
{"id":5631,"date":"2022-02-10T13:52:34","date_gmt":"2022-02-10T12:52:34","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=5631"},"modified":"2025-08-01T11:45:14","modified_gmt":"2025-08-01T09:45:14","slug":"karl-marx-und-der-kapitalismus-eroeffnungsrede-von-raphael-gross","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2022\/02\/10\/karl-marx-und-der-kapitalismus-eroeffnungsrede-von-raphael-gross\/","title":{"rendered":"Karl Marx und der Kapitalismus: Er\u00f6ffnungsrede von Raphael Gross"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Karl Marx und der Kapitalismus<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Er\u00f6ffnungsrede von Raphael Gross<\/h2>\n\n\n\n<p>10. Februar 2022<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ausstellung <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/karl-marx-und-der-kapitalismus\/#\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/karl-marx-und-der-kapitalismus\/#\/\" target=\"_blank\">\u201eKarl Marx und der Kapitalismus\u201d<\/a> wurde am 8. Februar 2022 er\u00f6ffnet. In diesem Rahmen sprach Raphael Gross, Pr\u00e4sident des Deutschen Historischen Museums, \u00fcber die Idee zur Ausstellung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/dhm_Karl_Marx_und_der_Kapitalismus_C_Mathias_Voelzke-029-1024x683.jpg\" alt=\"Pr\u00e4sident Raphael Gross bei Er\u00f6ffnung der Ausstellung &quot;Karl Marx und der Kapitalismus&quot;, Berlin 08.02.2022\" class=\"wp-image-5634\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/dhm_Karl_Marx_und_der_Kapitalismus_C_Mathias_Voelzke-029-1024x683.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/dhm_Karl_Marx_und_der_Kapitalismus_C_Mathias_Voelzke-029-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/dhm_Karl_Marx_und_der_Kapitalismus_C_Mathias_Voelzke-029-768x512.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/dhm_Karl_Marx_und_der_Kapitalismus_C_Mathias_Voelzke-029-1536x1024.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/dhm_Karl_Marx_und_der_Kapitalismus_C_Mathias_Voelzke-029-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pr\u00e4sident Raphael Gross bei Er\u00f6ffnung der Ausstellung &#8222;Karl Marx und der Kapitalismus&#8220;, Berlin 08.02.2022 \u00a9 DHM\/Mathias_Voelzke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><p>11 Personen waren \u2013 darauf macht Branko Milanovic in unserem Katalog aufmerksam &#8211; bei der Beerdigung auf dem Friedhof in Highgate in London versammelt, als dort Karl Marx am 17. M\u00e4rz 1883 zu Grabe getragen worden war.<\/p><\/p>\n\n\n\n<p><p>Sein Grab war schlicht und vor dem Hintergrund dessen, was Sie wahrscheinlich in Erinnerung haben, spannend. Dem unscheinbaren Grab von 1883 wurde 1956 n\u00e4mlich auf Initiative der Kommunistischen Partei Gro\u00dfbritanniens und mit finanzieller Unterst\u00fctzung aus der damaligen Sowjetunion auf demselben Friedhof ein monumentales Grabdenkmal errichtet. Es zeigt Marx mit seinem Markenzeichen, dem wallenden Bart und der beeindruckenden M\u00e4hne. Die Differenz der beiden Gr\u00e4ber spiegelt ziemlich genau die Differenz zwischen der Bekanntheit und Ausstrahlung von Marx im 19. Jahrhundert und seiner posthumen Wirkung danach. In der Ausstellung gehen wir also quasi drei Schritte zur\u00fcck: Wir beleuchten Marx in der Zeit, bevor sein Werk durch seinen Freund und Mitautor Friedrich Engels eine starke Verbreitung fand. Und nat\u00fcrlich gehen wir vor die Zeit zur\u00fcck, in der Lenin Marx zum ideologischen Vater der Oktoberrevolution erhoben hat. Und drittens gehen wir vor die Zeit zur\u00fcck, in der durch die kommunistische Internationale im Kampf gegen den Imperialismus in der \u201eDritten Welt\u201c in China, Vietnam, Jugoslawien, Kuba, Angola, Ghana, S\u00fcdafrika weltweit Marx zu einer Ikone geworden ist.<\/p><\/p>\n\n\n\n<p><p>Das alles war er noch nicht zu seinen Lebzeiten und das spiegelt sich auch in seinem urspr\u00fcnglichen, schlichten Grab wieder. Die Schwierigkeit, den Marx des 19. Jahrhunderts zu historisieren \u2013 und das hei\u00dft, ihn so wahrzunehmen, dass der historische Abstand zur Quelle neuer Erkenntnisse und Erfahrungen auch in Bezug auf die Gegenwart wird \u2013 hat etwas zu tun mit der eigent\u00fcmlichen Schwierigkeit, die wir haben, wenn wir den Begriff Kapitalismus zu historisieren versuchen. Wir haben alle eine bestimmte Vorstellung davon was Kapitalismus ist \u2013 nur nicht dieselbe. Das hat mich dazu motiviert, am DHM eine Ausstellung zu zeigen, die sich Kapitalismus zum Thema macht. Ein historisch spannender Zugriff erschien mir dabei dies mit dem Fokus auf zwei Figuren zu versuchen, die gemeinhin nicht miteinander in Verbindung gebracht werden: Karl Marx und <a rel=\"noreferrer noopener\" style=\"font-size: revert;\" href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/vorschau\/richard-wagner-und-das-deutsche-gefuehl\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/vorschau\/richard-wagner-und-das-deutsche-gefuehl\/\" target=\"_blank\">Richard Wagner<\/a><\/p><\/p>\n\n\n\n<p><p>Beide Personen scheinen f\u00fcr viele Menschen bis heute eine attraktive Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Probleme des Kapitalismus zu bieten. Oftmals vereinfachen sich dabei die Dinge auf eine Weise, die leicht vieles zu erkl\u00e4ren scheint. Einmal durch die Mechanismen des Kapitals. Einmal durch die Herrschaft heimlicher M\u00e4chte und vor allem der Juden.<\/p><\/p>\n\n\n\n<p><p><span style=\"color: initial; font-size: revert;\">Genau wie wir, haben Karl Marx und Richard Wagner unter Kapitalismus etwas jeweils ganz Anderes verstanden. Er steht ihnen genau genommen als Begriff, wie wir ihn kennen, noch gar nicht zur Verf\u00fcgung. Im 20. Jahrhundert berief sich der Marxismus auf Marx\u2018 Lehren; Marxismus wurde zur Ideologie auch von Staaten, die im Namen von Kommunismus und Sozialismus Folter und Mord begingen. Auf Wagner beriefen sich im 20. Jahrhundert Str\u00f6mungen, die direkt mit massiven Verbrechen, radikalem v\u00f6lkischen Antisemitismus und in der Folge mit Nationalsozialismus und Holocaust in Verbindung stehen. Anh\u00e4nger und Gegner von Marx und von Wagner interpretieren diese Linien vom 19. ins 20. Jahrhundert hinein extrem unterschiedlich. Wenn unsere Ausstellung dazu etwas beitr\u00e4gt, dass wir durch den historischen Kontext die Fragen dieser Linien neu aufwerfen und vielleicht auch die Bedeutung der beiden f\u00fcr die Gegenwart in einem neuen Kontext erm\u00f6glichen, haben wir, wie ich finde, f\u00fcr eine historische Ausstellung vieles erreicht.<\/span><\/p><\/p>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/kQ0IvCkck4Y\">Zum Video auf YouTube<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Karl Marx und der Kapitalismus: Er\u00f6ffnungsrede von Raphael Gross<span><\/h2>\n<p>Die Ausstellung \u201eKarl Marx und der Kapitalismus\u201d wurde am 8. Februar 2022 er\u00f6ffnet. 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