
{"id":298,"date":"2016-08-25T14:15:51","date_gmt":"2016-08-25T12:15:51","guid":{"rendered":"http:\/\/dhm.web11.server10.lombego.de\/?p=298"},"modified":"2016-12-09T14:53:44","modified_gmt":"2016-12-09T13:53:44","slug":"die-elektrifizierung-deutschlands","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2016\/08\/25\/die-elektrifizierung-deutschlands\/","title":{"rendered":"Die Elektrifizierung Deutschlands"},"content":{"rendered":"<div class=\"title-block\">\n<h1 class=\"fs28\">DAS MAGISCHE LEUCHTEN: DIE ELEKTRIFIZIERUNG DEUTSCHLANDS<\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"body-text fs12\">\n<p><b>Vor rund 150 Jahren war es in deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten nach Sonnenuntergang oft d\u00fcster und gef\u00e4hrlich. Im fr\u00fchen Kaiserreich schimmerten nur wenige Gaslaternen durch die n\u00e4chtlichen Stra\u00dfen. Anfang der 1880er war es damit vorbei: Eine neue Technologie schwappte \u00fcber den Atlantik \u2013 und sollte <a class=\"textlink internal\" title=\"Mehr zum Alltagsleben im Kaiserreich auf LeMO\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/kaiserreich\/alltagsleben.html\" target=\"_blank\">das Leben<\/a> in den deutschen Metropolen radikal ver\u00e4ndern.<\/b><\/p>\n<p>Ehrf\u00fcrchtig betreten die Berliner an diesem Mittwochabend den Potsdamer Platz. Das pulsierende Herz der Hauptstadt ist trotz der sp\u00e4ten Stunde in ein glei\u00dfendes Licht geh\u00fcllt, das auch die entferntesten Ecken der riesigen Fl\u00e4che ausleuchtet. Nichts erinnert an das schummrige Geflimmer der Gaslaternen, das sich bisher Nacht f\u00fcr Nacht wie eine milchige Schicht \u00fcber Berlin legte und die Bewohner aus Angst vor Kriminalit\u00e4t fr\u00fch in ihre Wohnungen trieb. Doch von den im Halbdunkel agierenden Taschendieben, die in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Problem f\u00fcr die Hauptstadt geworden sind, fehlt heute jede Spur.<\/p>\n<p>Bis hinunter zur Friedrichstra\u00dfe erstrahlt im September 1882 ein bisher unbekanntes, magisches Leuchten. 36 Bogenlampen hat die Stadtverwaltung auf dem Platz und der angrenzenden Leipziger Stra\u00dfe aufstellen lassen \u2013 die ersten in Berlin, die mit elektrischem Strom betrieben werden. Sie bilden den Anfang einer neuen n\u00e4chtlichen Lichtflut.<\/p>\n<h2>THOMAS A. EDISON WIRD ZUM ANTRIEB DER MODERNE<\/h2>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung ist von der Illumination ihrer Stadt fasziniert: F\u00fcr die Zeitgenossen f\u00fchrt die elektrische Stra\u00dfenbeleuchtung nicht nur zu einem Gef\u00fchl st\u00e4rkerer Sicherheit. Viele sehen in ihr den Startschuss f\u00fcr eine Epoche des Fortschritts. In der preu\u00dfischen Metropole beginnt elf Jahre nach Gr\u00fcndung des Kaiserreichs eine neue \u00c4ra.<\/p>\n<p>Den Grundstein f\u00fcr Berlins neuen, elektrischen Glanz hatte Ende der 1870er Jahre der US-Amerikaner Thomas A. Edison mit der Erfindung der <a class=\"textlink internal\" title=\"Zum Objekt auf LeMO\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/bestand\/objekt\/rb000100\" target=\"_blank\">Gl\u00fchbirne<\/a> gelegt. Nachdem er diese 1882 in New York der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt hatte, fand die Technologie noch im gleichen Jahr ihren Weg \u00fcber den Atlantischen Ozean.<\/p>\n<h2>DAS NEUE LICHT STRAHLT SAUBERER<\/h2>\n<p>Edisons Erfindung war nicht umsonst umjubelt. Denn das elektrische Licht hatte gegen\u00fcber der Gasbeleuchtung drei entscheidende Vorteile: Es war rund dreimal heller, abgasfrei und vor allem erheblich sicherer. Noch 1881 hatte ein Unfall der \u00d6ffentlichkeit das Risiko der alten Technik drastisch vor Augen gef\u00fchrt: Bei einem durch eine defekte Gasbeleuchtung im Wiener Ringtheater ausgel\u00f6sten Brand waren fast 400 Menschen ums Leben gekommen.<\/p>\n<p>Die neue Technologie wurde schnell zum Erfolg. 1883 gr\u00fcndete Emil Rathenau in Berlin die Gesellschaft f\u00fcr angewandte Elektrizit\u00e4t, aus der wenige Jahre sp\u00e4ter die AEG hervorging. \u00c4hnliche Unternehmen siedelten sich in der deutschen Hauptstadt an und Berlin avancierte zum Zentrum der europ\u00e4ischen Elektroindustrie. Zwar blieb Gas bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine g\u00fcnstigere Alternative, doch das elektrische Licht setzte sich schnell als Stra\u00dfenbeleuchtung, zur Illumination \u00f6ffentlicher Geb\u00e4ude und im gewerblichen Bereich durch.<\/p>\n<h2>BERLIN STEHT UNTER STROM<\/h2>\n<p>Schon bald erweiterten sich die Anwendungsgebiete der Elektrizit\u00e4t weit \u00fcber die Beleuchtung hinaus. 1891 fand die erste Drehstrom\u00fcbertragung \u00fcber eine Strecke von 176 Kilometern statt. Von nun an lie\u00dfen sich St\u00e4dte aus der Ferne mit Energie versorgen. Ab 1895 stellte Berlin seine bisherigen Pferdebahnlinien auf elektrischen Betrieb um. Bis zum ersten Weltkrieg entwickelte sich die <a class=\"textlink internal\" title=\"Die erste elektrische Stra\u00dfenbahn\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/bestand\/objekt\/illustrirte-zeitung-zur-ersten-elektrischen-strassenbahn-1881.html\" target=\"_blank\">elektrische Stra\u00dfenbahn<\/a> in der Hauptstadt und anderen Metropolen zum dominierenden \u00f6ffentlichen Nahverkehrsmittel.<\/p>\n<p>Die Wohnungen der Menschen erreichte die Elektrifizierung in gr\u00f6\u00dferem Umfang erst in den zwanziger Jahren. Verf\u00fcgten 1914 nur rund f\u00fcnf Prozent der Berliner Wohnungen \u00fcber elektrischen Strom, waren es elf Jahre sp\u00e4ter bereits 25 und Ende der 1920er Jahre sogar 50 Prozent.<\/p>\n<p>Im Berlin der <a class=\"textlink internal\" title=\"Zum Epochenbereich\" href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1918-1933.html\" target=\"_blank\">\u201eGoldenen Zwanziger\u201c<\/a> zeigte sich das neue Antlitz, das die Elektrizit\u00e4t den St\u00e4dten gegeben hatte, in eindrucksvoller Pracht. Ob hell erleuchtete Schauspielh\u00e4user, im Vorbeirauschen gl\u00e4nzende Stra\u00dfenbahnen oder lichtdurchflutete Wohnungen: Die Stadt stand wortw\u00f6rtlich unter Strom. Knapp ein halbes Jahrhundert nachdem die Illumination des Potsdamer Platzes die Berliner in schieres Staunen versetzt hatte, war das matte Funkeln der Gaslaternen nur mehr eine Erinnerung aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DAS MAGISCHE LEUCHTEN: DIE ELEKTRIFIZIERUNG DEUTSCHLANDS Vor rund 150 Jahren war es in deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten nach Sonnenuntergang oft d\u00fcster und gef\u00e4hrlich. Im fr\u00fchen Kaiserreich schimmerten nur wenige Gaslaternen durch die n\u00e4chtlichen Stra\u00dfen. 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