
{"id":3204,"date":"2019-07-23T15:50:17","date_gmt":"2019-07-23T13:50:17","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=3204"},"modified":"2024-07-19T11:10:21","modified_gmt":"2024-07-19T09:10:21","slug":"wozu-das-denn-ein-schein-zum-anders-sein","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2019\/07\/23\/wozu-das-denn-ein-schein-zum-anders-sein\/","title":{"rendered":"Wozu das denn? Ein Schein zum (Anders)-Sein"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Ein Schein zum (Anders)-Sein<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber \u201eFreunde und Helfer\u201c von Trans* Menschen in der Weimarer Republik<\/h2>\n\n\n\n<p><span style=\"color: #008000;\">Thomas Jander | 23. Juli 2019<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Magnus Hirschfeld war der bekannteste Wissenschaftler und Aktivist der Sexualreformbewegung der Weimarer Republik. Schwerpunkt seiner Arbeit waren die Erforschung und Entkriminalisierung der Homosexualit\u00e4t sowie der geschlechtlichen Variationen, den sogenannten Sexuellen Zwischenstufen. Thomas Jander, <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/sammlung\/unsere-sammlung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sammlungsleiter Dokumente<\/a> stellt im DHM-Blog die Arbeit Hirschfelds genauer vor und erkl\u00e4rt, was es mit den sogenannten \u201eTransvestitenscheinen\u201c auf sich hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1919 \u2013 Die Gr\u00fcndung des Instituts f\u00fcr Sexualwissenschaf<strong>t <\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der Sommer 1919 war f\u00fcr die Zukunft Deutschlands und Europas von tiefgreifender Bedeutung: Am 28. Juni unterschrieben die Vertreter der bis dahin formal noch immer kriegf\u00fchrenden Nationen den Friedensvertrag von Versailles. Gut einen Monat sp\u00e4ter beschloss die in Weimar tagende Nationalversammlung eine Verfassung, die das Land zur <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/weimarer-republik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ersten deutschen Republik<\/a> machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Weltpolitisch weit weniger wichtig aber gleichwohl keine blo\u00dfe historische Randnotiz war eine andere Gr\u00fcndung dieses Sommers: Am 6. Juli 1919 er\u00f6ffnete der Arzt und Sexualforscher Dr. Magnus Hirschfeld (1868 &#8211; 1935) in Berlin-Tiergarten das Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft. Es war die weltweit erste und f\u00fcr viele Jahre einzige St\u00e4tte der Erforschung, Beratung und Behandlung f\u00fcr Menschen jeder <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/weimarer-republik\/alltagsleben\/urbane-gefuehle.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sexueller Orientierung<\/a>. Vor allem aber suchten und fanden Homosexuelle und Trans* Menschen bei Hirschfeld und seinen Mitarbeiter*innen Rat und Hilfe.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image size-full wp-image-3219\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/MH_Transvestiten.jpg\" alt=\"Die Transvestiten, Magnus Hirschfeld und Max Tilke, 1910, 1912 \u00a9 UB der HU zu Berlin, Historische Sammlungen: Kg 85456:1-2:F8\" class=\"wp-image-3219\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/MH_Transvestiten.jpg 800w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/MH_Transvestiten-300x225.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/MH_Transvestiten-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Transvestiten, Magnus Hirschfeld und Max Tilke, 1910, 1912 \u00a9 UB der HU zu Berlin, Historische Sammlungen: Kg 85456:1-2:F8<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In dieser Zeit war Hirschfeld bereits seit langem im Kampf um die Entkriminalisierung der Homosexualit\u00e4t aktiv. Homosexuelle (beischlaf\u00e4hnliche) Handlungen waren nach \u00a7 175 Reichsstrafgesetzbuch (RStGB) verboten und strafbar: Es drohten Gef\u00e4ngnis und Verlust der b\u00fcrgerlichen Rechte. Durch diese Kriminalisierung wurde Homosexualit\u00e4t mit Prostitution und Verbrechertum gleichgesetzt und entsprechend \u00fcberwacht und bek\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hirschfelds Beziehungen zur Berliner Kriminalpolizei<\/h3>\n\n\n\n<p>Berlin war bereits um die Jahrhundertwende ein Anziehungspunkt f\u00fcr Homosexuelle und daher existierte hier bereits seit 1885 bei der Kriminalpolizei ein eigenes \u201eHomosexuellendezernat\u201c. Magnus Hirschfeld, der seit Anfang der 1890er Jahre in der Reichshauptstadt lebte, gelang es durch gute pers\u00f6nliche Beziehungen zu Kripo-Beamten teils bemerkenswert liberale Einstellungen zu erwirken. Er traf hier auf Kommissare, die durch Sachverstand und \u00dcberzeugung die Verfolgung von \u201eM\u00e4nnerfreunden und P\u00e4derasten\u201c entweder mit nur wenig Nachdruck betrieben oder sogar offen f\u00fcr die Abschaffung des \u00a7 175 eintraten: Leopold von Meerscheidt-H\u00fcllessem (1849 \u2013 1900), Hans von Tresckow (1863 \u2013 1934) und Heinrich Kopp (1871 \u2013 1941). Besonders gut war das Verh\u00e4ltnis zu Tresckow und Kopp, Leiter des Dezernats &nbsp;von 1900 bis 1911 bzw. von 1911 bis 1923. F\u00fcr Kopp setzte sich Hirschfeld als langj\u00e4hriges SPD-Mitglied sogar pers\u00f6nlich ein:<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>\u201eSehr geehrter Herr Minister und Genosse!\u201c <\/em>schrieb er im Fr\u00fchjahr 1919&nbsp; an den damaligen preu\u00dfischen Innenminister Paul Hirsch (1868-1940)<em> \u201eHinsichtlich der so notwendigen Reform des Polizeiwesens im sozialistischen Sinne rate ich dringend, den jetzigen Kriminalkommissar Dr. Heinrich Kopp ins Ministerium zu berufen.\u201c<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich blieb es f\u00fcr Schwule \u2013 lesbischer Sex war nicht strafw\u00fcrdig \u2013 bei der Praxis der \u00dcberwachung, gleichwohl stellte sich besonders in den ersten Jahren der Weimarer Zeit im Alltag ein nicht zu \u00fcbersehendes Ma\u00df an Duldung ein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich erging es Trans* Menschen, die im damaligen Sprachgebrauch \u201eTransvestit\u201c genannt wurden und im Gegensatz zu Homosexuellen (oft) auch als solche erkennbar waren: M\u00e4nner, die in der \u00d6ffentlichkeit als Frauen und Frauen, die in der \u00d6ffentlichkeit als M\u00e4nner auftraten. Zwar fiel das Tragen von Kleidern des jeweils anderes Geschlechts nicht unter den \u201eHomosexuellenparagraphen\u201c, blieb aber dennoch ein strafrechtlich geahndeter Akt und konnte nach \u00a7 183 RStGB als sexuelle Handlung bewertet mit bis zu einem Jahr Gef\u00e4ngnis bestraft werden. Da auch in diesen F\u00e4llen das Homosexuellendezernat zust\u00e4ndig war, erwies sich eine Zusammenarbeit mit Vertreter*innen der Sexualwissenschaft wiederum als vorteilhaft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u201eTransvestitismus\u201c und \u201eTransvestitenscheine\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Magnus Hirschfeld hatte in seinen Forschungen zur sexuellen Varianz \u2013 den \u201eZwischenstufen\u201c \u2013 den Begriff des \u201eTransvestiten\u201c gepr\u00e4gt und 1910 mit \u201eDie Transvestiten. Eine Untersuchung \u00fcber den erotischen Verkleidungstrieb\u201c die weltweit erste Studie dazu ver\u00f6ffentlicht. Dabei stellte er fest, dass keine zwangsl\u00e4ufige Verbindung zwischen Homosexualit\u00e4t und Transvestitismus besteht, sondern vielmehr eine Diskrepanz zwischen physischer und psychischer Verfassung. Weil so die jeweilige Kleidung f\u00fcr das k\u00f6rperliche und seelische Wohlbefinden von lebenswichtiger Bedeutung ist, war er der Ansicht, als Arzt nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet zu sein, die \u201eUmkleidung\u201c als notwendig zu attestieren. Auf dieser Grundlage konnten Kopp und Hirschfeld eine Regelung erwirken, die erlaubte, den entsprechenden M\u00e4nnern und Frauen nach Vorlage einer \u00e4rztliche Best\u00e4tigung ihres \u201eTransvestitismus\u201c polizeiliche Ausweise auszustellen \u2013 sogenannte Transvestitenscheine.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 1912 erhielt Bertha Buttgereit (1891 \u2013 1981) aus Berlin nach einem Gutachten Hirschfelds einen solchen Ausweis (und 1918 sogar einen Reisepass) und konnte fortan unbehelligt mit dem Vornamen Berthold als Mann leben. Ein anderer fr\u00fcher Transvestitenschein wurde ebenfalls 1912 Georg bzw. sp\u00e4ter Gerda von Zobeltitz (1891 \u2013 1963), die immer wieder mit der Polizei in Konflikt geriet und in Frauenkleidern sogar vor der Musterungskommission in Potsdam auftrat, nach Begutachtung Hirschfelds ausgestellt. &nbsp;Auch wenn in der Berliner Presse von \u00e4hnlichen F\u00e4llen berichtet wurde, waren sie im Kaiserreich Ausnahmen. Die einsetzende Liberalisierung und die allm\u00e4hliche \u00d6ffnung von Teilen der Gesellschaft f\u00fcr Fragen der Sexualreform in der Weimarer Republik verbesserten \u2013 zumindest vor\u00fcbergehend und vor allem in Berlin \u2013 auch die Lebensqualit\u00e4t der Trans* Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Scheine selbst wiesen die Inhaber*innen als offiziell bekannt \u201eM\u00e4nnerkleidung tragend\u201c bzw. \u201eFrauenkleidung tragend\u201c aus, wodurch sich diese bei Kontrollen durch Stra\u00dfenpolizisten, bei Razzien oder vor Gericht vor Verhaftung bzw. Bestrafung sch\u00fctzen konnten. 1922 ver\u00f6ffentlichte die Berliner Kripo ein Schreiben, das die Inhaftnahme nur wegen des Tragens geschlechtsuntypischer Kleidung verbot und ausf\u00fchrte:<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"color: #008000;\"><em><strong>\u201eDie im Publikum noch verbreitete Meinung, dass es sich bei den verkleideten Personen um verkappte Verbrecher [\u2026] handele, ist hinf\u00e4llig.\u201c<\/strong> <\/em><\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Dass es solche polizeilichen Publikationen geben konnte und Akzeptanz im allt\u00e4glichen Dienst erfuhr, lag wesentlich auch daran, dass die Beamten entsprechend geschult wurden \u2013 und zwar im Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft. Hierzu wurden den Polizisten, wie es in der damaligen wissenschaftlichen Praxis durchaus \u00fcblich war, \u201elebendige\u201c Vertreter*innen zur Anschauung gebracht. Es sind unter anderem zwei Seminare bekannt in denen Eva Katter (1910 \u2013 1995) \u2013 der Transvestitenschein von Katter wurde in der Ausstellung <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/2019\/demokratie-2019\/weimar\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eWeimar: Vom Wesen und Wert der Demokratie\u201c<\/a> des Deutschen Historischen Museums gezeigt \u2013 \u201eden Herren der h\u00f6heren Polizeischule Eiche\u201c vorgestellt wurde, um diese \u00fcber dieses Ph\u00e4nomen aufzukl\u00e4ren, da Katter sich im Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft geschlechtsangleichenden Operationen unterzogen hatte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image wp-image-3212 size-large\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"824\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/TV-Schein_Katter-1024x824.jpg\" alt=\"Bescheinigung der Berliner Kriminalpolizei zum Tragen von M\u00e4nnerkleidung f\u00fcr Eva Katter, Berlin, 1928 \u00a9 Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V.\" class=\"wp-image-3212\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/TV-Schein_Katter-1024x824.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/TV-Schein_Katter-300x241.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/TV-Schein_Katter-768x618.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bescheinigung der Berliner Kriminalpolizei zum Tragen von M\u00e4nnerkleidung f\u00fcr Eva Katter, Berlin, 1928 \u00a9 Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Katter kam im Alter von 16 Jahren zu Dr. Ludwig Levy-Lenz (1862-1966) in das Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft und bat um eine Amputation der Br\u00fcste. Diese wurde aufgrund des geringen Alters nicht gew\u00e4hrt. Wenige Tage sp\u00e4ter kam Katter wieder, diesmal als Einlieferung, da Katter versucht hatte, sich selbst die Br\u00fcste mit einem Rasiermesser zu entfernen. In einer Notoperation m\u00fcssten beide Br\u00fcste entfernt werden und Katter erhielt die Atteste f\u00fcr Schein und Namens\u00e4nderung. Als Gerd Katter absolvierte er eine Tischlerlehre in Berlin und lebte sp\u00e4ter in der DDR.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image wp-image-3213 size-full\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"649\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Attest-Katter.jpg\" alt=\"Transvestiten-Bescheinigung des Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft f\u00fcr Eva Katter, Berlin, 1928 \u00a9 Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V.\" class=\"wp-image-3213\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Attest-Katter.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Attest-Katter-300x195.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Attest-Katter-768x498.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Transvestiten-Bescheinigung des Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft f\u00fcr Eva Katter, Berlin, 1928 \u00a9 Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft \u00fcbernahm die Rolle als Gutachtensstelle f\u00fcr jene Transvestitenscheine und andere \u201eTrans-Atteste\u201c: Durch einen Beschluss des preu\u00dfischen Innenministeriums von 1921 war es m\u00f6glich, dass nach medizinischer Feststellung, M\u00e4nner und Frauen ihren Vornamen geschlechtstypisch angleichen bzw. geschlechtsneutrale Namen wie Alex, Toni oder eben Gert tragen durften. Die Kehrseite dessen war, dass diese \u00c4nderungen in den Verwaltungszeitungen \u00f6ffentlich gemacht und die Betroffenen damit geoutet wurden. F\u00fcr das durch die Inflation in schwere finanzielle Bedr\u00e4ngnis geratene Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft stellten Gutachten eine gewisse Einkommensquelle dar: 1924 berechnete es f\u00fcr ein Gerichtsgutachten 150 Reichsmark (RM) und f\u00fcr einen Transvestitenschein zahlte man 1929 eine Geb\u00fchr von 50 RM.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele dieser Scheine ausgestellt wurden, ist nicht erfasst oder zumindest nicht \u00fcberliefert worden. Gleichwohl wird in der entsprechenden Forschungsliteratur dazu diese Praxis als verbreitet beschrieben und darauf verwiesen, dass es zwar keine reichsweite Regelung gab, bis 1933 diese Ausweise aber auch f\u00fcr andere St\u00e4dte wie Hamburg, M\u00fcnchen, K\u00f6ln oder Essen belegt sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schnelles Ende der liberalen Reformbewegungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Kriminalpolizei in der Weimarer Republik war sicher weder \u201eFreund\u201c noch \u201eHelfer\u201c f\u00fcr Trans* Menschen. Doch durch pers\u00f6nliches Wirken externer Berater, interne Akzeptanz wissenschaftlicher Erkenntnisse und allgemeinen Liberalisierungssch\u00fcben entstanden auch durch die Arbeit der Kriminalpolizei in Berlin und anderen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten offene R\u00e4ume f\u00fcr das (Anders-)Sein. In der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre schlossen sich diese bereits wieder und sp\u00e4testens mit der Zerst\u00f6rung des Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft durch die Nazis im Mai 1933 endete die Zeit der ersten zaghaften Toleranz gegen\u00fcber Homosexuellen und Trans* Menschen in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literatur (Auswahl)<\/h3>\n\n\n\n<p>Jens Dobler: Zwischen Duldungspolitik und Verbrechensbek\u00e4mpfung. Homosexuellenverfolgung durch die Berliner Polizei von 1848 bis 1933, Frankfurt a.M. 2008<\/p>\n\n\n\n<p>Robert Beachy: Das andere Berlin. Die Erfindung der Homosexualit\u00e4t . Eine deutsche Geschichte 1867 \u2013 1933, M\u00fcnchen 2015<\/p>\n\n\n\n<p>Rainer Herrn: Schnittmuster des Geschlechts. Transvestitismus und Transsexualit\u00e4t in der fr\u00fchen Sexualwissenschaft, Gie\u00dfen 2005<\/p>\n\n\n\n<p><em>Anmerkung der Redaktion: Der Text wurde am 19. Juli 2024 aktualisiert.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Ein Schein zum (Anders)-Sein<span><\/h2>\n<p>Magnus Hirschfeld war der bekannteste Wissenschaftler und Aktivist der Sexualreformbewegung der Weimarer Republik. Schwerpunkt seiner Arbeit waren die Erforschung und Entkriminalisierung der Homosexualit\u00e4t sowie der geschlechtlichen Variationen, den sogenannten Sexuellen Zwischenstufen. 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