
{"id":294,"date":"2016-08-31T14:07:40","date_gmt":"2016-08-31T12:07:40","guid":{"rendered":"http:\/\/dhm.web11.server10.lombego.de\/?p=294"},"modified":"2016-12-12T14:38:22","modified_gmt":"2016-12-12T13:38:22","slug":"gluecksspiele-am-kaiserlichen-hof","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2016\/08\/31\/gluecksspiele-am-kaiserlichen-hof\/","title":{"rendered":"Gl\u00fccksspiel am kaiserlichen Hof"},"content":{"rendered":"<div class=\"title-block\">\n<h1 class=\"fs28\">BIS ZUM LETZTEN DUKATEN: GL\u00dcCKSSPIEL AM KAISERLICHEN HOF<\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"body-text fs12\">\n<p><b>Im Sommer 2016 befindet sich Europa im Pok\u00e9mon-Go-Fieber. Doch die Lust am Spiel ist kein Ph\u00e4nomen des 21. Jahrhunderts. Schon an vormodernen H\u00f6fen widmete man sich dem &#8222;Gaming&#8220;: Ob Billard, Flipper, Karten oder Verlosungen, der Adel wusste sich zu unterhalten. Oft ging es dabei nicht nur um die Ehre, sondern um viel Geld. So auch am Wiener Hof zu Zeiten Maria Theresias im 18. Jahrhundert. Die \u00f6sterreichische Regentin war eine leidenschaftliche Spielerin &#8211; und gestattete auch dem Volk das Gl\u00fccksspiel.<\/b><\/p>\n<p>Die anwesenden Adeligen trauten Ihren Augen nicht: 4500 Lose zu je zw\u00f6lf Dukaten hatte Erzherzogin Maria Theresia ausgegeben. Sie selbst hatte nur sechs St\u00fcck gekauft &#8211; deutlich weniger als viele ihrer Mitspieler. Doch jetzt, da die Ziehung anstand, fischte der Hofdiener den Namen Maria Theresias aus der Porzellanvase. Spiel um Spiel mussten die F\u00fcrsten die gleiche Beobachtung machen: Die erste Dame Europas hatte ein nahezu unversch\u00e4mtes Gl\u00fcck. Schlie\u00dflich fanden die Ziehungen nicht wie heute unter notarieller Aufsicht statt. Immerhin gab Maria Theresia sich in diesem Fall gro\u00dfm\u00fctig &#8211; und schenkte das soeben gewonnene Haus kurzerhand ihrem Obersthofmeister.<\/p>\n<h2>KNALLHARTES ZOCKEN AM KAISERLICHEN HOFE<\/h2>\n<p>Obwohl Maria Theresia nur die Gattin des habsburgischen Kaisers Franz I. war, f\u00fchrte sie die \u00f6sterreichischen Regierungsgesch\u00e4fte Mitte des 18. Jahrhunderts nahezu allein. Die Erzherzogin galt nicht nur als klug und durchsetzungsstark, sondern auch als temperamentvoll und dem Leben zugewandt. W\u00e4hrend ihrer Regierungszeit ging es am Wiener Hof sehr heiter zu. Neben regelm\u00e4\u00dfigen B\u00e4llen, Festen, Konzerten und Theaterauff\u00fchrungen standen auch immer wieder Spieleabende auf dem Programm.<\/p>\n<p>In den prachtvollen Salons des Hofes standen edle Tische aus wertvollen H\u00f6lzern bereit, die zum Flipper, Tischbillard oder Kanonenspiel einluden. Nachdem die Gesellschaft sich dort eine Zeit lang vergn\u00fcgt hatte, kam ein ausgew\u00e4hlter Kreis von Adeligen in den innersten Gem\u00e4chern des Hofes zusammen &#8211;\u00a0 und zockte dort stundenlang um hohe Geldsummen. Maria Theresia ging dabei nicht zimperlich vor: Einmal soll sie 100.000 Dukaten beim &#8222;Pharao&#8220; verloren haben, einem Kartenspiel, das in \u00d6sterreich offiziell untersagt war. Doch die Herrscherin f\u00fcrchtete weder Verbote noch Niederlagen. Meistens gewann sie am n\u00e4chsten Abend ohnehin wieder. Geschah dies nicht, kam ein anderer Vorteil zum Tragen: Im Gegensatz zu ihren Mitspielern verf\u00fcgte sie \u00fcber schier unermessliche Geldreserven.<\/p>\n<p>Das Gl\u00fcckspiel am habsburgischen Hof brachte viele F\u00fcrsten um ihre letzten Ersparnisse. Selbst gut betuchte Teilnehmer mussten angesichts der horrenden Eins\u00e4tze kapitulieren. Doch die im Spiel gl\u00fcckliche Regentin hatte gr\u00f6\u00dftenteils positive Erfahrungen gesammelt. Sie beschloss, auch die Bev\u00f6lkerung an ihrem Faible teilhaben zu lassen. 1751 f\u00fchrte sie unter dem Namen &#8222;Lotto di Genova&#8220; &#8211; die Genueser hatten das Spiel im 15. Jahrhundert erfunden &#8211; eine \u00f6ffentliche Lotterie ein. Im folgenden Jahr fand in der Wiener Innenstadt die erste Ziehung statt.<\/p>\n<h2>DAS GL\u00dcCKSSPIEL F\u00dcLLT DEN STAATSS\u00c4CKEL &#8211; UND VERSCHWINDET VOM HOF<\/h2>\n<p>Zwar lief die Lotterie in den Anfangsjahren schleppend an. Doch auf lange Sicht erwies sich die Entscheidung Maria Theresias als Gl\u00fccksgriff. Als ihr Sohn Joseph II. rund 25 Jahre nach Einf\u00fchrung der \u00f6ffentlichen Lotterie ein Verbot erwog, wiegelten seine Berater entschlossen ab: Das beliebte Gl\u00fccksspiel beschere dem Staat pr\u00e4chtige Einnahmen, auf die man nicht verzichten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Joseph II., der die Vorliebe seiner Mutter nicht im Geringsten teilte, beugte sich und lie\u00df dem Volk sein Gl\u00fccksspiel. An seinem Hof hingegen bereitete er dem Gezocke schnellstm\u00f6glich ein Ende. Wo eine illustre Gesellschaft fr\u00fcher bis sp\u00e4t in die Nacht die letzten Dukaten verspielt hatte, kehrte nun Ruhe ein. F\u00fcr Spieleabende hatte der neue Kaiser ohnehin wenig Zeit: Im Schutze der Dunkelheit suchte Joseph f\u00fcr gew\u00f6hnlich seine \u00fcber ganz Wien verstreuten Aff\u00e4ren auf.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BIS ZUM LETZTEN DUKATEN: GL\u00dcCKSSPIEL AM KAISERLICHEN HOF Im Sommer 2016 befindet sich Europa im Pok\u00e9mon-Go-Fieber. 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