
{"id":5618,"date":"2022-02-04T10:34:00","date_gmt":"2022-02-04T09:34:00","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=5618"},"modified":"2022-02-04T10:34:03","modified_gmt":"2022-02-04T09:34:03","slug":"5-fragen-an-katrin-kunze","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2022\/02\/04\/5-fragen-an-katrin-kunze\/","title":{"rendered":"5 Fragen an: Katrin Kunze"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">5 Fragen an: Katrin Kunze<\/h1>\n\n\n\n<p>4. Februar 2022<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Zeughaus des Deutschen Historischen Museums wird saniert und die Dauerausstellung \u201eDeutsche Geschichte<\/strong> <strong>vom Mittelalter bis zum Mauerfall\u201c abgebaut. Gleichzeitig arbeitet das DHM an einer neuen St\u00e4ndigen Ausstellung <\/strong>  <strong>\u2013 ein Gro\u00dfprojekt, das das gesamte Museum betrifft. In der Interview-Reihe <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/blog\/tag\/5-fragen-an\/\" target=\"_blank\">\u201e5 Fragen an\u2026\u201c<\/a> kommen Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen zu Wort und berichten von ihren Erinnerungen an die fr\u00fchere Dauerausstellung und derzeitigen Erlebnissen. Katrin Kunze, Ausstellungshandwerkerin am Deutschen Historischen Museum, stellte sich ebenfalls den Fragen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Liebe Katrin Kunze,<\/strong> <strong>die Dauerausstellung ist seit Ende Juni 2021 geschlossen. Gab es f\u00fcr Sie ein Objekt oder einen Bereich in der Ausstellung, mit dem Sie eine besondere Erinnerung oder Geschichte verbinden?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Katrin Kunze:<\/strong> Es gibt einige Erinnerungen und Objekte, die mir da direkt in den Kopf schie\u00dfen. Zum einen haben mich die realistischen bzw. lebensnahen Kompositionen, wie sie in der Biedermeier-Vitrine zu sehen waren, beeindruckt. Zum anderen sind mir einzelne Projekte wie die Pr\u00e4sentation von Objekten aus der Silberkammer der Luxemburger Dynastie im Jahr 2012 besonders in Erinnerung geblieben. Hierf\u00fcr wurden vier Vitrinen komplett leerger\u00e4umt. Ein speziell daf\u00fcr beauftragter Polsterer fertigte die unterschiedlichen Etagen mit einem Bezug aus dunkelblauem Samt an. Auf diesen wurden die kostbaren Objekte aus Silber pr\u00e4sentiert. Gemeinsam mit Mitarbeitenden aus Luxemburg wurde das Silber poliert und daf\u00fcr gesorgt, dass der Samt komplett fusselfrei blieb bevor die Vitrinen verschlossen wurden.<br>Aber auch die meines Erachtens sehr sch\u00f6ne Intervention \u201eEngel, Hakenkreuz, Felsendom. Christbaumschmuck vom 19. Jahrhundert bis heute\u201c ist mir noch sehr pr\u00e4sent. Aus verschiedensten Weihnachtsbaumornamenten fertigten der K\u00fcnstler Ulrich Vogl und die B\u00fchnenbildnerin Evi Wiedemann eine Installation in Form eines Weihnachtsbaumes.<br>Bei der Umsetzung solcher Projekte war ich beteiligt, da hierf\u00fcr Vitrinen entfernt bzw. versetzt werden mussten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"669\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_0088_1000-px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5625\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_0088_1000-px.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_0088_1000-px-300x201.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_0088_1000-px-768x514.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Blick auf die Installation von Evi Wiedemann und Ulrich Vogel die im Rahmen der Intervention &#8222;Engel, Hakenkreuz, Felsendom. Christbaumschmuck vom 19. Jahrhundert bis heute&#8220; in der Dauerausstellung zu sehen war. \u00a9 DHM<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>Waren Sie 2006 beim Aufbau und der Er\u00f6ffnung dabei? Ist Ihnen aus dieser Zeit etwas pr\u00e4gend in Erinnerung geblieben? Oder gab es f\u00fcr Sie einen Umbau oder Umgestaltung eines Bereichs, der Sie pers\u00f6nlich beeindruckt hat?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um die Vielzahl an B\u00fcchern im Zeughaus zu pr\u00e4sentieren, wurden spezielle Buchst\u00fctzen, sogenannte D\u00fctzer Wiegen, ben\u00f6tigt. Im Obergeschoss waren diese \u00fcberwiegend mit Seide bezogen. Hierf\u00fcr fertigte ich zun\u00e4chst einen Prototyp an. Gemeinsam mit zwei Mitarbeiter*innen bezog ich schlie\u00dflich rund 400 Wiegen. Michaela Brand, Buchrestauratorin am Haus, versorgte uns stetig mit Nachschub an Blanko-Wiegen. Diese D\u00fctzer Wiegen m\u00fcssen n\u00e4mlich f\u00fcr jedes Buch spezifisch eingestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selbst war erst einige Wochen vor der Er\u00f6ffnung am Aufbau beteiligt und habe tagelang Objektbeschriftungen montiert und kontrolliert. Noch am Tag der offiziellen Er\u00f6ffnung, quasi bis zur letzten Minute, haben wir an Details gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Er\u00f6ffnung gab es zahlreiche Umgestaltungen, auch baulicher Art. Die Konzeption der Dauerausstellung sah vor, dass die R\u00e4ume stringent komplett durchlaufen werden konnten. Im Verlauf der Jahre wurden dann einige Anpassungen vorgenommen und ganze W\u00e4nde und Bauten abgerissen, unter anderem ein Rondell, welches im Themenbereich zu Goethe verbaut war und in dem die amerikanische Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung vom 4. Juli 1776 ausgestellt war. Nachdem dieses abgerissen wurde, hatte man schlie\u00dflich einen freien Blick auf die dahinterliegende Empore. F\u00fcr die Besucher*innen erm\u00f6glichte dies ein viel freieres und luftigeres Raumerlebnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso beeinflussten die vielen Interventionen, die immer wieder in verschiedenen Bereichen im Zeughaus integriert wurden, die Dauerausstellung in spannender Weise \u2013 wenn auch nur tempor\u00e4r. Das hat immer sehr viel Spa\u00df gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was stellt f\u00fcr Sie die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung beim Abbau der Dauerausstellung dar?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist die \u00d6ffnung aller Vitrinen. Dabei ist zu bedenken, dass diese h\u00e4ufig im unteren Bereich aufgeschlossen werden, sodass ich viel Zeit auf den Knien verbringen muss.<br>Viele der Vitrinen in der Dauerausstellung haben zudem tats\u00e4chlich nur eine Glasscheibe und keine klassische T\u00fcr. Diese m\u00fcssen dann mit einem Sauger rausgenommen werden.<br>Ein besonderer Fall ist die Vitrine im Erdgeschoss, in der eine DDR-Wohnzimmer zu sehen war, da die Scheiben hier jeweils fast 400 kg wiegen. In solchen Momenten zittere ich ein wenig.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"703\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_0103_1000-px-b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5620\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_0103_1000-px-b.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_0103_1000-px-b-300x211.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_0103_1000-px-b-768x540.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Ein Blick hinter die Kulissen des Abbaus der Dauerausstellung im Zeughaus. \u00a9 DHM<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>Um eine Gr\u00f6\u00dfenvorstellung von der Ausstellung zu erhalten: Wie viele Vitrinen befanden sich in der Ausstellung?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bis zuletzt befanden sich circa 650 Vitrinen in der Dauerausstellung im Zeughaus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gibt es etwas, das Sie relevant f\u00fcr die neue St\u00e4ndige Ausstellung finden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Erfahrung der letzten Dauerausstellung sollte darauf geachtet werden, dass Vitrinen wartungsfreier gebaut werden, damit diese leichter zu \u00f6ffnen und auch besser zug\u00e4nglich sind, z.B. wenn sie gereinigt oder Objekte ausgetauscht werden m\u00fcssen.<br><br>Von Vorteil w\u00e4re au\u00dferdem ein flexibler gestaltetes Beleuchtungssystem, um die Objekte aber auch die entsprechenden Sequenztexte bestm\u00f6glich ausleuchten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>5 Fragen an: Katrin Kunze<span><\/h2>\n<p>Das Zeughaus des Deutschen Historischen Museums wird saniert und die Dauerausstellung \u201eDeutsche Geschichte vom Mittelalter bis zum Mauerfall\u201c abgebaut. 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