
{"id":5491,"date":"2021-12-21T15:20:54","date_gmt":"2021-12-21T14:20:54","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=5491"},"modified":"2021-12-28T14:47:29","modified_gmt":"2021-12-28T13:47:29","slug":"ein-kostspieliges-glueckwunschschreiben-aus-wilhelminischer-zeit","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2021\/12\/21\/ein-kostspieliges-glueckwunschschreiben-aus-wilhelminischer-zeit\/","title":{"rendered":"Ein kostspieliges Gl\u00fcckwunschschreiben aus wilhelminischer Zeit"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Ein kostspieliges Gl\u00fcckwunschschreiben aus wilhelminischer Zeit<\/h1>\n\n\n\n<p>Wolfgang Cortjaens | 21. Dezember 2021<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Gl\u00fcckwunschschreiben ganz aus Silber zur Hochzeit des preu\u00dfischen Kronprinzenpaares ist neu in der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/sammlung\/unsere-sammlung\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/sammlung\/unsere-sammlung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sammlung<\/a> Angewandte Kunst. Sammlungsleiter Dr. Wolfgang Cortjaens erkl\u00e4rt dessen Bedeutung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><p>Anders als etwa in kunstgewerblichen Sammlungen, die meist auf gesamtk\u00fcnstlerische Entwicklungslinien hin angelegt wurden, steht beim Sammlungskonzept des DHM nicht der \u00e4sthetische Wert eines Objekts als vielmehr dessen historische bzw. kulturgeschichtliche Aussagekraft im Vordergrund. Gelegentlich kommen aber bei Neuerwerbungen und\/oder Schenkungen beide Kriterien in gl\u00fccklicher Weise zusammen, so im Fall eines k\u00fcrzlich aus dem privaten Kunsthandel angebotenen Neuzugangs in der Sammlung Angewandte Kunst: ein aus massivem Silber bestehendes, graviertes Gl\u00fcckwunschschreiben nebst verschlie\u00dfbarem silbernem Briefkuvert, in gravierter S\u00fctterlin-Schrift adressiert an den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/biografie-wilhelm-von-preussen.html\" target=\"_blank\">preu\u00dfischen Kronprinzen Wilhelm<\/a> (1882\u20131951) und seine Braut Cecile von Mecklenburg-Schwerin (1886\u20131954).<\/p><\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4197_heller_1000-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5502\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4197_heller_1000-1.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4197_heller_1000-1-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4197_heller_1000-1-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Silberne Gl\u00fcckwunschadresse des Thorner Fabrikanten Max Scheidling an das preu\u00dfische Kronprinzenpaar, Richard M\u00e9nard, 1905 \u00a9 DHM<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery aligncenter columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4209_heller_1000.jpg\" alt=\"\" data-id=\"5503\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4209_heller_1000.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=5503\" class=\"wp-image-5503\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4209_heller_1000.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4209_heller_1000-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4209_heller_1000-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4214_heller_1000.jpg\" alt=\"\" data-id=\"5504\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4214_heller_1000.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=5504\" class=\"wp-image-5504\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4214_heller_1000.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4214_heller_1000-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/DSC_4214_heller_1000-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p><p>Anlass f\u00fcr das ebenso eigenwillige wie kostbare Pr\u00e4sent war die Hochzeit des Kronprinzenpaares, die im Juni 1905 in Berlin gefeiert wurde. Auf der Karten-Vorderseite finden sich die bekr\u00f6nten Wappen der Neuverm\u00e4hlten, dazu liest man den Spruch<\/p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201eThorn, den 6. Juni 1905. \/ Dem neu verm\u00e4hlten Paare \/ Viel segensreiche Jahre, Bis einst entsprie\u00dft der Myrte leis \/ Ein silbern und ein golden Reis. \/&nbsp;M. Scheidling, Bahnwirt.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><p>Auftraggeber war der Kaufmann Max Scheidling, Besitzer des Bahnhofshotels im damals westpreu\u00dfischen Thorn (heute Tor\u00fan, Polen). Er wurde wenig sp\u00e4ter Mitbegr\u00fcnder der MITROPA (Mitteleurop\u00e4ische Schlafwagen- und Speisewagen Aktiengesellschaft).<\/p>\n<p>Die erlesen ausgef\u00fchrte Silberarbeit verweist indirekt auf den Wohlstand, das b\u00fcrgerliche Selbstverst\u00e4ndnis und nicht zuletzt die wirtschaftliche Bedeutung der \u00f6stlichen Provinzen f\u00fcr das deutsche Kaiserreich: Neben der fr\u00fch industrialisierten Rheinprovinz war Schlesien einer der bedeutendsten Industriestandorte Preu\u00dfens und wurde entsprechend fr\u00fch verkehrstechnisch erschlossen. Allerdings existierte im Kaiserreich keine zentrale Eisenbahnverwaltung, die einzelnen privaten Eisenbahngesellschaften unterstanden dem Ministerium f\u00fcr Handel und Gewerbe. Wohl auch, um das damals noch in der Gr\u00fcndungsphase befindliche Unternehmen an allerh\u00f6chster Stelle zu empfehlen und sich selbst als treuer Untertan der Krone zu pr\u00e4sentieren, beauftragte Scheidling das kostbare Luxusobjekt. Die Ausf\u00fchrung \u00fcbertrug er dem bekannten Silberschmied Richard Menard aus Bromberg (heute Bydgoszcz, Polen).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Sammlung Angewandte Kunst bedeutet die Neuerwerbung eine sinnvolle Erg\u00e4nzung des Bestandes mit Geschenken und Ehrengaben von Einzelpersonen oder Institutionen an Mitglieder der kaiserlichen Familie. Ausschlaggebend f\u00fcr die Ankaufsentscheidung waren die hohe k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t der Arbeit und nat\u00fcrlich die originelle Formgebung, die das St\u00fcck zu einem \u00fcberaus sprechenden, neugierig machenden und Besucher*innen leicht zug\u00e4nglichen Exponat macht.<\/p>\n<p>Der im Sinnspruch ge\u00e4u\u00dferte Wunsch, das Kronprinzenpaar m\u00f6ge auch die Feier der Goldhochzeit (\u201eein golden Reis\u201c) noch erleben, sollte sich nicht erf\u00fcllen. Das Objekt selbst aber blieb bis vor kurzem kontinuierlich in Familienbesitz; die letzte Eigent\u00fcmerin war eine Enkeltochter des Prinzen Wilhelm.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Ein kostspieliges Gl\u00fcckwunschschreiben aus wilhelminischer Zeit<span><\/h2>\n<p>Ein Gl\u00fcckwunschschreiben ganz aus Silber zur Hochzeit des preu\u00dfischen Kronprinzenpaares ist neu in der Sammlung Angewandte Kunst. 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