
{"id":3439,"date":"2019-11-12T11:07:29","date_gmt":"2019-11-12T10:07:29","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=3439"},"modified":"2019-11-14T12:20:50","modified_gmt":"2019-11-14T11:20:50","slug":"ins-schwarze-getroffen-redewendungen-rund-um-die-armbrust","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2019\/11\/12\/ins-schwarze-getroffen-redewendungen-rund-um-die-armbrust\/","title":{"rendered":"Ins Schwarze getroffen? Redewendungen rund um die Armbrust"},"content":{"rendered":"<h1>Ins Schwarze getroffen?<\/h1>\n<h2>Redewendungen rund um die Armbrust<\/h2>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Sandra Marquardt | 12. November 2019<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><strong>\u201eBei Gott! der Apfel mitten durch getroffen!\u201c<br \/>\n<\/strong><\/span>\u2013 Gessler in <em>Wilhelm Tell. Ein Schauspiel <\/em>von Friedrich von Schiller (1804).<\/p>\n<p><strong>Hier hat also Wilhelm Tell sprichw\u00f6rtlich <em>ins Schwarze <\/em>getroffen,<\/strong><strong> als er vom Landvogt Gessler dazu gezwungen wurde, mit der Armbrust einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schie\u00dfen. Die Herkunft dieser Redewendung ist im Sch\u00fctzenwesen zu suchen, denn mit dem <em>Schwarzen<\/em> ist das Zentrum einer Zielscheibe gemeint. Welche weiteren mittelalterlichen Redewendungen im deutschen Sprachgebrauch mit dem Armbrustschie\u00dfen zusammenh\u00e4ngen, erkl\u00e4rt Sandra Marquardt, Sammlungsvolont\u00e4rin und Projektassistentin der Ausstellung <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/die-armbrust-schrecken-und-schoenheit.html\" target=\"_blank\">\u201eDie Armbrust \u2013 Schrecken und Sch\u00f6nheit\u201c<\/a>.<\/strong><\/p>\n<p>Oft verwenden wir im Alltag Redewendungen wie \u201eweit gefehlt\u201c, \u201eden Bogen \u00fcberspannen\u201c oder \u201eins Schwarze treffen\u201c ohne ihre urspr\u00fcngliche Bedeutung zu kennen. Die Herkunft solcher Redewendungen ist h\u00e4ufig nicht eindeutig, sodass sich oft verschiedene Hypothesen um deren Ursprung ranken k\u00f6nnen. W\u00f6rtlich k\u00f6nnen wir sie meist nicht nehmen, denn dies w\u00fcrde oft nicht die Absicht des Sprechers wiedergeben. Es handelt sich vorwiegend um feste Wendungen, die meist auf einer bildhaften Grundlage basieren und praktische Lebensweisheiten anschaulich zum Ausdruck bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die genannten Redewendungen stammen aus dem Sch\u00fctzenwesen, wie aktuell in unserer Ausstellung \u201eDie Armbrust \u2013 Schrecken und Sch\u00f6nheit\u201c deutlich wird. <span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Weit gefehlt <\/em><\/strong><\/span>bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Sch\u00fctze sein Ziel nicht getroffen oder eben \u201everfehlt\u201c hat. Heutzutage bedeutet dies jedoch auch, dass jemand falsch liegt oder bei etwas zu weit geht. Wer <span style=\"color: #008000;\"><strong><em>den Bogen \u00fcberspannt<\/em><\/strong><\/span>, \u00fcbertreibt in der Regel ebenfalls etwas. Wird die Redensart wortw\u00f6rtlich betrachtet, wird seine Herkunft preisgegeben: Eine zu hohe Zugkraft beim Spannen der Sehne konnte zum Brechen des Bogens f\u00fchren, was insbesondere bei st\u00e4hlernen Armbrustb\u00f6gen mit einer sehr hohen Verletzungsgefahr einherging.<\/p>\n<div id=\"attachment_3449\" style=\"width: 916px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3449\" class=\"size-large wp-image-3449\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/JS1_ABB_7neu-906x1024.jpg\" alt=\"Bogenbruch bei der Vogeljagd. Abbildung Nr. 34 aus dem Theuerdank. Augsburg, 1519 \u00a9 DHM\" width=\"906\" height=\"1024\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/JS1_ABB_7neu-906x1024.jpg 906w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/JS1_ABB_7neu-265x300.jpg 265w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/JS1_ABB_7neu-768x868.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/JS1_ABB_7neu.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 906px) 100vw, 906px\" \/><p id=\"caption-attachment-3449\" class=\"wp-caption-text\">Bogenbruch bei der Vogeljagd. Abbildung Nr. 34 aus dem Theuerdank. Augsburg, 1519 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><strong><em>Den Nagel auf den Kopf treffen <\/em><\/strong><\/span>hat denselben Ursprung wie die Redewendung <span style=\"color: #008000;\"><strong><em>ins Schwarze treffen<\/em><\/strong><\/span>: Wird sie wortw\u00f6rtlich genommen, so l\u00e4sst sie vermuten, dass ein Zimmermann beim H\u00e4mmern den Nagel auf den Kopf treffen sollte, und nicht seinen Daumen. Doch auch sie stammt vermutlich urspr\u00fcnglich aus dem 16. Jahrhundert und geht auf das Sch\u00fctzenwesen zur\u00fcck. Auf historischen Schie\u00dfscheiben befand sich in der Zielscheibenmitte ein Nagel. Er diente zur H\u00e4ngung, war aber auch das eigentliche Ziel. Prallte der geschossene Pfeil oder Bolzen ab, so hatte der Sch\u00fctze \u201eden Nagel auf den Kopf getroffen\u201c oder eben auch \u201eins Schwarze\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_3450\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3450\" class=\"size-full wp-image-3450\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/W1130.jpg\" alt=\"Halbe R\u00fcstung wohl vom Sch\u00fctzenk\u00f6nig Ulrich Krell aus Sachsen (Dresden), 1570-1580 \u00a9 DHM\" width=\"1000\" height=\"576\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/W1130.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/W1130-300x173.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/W1130-768x442.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-3450\" class=\"wp-caption-text\">Halbe R\u00fcstung, wohl vom Sch\u00fctzenk\u00f6nig Ulrich Krell aus Sachsen (Dresden), 1570-1580 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Ein Faksimile von einem Vogelschie\u00dfen in Dresden (1660) verdeutlicht die Herkunft der Redewendung <span style=\"color: #008000;\"><strong><em>den Vogel abschie\u00dfen<\/em><\/strong><\/span>. Zu erkennen ist ein h\u00f6lzerner Vogel, auf den Armbrustsch\u00fctzen zielen und diesen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck herunterschie\u00dfen. Gewinner ist derjenige, der am Ende das letzte verbliebene St\u00fcck trifft \u2013 er schie\u00dft den Vogel ab.<\/p>\n<div id=\"attachment_3448\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3448\" class=\"wp-image-3448 size-full\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/406.jpg\" alt=\"Vogelschie\u00dfen in Dresden 1660 (Nachdruck 1906), Leihgeber: Staatsbibliothek zu Berlin \u2013 Preu\u00dfischer Kulturbesitz, Kartenabteilung\" width=\"1000\" height=\"860\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/406.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/406-300x258.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/406-768x660.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-3448\" class=\"wp-caption-text\">Vogelschie\u00dfen in Dresden 1660 (Nachdruck 1906), Leihgeber: Staatsbibliothek zu Berlin \u2013 Preu\u00dfischer Kulturbesitz, Kartenabteilung<\/p><\/div>\n<p>Der Verlierer schoss leider nur <span style=\"color: #008000;\"><strong><em>den Bock ab<\/em><\/strong><\/span>. Der schlechteste Sch\u00fctze bekam einen Trostpreis, der aus Naturalien bestand. Dies konnte ein Ziegenbock sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Ins Schwarze getroffen? Redewendungen rund um die Armbrust<span><\/h2>\n<p>Welche mittelalterlichen Redewendungen im deutschen Sprachgebrauch mit dem Armbrustschie\u00dfen zusammenh\u00e4ngen, erkl\u00e4rt Sandra Marquardt, Sammlungsvolont\u00e4rin und Projektassistentin der Ausstellung \u201eDie Armbrust \u2013 Schrecken und Sch\u00f6nheit\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3440,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1868,898,973],"class_list":["post-3439","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichten-aktuell","tag-armbrust","tag-jagd","tag-mittelalter"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3439","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3439"}],"version-history":[{"count":7,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3439\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3458,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3439\/revisions\/3458"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3440"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3439"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3439"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}