
{"id":6006,"date":"2022-05-11T10:23:01","date_gmt":"2022-05-11T08:23:01","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=6006"},"modified":"2022-05-11T10:35:32","modified_gmt":"2022-05-11T08:35:32","slug":"wozu-das-denn-richard-wagners-rosa-schlafrock","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2022\/05\/11\/wozu-das-denn-richard-wagners-rosa-schlafrock\/","title":{"rendered":"Wozu das denn? Richard Wagners rosa Schlafrock"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Wozu das denn? Richard Wagners rosa Schlafrock<\/h1>\n\n\n\n<p>Stefan Alschner | 11. Mai 2022  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Richard Wagner hatte eine Vorliebe f\u00fcr feine Stoffe, bevorzugt in der Farbe Rosa. So gab er auch einen rosa Schlafrock bei der Putzmacherin Bertha Goldwag in Auftrag. Stefan Alschner, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klassik Stiftung Weimar im Forschungsverbund Marbach-Weimar-Wolfenb\u00fcttel, \u00fcber das ber\u00fchmte Kleidungsst\u00fcck Wagners und die damit verbundene Relevanz eines Briefes. Das Dokument geh\u00f6rt zur Sammlung des Reuter-Wagner-Museums Eisenach und ist Teil der Ausstellung <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/richard-wagner-und-das-deutsche-gefuehl\/#\/\" target=\"_blank\">\u201eRichard Wagner und das deutsche Gef\u00fchl\u201c<\/a>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Angewohnheit, unerh\u00f6rt viel Geld in auserlesene Stoffe mit teilweise extravaganten Farben zu investieren, brachte Richard Wagner schon zu Lebzeiten Kritik und Spott ein. Zeugnisse dieser Vorliebe sind in seinen Briefen an die Putzmacherin Bertha Goldwag dokumentiert. Goldwag wurde von Wagner mit der Herstellung von Decken, Kissen und Gardinen f\u00fcr seine Wohnungen in Wien, M\u00fcnchen und der Schweiz beauftragt sowie mit der Anfertigung von Bekleidung. Die Briefe zeugen von Wagners Hang, die Putzmacherin bei ausstehenden Zahlungen immer wieder zu vertr\u00f6sten und gleichzeitig neue Bestellungen in Auftrag zu geben. Welchen Umfang eine solche Bestellung annehmen konnte, wird in einem Brief vom 15. November 1865 deutlich, in welchem Wagner mehrere Schlafr\u00f6cke, Beinkleider, Kissen, Decken und weitere Waren orderte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"692\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/wagner_brief1-692x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6009\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/wagner_brief1-692x1024.jpg 692w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/wagner_brief1-203x300.jpg 203w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/wagner_brief1-768x1136.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/wagner_brief1-1038x1536.jpg 1038w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/wagner_brief1.jpg 1141w\" sizes=\"auto, (max-width: 692px) 100vw, 692px\" \/><figcaption>Brief von Richard Wagner an Bertha Goldwag. Unter Punkt der Bestellliste befindet sich u.a. ein \u201erosa Schlafrock mit gestickten Eins\u00e4tzen\u201c.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Zu einiger Ber\u00fchmtheit gelangte dabei der erw\u00e4hnte \u201erosa Schlafrock\u201d. Der Wiener Satiriker Daniel Spitzer persiflierte in seinem Text <em>Briefe Richard Wagners an eine Putzmacherin<\/em> noch zu Lebzeiten des Komponisten dessen Vorlieben f\u00fcr feine Stoffe, viele davon bevorzugt in der Farbe Rosa. Der \u201erosa Schlafrock\u201d zieht sich dabei wie ein Leitmotiv durch den Text Spitzers, welcher aus den Briefen Wagners zitierte und damit unter den Wagnerianern Emp\u00f6rung ausl\u00f6ste. Als Reaktion folgte jedoch keine kritische Auseinandersetzung mit dem Finanzgebaren des Komponisten und seiner Vorliebe f\u00fcr Luxus. Stattdessen wurde Spitzers j\u00fcdische Herkunft herangezogen und damit ein weiterer Beweis konstruiert, wie das Judentum Wagner in Misskredit zu bringen versuche. Ein Diskussionsmuster, welches auch heute nur allzu bekannt ist. Statt sich argumentativ mit etwas auseinanderzusetzen, wird versucht, Zweifel an der Integrit\u00e4t der anderen Seite zu wecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bestand des Reuter-Wagner-Museums Eisenach befinden sich mehrere Briefe Richard Wagners sowie seiner Haush\u00e4lterin Verena Weidmann an Bertha Goldwag. Die Dokumente stammen aus der Sammlung des Wiener Wagnerianers Nikolaus Oesterlein. Dessen zwischen 1876 und 1895 zusammengetragene Sammlung von \u00fcber 25.000 Objekten bildet den Grundstock der sich heute in Eisenach befindenden Best\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"692\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/oesterlein_katalog1-692x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6010\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/oesterlein_katalog1-692x1024.jpg 692w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/oesterlein_katalog1-203x300.jpg 203w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/oesterlein_katalog1-768x1136.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/oesterlein_katalog1-1038x1536.jpg 1038w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/oesterlein_katalog1.jpg 1181w\" sizes=\"auto, (max-width: 692px) 100vw, 692px\" \/><figcaption>Seite aus dem dritten Band des Katalogs einer Richard-Wagner-Bibliothek von Nikolaus Oesterlein. Ab Nummer 5699 sind die Briefe Wagners an Bertha Goldwag aufgelistet, welche sich im Umfang der Eintr\u00e4ge deutlich von den Vorangehenden unterscheiden.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Obwohl Oesterlein die Adressatin der Briefe sicher bekannt war, findet sich in den Eintr\u00e4gen seines vierb\u00e4ndigen Katalogwerks zu seiner Sammlung nur eine mit \u201e\u2026\u201c angegebene Leerstelle. Statt der \u00e4u\u00dferst detaillierten und teils sogar mit ausf\u00fchrlichen Fu\u00dfnoten versehenen Katalogeintr\u00e4ge scheint hier bewusst der Name der Adressatin, Bertha Goldwag, verschwiegen zu werden. Vielleicht wollte Oesterlein nicht unn\u00f6tig die Aufmerksamkeit des Bayreuther Kreises um Cosima Wagner auf sich ziehen, der sicher alle Hebel in Bewegung gesetzt h\u00e4tte, um in den Besitz dieser \u2013 das Ansehen Wagners sch\u00e4digenden \u2013 Briefe zu gelangen, um sie auf ewig verschwinden zu lassen. Es kann also dem Wiener Sammler angerechnet werden, diese Dokumente trotz ihres f\u00fcr Wagner nicht immer schmeichelhaften Inhalts f\u00fcr die Nachwelt bewahrt zu haben.<\/p>\n\n\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-6008\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild_Alschner.jpg\" alt=\"\" width=\"1071\" height=\"1500\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild_Alschner.jpg 567w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Bild_Alschner-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 1071px) 100vw, 1071px\" \/><\/p>\n<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Stefan Alschner<\/h4>\n<p><\/p>\n<p style=\"color: #000000; padding: 0px 10px 5px 10px;\">Stefan Alschner arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule f\u00fcr Musik Franz Liszt Weimar in Projekten zur Erschlie\u00dfung und Digitalisierung der Richard-Wagner-Sammlung des Reuter-Wagner-Museums Eisenach. Aktuell ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klassik Stiftung Weimar im Forschungsverbund Marbach-Weimar-Wolfenb\u00fcttel besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Wozu das denn? Richard Wagners rosa Schlafrock<span><\/h2>\n<p>Richard Wagner hatte eine Vorliebe f\u00fcr feine Stoffe, bevorzugt in der Farbe Rosa. So gab er auch einen rosa Schlafrock bei der Putzmacherin Bertha Goldwag in Auftrag. Stefan Alschner, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klassik Stiftung Weimar im Forschungsverbund Marbach-Weimar-Wolfenb\u00fcttel, \u00a0\u00fcber das ber\u00fchmte Kleidungsst\u00fcck Wagners und die damit verbundene Relevanz eines Briefes. 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