
{"id":3814,"date":"2020-05-05T16:07:46","date_gmt":"2020-05-05T14:07:46","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=3814"},"modified":"2025-04-25T10:51:21","modified_gmt":"2025-04-25T08:51:21","slug":"den-fruehling-ueberleben-das-lange-ende-des-zweiten-weltkrieges-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2020\/05\/05\/den-fruehling-ueberleben-das-lange-ende-des-zweiten-weltkrieges-in-europa\/","title":{"rendered":"Den Fr\u00fchling \u00fcberleben. Das lange Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa"},"content":{"rendered":"<h1>Den Fr\u00fchling \u00fcberleben<\/h1>\n<h2>Das lange Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa<\/h2>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><strong>\u00a0<\/strong>Thomas Jander | 5. Mai 2020<\/span><\/p>\n<p><strong>1945 war das letzte Jahr des Zweiten Weltkrieges. Als es begann, war alles andere als ein Sieg der Alliierten bereits unm\u00f6glich \u2013 zu gro\u00df war ihre \u00dcberlegenheit, zu unterlegen waren die Reste der deutschen Streitkr\u00e4fte. Und doch dauerte es noch viereinhalb Monate bis die letzten Sch\u00fcsse fielen. Bis dahin forderte der Krieg zahllose weitere Opfer. Thomas Jander, Sammlungsleiter und Kurator der Intervention <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/deportiert-nach-auschwitz-sheindi-ehrenwalds-aufzeichnungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eDeportiert nach Auschwitz\u201c<\/a> schreibt \u00fcber den langen Weg zum Schweigen der Waffen in Europa mit einem Blick auf die Geschichte der Holocaust-\u00dcberlebenden Sheindi Miller-Ehrenwald.<\/strong><\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/zweiter-weltkrieg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zweite Weltkrieg<\/a> endete in Europa offiziell, als am 9. Mai 1945, kurz nach Mitternacht, im Berliner Stadtteil Karlshorst, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) Keitel mit Vertretern der Luftwaffe und der Kriegsmarine an seiner Seite, vor dem sowjetischen Oberbefehlshaber \u017dukov die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkr\u00e4fte unterzeichnete. Zwar hatten etwa 22 Stunden zuvor die Truppen der Wehrmacht vor dem US-General Eisenhower im franz\u00f6sischen Reims bereits vollst\u00e4ndig kapituliert, doch Josef Stalin bestand \u2013 aus Misstrauen gegen\u00fcber den Verb\u00fcndeten, wegen der Bedeutung des Ortes, der Klarstellung der eigenen Rolle und der Symbolkraft der Zeremonie \u2013 auf der Wiederholung des Aktes.<\/p>\n<div id=\"attachment_3821\" style=\"width: 760px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3821\" class=\"size-full wp-image-3821\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_1.jpg\" alt=\"Sonderausgabe der US-amerikanischen Truppenzeitschrift \u201eStars and Stripes\u201c zum Sieg der alliierten Streitkr\u00e4fte \u00fcber das Deutsche Reich vom 7. Mai 1945 \u00a9 DHM\" width=\"750\" height=\"1000\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_1.jpg 750w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><p id=\"caption-attachment-3821\" class=\"wp-caption-text\">Sonderausgabe der US-amerikanischen Truppenzeitschrift \u201eStars and Stripes\u201c zum Sieg der alliierten Streitkr\u00e4fte \u00fcber das Deutsche Reich vom 7. Mai 1945 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_3822\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3822\" class=\"size-full wp-image-3822\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_2.jpg\" alt=\"OKW Chef Wilhelm Keitel, General Stumpff und Admiral von Friedeburg bei der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde in Berlin Karlshorst am 8. Mai 1945 \u00a9 DHM\" width=\"1000\" height=\"744\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_2.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_2-300x223.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_2-768x571.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-3822\" class=\"wp-caption-text\">OKW Chef Wilhelm Keitel, General Stumpff und Admiral von Friedeburg bei der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde in Berlin Karlshorst am 8.\/9. Mai 1945 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<h3>K\u00e4mpfen<\/h3>\n<p>Nach 2077 Tagen Krieg in Europa schwiegen nun die Waffen. Doch f\u00fcr viele Menschen war der Krieg bereits Vergangenheit.<\/p>\n<p>Das lange Ende des Zweiten Weltkrieges erstreckte sich \u00fcber viele Wochen und wurde in h\u00f6chst unterschiedlicher Weise erlebt. Gemeinsam aber d\u00fcrfte wohl in allen Erinnerungen an das Fr\u00fchjahr 1945 die eigent\u00fcmliche Mischung aus \u00c4ngsten und Hoffnungen gewesen sein: Hofften die einen noch auf den \u201eEndsieg\u201c und f\u00fcrchteten die Rache der Sieger, sehnten die Anderen das Ende des so genannten Dritten Reiches herbei und f\u00fcrchteten, es wom\u00f6glich nicht mehr zu erleben.<\/p>\n<p>Der Krieg wurde jetzt haupts\u00e4chlich um die St\u00e4dte und D\u00f6rfer Deutschlands gef\u00fchrt. Tod und Zerst\u00f6rung drohte nicht mehr nur aus der Luft, sondern \u00fcberall, wo deutsche Soldaten den aussichts- und sinnlosen Kampf gegen die alliierten Streitkr\u00e4fte weiterf\u00fchrten. Und nun richtete sich der Krieg auch gegen Zivilisten, die Hof, Dorf oder Stadt kampflos \u00fcbergeben wollten. Auf Hitlers Befehle hin sollten die K\u00e4mpfe in Deutschland von Seiten der Wehrmachtsverb\u00e4nde mit besonderer H\u00e4rte und Verbissenheit gef\u00fchrt werden \u2013 und sie wurden es auch.<\/p>\n<div id=\"attachment_3824\" style=\"width: 716px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3824\" class=\"size-full wp-image-3824\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_3.jpg\" alt=\"Ausgabe der Berliner Tageszeitung \u201eDas 12 Uhr Blatt\u201c vom 24. April 1945 mit antisowjetischen Durchhalteparolen \u00a9 DHM\" width=\"706\" height=\"1000\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_3.jpg 706w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_3-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 100vw, 706px\" \/><p id=\"caption-attachment-3824\" class=\"wp-caption-text\">Ausgabe der Berliner Tageszeitung \u201eDas 12 Uhr Blatt\u201c vom 24. April 1945 mit antisowjetischen Durchhalteparolen \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Zwar gab es in den letzten Kriegsmonaten bald keine zusammenh\u00e4ngenden Fronten mehr, aber auch im \u201eatomisierten\u201c Krieg k\u00e4mpften immer noch genug Soldaten, trotz des immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Mangels an Waffen, Munition und Treibstoff, auch in kleinen Gruppen so lange wie m\u00f6glich weiter. Vor allem die Jahrg\u00e4nge 1926 und j\u00fcnger die sp\u00e4ter so genannte Flakhelfer- oder Hitlerjugend-Generation, von denen es etwa 650.000 in der Wehrmacht gab, wurden, aufgrund ihrer durchg\u00e4ngig im Nationalsozialismus erlebten Sozialisation besonders gl\u00e4ubig und fanatisiert, immer wieder f\u00fcr opferreiche Abwehr- und Haltegefechte missbraucht. Das Bild von 16- oder 17-j\u00e4hrigen Jungen in zu gro\u00dfen Uniformen, war pr\u00e4gend f\u00fcr diese letzten Tage des Krieges.<\/p>\n<div id=\"attachment_3825\" style=\"width: 867px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3825\" class=\"size-large wp-image-3825\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_4-857x1024.jpg\" alt=\"Verwundeten-Transportschein f\u00fcr einen 16j\u00e4hrigen Soldaten mit \u00e4rztlichem Vermerk f\u00fcr die Amputation des rechten Oberarmes vom 7. April 1945 \u00a9 DHM\" width=\"857\" height=\"1024\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_4-857x1024.jpg 857w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_4-251x300.jpg 251w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_4-768x918.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_4.jpg 1624w\" sizes=\"auto, (max-width: 857px) 100vw, 857px\" \/><p id=\"caption-attachment-3825\" class=\"wp-caption-text\">Verwundeten-Transportschein f\u00fcr einen 16-j\u00e4hrigen Soldaten mit \u00e4rztlichem Vermerk f\u00fcr die Amputation des rechten Oberarmes vom 7. April 1945 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_3826\" style=\"width: 743px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3826\" class=\"size-large wp-image-3826\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_5-733x1024.jpg\" alt=\"Soldat der Roten Armee f\u00fchrt im Mai 1945 Kindersoldaten der Wehrmacht durch Berlin-Reinickendorf zum Abtransport in die Kriegsgefangenschaft \u00a9 DHM\" width=\"733\" height=\"1024\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_5-733x1024.jpg 733w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_5-215x300.jpg 215w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_5-768x1072.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_5.jpg 1317w\" sizes=\"auto, (max-width: 733px) 100vw, 733px\" \/><p id=\"caption-attachment-3826\" class=\"wp-caption-text\">Soldat der Roten Armee f\u00fchrt im Mai 1945 Kindersoldaten der Wehrmacht durch Berlin-Reinickendorf zum Abtransport in die Kriegsgefangenschaft \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<h3>Sterben<\/h3>\n<p>Das OKW erstellte, anders als in den Vorjahren, f\u00fcr 1945 keine genauen Analysen \u00fcber die gefallenen Wehrmachtssoldaten mehr. So geht man heute durch nachtr\u00e4gliche Berechnungen davon aus, dass zwischen Januar und Mai 1945 \u00fcber 1,1 Millionen Soldaten starben. Anders ausgedr\u00fcckt, entfielen auf die letzten etwa 130 Tage des Zweiten Weltkrieges in Europa ein Drittel aller gefallenen deutschen Soldaten! F\u00fcr die Alliierten bedeutete der hartn\u00e4ckige Widerstand ebenfalls hohe Verluste. Besonders in der Rote Armee fielen hunderttausende Soldaten in den letzten Kriegsmonaten.<\/p>\n<p>Zugleich wurden in den letzten Monaten des Krieges die Luftangriffe der Alliierten noch intensiver als bisher gef\u00fchrt und viele deutsche St\u00e4dte erlitten erst 1945 die verheerendsten Angriffe des Krieges. Fast eine halbe Million Tonnen Bomben wurden \u00fcber deutschem Gebiet abgeworfen, das waren in viereinhalb Monaten mehr als im gesamten Jahr 1943 zusammen. Wie viele Menschen dabei starben, ist bis heute ebenfalls nicht genau ermittelt. Sch\u00e4tzungen gehen von etwa 115.000 Toten aus. Am Ende war ein F\u00fcnftel aller Wohnungen im Deutschen Reich zerst\u00f6rt.<\/p>\n<div id=\"attachment_3827\" style=\"width: 966px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3827\" class=\"size-large wp-image-3827\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_6-1024x803.jpg\" alt=\"Junges Paar vor ihrer im April 1945 von Bomben zerst\u00f6rten Wohnung im Westen Deutschlands \u00a9 DHM\" width=\"956\" height=\"750\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_6-1024x803.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_6-300x235.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_6-768x603.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 956px) 100vw, 956px\" \/><p id=\"caption-attachment-3827\" class=\"wp-caption-text\">Junges Paar vor ihrer im April 1945 von Bomben zerst\u00f6rten Wohnung im Westen Deutschlands \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Angst hatten die Deutschen, Soldaten wie Zivilisten, vor der Roten Armee: Nach dreieinhalb Jahren Vernichtungs- und Rassenkrieg gegen die Sowjetunion war die Furcht vor Rache nicht unberechtigt. Jedoch war die Gewalt der Sowjetsoldaten, die sich vor allem gegen Frauen richtete, eher ein Zeichen f\u00fcr die Verrohung der Truppe, als vordergr\u00fcndig politisch motiviert. So floh die Bev\u00f6lkerung massenhaft in Richtung Westen, sobald sich sowjetische Truppen n\u00e4herten. Anfang M\u00e4rz 1945 waren fast 8,5 Millionen Menschen aus den \u00f6stlichen Gebieten auf der Flucht. Nahezu 1,5 Millionen weitere Fl\u00fcchtende kamen aus dem Westen und vor dem Bombenkrieg flohen zus\u00e4tzlich fast f\u00fcnf Millionen Alte, Frauen und Kinder aus den St\u00e4dten aufs Land.<\/p>\n<p>Verhie\u00dfen f\u00fcr die meisten Deutschen das Donnern sowjetischer Gesch\u00fctze und das Brummen alliierter Bomberverb\u00e4nde Bedrohung und Angst, bedeuteten dieselben Ger\u00e4usche f\u00fcr andere Hoffnung. Vor allem f\u00fcr die in Konzentrations-, anderen NS-Zwangslagern oder Zuchth\u00e4usern Inhaftierten ersehnten durch sie Befreiung und \u00dcberleben.<\/p>\n<p>Um bis zuletzt H\u00e4ftlinge auszubeuten, l\u00f6ste die SS schon seit Sommer 1944 die weiter im Osten wie im Westen liegenden Konzentrationslager sukzessive auf. In \u201eTodesm\u00e4rschen\u201c wurden die H\u00e4ftlinge auf die gro\u00dfen Stamm-KZ und deren zuletzt extrem aufgef\u00e4cherten Netz an \u00fcber 500 Au\u00dfenlagern ins Innere Deutschlands verschleppt. Allein durch ihre extreme k\u00f6rperliche Schw\u00e4che starben bei den Transporten, die sie zu Fu\u00df oder in offenen Kohlewaggons erleiden mussten, zehntausende H\u00e4ftlinge. Die SS-Wachmannschaften ermordeten ihrerseits Kranke und diejenigen, die f\u00fcr das Marschieren zu schwach waren.<\/p>\n<p>Im Zuge dieser Evakuierungstransporte und allgemeinen Aufl\u00f6sungserscheinungen des NS-Regimes kam es zwischen M\u00e4rz bis Mai 1945 \u00fcberall in Deutschland zu besonders grausamen, teils apokalyptischen, so genannten Endphaseverbrechen. Dabei ermordeten Angeh\u00f6rige der SS, der Wehrmacht, des Volkssturms oder von Gliederungen der NSDAP H\u00e4ftlinge in KZ und Gef\u00e4ngnissen, aber auch Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter oder Deserteure auf oft bestialische Weise. Bis heute ist es unm\u00f6glich, die genaue Zahl aller Opfer zu bestimmen. Wir wissen, dass Ende 1944 etwa 714.000 Menschen in den deutschen Konzentrationslagern eingesperrt waren. Vor dem Ende des Krieges starben Sch\u00e4tzungen zu folge wenigstens 250.000 M\u00e4nner, Frauen und Kinder.<\/p>\n<div id=\"attachment_3828\" style=\"width: 966px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3828\" class=\"size-large wp-image-3828\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_7-1024x837.jpg\" alt=\"Von SS-M\u00e4nnern, Wehrmachtssoldaten und Angeh\u00f6rigen anderer NS-Organisationen am 13. April 1945 ermordete H\u00e4ftlinge des KZ Mittelbau-Dora in einer Feldscheune in Isenschnibbe \/ Gardelegen \u00a9 DHM\" width=\"956\" height=\"781\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_7-1024x837.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_7-300x245.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_7-768x628.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 956px) 100vw, 956px\" \/><p id=\"caption-attachment-3828\" class=\"wp-caption-text\">Von SS-M\u00e4nnern, Wehrmachtssoldaten und Angeh\u00f6rigen anderer NS-Organisationen am 13. April 1945 ermordete H\u00e4ftlinge des KZ Mittelbau-Dora in einer Feldscheune in Isenschnibbe \/ Gardelegen \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_3829\" style=\"width: 966px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3829\" class=\"size-large wp-image-3829\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_8-1024x839.jpg\" alt=\"Leichen von aus dem KZ Gro\u00df-Rosen evakuierten H\u00e4ftlingen nach dem Massaker von Abtnaundorf \/ Leipzig am 18. April 1945 \u00a9 DHM\" width=\"956\" height=\"783\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_8-1024x839.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_8-300x246.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bild_8-768x629.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 956px) 100vw, 956px\" \/><p id=\"caption-attachment-3829\" class=\"wp-caption-text\">Leichen von aus dem KZ Gro\u00df-Rosen evakuierten H\u00e4ftlingen nach dem Massaker von Abtnaundorf \/ Leipzig am 18. April 1945 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<h3>\u00dcberleben<\/h3>\n<p>Die Gefahr, als KZ-H\u00e4ftling den Krieg nicht zu \u00fcberleben, war besonders hoch: Jeder bzw. jede dritte Inhaftierte (wahrscheinlich aber noch mehr) verlor noch vor dem 8. Mai 1945 das Leben. Das j\u00fcdische M\u00e4dchen <a href=\"\/blog\/2020\/01\/27\/sheindi-ehrenwalds-aufzeichnungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sheindi Ehrenwald war nicht unter ihnen<\/a>. Bis zum Nachmittag dieses Tages hatte sie noch auf Befehl der SS-Wachen Maschinen im Werk der Diehl GmbH, einem in N\u00fcrnberg ans\u00e4ssigen R\u00fcstungsbetrieb, demontiert, damit diese verladen und abtransportiert werden konnten. Doch nur die Wachen selbst wurden abtransportiert und die H\u00e4ftlinge waren \u2013 von einem auf den anderen Moment \u2013 frei.<\/p>\n<p>Die vorangegangenen neun Monate musste Sheindi hinter den Z\u00e4unen des Frauenlagers Peterswaldau im niederschlesischen Eulengebirge, ein Au\u00dfenlager des KZ Gro\u00df-Rosen, um ihr Leben f\u00fcrchten. Sie arbeitete zwangsweise in der Diehl-Fabrik in der Montage und Pr\u00fcfstelle bei der Produktion von Zeitz\u00fcndern f\u00fcr Sprenggranaten. Diehl hatte im Sommer 1944 bei der SS Arbeitssklaven aus Auschwitz-Birkenau angefordert. Als so genannter Depoth\u00e4ftling geh\u00f6rte Sheindi zu jenen, meist aus Ungarn stammenden Frauen, die dort extra f\u00fcr den Bedarf deutscher Unternehmen an Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen zur\u00fcckbehalten und nicht, wie ihre Eltern, Gro\u00dfeltern, j\u00fcngeren Geschwister und andere Verwandte direkt nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet wurden. So wurde sie weiter nach Peterswaldau deportiert.<\/p>\n<p>Als das Jahr 1945 begann, fing Sheindi an, die stark besch\u00e4digten Reste ihres Tagebuches, das sie auf abenteuerliche Weise aus dem Ghetto in Ungarn in das Todeslager Auschwitz-Birkenau hinein- und von dort wieder hinausschmuggelte, abzuschreiben.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit wurde Auschwitz-Birkenau evakuiert und die langen H\u00e4ftlingskolonnen zogen auf den Todesm\u00e4rschen auch durch Niederschlesien und an Peterswaldau vorbei. Die in den Stra\u00dfengr\u00e4ben liegen gebliebenen Toten waren vom Lager aus zu sehen. Anfang Februar begann die SS auch den Lagerkomplex Gro\u00df-Rosen aufzul\u00f6sen und etwa die H\u00e4lfte der zuletzt etwa 90.000 H\u00e4ftlinge wurde in andere KZ deportiert, vor allem nach Buchenwald. Doch nicht alle Au\u00dfenlager wurden aufgel\u00f6st und evakuiert. Zum Schluss blieben etwa 35 kleinere Lager bestehen, die am 8. und 9. Mai von Soldaten der Roten Armee befreit werden konnten \u2013 Peterswaldau geh\u00f6rte dazu. Das Tagebuch abzuschreiben bedeutete f\u00fcr Sheindi in diesen unsicheren letzten Kriegswochen ein sehr gro\u00dfes Risiko: H\u00e4tte man sie dabei entdeckt, w\u00e4re auch sie ermordet worden. Zugleich bedeutete es aber auch, einen Grund mehr zum Durchhalten und \u00dcberleben zu haben. Diese Tagebuchabschriften und die Geschichte von Sheindi Ehrenwald pr\u00e4sentiert das Deutsche Historische Museum seit Januar 2020 in einem Bereich der Dauerausstellung und seiner Webseite.<\/p>\n<p>Sheindi lebt heute in Jerusalem, ist Mutter und Gro\u00dfmutter geworden: Ihr neues Leben begann am 8. Mai 1945.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele \u00dcberlebende des Krieges war nicht erst der 8. Mai dessen Ende. Und genauso wenig markiert er die zeitgen\u00f6ssisch viel beschworene \u201eStunde Null\u201c, in der das Leben v\u00f6llig neu begann. Gleichwohl ist dieser Tag, nachdem er viele Jahre ein in seiner Deutung h\u00f6chst umstrittenes Gedenkdatum war, ein Fixpunkt f\u00fcr die Erinnerung an vielfaches Leid, zahlreiche Akte der Befreiung und unterschiedlichste Formen des Neubeginns in Deutschland und Europa geworden. In ihm symbolisiert sich die tats\u00e4chlich welthistorische Z\u00e4sur von 1945.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Den Fr\u00fchling \u00fcberleben. Das lange Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa<span><\/h2>\n<p>1945 war das letzte Jahr des Zweiten Weltkrieges. Als es begann, war alles andere als ein Sieg der Alliierten bereits unm\u00f6glich \u2013 zu gro\u00df war ihre \u00dcberlegenheit, zu unterlegen waren die Reste der deutschen Streitkr\u00e4fte. Und doch dauerte es noch viereinhalb Monate bis die letzten Sch\u00fcsse fielen. Bis dahin forderte der Krieg zahllose weitere Opfer. Thomas Jander, Sammlungsleiter und Kurator der Intervention \u201eDeportiert nach Auschwitz\u201c schreibt \u00fcber den langen Weg zum Schweigen der Waffen in Europa mit einem Blick auf die Geschichte der Holocaust-\u00dcberlebenden Sheindi Miller-Ehrenwald.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3816,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[575,681,2004],"class_list":["post-3814","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichten-aktuell","tag-2-weltkrieg","tag-holocaust","tag-kriegsende"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3814"}],"version-history":[{"count":9,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3814\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9784,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3814\/revisions\/9784"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3816"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}