
{"id":5279,"date":"2021-12-09T09:35:56","date_gmt":"2021-12-09T08:35:56","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=5279"},"modified":"2021-12-15T15:52:59","modified_gmt":"2021-12-15T14:52:59","slug":"5-fragen-an-anna-maria-gogonjan","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2021\/12\/09\/5-fragen-an-anna-maria-gogonjan\/","title":{"rendered":"5 Fragen an: Anna-Maria Gogonjan"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">5 Fragen an: Anna-Maria Gogonjan<\/h1>\n\n\n\n<p>9. Dezember 2021<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Zeughaus des Deutschen Historischen Museums wird saniert und die Dauerausstellung \u201eDeutsche Geschichte vom Mittelalter bis zum Mauerfall\u201c abgebaut. Gleichzeitig arbeitet das DHM an einer neuen St\u00e4ndigen Ausstellung \u2013 ein Gro\u00dfprojekt, das das gesamte Museum betrifft. In der Interview-Reihe <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/blog\/tag\/5-fragen-an\/\" target=\"_blank\">\u201e5 Fragen an\u2026\u201c<\/a> kommen Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen zu Wort und berichten von ihren Erinnerungen an die fr\u00fchere Dauerausstellung und derzeitigen Erlebnissen. Auch Registrar Anna-Maria Gogonjan gew\u00e4hrt einen Einblick in ihren Aufgabenbereich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Liebe Frau Gogonjan, die Dauerausstellung ist seit Ende Juni geschlossen. Gab es f\u00fcr Sie ein Objekt oder einen Bereich in der Ausstellung, mit dem Sie, trotz Ihrer kurzen Zeit am DHM, eine besondere Erinnerung oder Geschichte verbinden?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anna-Maria Gogonjan:<\/strong> Im letzten Abschnitt der Ausstellung zur deutschen Teilung war ein DDR-Wohnzimmer nachgestellt. Was f\u00fcr mich die gro\u00dfe \u00dcberraschung daran war, dass der Rahmen daf\u00fcr ein echtes Plattenbauteil aus Marzahn bildete. Ich bin selbst ein Plattenbaukind aus Hellersdorf und h\u00e4tte nie erwartet, dass ein Museum auch so etwas sammeln kann. Gerade heute gibt es viele Assoziationen und Stereotypen, die mit der Platte verbunden sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"914\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DDR_DA_1000-px-b-914x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5280\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DDR_DA_1000-px-b-914x1024.jpg 914w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DDR_DA_1000-px-b-268x300.jpg 268w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DDR_DA_1000-px-b-768x860.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DDR_DA_1000-px-b.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 914px) 100vw, 914px\" \/><figcaption>Rekonstruktion einer Wohnzimmereinrichtung mit h\u00f6henverstellbaren Couch- und Esstisch (DDR um 1975) in der Dauerausstellung &#8222;Vom Mittelalter bis zum Mauerfall&#8220; im Zeughaus \u00a9 DHM<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em><strong>Was stellt f\u00fcr Sie die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung beim Abbau der Dauerausstellung dar?<\/strong><\/em> <strong><em>Was passiert mit den Exponaten und insbesondere mit den Leihgaben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist, schlicht und ergreifend den \u00dcberblick zu behalten. Denn mit der Entnahme der Exponate von den W\u00e4nden und aus den Vitrinen allein ist es nicht getan. Das DHM hat drei verschiedene Depot-Standorte in Berlin, wo die Objekte unserer elf verschiedenen Sammlungsbereiche untergebracht sind. Aber die Exponate k\u00f6nnen nicht einfach in Umzugskartons gepackt werden, da es sich um wertvolles Kulturgut handelt. Professionelle Kunstpacker verpacken also jedes einzelne Objekt sorgf\u00e4ltig, sodass es perfekt gesch\u00fctzt ist. Damit nichts durcheinander kommt und wir immer wissen, wo sich welches Objekt im Augenblick befindet, ist sehr viel Organisation und Disziplin gefragt. Dank des wundervollen ausstellungserfahrenen Teams ist uns das sehr gut gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Ablauf: Wir entnehmen die Objekte nach Materialgruppen. Das bedeutet, dass pro Ausstellungsbereich die neun Restaurierungsabteilungen mit Unterst\u00fctzung von externen Museumstechniker*innen Exponate entnehmen, protokollieren und verpacken. Die kleinformatigen 3D-Objekte aus Holz, Metall, Glas und Keramik sowie Gem\u00e4lde werden von Kunstpackern verpackt. Viele Objekte ben\u00f6tigen auch speziell angefertigte Transportkisten oder Transportrahmen. Andere Objektgruppen, z.B. Papierobjekte, Plakate oder B\u00fccher werden ausschlie\u00dflich von den Restaurator*innen verpackt. Ich habe mit der anderen Registrar im Projekt, Nina B\u00e4tzing, anschlie\u00dfend die Transporte in die Depots organisiert. Ich war f\u00fcr die Absprachen mit der Kunstspedition zust\u00e4ndig und meine Kollegin f\u00fcr die Umfuhren mit dem LKW des DHM, der von den Depotwarten gefahren wird.<br><br>In der Dauerausstellung waren au\u00dferdem 172 Leihgaben ausgestellt. Die aufwendige Korrespondenz mit den Leihgebern sowie die Entnahme, Verpackung und die Transportorganisation werden von den Registrars der Wechselausstellung betreut.<br>Ein paar Objekte wurden im Vorfeld als Leihgaben f\u00fcr Wechselausstellungen von anderen Museen angefragt. Diese mussten im Rahmen des Abbaus gesondert durch die Registrar f\u00fcr den ausgehenden Leihverkehr betreut werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Herausforderung stellen die Schwerlastobjekte dar, die nicht ohne Weiteres entnommen, verpackt und transportiert werden k\u00f6nnen. Das betrifft insgesamt 20 Objekte. Das Abheben von den Podesten bedarf der besonderen Unterst\u00fctzung durch eine Firma, die auf den Transport von Schwerlast spezialisiert ist und besondere Kr\u00e4ne und Lifte zur Verf\u00fcgung stellen und bedienen kann. Da Objekte wie z.B. ein Auto der Firma der Maurer-Union oder die Bockdampfmaschine im Obergeschoss ausgestellt sind, muss ein spezieller Treppenlift gebaut werden, um sie \u00fcber die Freitreppe in das Foyer des Zeughauses zu bringen und auf den LKW bzw. Tieflader laden zu k\u00f6nnen. Ich bin \u00e4u\u00dferst dankbar daf\u00fcr, dass diese Organisation die Leiterin der Restaurierung \u00fcbernommen hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"662\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_0577_1000-px-b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5282\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_0577_1000-px-b.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_0577_1000-px-b-300x199.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_0577_1000-px-b-768x508.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption><code>Abtransport des Automobil \"Maurer Union\" mit dem Treppenlift \u00a9 DHM<\/code><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em><strong>Um eine Gr\u00f6\u00dfenvorstellung von der Ausstellung zu erhalten: <strong>Wie viele Objekte bzw. wieviel Masse an Geschichte (Kubikmeter) wurden mit dem Abbau der Ausstellung bewegt?<\/strong><\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn des Abbaus befanden sich ca. 5.500 Objekte in der Ausstellung. Allerdings sind in dieser Zahl nicht die Faksimiles und Repros enthalten. Das entspricht ungef\u00e4hr 70 LKW-Ladungen (ohne Anh\u00e4nger).<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sie<strong> sind eigens f\u00fcr den Abbau der DA an das DHM gekommen. Haben Sie vorab \u00e4hnliche Projekte betreut? Was macht dieses Projekt so besonders und werden Sie auch an der Neueinrichtung beteiligt sein?<\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich war vorher beim J\u00fcdischen Museum Berlin. Dort habe ich erst als studentische Hilfskraft beim Abbau der alten Dauerausstellung mitgewirkt und dann bei der Einrichtung der neuen Dauerausstellung als zweite Registrar im Projekt gearbeitet. Die Dauerausstellung des DHM war in der Fl\u00e4che und der Objektzahl allerdings doppelt so gro\u00df wie die des J\u00fcdischen Museums.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der einen Seite ist es nat\u00fcrlich der Umfang an Objekten, auf der anderen Seite sind es aber auch der historische Hintergrund und die teilweise gigantischen Dimensionen der Objekte, die das Projekt besonders machen. Voraussichtlich werde ich auch bei der Planung und Vorbereitung der neuen Dauerausstellung beteiligt sein und bin schon sehr auf den Aufbau gespannt. In der Zwischenzeit werden viele Kolleg*innen, mit denen wir abgebaut haben, in den Ruhestand gehen, weshalb sich auch das Team ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Gibt es etwas, was Sie relevant f\u00fcr die neue St\u00e4ndige Ausstellung finden?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Beim Abbau haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, gut an die Objekte heranzukommen. Das hei\u00dft, dass die Vitrinen und Ausstellungseinbauten leicht zu handhaben sein m\u00fcssen, ansonsten ben\u00f6tigt man sehr schweres Ger\u00e4t und spezielle Werkzeuge, die teuer und nur durch externes Personal zu bedienen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>5 Fragen an: Anna-Maria Gogonjan<span><\/h2>\n<p>Das Zeughaus des Deutschen Historischen Museums wird saniert und die Dauerausstellung \u201eDeutsche Geschichte vom Mittelalter bis zum Mauerfall\u201c abgebaut. Gleichzeitig arbeitet das DHM an einer neuen St\u00e4ndigen Ausstellung &#8211; ein Gro\u00dfprojekt, das das gesamte Museum betrifft. In der Interview-Reihe \u201e5 Fragen an\u2026\u201c kommen Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen zu Wort und berichten von ihren Erinnerungen an die fr\u00fchere Dauerausstellung und derzeitigen Erlebnissen. 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