
{"id":4900,"date":"2021-09-01T15:04:18","date_gmt":"2021-09-01T13:04:18","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=4900"},"modified":"2023-09-12T10:11:16","modified_gmt":"2023-09-12T08:11:16","slug":"die-liste-der-gottbegnadeten-kuenstler-des-nationalsozialismus-in-der-bundesrepublik","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2021\/09\/01\/die-liste-der-gottbegnadeten-kuenstler-des-nationalsozialismus-in-der-bundesrepublik\/","title":{"rendered":"Die Liste der &#8222;Gottbegnadeten&#8220;. K\u00fcnstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Die Liste der &#8222;Gottbegnadeten&#8220;. K\u00fcnstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik<\/strong><\/h1>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Wolfgang Brauneis | 1. September 2021<\/span><\/p>\n<p><strong>Auf unserem Blog ver\u00f6ffentlichen wir die Rede von Kurator Wolfgang Brauneis, die er bei der Er\u00f6ffnung der Ausstellung <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/archiv\/2021\/die-liste-der-gottbegnadeten-kuenstler-des-nationalsozialismus-in-der-bundesrepublik\/\">\u201eDie Liste der &#8222;Gottbegnadeten&#8220;. K\u00fcnstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik\u201c<\/a> am 26. August 2021 hielt.<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Staatsministerin, sehr geehrter Herr Gross, liebe Kollegen und Kolleginnen, Freude und Freundinnen,<\/p>\n<p>als ich um Ideen f\u00fcr die musikalische Begleitung heute Abend gebeten wurde, habe ich zwei \u00e4u\u00dferst popul\u00e4re Schlager aus dem Jahr 1959 vorgeschlagen. Es war das Jahr, als anl\u00e4sslich der zweiten documenta \u201eAbstraktion als Weltsprache\u201c proklamiert wurde und der prominenteste Repr\u00e4sentant einer anderen vermeintlichen \u201eWeltsprache\u201c, Elvis Presley, w\u00e4hrend seiner Stationierung in Hessen f\u00fcr Aufruhr sorgte. Doch abseits der progressiven, kulturhistorisch kanonisierten Segmente Abstraktion und Rock\u2019n\u2019Roll, abseits von Aufbruchstimmung waren auch anders gelagerte k\u00fcnstlerische und musikalische Ausdrucksformen pr\u00e4sent. Den Evergreen \u201eWir wollen niemals auseinandergehn\u201c, der erst nach der Ausstrahlung im Wort zum Sonntag zum Topseller wurde, schrieben der Komponist Michael Jary und der Textdichter Bruno Balz f\u00fcr die 17-j\u00e4hrige Heidi Br\u00fchl, was zum Bruch zwischen beiden f\u00fchrte. Pochte Balz doch auf Zarah Leander, mit der sie ihre gr\u00f6\u00dften Erfolge, wie \u201eDie Gro\u00dfe Liebe\u201c (1942), feierten. Die Hits dieses erfolgreichsten Films der NS-Zeit, \u201eIch wei\u00df es wird einmal ein Wunder geschehn\u201c und \u201eDavon geht die Welt nicht unter\u201c, schrieb Bruno Balz wiederum, als er wegen seiner Homosexualit\u00e4t in Gestapo-Haft war.<br \/>\nSelbst mutma\u00dflich oberfl\u00e4chliche Schlager also haben als Symptome bundesrepublikanischer Befindlichkeiten das Potenzial f\u00fcr historisch-kritische Betrachtungen, und die Parallele zu zahlreichen Werken dieser Ausstellung liegt gewisserma\u00dfen auf der Hand: Auch diese waren und sind im Alltag pr\u00e4sent, doch m\u00fcssen die einzelnen Schichten ihrer mitunter komplexen Entstehungs- und Wirkungsgeschichte oft noch freigelegt werden.<br \/>\nJe intensiver sie sich nun auf das quasi-arch\u00e4ologische Prinzip der Ausstellung einlassen, desto h\u00e4ufiger werden Sie, im Detail, auch hier auf Widerspr\u00fcche sto\u00dfen: Nach Kriegsende profitierte der Bildhauer Willy Meller beispielsweise \u2013 wie auf einer der zw\u00f6lf biographischen, \u00fcber die Ausstellungsr\u00e4ume verteilten Stationen zu erfahren ist \u2013 von der Bekanntschaft mit dem Maler Franz M. Jansen, der 1937 in der Ausstellung \u201eEntartete Kunst\u201c und 1959 posthum in Kassel gezeigt wurde. Gleichzeitig fertigte Janssen im besetzten Polen monumentale Wandbilder an. Ebenfalls auf der zweiten documenta war die \u201eSitzende\u201c von Henry Moore zu sehen, die der Wuppertaler Stadtbaudezernent Friedrich Hetzelt angekauft und dorthin verliehen hatte. Gleichzeitig lie\u00df Hetzelt, als Architekt im NS unter anderem f\u00fcr G\u00f6rings Landsitz Carinhall verantwortlich, kurz zuvor Arno Brekers \u201ePallas Athene\u201c in Wuppertal errichten \u2013 eines unserer Hauptwerke, auf das Sie in dem ersten gro\u00dfen Kapitel \u201eAuftragskunst und Netzwerke\u201c sto\u00dfen. Zur selben Zeit versuchte der Maler Paul Mathias Padua \u2013 der wie Meller, Hetzelt und Breker auf der \u201eGottbegnadeten-Liste\u201c stand \u2013 vergeblich, Bilder in der Jahresausstellung der M\u00fcncher K\u00fcnstlergenossenschaft im Haus der Kunst unterzubringen \u2013 wie Sie in dem zweiten gro\u00dfen Kapitel \u201eAusstellungen und Netzwerke\u201c erfahren. Gleichzeitig war einer der Organisatoren, Carl Theodor Protzen zwischen 1937 und 44 wie Padua Stammgast in der dortigen \u201eGro\u00dfen Deutschen Kunstausstellung\u201c, wo Hitler sowohl Protzens \u201eStra\u00dfen des F\u00fchrers\u201c als auch Paduas \u201eDer F\u00fchrer spricht\u201c erworben hat.<\/p>\n<p>Der vermeintliche Grundwiderspruch allerdings, der sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung zieht, zeigt sich schon mit der Freilegung der ersten Schicht und dem Blick auf all die Werke vor und nach 1945: Scheint es doch unvereinbar zu sein, Monumentalfiguren f\u00fcr die NS-Ordensburg Vogelsang und die NS-Gedenkhalle Oberhausen herzustellen; das Reichsparteitagsgel\u00e4nde und die Neue Reichskanzlei, nach Kriegsende dann den Bayerischen Landtag und das Rathaus Aschaffenburg auszugestalten; den skulpturalen Schmuck f\u00fcr die F\u00fchrerloge der Berliner Oper, f\u00fcnfzehn Jahre danach f\u00fcr das Portal des Essener Grillo-Theater zu liefern; Monumentalskulpturen f\u00fcr das Gauforum in Weimar zu produzieren und zehn Jahre sp\u00e4ter am Wettbewerb zur KZ-Gedenkst\u00e4tte Buchenwald teilzunehmen; den Gobelin \u201eDu bist Deutschland\u201c f\u00fcr Hitler und die Gobelins f\u00fcr den Mahler-Saal der wiedererrichteten Staatsoper in Wien zu entwerfen; fig\u00fcrliche Plastiken f\u00fcr Einrichtungen der Wehrmacht und den Bendlerblock anzufertigen \u2013 und so weiter, und so weiter. Dass diese Widerspr\u00fcche \u00fcberhaupt als solche wahrgenommen werden, liegt auch an der tradierten kunsthistorischen Erz\u00e4hlung, definierte sie sich hierzulande nach 1945 doch explizit \u00fcber den Bruch mit dem Nationalsozialismus. Das wiederum hatte zur Folge, dass die Kunst des NS lange und die Nachkriegskarrieren derer Vertreter noch l\u00e4nger weitgehend ausgeblendet worden sind.<br \/>\nIn der Parallel-Ausstellung wird ein kritischer Blick auf die documenta als eine der pr\u00e4genden Instanzen der Kanonbildung geworfen, deren Bedeutung sich auch darin zeigt, dass schon Jahre vor der Er\u00f6ffnung des hiesigen Museums des 20. Jahrhunderts mit Gerhard Richter und Joseph Beuys just die zwei K\u00fcnstler mit den meisten Teilnahmen gesetzt sind \u2013 Namen, die den allermeisten von ihnen gel\u00e4ufig sein d\u00fcrften. In dieser Ausstellung ist das Thema Kanonbildung ebenfalls, wenngleich implizit, von Bedeutung, wurden die hier behandelten Maler und Bildhauer in der Regel nicht in den kunsthistorischen Kanon aufgenommen. Und obwohl Hermann Kaspar, Adolf Wamper oder Werner Peiner bis in die 70er Jahre hinein t\u00e4tig waren, sind es Namen, die den meisten von ihnen nicht gel\u00e4ufig sein d\u00fcrften.<br \/>\nDie Begr\u00fcndung liefert unter anderem der Untertitel der Ausstellung: Sie machten im NS Karriere \u2013 und f\u00fchrten nach Kriegsende eine Art Doppelexistenz: Einerseits hatten die K\u00fcnstler nachwievor Erfolg, andererseits waren sie f\u00fcr die Kunstwissenschaft, wenn \u00fcberhaupt, Gegenstand einer abgeschlossenen Epoche. Wenn wir nun diese Nachkriegskarrieren in den Fokus r\u00fccken, zielen wir nicht auf kollektive emotionale Erfahrungen, auf Emp\u00f6rung oder Exorzismus ab. Auf Attribute wie \u201eNS-K\u00fcnstler\u201c oder \u201eNazi-Kunst\u201c wurde bewusst verzichtet, auch um etwaige Debatten nach \u201etypischer\u201c NS-Kunst oder Parteimitgliedschaften gewisserma\u00dfen aus dem Fokus zu r\u00fccken. Denn letzten Endes ist der Kunstbetrieb des NS lediglich der Ausgangspunkt der Ausstellung.<\/p>\n<p>Nicht nur wegen der titelgebenden \u201eGottbegnadeten-Liste\u201c beginnt diese im zweiten Stock mit einer Einf\u00fchrung zu diesem Betrieb. Besagte Liste, die wohl schon kurz nach Kriegsbeginn existierte und 114 bildende K\u00fcnstler als \u201eunabk\u00f6mmlich\u201c definierte, mag nicht bis in das letzte Detail schl\u00fcssig sein. Und doch handelt es sich um die komprimierteste, im wahrsten Sinne des Wortes amtliche \u00dcbersicht \u00fcber renommierte K\u00fcnstler des NS, die in gro\u00dfen Ausstellungen vertreten waren, Auftr\u00e4ge f\u00fcr baubezogene Kunst erhielten, von hochrangigen Funktion\u00e4ren gesammelt wurden und Professuren bekleideten. Die Einf\u00fchrung behandelt auch das Thema Kunst am Bau und den Ausstellungsbetrieb, um die ideologische Bedeutung und Popularit\u00e4t der bildenden Kunst, und damit auch den Status dieser K\u00fcnstler nach Kriegsende zu vergegenw\u00e4rtigen.<br \/>\nEs folgen die zwei schon erw\u00e4hnten gro\u00dfen Kapitel, die sich unserem eigentlichen Gegenstand widmen: den Biografien, den Werken und der Rezeption \u201egottbegnadeter\u201c K\u00fcnstler nach 1945. Dass das Kapitel \u201eAuftragskunst und Netzwerke\u201c mit Bayern beginnt, ist kein Zufall. Gerade in M\u00fcnchen lassen sich Kontinuit\u00e4ten \u00fcber Jahrzehnte nachzeichnen, geradezu verdichtet in Kaspars 1934 begonnenem und Mitte der 50er Jahre vollendetem Mosaik f\u00fcr den Kongresssaal des Deutschen Museum. Sein 1970 enth\u00fcllter Gobelin \u201eDie Frau Musica\u201c, ein Geschenk des bayerischen Staates f\u00fcr die Meistersingerhalle N\u00fcrnberg, ist ein weiteres Hauptwerk der Ausstellung. Auch Nordrhein-Westfalen erwies sich im Laufe der Recherchen als eine Art Ballungsgebiet \u2013 vor allem, da dort einige Architekten des Nationalsozialismus, auch aus Albert Speers \u201eArbeitsstab f\u00fcr den Wiederaufbau bombenzerst\u00f6rter St\u00e4dte\u201c t\u00e4tig waren und, neben Protagonisten aus Industrie und Wirtschaft, Auftr\u00e4ge f\u00fcr Kunst am Bau und im \u00f6ffentlichen Raum vergaben.<br \/>\nDie Zwischenw\u00e4nde dieses Kapitels \u2013 auch bei dem vorletzten der f\u00fcnf topografisch gegliederten R\u00e4ume, zu Berlin \u2013 kennzeichnen markante Aussparungen, die eine Art Doppelfunktion erf\u00fcllen. In den eingelassenen Vitrinen sehen Sie zahlreiche Zeitungsartikel zu zentralen Werken, gleichzeitig geben sie den Blick frei auf gro\u00dfformatige historische Aufnahmen von Enth\u00fcllungen und Errichtungen. So l\u00e4sst sich veranschaulichen, dass die k\u00fcnstlerischen Produktionen in keinem klandestinen Paralleluniversum ihre Fortsetzung fanden, sondern integraler Bestandteil des gesellschaftlichen, des \u00f6ffentlichen Lebens waren.<br \/>\nAuftragskunst im Allgemeinen war nach 1945 das Hauptbet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr die K\u00fcnstler der \u201eGottbegnadeten-Liste\u201c \u2013 wie der Wiener Maler Rudolf Hermann Eisenmenger im abschlie\u00dfenden Raum, der sich \u00d6sterreich widmet, in einem Fernsehinterview erl\u00e4utert. Es handelt sich dabei um einen von vielen, bislang kaum zu sehenden Fernsehbeitr\u00e4ge, die ich ihnen nachdr\u00fccklich ans Herz legen m\u00f6chte und die vor allem das Kapitel, \u201eAusstellungen und Reaktionen\u201c im ersten Stockwerk pr\u00e4gen. Dort zeigen wir, dass die K\u00fcnstler bereits kurz nach Kriegsende, wie Werner Peiner mit seinem 26teiligen Zyklus \u201eD\u00e4monen der Stunde\u201c, bis in die 1980er Jahre in Ausstellungen vertreten waren; und dass diese weitaus h\u00e4ufiger Anlass zu kritischer, \u00fcberregionaler Rezeption lieferten als die Auftragskunst.<br \/>\nDer letzte Raum, gleichzeitig ein weiteres Herzst\u00fcck der Ausstellung, geh\u00f6rt dem Hier und Heute. Die beiden Fotografen Thomas Bruns und Eric Tschernow sind quer durch Deutschland und \u00d6sterreich gereist, um knapp 300 Werke von K\u00fcnstlern der \u201eGottbegnadeten-Liste\u201c \u2013 aus dem Nationalsozialismus und danach \u2013 im \u00f6ffentlichen und halb\u00f6ffentlichen Raum zu dokumentieren. Sie k\u00f6nnen dort nun die Resultate in Form einer etwa halbst\u00fcndigen Wandprojektion betrachten und zudem seit heute auf einer eigenen Webseite, als interaktive Landkarte, studieren. Diese Rechercheplattform wird, auch als Citizen-Science-Projekt, noch ein Jahr betreut und erweitert werden \u2013 und ich w\u00fcrde mich sehr freuen, wenn wir dieses noch lange nicht abgeschlossene Forschungsprojekt in irgendeiner Weise fortsetzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u201eKunst ist das, was bedeutende K\u00fcnstler machen\u201c, schrieb der Kurator und Kunsthistoriker Werner Haftmann im Katalog der documenta 1959 \u2013 eine zeittypische, heikle und wirkm\u00e4chtige Tautologie. Wie wirkm\u00e4chtig und in dem Sinne heikel, dass die Bereiche Kunstausstellung und Kunstgeschichte hier diffundieren, zeigte sich noch in den 1980er Jahren beim Eklat um Arno Brekers B\u00fcsten f\u00fcr Peter und Irene Ludwig, die sie am Ende unseres Ausstellungs-Kapitels sehen. Begriffe wie \u201eNicht-Kunst\u201c oder \u201eUn-Kunst\u201c hallten lange nach, ein Thema wie das dieser Ausstellung wurde von beiden Bereichen auf Distanz gehalten. Nur, wer ist dann blo\u00df daf\u00fcr zust\u00e4ndig? Die kanonisierte Kunstgeschichte orientiert sich am Konzept des Progressiven, am Ideal des Guten, Sch\u00f6nen und Wahren. In diesem methodischen Rahmen existiert f\u00fcr solch ein Thema, durchaus nachvollziehbarer Weise, kaum Raum. Demnach m\u00fcssten Debatten dar\u00fcber, welche Formen \u00e4sthetischer Produktion wann, wo und auf welche Weise als Kunst definiert werden \u2013 und die diese Ausstellung gewiss ausl\u00f6sen wird \u2013, eigentlich zwangsl\u00e4ufig Debatten um kuratorische und kunsthistorische Methoden nach sich ziehen. Es ist von daher sinnvoll und letztlich notwendig, dass diese Ausstellung in einem Historischen Museum zu sehen ist und die Exponate als Quellen aber auch Gegenstand weiterf\u00fchrender kunsttheoretischer \u00dcberlegungen gezeigt werden.<br \/>\n\u201eBedeutend\u201c ist in diesem Rahmen kein Synonym mehr f\u00fcr \u201ebewunderswert\u201c oder \u201ebegnadet\u201c, sondern, ganz n\u00fcchtern, f\u00fcr \u201erelevant\u201c. Kunst wird hier als eine Art Brennglas verstanden, durch das gesellschaftliche Zusammenh\u00e4nge auf spezifische Weise sichtbar werden. Wir k\u00f6nnen nur hoffen, eine, in diesem Sinne, bedeutende Ausstellung auf die Beine gestellt und dabei gezeigt zu haben, wie fruchtbar es sein kann, wenn sich Kunstgeschichte und Zeitgeschichte auf Augenh\u00f6he begegnen.<br \/>\nZum Abschluss h\u00f6ren wir nun Ivo Robics Hit \u201eMorgen\u201d, der, wie auch \u201eWir werden niemals auseinandergehn\u201c, \u00fcber eine Million Mal auf Single verkauft wurde \u2013 und den wahrscheinlich wieder einige von ihnen mitsummen k\u00f6nnen, ohne den Text parat zu haben. Und gerade das finde ich als zweite Parallele zu dem Ausstellungsthema interessant: Man kann blinde Flecken nicht nur sehen, sondern auch h\u00f6ren. So wie Henry Moore und Arno Breker zur visuellen Welt der Nachkriegsjahrzehnte geh\u00f6ren, geh\u00f6ren Elvis Presley und Ivo Robic zu ihrer akustischen Welt. Die Ressentiments gegen Abstraktion und Rock\u2019n\u2019Roll sa\u00dfen tief und schlugen sich regelm\u00e4\u00dfig in Protesten und auch \u00dcbergriffen nieder, obwohl der letztlich gr\u00f6\u00dfere Raum f\u00fcr konservative Kunst- und Musikauffassungen davon nicht ernsthaft bedroht war. Am Ende konnte sich vor den Rath\u00e4usern und den Schulen ebenso wie an den Radioger\u00e4ten und Schallplattenspielern der Wunsch nach Kontinuit\u00e4t doch recht souver\u00e4n behaupten. Oder in den Worten von Robic:<\/p>\n<p>Morgen, morgen, lacht uns wieder das Gl\u00fcck<br \/>\nGestern, gestern, liegt schon so weit zur\u00fcck<br \/>\nWar es auch eine sch\u00f6ne, sch\u00f6ne Zeit<\/p>\n<p>Morgen, morgen, sind wir wieder dabei<br \/>\nGestern, gestern, ist uns heut\u2018 einerlei<br \/>\nWar es auch eine sch\u00f6ne, sch\u00f6ne Zeit<\/p>\n<p>Bild: Enth\u00fcllung von Hermann Kaspars &#8222;Die Frau Musica&#8220; in der Meistersingerhalle N\u00fcrnberg, 1970 \u00a9 Stadtarchiv N\u00fcrnberg, E 55 Nr. 176<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Die Liste der &#8222;Gottbegnadeten&#8220;. K\u00fcnstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik<span><\/h2>\n<p>Auf unserem Blog ver\u00f6ffentlichen wir die Rede von Kurator Wolfgang Brauneis, die er bei der Er\u00f6ffnung der Ausstellung \u201eDie Liste der &#8222;Gottbegnadeten&#8220;. K\u00fcnstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik\u201c am 26. 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