776\" class=\"wp-image-2776 size-large\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ZD017023-1024x764.jpg\" alt=\"Serie: Mauerfall\/Deutsche Einheit: Mauer-Kreuze, Birgit Schirmeier, Berlin 1990 \u00a9 DHM\/Knut Schirmeier\" width=\"956\" height=\"713\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ZD017023-1024x764.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ZD017023-300x224.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ZD017023-768x573.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 956px) 100vw, 956px\" \/><p id=\"caption-attachment-2776\" class=\"wp-caption-text\">Serie: Mauerfall\/Deutsche Einheit: Mauer-Kreuze, Birgit Schirmeier, Berlin 1990 \u00a9 DHM\/Knut Schirmeier<\/p><\/div>\n<p><em>Gem\u00fctlichkeit III <\/em>hei\u00dft die Berliner Schrebergartenkolonie, durch deren Beete Chris Gueffroy und Christian Gaudian an diesem Sonntagabend, den 5. Februar kriechen, sie sind beide noch <em>so jung<\/em>, gerade erst 20, sie wollen zum Britzer Verbindungskanal. Kurz vor Mitternacht stehen sie vor der Hinterlandsmauer, die Sperranlagen zwischen Ost und Westberlin sind mehrfach gesichert, mit Sirenen, Signalleuchten, Splittermienen, Stolperdr\u00e4hten, Beobachtungsbunkern und T\u00fcrmen, Kfz-Sperrgraben und Spurensicherungen und sog. <em>mobilen Sperrelementen, <\/em>d.h. mit scharfgemachten Hunden, der Volksmund nennt die Sperrzone <em>Todesstreifen,<\/em> Gaudian und Gueffroy suchen dort aber nicht den Tod, sie suchen das freie Leben.<\/p>\n<p>Die ersten H\u00fcrden sind genommen, sie haben auch den <em>Grenzsignalzaun<\/em> hinter sich und rennen durch den <em>Kontrollstreifen, <\/em>Alarm wurde ausgel\u00f6st, das Postenpaar Andreas K. und Peter S., beide 25, rufen aus 100 m Entfernung <em>Halt! Stehenbleiben!, <\/em>sie aber laufen weiter, kaum 5 m entfernt ist der letzte Zaun, als Peter S., Vater von zwei kleinen Kindern, seine Maschinenpistole l\u00e4dt, er kniet nieder, zielt und feuert sechs Sch\u00fcsse ab, er soll auf die Beine gezielt haben, wird er sp\u00e4ter sagen, Andreas K., auch er ist Vater, wird sp\u00e4ter sagen, den Hebel seiner Kalaschnikow soll er <em>versehentlich <\/em>auf Dauerfeuer gestellt haben, ein zweites Postenpaar taucht auf, Gaudian und Gueffroy versuchen mit dem mitgef\u00fchrten Wurfanker den Metallgitterzaun zu \u00fcberwinden, unter Dauerbeschuss, der Postenf\u00fchrer Mike Sch. zielt, dr\u00fcckt aber nicht ab, er ruft seinem Postenpaar Ingo H. zu, <em>Schie\u00df doch!<\/em><\/p>\n<p>Ingo H. zielt <em>\u00fcber Kimme und Korn, <\/em>seine ersten Sch\u00fcsse durchbohren den rechten Fu\u00df von Chris Gueffroy, Ingo H. feuert weiter, sein Geschoss durchschl\u00e4gt Chris Gueffroys K\u00f6rper, die Kugel dringt an der linken Brustwarze in den K\u00f6rper ein und verl\u00e4sst ihn am hinteren Rand der Achselh\u00f6hle, Gaudian wirft seinen Personalausweis \u00fcber den Grenzzaun, Gueffroy fasst sich an den Bauch und sackt zusammen, <em>Schwein!<\/em> ruft der Postenf\u00fchrer ihm zu und nimmt ihn fest, <em>Sau!<\/em>, sagt er und h\u00e4lt seine Pistole auf Gueffroy, der unbeweglich am Boden liegt, sollte er <em>sich r\u00fchren<\/em>, wird er sofort <em>abgeknallt<\/em>, schreit Mike Sch. ihm zu, Chris Gueffroy r\u00fchrt sich aber nicht, wenige Minuten nach dem Schuss verstirbt er, sein Herz ist zertr\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Das <em>besondere Vorkommnis<\/em> wird von der Stasi als <em>grenztaktische Handlung<\/em> protokolliert:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Der versuchte Grenzdurchbruch wurde seitens der Grenztruppen der DDR unter Anwendung der Schu\u00dfwaffen verhindert. &#8230;<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Etwa Anfang Februar 1989 kamen sie <\/em>(Gueffroy und Gaudian<em>) auf der Grundlage ihrer ablehnenden Einstellung zu gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen in der DDR zu der Auffassung, in Berlin (West) bessere Lebensumst\u00e4nde vorzufinden. Sie entschlossen sich daraufhin, die Staatsgrenze der DDR im vorgenannten Abschnitt mittels Hilfsmittel zu \u00fcberwinden &#8230;<\/em><\/strong><\/span><sup><a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">11<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Jeder der vier Grenzposten, insgesamt feuerten sie 22 Sch\u00fcsse ab, bekommt 150 Mark Geldpr\u00e4mie, z<em>um Zweck der Beruhigung, <\/em>denn <em>bedr\u00fcckt und niedergeschlagen <\/em>sollen sie gewesen sein, wird ihnen direkt nach der Erschie\u00dfung von Chris Gueffroy in der Caf\u00e9bar der Kompanie im Beisein von Offizieren <em>Alkohol <\/em>verabreicht.<\/p>\n<p>Auch der ungarische Geheimdienst meldet am 7. Februar einen <em>streng geheimen<\/em> Vorfall an die Parteispitze:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em><strong><span style=\"color: #008000;\">\u2026 \u00a0fr\u00fch am morgen hat eine unbekannte Person in einer Bushaltestelle in Gy\u00f6r den stv. Oberstleutnant J\u00f3zsef K., er trug Uniform, aufs Gr\u00f6bste beschimpft: \u201eHier kommt ein dreckiger Kommunist!\u201c, \u201eF\u00fcr unsere desastr\u00f6se Wirtschaftssituation tragen die Kommunisten die Verantwortung, erh\u00e4ngt werden sollen sie alle\u201c. Daraufhin spuckte die unbekannte Person in die Richtung des Oberleutnants. Oberst K. ist so entschlossen aufgetreten, dass der Unbekannte zum Schluss weglief. Die 15 bis 20 b\u00fcrgerlichen Personen, die sich w\u00e4hrend des Vorkommnisses in der Haltestelle aufhielten, blieben gleichg\u00fcltig.<\/span><\/strong><\/em><sup><a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">12<\/a><\/sup><\/p>\n<h3>Quellen<\/h3>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">1<\/a> MNL OL 288-22\/1989, 12, archivnet.hu<br \/>\n<a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">2 <\/a>Somogyi N\u00e9plap, 89-02-01\/27<br \/>\n<a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">3<\/a> BStU, MfS, ZAIG 5342, 30, 44<br \/>\n<a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">4<\/a> bpa, Bulletin 89, Nr.10,S106, 108<br \/>\n<a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">5<\/a> Nakath, Countdown, 156<br \/>\n<a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">6<\/a> LWL, H\u00f6l Stf -353<br \/>\n<a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">7<\/a> spiegel, 31.1.89<br \/>\n<a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">8<\/a> ND 4.2.89<br \/>\n<a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">9<\/a> ND 17.8.89<br \/>\n<a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">10<\/a> Wagner, bpb<br \/>\n<a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">11<\/a> BStU, MfS, ZAIG 15217, 99f<br \/>\n<a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">12<\/a> osa, NOIJ. 89\/2\/7<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 5px;\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Breier_cUwe-Steinert.jpg\" width=\"140\" \/><br \/>\n<sup>\u00a9 Uwe Steinert<br \/>\n<\/sup><\/td>\n<td><\/td>\n<td bgcolor=\"#3d9b35\">\n<h4 style=\"color: #ffffff; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Dr. phil. Zsuzsa Breier<\/h4>\n<p style=\"color: #ffffff; padding: 0px 10px 5px 10px;\">1963 in Budapest geboren, studierte an der E\u00f6tv\u00f6s Lor\u00e1nd Universit\u00e4t Literatur- und Kulturwissenschaft, unterrichtete an ihrer Heimatuniversit\u00e4t Neuere Deutsche Literatur und an der Berliner Humboldt-Universit\u00e4t Kulturmanagement, wechselte 2004 in den diplomatischen Dienst, organisierte das \u201eKulturjahr der Zehn\u201c, gr\u00fcndete die \u201eGesellschaft zur F\u00f6rderung der Kultur im erweiterten Europa\u201c und publizierte die Anthologie \u201eFreiheit, ach Freiheit\u2026\u201c. 2012 wurde sie von der Hessischen Landesregierung als Europastaatssekret\u00e4rin berufen, 2015 leitete sie die Handelsblatt Global Edition, seit 2016 forscht sie zu dem Jahr 1989.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>\u201eEr war noch so jung\u201c<span><\/h2>\n<p>Das Jahr 1989 entwickelt sich zu dem bedeutendsten Umbruchsjahr der Nachkriegszeit Europas. Als exklusiven Vorabdruck ihres Buches gew\u00e4hrt die Literaturwissenschaftlerin und Diplomatin Zsuzsa Breier in vier Beitr\u00e4gen f\u00fcr den DHM-Blog einen Einblick in die rasanten Entwicklungen in Deutschland und Ungarn vor drei\u00dfig Jahren.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2769,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1716,1187,337,1718,1678,1720,1712,1710],"class_list":["post-2765","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichten-aktuell","tag-1716","tag-ddr","tag-gefluechtete","tag-mauertote","tag-menschenrechte","tag-rechtsextremisus","tag-ungarn","tag-zsuzsa-breier"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2765","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2765"}],"version-history":[{"count":23,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2765\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2906,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2765\/revisions\/2906"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2769"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2765"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2765"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2765"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}