
{"id":2903,"date":"2019-04-17T17:04:36","date_gmt":"2019-04-17T15:04:36","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=2903"},"modified":"2019-04-17T17:04:36","modified_gmt":"2019-04-17T15:04:36","slug":"wir-sind-nicht-neugierig-wir-sind-nur-wissbegierig","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2019\/04\/17\/wir-sind-nicht-neugierig-wir-sind-nur-wissbegierig\/","title":{"rendered":"\u201eWir sind nicht neugierig, wir sind nur wi\u00dfbegierig\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>\u201eWir sind nicht neugierig, wir sind nur wi\u00dfbegierig\u201c<\/h1>\n<h3>Besondere Vorkommnisse \u2013 Heute vor 30 Jahren | Teil 2<\/h3>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Zsuzsa Breier | 17. April 2019<\/span><\/p>\n<p><strong>Das Jahr <a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/jahreschronik\/1989.html\" target=\"_blank\">1989<\/a> entwickelt sich zu dem bedeutendsten Umbruchsjahr der Nachkriegszeit Europas. Als exklusiven Vorabdruck ihres Buches gew\u00e4hrt die Literaturwissenschaftlerin und Diplomatin Zsuzsa Breier in <a href=\"\/blog\/tag\/Zsuzsa-Breier\/\" target=\"_blank\">vier Beitr\u00e4gen<\/a> f\u00fcr den DHM-Blog einen Einblick in die rasanten Entwicklungen in Deutschland und Ungarn vor drei\u00dfig Jahren.<\/strong><\/p>\n<p>Am 1. M\u00e4rz 1989 werden in Ungarn 70 Wehrdienstverweigerer aus der Haft entlassen, nachdem ein neues Gesetz k\u00fcnftig auch einen zivilen Ersatzdienst erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>An diesem Tag beraten sich in Budapest zehn Mitglieder der <em>Kommission f\u00fcr Historische Gerechtigkeit (<\/em>TIB). Vor knapp einem Jahr wandten sich die 32 Gr\u00fcndungsmitglieder mit einem <em>Aufruf an die ungarische Gesellschaft: <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Seit drei Jahrzehnten verbergen wild wuchernde B\u00fcsche an der abgelegenen Parzelle 301 des R\u00e1koskereszt\u00far-Friedhof Hunderte Opfer der rachlustigen neostalinistischen S\u00e4uberungen vom 4.November 1956. Den Angeh\u00f6rigen wird bis heute vorenthalten, in welcher Grube, an welcher Ecke des trostlosen Gefangenenfriedhofs die Ihren liegen\u2026 <\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Wir wenden uns an die ungarische Gesellschaft: mit uns zusammen soll sie die ehrenvolle Bestattung der Hingerichteten und die Errichtung eines nationalen Denkmals fordern, um die Erinnerung an die stalinistische Willk\u00fcr und den gegen sie gefochtenen Freiheitskampf sowie das Gedenken an die Opfer wachzuhalten.<\/em><sup><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">1<\/a><\/sup><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Auf der Tagesordnung stehen die Punkte<em> Probe-Grabungen <\/em>und <em>Begr\u00e4bnis &#8211;<\/em> was diese Worte bald bewirken werden, dass <em>das Begr\u00e4bnis<\/em> bald Geschichte schreiben wird, ahnt keiner der Teilnehmer.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/kapitel\/geteiltes-deutschland-krisenmanagement\/niedergang-der-ddr\/ueberwachung.html\" target=\"_blank\">MfS<\/a> in Berlin ist besorgt \u00fcber die Entwicklungen in\u00a0 Ungarn, der <em>Leiter der Operativgruppe (OPG) des MfS in der Ungarischen Volksrepublik<\/em> Oberleutnant Weller meldet am 2. M\u00e4rz:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Genn. OSL (Oberstleutnant) Kivago, Marika machte \u2026 mir gegen\u00fcber \u2026 Andeutungen \u2026 Dabei war eine regelrechte Angst vor den Forderungen der sogenannten alternativen Gruppen, insbesondere der sich neu formierenden Sozialdemokratischen Partei Ungarns erkennbar. <\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Ziele und Vorstellungen dieser Partei, die auf einer Versammlung am 1.3. 89 in Budapest verk\u00fcndet wurden: &#8211; Aufl\u00f6sung der Milit\u00e4rbl\u00f6cke &#8211; Souver\u00e4nit\u00e4t und Neutralit\u00e4t Ungarns &#8211; Radikale Reform der Eigentumsverh\u00e4ltnisse &#8211; Ablehnung der Alleinherrschaft irgendeiner Organisation oder Schicht &#8211; Berufssoldaten und -offiziere sowie Anw\u00e4lte und Richter sollen keiner politischen Partei angeh\u00f6ren &#8211; Parteien sollen keine bewaffnete Organisationen um sich herum bilden. .-..<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>\u00a0\u2026 (Kivago) \u00e4u\u00dfert besorgt die Bef\u00fcrchtung, da\u00df beschlossen werden wird, da\u00df nur Parteilose weiter im Sicherheitsapparat arbeiten d\u00fcrfen und zeigte sich ratlos \u00fcber eine solche Entscheidung.\u00a0 \u2026 Im Verlaufe des Gespr\u00e4chs kam hier jedoch eine Tendenz ihrerseits zum Vorschein, im Notfall lieber die Parteizugeh\u00f6rigkeit aufzugeben und im Ministerium bleiben.<\/em><sup><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">2<\/a><\/sup><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Stasi-Chef <a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/biografie\/erich-mielke.html\" target=\"_blank\">Erich Mielke<\/a> legte immer gro\u00dfen Wert auf <em>die Beziehungen<\/em> zu den Bruderl\u00e4ndern, bei einem Freundschaftstreffen im Jahr 1979 sagte er zu dem ungarischen Geheimdienst-Delegationsleiter:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Wir sind nicht neugierig, wir sind nur wi\u00dfbegierig, weil wir f\u00fcr uns, f\u00fcr unsere Sicherheit Schlu\u00dffolgerungen ziehen m\u00fcssen und weil wir die Auswirkungen solcher Erscheinungen auf die DDR erkennen m\u00fcssen.<\/em><sup><a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">3<\/a><\/sup><\/strong><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_2911\" style=\"width: 966px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2911\" class=\"size-large wp-image-2911\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/BA154761-1024x776.jpg\" alt=\"\" width=\"956\" height=\"724\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/BA154761-1024x776.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/BA154761-300x227.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/BA154761-768x582.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/BA154761.jpg 1408w\" sizes=\"auto, (max-width: 956px) 100vw, 956px\" \/><p id=\"caption-attachment-2911\" class=\"wp-caption-text\">Erich Mielke auf dem Weg zu einer SED-Kundgebung auf dem Berliner Bebelplatz, 10.09.1989, Berlin (Ost) \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Im Jahre 1988 lautete eine der Schlussfolgerungen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong><span style=\"color: #008000;\"><em>Wir stehen vor einer neuen Situation. Die Zusammenarbeit mit den Bruderorganen gestaltet sich nicht einfacher. Das zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre. Z. B. ver\u00e4ndern sich politische Verh\u00e4ltnisse, die nicht unserer Auffassung entsprechen.<\/em><\/span><sup><a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">4<\/a><\/sup><\/strong><\/p>\n<p>In der DDR gilt eine neue <a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/kapitel\/geteiltes-deutschland-krisenmanagement\/niedergang-der-ddr\/ausreise.html\" target=\"_blank\">Reiseverordnung<\/a>, sie hilft aber nicht, wenn zu viel Unterw\u00e4sche im Koffer, ein Passfoto oder ein Fotoalbum ganz schnell zum Verh\u00e4ngnis f\u00fcr die Reisenden werden k\u00f6nnen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Lutz M. (20), Bootsbauer &#8230; nicht organisiert, keine Vorstrafen, verheiratet seit 11. 2.1989 &#8230;<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Marion (20), Kellnerin, seit 27.02.89 ohne Arbeitsverh\u00e4ltnis. <\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>In der politisch-operativen Bearbeitung des OV &#8222;Hochzeitsreise&#8220; wurde der Verdacht erarbeitet, da\u00df die Eheleute M. beabsichtigten, ihre f\u00fcr den Zeitraum v. 1. bis 4.03.89 geplante Hochzeitsreise nach Warschau zur Nichtr\u00fcckkehr in die DDR zu nutzen. &#8230;<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Da dar\u00fcber hinaus erarbeitet wurde, da\u00df die Eheleute M. f\u00fcr den 01.03.89 10.30 Uhr einen Flug von Bl. Sch\u00f6nefeld nach Warschau gebucht hatten, wurde eine Zollintensivkontrolle veranla\u00dft. Im Ergebnis derselben wurden anstehend aufgef\u00fchrte Unterlagen bei ihnen festgestellt. &#8230;. je ein Pa\u00dffoto in Farbe von M.,Thomas und Marion &#8230; Ein pers. Fotoalbum\u00a0 mit pers. Bildern (Erinnerungcharakter) &#8230; Eine Tageszeitung &#8222;Neue Zeit&#8220; vom 14.12. 88 mit der Ver\u00f6ffentlichung der &#8222;Verordnung \u00fcber Reisen von DDR B\u00fcrgern nach dem Ausland&#8220; . <\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrten die Verd\u00e4chtigen in ihrem Gep\u00e4ck im Vergleich zum vorgesehenen Reisezeitraum unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel Unterbekleidung mit sich. Auf dieser Grundlage wurden beide vom Flug nach Warschau ausgesetzt und zur Verdachtspr\u00fcfung gegen 12.15 Uhr dem KD K\u00f6penick der EG IX im PdVP Berlin zugef\u00fchrt. &#8230;<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Es wird vorgeschlagen, gegen Thomas M. und Marion M. Ermittlungsverfahren wegen vorbereiteter Nichtr\u00fcckkehr in die DDR gem. \u00a7\u00a0 213 (2) (3) 4, 5 (4) StGB einzuleiten und Haftbefehle zu erwirken.<\/em><sup><a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">5<\/a><\/sup><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Das bundesrepublikanische <em>\u00c4rzteblatt <\/em>berichtet am 1. M\u00e4rz \u00fcber die Ungarn-Hilfe der Freifrau Csilla von Boeselager, mit Bild der Baronin in ihrem holzget\u00e4felten Arbeitszimmer im Wasserschloss H\u00f6llinghofen,<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Das Kaminzimmer im idyllisch gelegenen Schlo\u00df H\u00f6llinghofen im Arnsberger Wald wurde zur \u201cKommandozentrale\u201d f\u00fcr ein beispielloses Unternehmen<\/em>, &#8230;<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>&#8230; die Baronin schaffte es \u2026 innerhalb von 14 Monaten 35 Lastwagen mit einem Spendengut aus bundesdeutschen Krankenh\u00e4usern und Arztpraxen im Wert von 6,5 Millionen Mark nach Ungarn zu schicken. Seit dem 1. Januar 1989 sind bereits weitere zw\u00f6lf Sendungen \u00fcber die Grenze gegangen. Insgesamt haben die Spenden ein Volumen von 220 Millionen Forint erreicht. Zum Vergleich: Das ungarische Staatsministerium f\u00fcr Gesundheit und Soziales hat f\u00fcr das laufende Jahr einen Investitionshaushalt von 635 Millionen Forint\u2026<\/em><sup><a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">6<\/a><\/sup><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Hardliner der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (USAP) \u00fcberlegen indes den Ausruf des Notstands, Generalsekret\u00e4r K\u00e1roly Gr\u00f3sz beruft Ende 1988 zehn Gesinnungsgenossen in eine <em>Kommission<\/em>, in der \u00d6ffentlichkeit bestreitet er, dass es sich um eine Notstandskommission handeln w\u00fcrde, der Kommandant der gef\u00fcrchteten Kampfgruppe <em>Munk\u00e1s\u00f6rs\u00e9g <\/em>S\u00e1ndor Borb\u00e9ly ist jedoch Mitglied der Kommission, w\u00e4hrend auf die Mitwirkung \u00a0von reformkommunistischen Genossen wie Imre Pozsgay und Mikl\u00f3s N\u00e9meth verzichtet wird, hierzu wird sich der Parteichef sp\u00e4ter so \u00e4u\u00dfern:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><em><strong>\u2026der gew\u00e4hlten F\u00fchrung der Partei konnte ich seit Beginn des Jahres 1989 nicht mehr trauen \u2026 Mikl\u00f3s N\u00e9meth nahm uns \u00fcbel, dass er in die Ausarbeitung der Pl\u00e4ne nicht einbezogen wurde \u2026, ich sagte daraufhin, seine Einladung in die Kommission w\u00e4re f\u00fcr mich so, als ob ich auch Herrn Palmer, den US-Botschafter gleich mit beteiligt h\u00e4tte \u2026, denn egal wor\u00fcber im Politb\u00fcro diskutiert wurde, Palmer war schon am n\u00e4chsten Morgen im Bilde\u2026.<\/strong> <\/em><\/span><\/p>\n<p>Denn in der Tat, w\u00e4hrend Erich Honecker und J\u00e1nos K\u00e1d\u00e1r noch mit Leonid Breschnew auf die Jagd gingen, spielt Ungarns Reform-Regierungschef N\u00e9meth morgens nicht etwa mit dem sowjetischen Botschafter, sondern mit dem US-amerikanischen Botschafter Marc Palmer Tennis.<\/p>\n<p>Auch andere fr\u00fchere <em>Feinde des kapitalistischen Auslands<\/em> scheinen in Ungarn pl\u00f6tzlich gern gesehen zu sein, so der ehemalige Kronprinz Otto von Habsburg, nach 73 Jahren Abwesenheit reist er im M\u00e4rz 1989 erstmals wieder offiziell nach Ungarn, zuletzt wohnte der damals Vierj\u00e4hrige 1916 der Kr\u00f6nungszeremonie seines Vaters Karl IV und seiner Mutter Zita in der Matthiaskirche bei, jetzt ist er 77 und kommt als Delegationsmitglied des Europ\u00e4ischen Parlaments in sein ehemaliges Kronland. Bis vor kurzem galt in Ungarn Einreiseverbot f\u00fcr die Familie Habsburg, <em>die Ausstellung eines ungarischen Passes f\u00fcr die Mitglieder der Familie Habsburg ist nicht erw\u00fcnscht\u2026, <\/em>ordnete die Regierung 1946 an<sup><a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">7<\/a><\/sup>, aber am 15. Juli 1987 sah Ungarns Au\u00dfenminister P\u00e9ter V\u00e1rkonyi kein Hindernis mehr f\u00fcr eine Einreise, angesichts der <em>loyalen Haltung<\/em> des ehemaligen Thronw\u00e4rters <em>Ungarn gegen\u00fcber <\/em>und wies sogar die Grenzstation an, die Einreise <em>ohne Hindernisse<\/em> \u00fcber die B\u00fchne gehen zu lassen<sup><a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">8<\/a><\/sup>, als Otto von Habsburg am 1. August 1987 seine erste, streng private Reise nach Ungarn antritt.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter folgte die zweite private Reise, <em>ger\u00fchrt <\/em>\u00a0soll der ehemals Thronw\u00e4rter im Nationalmuseum vor der Krone gestanden haben, f\u00fcr noch gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit sorgt er jedoch mit seinem offiziellem Besuch:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>F\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen sorgt er, wo er auch erscheint<\/em>, <em>manche empfangen ihn sofort mit herausbrechender Freude, andere mit Vorbehalt, Letztere bef\u00fcrchten nicht nur die R\u00fcckkehr der alten Zeiten, sondern auch, dass das eine oder das andere politische Lager Wasser auf die M\u00fchle bekommen k\u00f6nnte.<\/em><sup><a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">9<\/a><\/sup><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Der Besuch schl\u00e4gt auch im Ausland Wellen, am 3. M\u00e4rz 1989 meldet Ungarns Botschafter aus Kopenhagen in einem streng geheimen Telegramm nach Budapest:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Ich erachte es als meine Pflicht zu melden, dass Gerhard Gmoser, Botschafter \u00d6sterreichs in D\u00e4nemark &#8230; \u00a0Unverst\u00e4ndnis bez\u00fcglich des enthusiastischen Empfangs von Otto Habsburg in Ungarn \u00e4u\u00dferte. &#8230; ob wir denn nicht die Proportionen zwischen der Delegation und Otto Habsburg verfehlt h\u00e4tten?<\/em><sup><a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">10<\/a><\/sup><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Ungarn muss sich erkl\u00e4ren, der warmherzige Empfang des ehemaligen Thronw\u00e4rters in einem kommunistischen Land befremdet vor allem die Sozialdemokraten in der Delegation, die reformwillige Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei will die sich gerade anbahnenden Kontakte zu Europas Sozialdemokraten nicht gef\u00e4hrden, deshalb erkl\u00e4rt das ungarische Au\u00dfenministerium unverz\u00fcglich:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Die ungarische Regierung sch\u00e4tzt die Bem\u00fchungen von Otto Habsburg um den Ausbau der Beziehungen zwischen Ungarn und der Europ\u00e4ischen Union hoch, dieser Umstand bedeutet aber keinesfalls, dass wir die politische Philosophie des Genannten im allgemeinen teilen w\u00fcrden.<\/em><sup><a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">11<\/a><\/sup><\/strong><\/span><\/p>\n<h3>Quellen<\/h3>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">1<\/a> besz\u00e9l\u00f6 25, 88\/3 (alle \u00dcbersetzungen, wenn nicht anders angegeben, von der Autorin)<br \/>\n<a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">2<\/a> BStU, MfS, X. 61, 34<br \/>\n<a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">3<\/a> BStU, MfS, HA 9, 60<br \/>\n<a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">4<\/a> BStU, MfS, HA VI 8, 7<br \/>\n<a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">5<\/a> MfS ZOS 3584, 349<br \/>\n<a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">6<\/a> Die Neue \u00c4rztliche Nr. 42, 1.3.89<br \/>\n<a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">7<\/a> MNL OL XXXII-J-13-2861-1946<br \/>\n<a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">8<\/a> MNL OL XIX-J-1-j-1987<br \/>\n<a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">9<\/a> MTI 18.7.1988, nach mnl.gov.hu<br \/>\n<a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">10<\/a> MNL OL-XIX-J-1-j-1989<br \/>\n<a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">11<\/a> MNL OL XIX\u2013J\u20131\u2013j\u20131989\u2013A\u201310\u201310\u2013001442<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 5px;\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Breier_cUwe-Steinert.jpg\" width=\"140\" \/><br \/>\n<sup>\u00a9 Uwe Steinert<br \/>\n<\/sup><\/td>\n<td><\/td>\n<td bgcolor=\"#3d9b35\">\n<h4 style=\"color: #ffffff; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Dr. phil. Zsuzsa Breier<\/h4>\n<p style=\"color: #ffffff; padding: 0px 10px 5px 10px;\">1963 in Budapest geboren, studierte an der E\u00f6tv\u00f6s Lor\u00e1nd Universit\u00e4t Literatur- und Kulturwissenschaft, unterrichtete an ihrer Heimatuniversit\u00e4t Neuere Deutsche Literatur und an der Berliner Humboldt-Universit\u00e4t Kulturmanagement, wechselte 2004 in den diplomatischen Dienst, organisierte das \u201eKulturjahr der Zehn\u201c, gr\u00fcndete die \u201eGesellschaft zur F\u00f6rderung der Kultur im erweiterten Europa\u201c und publizierte die Anthologie \u201eFreiheit, ach Freiheit\u2026\u201c. 2012 wurde sie von der Hessischen Landesregierung als Europastaatssekret\u00e4rin berufen, 2015 leitete sie die Handelsblatt Global Edition, seit 2016 forscht sie zu dem Jahr 1989.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>\u201eWir sind nicht neugierig, wir sind nur wi\u00dfbegierig\u201c<span><\/h2>\n<p>Das Jahr 1989 entwickelt sich zu dem bedeutendsten Umbruchsjahr der Nachkriegszeit Europas. Als exklusiven Vorabdruck ihres Buches gew\u00e4hrt die Literaturwissenschaftlerin und Diplomatin Zsuzsa Breier in vier Beitr\u00e4gen f\u00fcr den DHM-Blog einen Einblick in die rasanten Entwicklungen in Deutschland und Ungarn vor drei\u00dfig Jahren.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2912,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1716,1187,1767,1712,1710],"class_list":["post-2903","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichten-aktuell","tag-1716","tag-ddr","tag-erich-mielke","tag-ungarn","tag-zsuzsa-breier"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2903","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2903"}],"version-history":[{"count":7,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2903\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2917,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2903\/revisions\/2917"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2912"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}