
{"id":6276,"date":"2022-08-17T10:08:10","date_gmt":"2022-08-17T08:08:10","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=6276"},"modified":"2022-08-18T15:21:03","modified_gmt":"2022-08-18T13:21:03","slug":"leitfaeden-fuer-die-dame-a-la-page-franzoesische-modekupfer-des-19-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2022\/08\/17\/leitfaeden-fuer-die-dame-a-la-page-franzoesische-modekupfer-des-19-jahrhunderts\/","title":{"rendered":"Leitf\u00e4den f\u00fcr die Dame \u00e0 la page: franz\u00f6sische Modekupfer des 19. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Leitf\u00e4den f\u00fcr die Dame <em>\u00e0 la page<\/em>: franz\u00f6sische Modekupfer des 19. Jahrhunderts<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p>Valeria Butera | 17. August 2022   <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die franz\u00f6sische Mode pr\u00e4gte stark den Geschmack in Europa im 19. Jahrhundert. Dazu haben Modezeitschriften und Modekupfer beigetragen. Sie boten nicht nur das Diktat der Mode und der Eleganz <\/strong><em><strong>tout court<\/strong><\/em><strong>, sondern indirekt auch ein historisches Dokument \u00fcber Sitten und Gebr\u00e4uche einer Gesellschaft, schildert Valeria Butera, Mitarbeiterin Sammlung Angewandte Kunst und Grafik in ihrem Beitrag zur Ausstellung \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/richard-wagner-und-das-deutsche-gefuehl\/#\/\" target=\"_blank\">Richard Wagner und das deutsche Gef\u00fchl<\/a>\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Modekupfer<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> \u2013 Modebilder, die als Einzelbl\u00e4tter in Modezeitschriften eingebunden waren \u2013 hatten in Frankreich eine sehr lange Tradition, mindestens seitdem Michel de Marolles, ab Mitte des 17. Jahrhunderts die \u201ehabits de nations\u201c sammelte.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Diese Stiche boten einen \u00dcberblick \u00fcber Trachten anderer L\u00e4nder, die in der Tat schon ab der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts europaweit Aufmerksamkeit erregten: \u00dcber Deutschland mit dem <em>Trachtenbuch<\/em> von Hans Weigel mit Holzschnitten von Jost Ammans<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> bis Italien mit der Publikation von Cesare Vecellio, <em>De Gli Habiti Antichi, Et Moderni di Diverse Parti del Mondo<\/em><a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a>. Nichtsdestotrotz waren solche meist geografisch, teilweise nach Epochen oder St\u00e4nden gegliederten Trachtenb\u00fccher als Vorl\u00e4ufer der Modezeitschriften eher ein Ausschnitt aus dem Welttheater und Bestandteil einer Wunderkammer, weniger ein Medium, das die st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen der Mode dokumentierte. Zudem entsprach die Mode der h\u00f6fischen Kleiderordnung. Mit dem Aufkommen periodischer Erscheinungen und h\u00f6heren Auflagezahlen erreichten Modezeitschriften erst Ende des 17. Jahrhunderts das wachsende b\u00fcrgerliche Lesepublikum.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-1_kl.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6279\" width=\"689\" height=\"519\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-1_kl.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-1_kl-300x226.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-1_kl-768x579.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 689px) 100vw, 689px\" \/><figcaption> Abbildung 1: Modedarstellung franz\u00f6sischer Frauen in Begleitung eines Herren<em>,<\/em> aus <em>Les modes parisienne reunies,<\/em> 1854 \u00a9 DHM <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Das Deb\u00fct der Modezeitschriften in Frankreich war der <em>Mercure Galant<\/em>,<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a>welcher in Paris monatlich zwischen 1672 und 1714<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> und ab 1678 auch in Lyon, Toulouse und Den Haag ver\u00f6ffentlicht wurde. 1728 folgte <em>Le Cabinet des Nouvellistes<\/em><a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> und ab Ende der 1770er eine Vielfalt von Magazinen, u.a. die <em>Gallerie des Modes et Costumes fran\u00e7ais,<\/em> eine der sch\u00f6nsten und kostbartesten Publikation dieses Genres.<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im 19. Jahrhundert stieg Frankreich zum Pionierland der Modezeitschriften auf. Titel wie <em>Journal des Dames et des Modes<\/em> (ab 1797),<em> Petit courier des Dames<\/em> (ab etwa 1821), <em>Le Follet <\/em>(ab 1829) sind nur einige der erfolgreichsten franz\u00f6sischen Publikationen zum Thema. Im Jahr 1852 z\u00e4hlte man in Frankreich etwa vierzig Zeitschriften, die H\u00e4lfte davon erfolgreich etabliert.<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Modezeitungen bestanden nicht nur aus Modellen mit Begleittexten, die Schnittmuster und Stoffe beschrieben und Hinweise f\u00fcr Schneider*innen gaben, sondern auch aus Berichten \u00fcber Trends in Politik, Theater, Innenarchitektur, Kindererziehung, Musik, Haushalt oder Gartengestaltung. Somit sind diese Publikationen \u00fcberwiegend als allgemeine Gesellschaftsbl\u00e4tter zu betrachten. Diese literarisch-kulturellen Zeitschriften verbreiteten sich in ganz Europa sehr schnell und fanden in dem in Weimar gegr\u00fcndeten <em>Journal des Luxus und der Moden<\/em> (1787 bis 1812 und bis 1827 mit anderen Titeln) und in der in Leipzig erscheinenden <em>Zeitung f\u00fcr die elegante Welt<\/em><a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> (1801 bis 1859) entsprechende Pendants zu franz\u00f6sischen Publikationen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-2_kl.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6278\" width=\"665\" height=\"469\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-2_kl.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-2_kl-300x212.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-2_kl-768x543.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 665px) 100vw, 665px\" \/><figcaption> Abbildung 2: Modedarstellung franz\u00f6sischer Frauen<em>,<\/em> aus <em>Les modes parisienne reunies,<\/em> 1854 \u00a9 DHM <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl aus Sicht vieler Kritiker*innen die Qualit\u00e4t der Stiche ab etwa 1830 abnahm, sind die Jahre zwischen 1830 und 1870 diejenigen der gr\u00f6\u00dften Expansion der Modemagazine, auch bez\u00fcglich der Auflagenh\u00f6he von \u00fcber 100.000 Exemplaren um die Mitte des Jahrhunderts.<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> Le <em>Moniteur de la Mode<\/em> (ab 1843) ist ein Beispiel daf\u00fcr. F\u00fcr die Magazine hat der K\u00fcnstler und Illustrator Jules David (1808 bis 1892) bis zu seinem Tod Zeichnungen entworfen und gilt als Erneuer des Genres, indem er die Modelle im Interieur oder beim Spaziergang in b\u00fcrgerlichen Kulissen dargestellt hat.<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Normalerweise ist der Hintergrund in Modezeitschriften kein festes Element der Darstellung. Bei vielen Modekupfern ist er weggelassen oder, falls anwesend, ist er minimalistisch und funktionell, um die Kleider in einer m\u00f6glichen Situation zu pr\u00e4sentieren. Denn die Kleidung ist der echte Protagonist, das Mannequin nur ein Stereotyp, kein Portr\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Grafiksammlung des DHM sind aktuell sechs<a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a> kolorierte Modekupfer aus einem Frauenmagazin, <em>Les modes parisienne reunies,<\/em> Jahrgang 1854, innerhalb des Kapitels \u201eEros\u201c in der Ausstellung \u201eRichard Wagner und das deutsche Gef\u00fchl\u201c zu sehen (Abb. 1-3). In r\u00e4umlicher und gedanklicher N\u00e4he zu einem wundervollen seidenen Damenkleid aus der Textilsammlung (siehe Ausstellungansicht oben) stehen sie f\u00fcr den Hang des Komponisten zu erlesenen Stoffen, Mustern und Farben, mit denen er sich privat umgab und schm\u00fcckte. Wie auch immer man seinen Hang zum Luxus beurteilen mag: In Modefragen war Wagner stets auf der H\u00f6he der Zeit, wohl auch Dank der Modezeitungen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-3_kl.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6277\" width=\"684\" height=\"508\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-3_kl.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-3_kl-300x223.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-3_kl-768x571.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 684px) 100vw, 684px\" \/><figcaption>Abbildung 3: Modedarstellung franz\u00f6sischer Frauen<em>,<\/em> aus <em>Les modes parisienne reunies,<\/em> 1854 \u00a9 DHM<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz ihres franz\u00f6sischen Titels wurde die Zeitschrift <em>Les modes parisienne reunies<\/em> f\u00fcr das deutsche Publikum herausgegeben, um die Pariser Mode bekannt zu machen. Paris galt als Quintessenz der Eleganz und des Stils. Die fl\u00e4chendeckende Pr\u00e4senz von Schnittmustern aus Pariser Zeitschriften, gegebenenfalls mit ver\u00e4nderten Farben und Kombinationen, in unterschiedlichen (oft internationalen) Magazinen, ist ein Beweis daf\u00fcr (Abb. 1 und 4).<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Modekupfer der <em>Les modes<\/em> <em>parisienne reunies, <\/em>die w\u00f6chentlich erschienen, zeigten sowohl das Outfit f\u00fcr mond\u00e4ne Ereignisse, zum Beispiel Ball- oder Theaterabende, als auch Kleider und Accessoires f\u00fcr die Visitentoiletten oder sogar f\u00fcr ein Karnevalfest.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Elegante Kleider aus bunten Seiden- und Satinstoffen mit R\u00fcschen, Spitze, Schleifen und Volants, enger Taille auf nat\u00fcrlicher H\u00f6he und abfallender Schulterlinie (Abb. 1), die der weiblichen Figur eine Sanduhrsilhouette verlieh, sollten in der Abendgarderobe der Dame <em>\u00e1 la page<\/em> nicht fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was zuerst bei dieser Damenmode auff\u00e4llt, sind die steifen und bauschigen Unterr\u00f6cke. Die aus Rosshaar bestehende Krinoline (erfunden 1850) st\u00fctzte die ausladenden Reifr\u00f6cke, deren Durchmesser bis zwei, zweieinhalb Meter anwuchs<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a> und den Oberk\u00f6rper noch schmaler aussehen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einem Blatt (Abb. 2) sehen wir die Lieblingskleidungst\u00fccke f\u00fcr die \u201ePromenaden-Toilette\u201c, wie die Casaquin oder Mantille<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a>, ein h\u00fcftlanges tailliertes M\u00e4ntelchen aus Taffet und einen mit Blumen garnierten Strohhut. Der Hut oder die Schute \u2013 eine Kopfbedeckung bestehend aus einem hohen Kopf mit breiter Krempe und breiten B\u00e4ndern zum Knoten unter dem Kinn \u2013 wurden schnell zu unverzichtbaren Bestandteilen der Frauenmise in der \u00d6ffentlichkeit.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Ab und zu taucht in Modezeitschiften f\u00fcr das weibliche Lesepublikum auch M\u00e4nnermode auf &#8211; aber fast mehr als Erg\u00e4nzung. In einem Modekupfer in der Ausstellung (Abb. 1) prunkt ein Herr mit enger, pr\u00e4zise geschnittener Tuchhose, einem mit Pelz gef\u00fctterten Mantel und einem Zylinderhut. Unter den Accessoires durfte der Spazierstock selten fehlen. Die M\u00e4nnermode wurde nach und nach schlichter: ein niedrigerer, steifer Hut und ein zweckm\u00e4\u00dfiges Sakko ersetzten im Alltag den Zylinder und das Oberteil des Fracks.<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a> Au\u00dferdem muss man feststellen, dass die M\u00e4nnermode in den 1840er und 1850er-Jahren ihren Grundschnitt nicht sehr modifizierte \u2013 im Gegensatz zur Damenmode, die sich neu definieren musste.<a href=\"#_ftn18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Seit den 1820er-Jahren und noch mehr mit dem Pomp des zweiten Kaiserreichs (1852 bis 1870) verwandelte sich der antikisierende Schnitt der napoleonischen \u00c4ra in komplett neue Formen, die sich nun vermehrt auf die Feinheit der Rokokozeit bezogen und aus diesem Grund \u201ezweites Rokoko\u201c genannt wurde. Die Taille war wieder an ihrer nat\u00fcrlichen Stelle, aber ung\u00fcnstig modelliert \u2013 mindestens aus einer gesundheitlichen Sicht: Qu\u00e4lend enge Korsette betonten die sogenannte Wespentaille. Diese scheinbar \u00e4sthetische Moderichtung hatte bei einer genauen Betrachtung auch eine soziale Auswirkung: bei einer so geringen Bewegungsfreiheit der Frauen traten die Repr\u00e4sentationszwecke der Damen der Oberschicht, die nicht arbeiten m\u00fcsste, in den Vordergrund. Bequemlichkeit war kein Anspruch an Mode.<a href=\"#_ftn19\">[19]<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-5-759x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6293\" width=\"612\" height=\"826\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-5-759x1024.jpeg 759w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-5-222x300.jpeg 222w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-5-768x1036.jpeg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Abb.-5.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><figcaption>Abbildung 4: Modedarstellung aus <em>La Mode: revue des modes, galerie de moeurs, album des salons<\/em>, [Paris], 5. Januar 1854, Paris, Biblioth\u00e8que nationale de France (Source gallica.bnf.fr \/ BnF).<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Diese pomp\u00f6se und \u2013 aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts bestimmt \u2013 unbequeme Mode sprach die edlen Damen der Hochgesellschaft, aber auch diejenige der Mittel- und Kleinbourgeoise an. Die Expansion der Textilindustrie und die Aufschwung der Chemieindustrie erlaubten die Beschleunigung und die Preissenkung bei der Herstellung von Farben,<a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a> Stoffen, Spitzen und Stickereien, \u00e4hnlich wie bei der Bearbeitung von Rohstoffen und Textilien aus den Kolonien.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstn\u00e4her*innen konnten au\u00dferdem dank der ab den 1860er-Jahren \u201eeingeb\u00fcrgerten\u201c N\u00e4hmaschinen und der preisg\u00fcnstigeren Modefachzeitschriften mit Anleitung \u00fcber Schnittmuster ihre favorisierten Kleidungst\u00fccke selbst herstellen. Damit spaltete sich der Fokus der Modezeitschriften in Fachbl\u00e4tter einerseits und in Modemagazine andererseits, die \u00fcber Verhaltensweisen, Theater- und Operninszenierungen, literarische Erscheinungen, Sportmethoden bis hin zu Kur- und Badeorten berichtete und den Lesenden erm\u00f6glichte, stets am Puls der Zeit zu sein. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verweise:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Der eingeb\u00fcrgerte Begriff <em>Modekupfer<\/em> bezieht sich auf die ersten, handkolorierten Kupferstiche bzw. Radierungen. Die Bezeichnung blieb aber weiterhin g\u00e4ngig, obwohl ab den 1840er-Jahren die angewandte Technik f\u00fcr die Illustrationen meistens der Stahlstich war. Au\u00dferdem wurde ab den 1850er-Jahren auch der Holzstich eingesetzt, was einen gleichzeitigen Druck von Letternsatz, aber leider nicht von kolorierten Bildern erm\u00f6glichte. Vgl. Kunstgewerbe Sammlung der Stadt Bielefeld \u2013 Stiftung Huelsmann,<em> Streit der Moden. Modejournale von 1870 bis 1930<\/em>, [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum der Kunstgewerbesammlung der Stadt Bielefeld\/Stiftung Huelsmann, 25.10.1996 &#8211; 02.02.1997], Bielefeld, 1997, S. 11 (ab jetzt zitiert Bielefeld 1997).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Gaudriault, Raymond. <em>La gravure de mode feminine en France<\/em>, Paris: les Edition de l\u2019Amateur, 1983, S. 7.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Weigel, Hans. <em>Habitus praecipuorum populorum tam virorum quam feminarum singulari arte depicti = Trachtenbuch, <\/em>N\u00fcrnberg: Weigel, 1577.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Cesare Vecellio, <em>De Gli Habiti Antichi, Et Moderni di Diverse Parti del Mondo Libri Due,<\/em> Venedig: Zenaro, 1590.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Nicht so unterschiedlich zu einem Feuilleton behandelten die <em>Galante <\/em>Zeitschrifte<em>n<\/em> Themen des kulturellen Gesellschaftslebens und keine Politik. Vgl. V\u00f6lkel, Anika. <em>Die Modezeitschrift. Vom \u201eJournal des Luxus und der Moden\u201c zu \u201eBrigitte\u201c und \u201eElle\u201c<\/em>, Hamburg: Verlag Dr. Kova\u010d, 2006, S. 36.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> 1675 bis 1676 nicht erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> <em>Le Cabinet des Nouvellistes, ou les Nouvelles du Tems mises en Figures, contenant un recueil g\u00e9n\u00e9ral de toutes les curiosit\u00e9s, nouveaut\u00e9s et \u00e9v\u00e9nemens qui arrivent chaque mois dans toutes les parties de l&#8217;Europe, avec une description des Modes, des habillemens, des meubles\u2026, <\/em>Paris: d&#8217;Houry, Vve Pissot et P. M. Brunek, fils, 1728. Vgl. Gaudriault 1983, S. 34.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> <em>Gallerie des modes et costumes fran\u00e7ais, dessin\u00e9s d&#8217;apres\u0300 nature \/ grav\u00e9s par les plus c\u00e9lebres artistes en ce genre, et colori\u00e9s avec les plus grand soin par Madame Le Beau Ebenda<\/em>. Paris: Esnauts et Rapilly, 1779- [1787]. Die insgesamt fast 420 farbigen Modegravuren erschienen unregelm\u00e4\u00dfig, ohne oder mit nur kurzen Texten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Gaudriault 1983, S. 78.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Die <em>Zeitung f\u00fcr die elegante Welt <\/em>erschien dreimal w\u00f6chentlich und war nach Bedarf illustriert oder mit Notenbeilagen versehen. Vgl. V\u00f6lkel 2006, S. 76.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> 1872 steigerte der in Berlin herausgebrachte Bazar die Auflage auf 140.000. Vgl. Bielefeld 1997, S. 9.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Gaudriault 1983, S. 70.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Inv.-Nr. Gr S 60\/18204, Gr S 60\/1207, Gr S 60\/18212, Gr S 60\/18221, Gr S 60\/18223 und Gr S 60\/18232.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> Wie durch den Vergleich zwischen einem Modekupfer des DHM (Abb. 1) und jenem aus der Zeitschrift <em>La Mode: revue des modes, galerie de moeurs, album des salons<\/em> (Paris, 1829-1854) eindeutig erkennbar. \u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> 1856 wurde eine k\u00fcnstliche Krinoline erfunden, die Rosshaarstoffe und \u2013polster durch Stahlschienen ersetzte und leichter zu tragen war. Vgl. Thiel, Erik. <em>Geschichte des Kost\u00fcms<\/em>, Berlin: Henschelverlag, 1985, S. 343.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> Der Name stammt aus der spanischen, von Kaiserin Eug\u00e9nie in die Mode eingebrachten <em>Spitzenmantilla<\/em>. Vgl. Bielefeld 1997, S. 31.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> Kybalov\u00e1 u.a. 1966, S. 274.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> Trotzdem fehlte es nicht an Modezeitschriften, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr M\u00e4nner bestimmt waren: <em>Le Narcisse<\/em> (1830 bis 1848), <em>Journal des Modes d\u2019Hommes<\/em> (1830 bis 1871) oder <em>Le Dandy<\/em> (1838) sind Beispiele daf\u00fcr. Vgl. Kleinert, Annemarie. <em>Die fr\u00fchen Modejournale in Frankreich: Studien zur Literatur der Mode von den Anf\u00e4ngen bis 1848<\/em>, Berlin: Schmidt Verlag, 1980, S. 14, Anm. 23.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> Ebenda, S. 319.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a> Zum Beispiel der 1858 hergestellte Anilinfarbstoff Fuchsin, auch Magenta genannt. Diese intensive Purpurrotnuance leitet ihren Namen von der blutigen Schlacht bei Magenta her, eine lombardische Stadt, in der 1859 die \u00f6sterreichischen Heere von den Franz\u00f6sischen besiegt wurden. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die k\u00fcnstliche Farbe Solferino, aus dem Namen eines Dorfs bei Mantua, wo fast 5.500 Soldaten ihr Leben verlieren. Vgl. Bielefeld 1997, S. 31.<\/p>\n\n\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Valeria Butera<\/h4>\n<p><\/p>\n<p style=\"color: #000000; padding: 0px 10px 5px 10px;\">Valeria Butera arbeitet als Museologin in der Sammlung Angewandte Kunst und Grafik am Deutschen Historischen Museum. Sie promovierte an der Universit\u00e4t Bologna und war als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen t\u00e4tig.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Leitf\u00e4den f\u00fcr die Dame <em>\u00e0 la page<\/em>: franz\u00f6sische Modekupfer des 19. Jahrhunderts<span><\/h2>\n<p>Die franz\u00f6sische Mode pr\u00e4gte stark den Geschmack in Europa im 19. Jahrhundert. Dazu haben Modezeitschriften und Modekupfer beigetragen. Sie boten nicht nur das Diktat der Mode und der Eleganz tout court, sondern indirekt auch ein historisches Dokument \u00fcber Sitten und Gebr\u00e4uche einer Gesellschaft, schildert Valeria Butera, Mitarbeiterin Sammlung Grafik und Angewandte Kunst in ihrem Beitrag zur Ausstellung \u201eRichard Wagner und das deutsche Gef\u00fchl\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6280,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2425,2454,267,2513,2220,2427],"class_list":["post-6276","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-inside-dhm","tag-19-jahrhundert","tag-dhmwagner","tag-mode","tag-modekupfer","tag-paris-de","tag-richard-wagner-und-das-deutsche-gefuehl"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6276","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6276"}],"version-history":[{"count":10,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6276\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6298,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6276\/revisions\/6298"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6280"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6276"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6276"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}