
{"id":5699,"date":"2022-03-02T13:55:20","date_gmt":"2022-03-02T12:55:20","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=5699"},"modified":"2022-03-03T09:32:33","modified_gmt":"2022-03-03T08:32:33","slug":"5-fragen-an-stefan-bresky","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2022\/03\/02\/5-fragen-an-stefan-bresky\/","title":{"rendered":"5 Fragen an: Stefan Bresky"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">5 Fragen an: Stefan Bresky<\/h1>\n\n\n\n<p>2. M\u00e4rz 2022<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Zeughaus des Deutschen Historischen Museums wird saniert und die Dauerausstellung \u201eDeutsche Geschichte<\/strong> <strong>vom Mittelalter bis zum Mauerfall\u201c abgebaut. Gleichzeitig arbeitet das DHM an einer neuen St\u00e4ndigen Ausstellung <\/strong>  <strong>\u2013 ein Gro\u00dfprojekt, das das gesamte Museum betrifft. In der Interview-Reihe <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/blog\/tag\/5-fragen-an\/\" target=\"_blank\">\u201e5 Fragen an\u2026\u201c<\/a> kommen Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen zu Wort und berichten von ihren Erinnerungen an die fr\u00fchere Dauerausstellung und derzeitigen Erlebnissen. Diesmal im Gespr\u00e4ch: Stefan Bresky, Leiter der Bildung und Vermittlung am Deutschen Historischen Museum.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Li<\/em><\/strong><em><strong>eber Stefan Bresky,<\/strong> <strong>die Dauerausstellung ist seit Ende Juni 2021 geschlossen. Gab es f\u00fcr Sie ein Objekt oder einen Bereich in der Ausstellung, mit dem Sie eine besondere Erinnerung oder Geschichte verbinden?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stefan Bresky: <\/strong>Hervorheben m\u00f6chte ich die Verfassung des Deutschen Reiches mit eigenh\u00e4ndigen Unterschriften der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung aus dem Jahr 1849 und den dazugeh\u00f6renden Hands-On-Bereich.<br>Auf den ersten Blick handelt es sich um ein recht unscheinbares archivalisches Dokument, das jedoch interessante Gebrauchsspuren aufweist. Dieses Exponat erz\u00e4hlt vom Freiheitswillen der Menschen, vom Absch\u00fctteln \u00fcberkommener Unterdr\u00fcckung und vom Gedanken der nat\u00fcrlichen Gleichheit der Menschen. Da die deutschen F\u00fcrsten jedoch die Macht zur\u00fcckeroberten, wurde aus diesem Dokument keine Verfassungswirklichkeit; die Revolution 1848\/49 war gescheitert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"804\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/NN001901_1000-px-b-804x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5708\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/NN001901_1000-px-b-804x1024.jpg 804w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/NN001901_1000-px-b-235x300.jpg 235w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/NN001901_1000-px-b-768x978.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/NN001901_1000-px-b.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 804px) 100vw, 804px\" \/><figcaption>Verfassung des Deutschen Reiches, originale Druckfassung mit beurkundenden Unterschriften der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, 1849 \u00a9 DHM<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus der Bildungs- und Vermittlungsperspektive ist die Paulskirchenverfassung deshalb ein besonderes Objekt, weil es den Weg zu einem Rechtsstaat und einer B\u00fcrgergesellschaft aufzeigt. Daf\u00fcr steht insbesondere der Grundrechtsteil mit seinen Freiheits- und Eigentumsrechten. W\u00e4hrend der Vorbereitung zur Er\u00f6ffnung der Dauerausstellung im Jahr 2006 besch\u00e4ftigte uns die Frage, wie man dieses Exponat zum \u201eSprechen\u201c bringen kann. Mit welcher Erz\u00e4hlung l\u00e4sst sich das Besucher*inneninteresse wecken und die epochen\u00fcbergreifende Bedeutung des Objekts vermitteln? Im Rahmen der damaligen technischen M\u00f6glichkeiten entschieden wir uns f\u00fcr zwei didaktische Schubladenelemente, um in unmittelbarer Nachbarschaft zum Original, dessen Wirkungs- und \u00dcberlieferungsgeschichte zu thematisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In der ersten Schublade war eine drehbare Rolle integriert, mit deren Hilfe die Freiheitsrechte aus dem Jahr 1849 mit Passagen der Weimarer Verfassung, des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung der DDR verglichen werden konnten. Zugleich erinnert dieser historische L\u00e4ngsschnitt daran, welch pr\u00e4gende Kraft von diesem Exponat f\u00fcr die deutsche Verfassungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ausgeht.Die zweite Ebene des didaktischen Moduls stellt die abenteuerliche \u00dcberlieferungsgeschichte dieses Objekts mit Hilfe einer Europakarte dar: Nach Stationen in Frankfurt, K\u00f6ln, Gro\u00dfbritannien, Berlin und Sta\u00dffurt wurde dieses Verfassungsdokument 1951 im Neue Garten zu Potsdam gefunden und ins Berliner Zeughaus gebracht. Verf\u00e4rbungen, Wasserr\u00e4nder und das gewellte Papier zeugen bis heute von der abenteuerlichen Reise dieser Urkunde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/0152_1000-px-b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5709\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/0152_1000-px-b.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/0152_1000-px-b-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/0152_1000-px-b-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Blick in die alte Dauerausstellung im Zeughaus und auf die Vitrine mit der Verfassung des Deutschen Reiches und den darunterliegenden Schubladenelementen \u00a9 DHM<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>Waren Sie 2006 beim Aufbau und der Er\u00f6ffnung dabei? Was ist Ihnen pr\u00e4gend in Erinnerung geblieben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich wurde 2004 am Deutschen Historischen Museum angestellt, um an der Didaktisierung der Dauerausstellung mitzuarbeiten. Als neuer Mitarbeiter lernte ich zum damaligen Zeitpunkt \u2013 also knapp zwei Jahre vor der Ausstellungser\u00f6ffnung \u2013 wie viel Vorlauf ein solches Gro\u00dfprojekt ben\u00f6tigt und dass viele Planungen bereits abgeschlossen waren. So lie\u00dfen sich Eingriffe in die Ausstellungsarchitektur und Wandabwicklung zur Integration didaktischer Stationen nur noch eingeschr\u00e4nkt realisieren. Neben solch einem ern\u00fcchternden Moment, zeigte dieses arbeitsteilige Projekt jedoch auch, mit welcher Akribie und vielf\u00e4ltiger Expertise Ausstellungen am DHM vorbereitet werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wird sich das Vermittlungsprogramm w\u00e4hrend der Schlie\u00dfung fortsetzen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen sind wir in der wunderbaren Lage, dass der Pei-Bau f\u00fcr unser Publikum weiterhin mit Wechselausstellungen ge\u00f6ffnet bleibt. Zum anderen haben wir bereits im Verlauf der Pandemie zahlreiche digitale Vermittlungsangebote erarbeitet. Dabei handelte es sich um live gestreamte Epochenf\u00fchrungen, mit denen wir deutsche Geschichte vom Mittelalter bis zur Zeitgeschichte abdecken, und verschiedene Themenf\u00fchrungen, die sich beispielsweise mit der Frauen- bzw. Geschlechtergeschichte besch\u00e4ftigen. Diese Formate bieten wir nun als <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/bildung\/digitale-praesentationen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">digitale Pr\u00e4sentationen<\/a> f\u00fcr Einzelpersonen und Lerngruppen an, in dem wir vorbereitete Sequenzen zu Objekten und zur Szenographie einspielen. Dabei k\u00f6nnen die Teilnehmenden den Referent*innen live ihre Fragen stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Anfang M\u00e4rz ist noch das <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dhm.de\/bildung\/ida\/\" target=\"_blank\">Lernportal IDA<\/a> auf der Webseite des DHM hinzugekommen. Dieses interaktive digitale Angebot startet zun\u00e4chst mit Inhalten zum Mittelalter und zur Franz\u00f6sischen Revolution. Die jeweiligen Seiten verbinden kurze Einf\u00fchrungstexte zu Epoche, Ereignissen und Personen mit interaktiven Elementen. F\u00fcr diese nutzt IDA zum Beispiel ausgew\u00e4hlte 360\u00b0-Panoramen aus der alten Dauerausstellung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Um eine Gr\u00f6\u00dfenvorstellung von der ehemaligen Dauerausstellung zu erhalten: Wie viele Hands-on Stationen haben sich in der Ausstellung befunden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Rund 35 Hands-On-Bereiche erg\u00e4nzten die Ausstellungsszenografie auf rund 7000 qm Ausstellungsfl\u00e4che. Abgerundet wurde dieses Angebot durch digitale und auditive Angebote. Insgesamt mehr als 500 H\u00f6rf\u00fchrungsstationen richteten sich sowohl an Erwachsene als auch an Kinder und Familien. Das steigende touristische Interesse an der Dauerausstellung bedienten wir mit sieben fremdsprachigen H\u00f6rf\u00fchrungsvarianten. Besonders stark nachgefragt war in den zur\u00fcckliegenden Jahren die chinesische Version .<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gibt es etwas, was Sie f\u00fcr Ihren Bereich auch in der neuen St\u00e4ndigen Ausstellung wieder aufgreifen oder weiterverfolgen m\u00f6chten?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein erster wichtiger Schritt war die abteilungs\u00fcbergreifende Erarbeitung des Masterplans zur neuen St\u00e4ndigen Ausstellung. Als Museumsp\u00e4dagoge freut es mich besonders, dass im Zeughaus zuk\u00fcnftig ein eigener Ausstellungsbereich f\u00fcr Kinder und Familien Platz finden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zweiter wichtiger Schritt wird sein, dass die objektbezogene Vermittlung bei den konzeptionellen \u00dcberlegungen ber\u00fccksichtigt wird. Insbesondere wegen der Schauwerte der Exponate kommen die Besucher*innen in unser Museum. Wir wollen sie beim Erkunden von historischen Objekten unterst\u00fctzen. Parallel zur fortschreitenden Digitalisierung werden klassische Hands-On-Bereiche mit multisensorisch-inklusivem Profil ein wichtiger Baustein des Vermittlungsangebots bleiben. Den zuk\u00fcnftigen Ausstellungsbesucher*innen soll eine anregende Mischung von digitalen und analogen Angeboten zur Verf\u00fcgung stehen, dass die Geschichte im Museum im Mehr-Sinne-Prinzip vermittelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>5 Fragen an: Stefan Bresky<span><\/h2>\n<p>Das Zeughaus des Deutschen Historischen Museums wird saniert und die Dauerausstellung \u201eDeutsche Geschichte vom Mittelalter bis zum Mauerfall\u201c abgebaut. Gleichzeitig arbeitet das DHM an einer neuen St\u00e4ndigen Ausstellung &#8211; ein Gro\u00dfprojekt, das das gesamte Museum betrifft. In der Interview-Reihe \u201e5 Fragen an\u2026\u201c kommen Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen zu Wort und berichten von ihren Erinnerungen an die fr\u00fchere Dauerausstellung und derzeitigen Erlebnissen. 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