
{"id":5576,"date":"2022-01-26T11:38:39","date_gmt":"2022-01-26T10:38:39","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=5576"},"modified":"2022-02-03T15:14:06","modified_gmt":"2022-02-03T14:14:06","slug":"5-fragen-an-carola-juellig","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2022\/01\/26\/5-fragen-an-carola-juellig\/","title":{"rendered":"5 Fragen an: Carola J\u00fcllig"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">5 Fragen an: Carola J\u00fcllig<\/h1>\n\n\n\n<p>26. Januar 2022<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Zeughaus des Deutschen Historischen Museums wird saniert und die Dauerausstellung \u201eDeutsche Geschichte<\/strong> <strong>vom Mittelalter bis zum Mauerfall\u201c abgebaut. Gleichzeitig arbeitet das DHM an einer neuen St\u00e4ndigen Ausstellung \u2013 ein Gro\u00dfprojekt, das das gesamte Museum betrifft. In der Interview-Reihe <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/blog\/tag\/5-fragen-an\/\" target=\"_blank\">\u201e5 Fragen an\u2026\u201c<\/a> kommen Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen zu Wort und berichten von ihren Erinnerungen an die fr\u00fchere Dauerausstellung und derzeitigen Erlebnissen. Carola J\u00fcllig, Sammlungsleiterin Bild, warf im Rahmen dieser Reihe ebenfalls einen Blick in die Vergangenheit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Liebe Carola J\u00fcllig,<\/em><\/strong><em> <strong>die Dauerausstellung ist seit Ende Juni 2021 geschlossen. Gab es f\u00fcr Sie ein Objekt oder einen Bereich in der Ausstellung, mit dem Sie eine besondere Erinnerung oder Geschichte verbinden?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Carola J\u00fcllig: <\/strong>Gemeinsam mit meiner ehemaligen Kollegin Regine Falkenberg habe ich den Ausstellungsbereich zur Nachkriegszeit von 1949 bis 1994 im Erdgeschoss der alten Dauerausstellung im Zeughaus kuratiert. Daher ist mir auch ein Objekt aus dieser Abteilung besonders in Erinnerung geblieben: Eine Plattenbauwand, die wir von einer Wohnungsbaugenossenschaft in Berlin-Marzahn als Schenkung erhielten. Sie kam als allererstes Objekt in das noch leere Zeughaus. F\u00fcr den Transport und die Einbringung dieses tonnenschweren Objekts wurde eine Schwerlastfirma beauftragt und auch ein TV-Sender war bei diesem besonderen Moment dabei. Das war ein guter Einstand f\u00fcr das Projekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Zeitpunkt bekam man nach der Planung auf dem Papier langsam ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, wie die Ausstellung im Raum aussehen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/58_1000-px-b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5592\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/58_1000-px-b.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/58_1000-px-b-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/58_1000-px-b-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Blick auf die R\u00fcckseite der Plattenbauwand in der Dauerausstellung. \u00a9 DHM<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>Sie waren 2006 bei der Konzeption und der Er\u00f6ffnung der Dauerausstellung dabei. Ist Ihnen aus dieser Zeit etwas pr\u00e4gend in Erinnerung geblieben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich vor allem daran, dass wir Sammlungsleiter*innen w\u00e4hrend des Aufbaus der Ausstellung h\u00e4ufig gemeinsam mit den Restaurator*innen vor den Vitrinen standen und diskutiert, ausprobiert, verworfen und schlie\u00dflich entschieden haben, wie die Objekte jeweils in den Vitrinen platziert werden sollen. Eine der ma\u00dfgeschneiderten Vitrinen fiel jedoch zu klein aus \u2013 da war wohl irgendwo ein Komma verrutscht.<br>Es war definitiv sehr anstrengend, insbesondere zum Ende des Aufbaus. Innerhalb von drei Tagen mussten wir aufgrund von Verz\u00f6gerungen beispielsweise noch Beschriftungen anbringen. Somit kniete ich zusammen mit meiner Kollegin auf dem kalten Steinfu\u00dfboden des Zeughauses und klebte die Beschriftungen an, w\u00e4hrend drau\u00dfen Temperaturen um die 30 Grad herrschten. Das zerrte sehr an K\u00f6rper und Nerven.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was stellt f\u00fcr Sie die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung beim Abbau der Dauerausstellung dar und wie waren Sie in den Abbau involviert?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beim Abbau selbst war ich nicht gefordert. Aber nat\u00fcrlich stand ich f\u00fcr R\u00fcckfragen von Restaurator*innen, die im Zuge des Abbaus des damals von mir eingerichteten Ausstellungsbereiches aufkamen, zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der Corona-Pandemie waren alle Beteiligten dieses Gro\u00dfprojekts vor zus\u00e4tzliche Herausforderungen gestellt. Da ich freiwillig die Corona-Testung des Abbau-Teams im Zeughaus beaufsichtigte, war ich dennoch regelm\u00e4\u00dfig in der geschlossenen Dauerausstellung. Es war verbl\u00fcffend, wie schnell der Abbau voranging. Da ich dort zahlreiche F\u00fchrungen gegeben und viel Zeit verbracht habe, war das ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl \u2013 die Dauerausstellung entbl\u00e4tterte sich wie ein Baum im Herbst. Ich erlebte auch den Abbau einzelner Objekte mit, die ich beim Aufbau nicht wahrgenommen hatte. Eines Tages stand die Bismarck-Skulptur beispielsweise ohne Unterleib im Foyer. Das war sehr interessant.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"662\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/DSC_0459_1000-px-b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5585\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/DSC_0459_1000-px-b.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/DSC_0459_1000-px-b-300x199.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/DSC_0459_1000-px-b-768x508.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Der obere Part des dreiteiligen Modells f\u00fcr ein Denkmal von Otto von Bismarck von Bildhauer Gustav Eberlein im Foyer des Zeughaus. \u00a9 DHM<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>Um eine Gr\u00f6\u00dfenvorstellung von der Ausstellung zu erhalten: Wie viele Objekte Ihrer Sammlung befanden sich in etwa in der Ausstellung?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In dem von mir damals kuratierten Ausstellungsbereich befanden sich rund 850 Objekte.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2015\/16 betreue ich als Sammlungsleiterin das Bildarchiv. Postkarten, Fotos oder Fotoalben aus diesem Bereich waren bis zuletzt nur einige wenige im Zeughaus ausgestellt. Zudem handelte es sich bei einem Gro\u00dfteil davon um Reproduktionen und nicht um Originale.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe der Jahre wurden die Objekte aus meinem Sammlungsbereich aus restauratorischen Gr\u00fcnden teilweise ausgetauscht. Zudem ver\u00e4nderten sich einzelne Teile der Ausstellung, da Neuerwerbungen integriert oder bestimmte Themen inhaltlich \u00fcberarbeitet wurden. Wir nennen sie zwar \u201eDauerausstellung\u201c, doch von einem statischen Produkt kann nicht die Rede sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gibt es etwas, was Sie relevant f\u00fcr die neue St\u00e4ndige Ausstellung finden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da ich in den letzten Jahren schwerpunktm\u00e4\u00dfig Fotografie gesammelt habe, w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, wenn dieses Medium in der zuk\u00fcnftigen St\u00e4ndigen Ausstellung pr\u00e4senter ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Quantitativ handelt es sich beim Bildarchiv mit allen Negativen, Abz\u00fcgen, Vor- und Nachl\u00e4ssen wohl um den gr\u00f6\u00dften Sammlungsbestand des Museums, der zu jedem Thema etwas anbietet. Das trifft auch auf die Postkarten zu, die bisher kaum in der Dauerausstellung vertreten waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich zur Verwendung der Fotografie als Illustration der historischen Ereignisse k\u00f6nnte die Medialit\u00e4t thematisiert werden. Man k\u00f6nnte bspw. nachzeichnen, wie und wann das Medium popul\u00e4r wurde. Schlie\u00dflich sind Fotos ebenso historische Quellen wie Dokumente und Akten und m\u00fcssen ebenfalls kritisch hinterfragt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>5 Fragen an: Carola J\u00fcllig<span><\/h2>\n<p>Das Zeughaus des Deutschen Historischen Museums wird saniert und die Dauerausstellung \u201eDeutsche Geschichte vom Mittelalter bis zum Mauerfall\u201c abgebaut. Gleichzeitig arbeitet das DHM an einer neuen St\u00e4ndigen Ausstellung &#8211; ein Gro\u00dfprojekt, das das gesamte Museum betrifft. In der Interview-Reihe \u201e5 Fragen an\u2026\u201c kommen Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen zu Wort und berichten von ihren Erinnerungen an die fr\u00fchere Dauerausstellung und derzeitigen Erlebnissen. 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