
{"id":6754,"date":"2022-11-11T10:57:22","date_gmt":"2022-11-11T09:57:22","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=6754"},"modified":"2022-11-11T10:58:43","modified_gmt":"2022-11-11T09:58:43","slug":"die-neue-wache-vom-wachlokal-zum-nationaldenkmal","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2022\/11\/11\/die-neue-wache-vom-wachlokal-zum-nationaldenkmal\/","title":{"rendered":"Die Neue Wache \u2013 vom Wachlokal zum Nationaldenkmal"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die Neue Wache \u2013 vom Wachlokal zum Nationaldenkmal<\/h1>\n\n\n\n<p>Sven L\u00fcken | 11. November 2022<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neben dem Zeughaus befindet sich die Neue Wache, die heute zentrale Gedenkst\u00e4tte der Bundesrepublik Deutschland f\u00fcr die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ist. Anl\u00e4sslich des Volkstrauertags gibt Sven L\u00fcken, Sammlungsleiter Militaria, einen Einblick in die Geschichte des Geb\u00e4udes.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Berlin des 18. Jahrhunderts f\u00fchrte die Schlossbr\u00fccke \u00fcber den Kupfergraben aus dem Berliner Schlosses nach Westen. Im Gegensatz zu heute stand damals unmittelbar am Durchgang durch die Bastionen der Stadtbefestigung ein kleines Tor. Sp\u00e4ter wurde ein Geb\u00e4ude errichtet, das den Bewachern des Schlosses als St\u00fctzpunkt diente: die Neue Wache.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1815: Ein K\u00f6nig gentrifiziert seinen Kiez<\/h3>\n\n\n\n<p>Als 1735 der Abbau der Festungsw\u00e4lle begann und das Gel\u00e4nde am \u00f6stlichen Ende der Allee Unter den Linden als repr\u00e4sentativer Raum erschlossen wurde, r\u00fcckte die Wache ins st\u00e4dtebauliche Interesse. Sie war nun Teil des nach 1740 durch den k\u00f6niglichen Bauherren Friedrich II. mit monumentalen Geb\u00e4uden wie der Staatsoper und des Palais des Prinzen Heinrich (heute Humboldt-Universit\u00e4t) bebauten so genannten \u201eForum Fridericianum\u201c. Ab 1797 bewohnten der neue K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. und K\u00f6nigin Luise das unmittelbar gegen\u00fcber dem <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/museum\/geschichte-und-architektur\/architektur\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/museum\/geschichte-und-architektur\/architektur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zeughaus<\/a> gelegenen K\u00f6nigliche Palais. Die Wache war nun f\u00fcr dessen Sicherheit zust\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p>Unmittelbar neben dem Zeughaus und gegen\u00fcber dem damaligen K\u00f6niglichen Palais, dem heutigen Kronprinzenpalais, gelegen war diese Schlosswache Gegenstand des Gestaltungswillens des musisch begabten k\u00f6niglichen Schlossherren. Nach den Befreiungskriegen bot sich der finanzielle Spielraum, um die jahrelangen gestalterischen Diskussionen durch einen Neubau zum Ende zu bringen. Der letztlich \u00fcberragende Entwurf des preu\u00dfischen Baumeisters <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/karl-friedrich-schinkel.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/karl-friedrich-schinkel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Karl Friedrich Schinkel<\/a> fu\u00dft auf Ideen des Architekten Salomo Sachs und wurde 1816 bis 1818 realisiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"885\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F53_867-1024x885.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6750\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F53_867-1024x885.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F53_867-300x259.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F53_867-768x664.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F53_867.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die winterliche Neue Wache und das von Denkm\u00e4lern preu\u00dfischer Feldmarsch\u00e4lle ges\u00e4umte Forum der Armee, nach einem Gem\u00e4lde, Berlin, vor 1848 \u00a9 Deutsches Historisches Museum<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1818 bis 1918: Dienst in einer Gedenkst\u00e4tte<\/h3>\n\n\n\n<p>Neben der monumental-strengen konservativen Schlossfassade, der heiteren barocken Formen des Zeughauses mit seinen spielzeugartigen Troph\u00e4en und den opulenten korinthischen Kapitellen des Opernhauses zeigen hier die strengen Formen der antiken dorischen Ordnung an, dass wir einen Bau des asketischen preu\u00dfischen Milit\u00e4rs vor uns haben. Die Bedeutung dieser Stile war damals dem gebildeten Publikum unmittelbar verst\u00e4ndlich. Schinkel hat mit seinen strengen kubischen Formen zugleich ein Hauptwerk des deutschen Klassizismus geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der klassizistische Fries der Siegesg\u00f6ttinnen von Johann Gottfried Schadow und das erst 1846 angebrachte Giebelrelief der Siegesg\u00f6ttinnen ist nicht nur in seinen Materialien milit\u00e4rimmanent: Eisen und Blei. Auch thematisch blieb man dabei: Kampf, Anstrengung, Tod und Schmerz als Preis des Sieges.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bau ist nur an seinen herausragenden Punkten aus repr\u00e4sentativen Naturstein, sonst aus einfachen Ziegeln, wie seine r\u00f6mischen Vorbilder. Schinkel gelang es, dem relativ kleinen Bauk\u00f6rper klare Akzente zu setzen, die es ihm erm\u00f6glichten, den ungleich gr\u00f6\u00dferen Bauten seiner Umgebung standzuhalten. Wuchtige Eckrisalite fassen einen dorischen Portikus ein, der weniger an den Tr\u00e4ger eines antiken Giebelreliefs als vielmehr an eine Reihe sch\u00fctzender Soldaten vor einem r\u00f6mischen Kastell in feindumtoster Umgebung denken l\u00e4sst. Wer hier Wache steht, ist kein Feind, sondern verdient Vertrauen als Besch\u00fctzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies alles nur, um ein repr\u00e4sentatives Wachgeb\u00e4ude f\u00fcr einen Milit\u00e4rstaat zu schaffen. Der Grundriss war gem\u00e4\u00df seiner Funktion als milit\u00e4rischer Zweckbau angemessen einfach: Eingangshalle, Wachtstube, Offizierszimmer, Arrestzelle lassen nicht erkennen, dass hier t\u00e4glich ein wachhabender k\u00f6niglicher Prinz eine wechselnde Auswahl aus den vornehmsten Regimentern eines damals weltweit bestaunten Milit\u00e4rstaats \u201evergatterte\u201c, wie das Milit\u00e4r die Versammlung der Wache nennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gedenkst\u00e4tte war die Neue Wache von Anfang an. Als sie 1815 entstand, gedachte man der Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich, die Preu\u00dfen unz\u00e4hlige Anstrengungen und Opfer gefordert hatten. F\u00fcnf bei Armee und Bev\u00f6lkerung popul\u00e4re Gener\u00e4le wurden von bedeutenden Berliner klassizistischen K\u00fcnstlern als Standbilder entworfen und gegossen. Sie vertraten die opferreiche Armee. Zwei &#8211; Scharnhorst und B\u00fclow &#8211;&nbsp;flankierten die Neue Wache, drei &#8211; Yorck, Bl\u00fccher und Gneisenau &#8211; standen gegen\u00fcber am Rand des Prinzessinnengartens, in Gestik und Haltung korrespondierend. In einer Zeit, als die Linden noch nicht zur sechsspurige Rennstrecke verkommen waren, entstand hier ein Forum der preu\u00dfischen Armee, versteckt und fast vertr\u00e4umt unter hohen B\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"739\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/BA138782-1024x739.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6749\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/BA138782-1024x739.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/BA138782-300x216.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/BA138782-768x554.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/BA138782.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die restaurierte Neue Wache nach dem Zweiten Weltkrieg, Berlin  \u00a9 Deutsches Historisches Museum<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Leben in der Neuen Wache war wenig abwechslungsreich: Keine Demonstrationen, keine Provokationen wie heute, nur das milit\u00e4rische Einerlei der sich st\u00fcndlich abl\u00f6senden Wache. Seit 1818 gab es allerdings einmal am Tag eine \u201eGro\u00dfe Wachabl\u00f6sung\u201c nach russischem Vorbild mit Musikzug, die bis 1990 eine Berliner Attraktion bleiben sollte. Ein kleiner Metallzaun zu den Linden hielt den Platz f\u00fcr Aktivit\u00e4ten in Grenzen. Immerhin lie\u00df am 16. Oktober 1906 der falsche \u201eHauptmann von K\u00f6penick\u201c seine Gefangenen, den echten B\u00fcrgermeister von K\u00f6penick und seine Mitarbeiter, zur Neuen Wache bringen, weil er sich so des Aufsehens sicher war. Und kurz vor dem <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/erster-weltkrieg\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/erster-weltkrieg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ersten Weltkrieg<\/a> trug die preu\u00dfische Milit\u00e4rverwaltung der Zentral\u00f6rtlichkeit der Neuen Wache Rechnung, indem sie eine Fernmelde- und Poststelle hierher verlegte. Von hier ging am 1. August 1914 die Mobilmachung aus, der Anfang vom Untergang.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1931 bis 1945: Gedenkort des Ersten Weltkrieges<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/weimarer-republik\/revolution-191819.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/weimarer-republik\/revolution-191819.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Revolution des November 1918<\/a> gab es keine zu bewachenden Monarchen und keine Garderegimenter mehr. Die Neue Wache war ohne Funktion. Eine gewerbliche Nutzung erschien m\u00f6glich, allein ihre Eigenschaft als Baudenkmal und ihre k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t brachten die Neue Wache schnell in den Mittelpunkt der Diskussionen um einen zentralen Ort des Gedenkens f\u00fcr die Opfer des Ersten Weltkrieges. Auf Vorschlag des zust\u00e4ndigen preu\u00dfischen Ministerpr\u00e4sidenten Otto Braun (SPD) erhielt nach einem Wettbewerb der Berliner Architekt Heinrich Tessenow, Professor an der Technischen Hochschule zu Berlin und in konservativen Kreisen sehr gefragt, den Auftrag dazu. Sein 1931 ausgef\u00fchrter Entwurf f\u00fcr das nunmehrige \u201eEhrenmal der Preu\u00dfischen Staatsregierung\u201c sah eine Entkernung des Inneren zugunsten eines einzigen weihevoll gestaltete Gedenkraumes vor, der zudem durch eine kreisrunde \u00d6ffnung zum Himmel ge\u00f6ffnet war, so dass Schnee und Regen ungehindert einfallen konnten. Zentraler Gedenkort war ein schwarzer Granitw\u00fcrfel, auf dem ein Eichenlaubkranz au goldenen und silbernen Bl\u00e4ttern ruhte. Hier konnten Kr\u00e4nze niedergelegt werden. Eine st\u00e4ndige milit\u00e4rische Ehrenwache war nicht vorgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/ns-regime\/etablierung-der-ns-herrschaft.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/ns-regime\/etablierung-der-ns-herrschaft.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten 1933<\/a> fand Tessenows monumentale Gestaltung auch das Gefallen der neuen Machthaber. Ein schlichtes christliches Kreuz an der Wand erg\u00e4nzte allerdings fortan seinen Entwurf und grenzte nicht-christliche Soldaten vom Gedenken aus. Seit dem 12. M\u00e4rz 1933 zogen wieder Ehrenposten und Wachabl\u00f6sung auf, die Neue Wache diente bis zur Zerst\u00f6rung im Krieg als inoffizielles \u201eReichsehrenmal\u201c der Kriegspropaganda des NS-Reiches.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"726\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F89_180-726x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6751\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F89_180-726x1024.jpg 726w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F89_180-213x300.jpg 213w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F89_180-768x1083.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F89_180-1089x1536.jpg 1089w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F89_180-1452x2048.jpg 1452w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/F89_180.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 726px) 100vw, 726px\" \/><figcaption>Das Reichsehrenmal mit einem Doppelposten der Reichswehr, nach 1933, Berlin \u00a9 Deutsches Historische Museum<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1960 bis 1990 Ein Gedenkort des Sozialismus: Das Mahnmal f\u00fcr die Opfer des Faschismus und Militarismus<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach dem Krieg wurde diskutiert, was mir dem diskreditierten Bau geschehen solle, bis das <a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/kapitel\/nachkriegsjahre\/doppelte-staatsgruendung\/entstehung-der-ddr-verfassung-und-fuehrungsrolle-der-sed.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/kapitel\/nachkriegsjahre\/doppelte-staatsgruendung\/entstehung-der-ddr-verfassung-und-fuehrungsrolle-der-sed.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">SED-Regime<\/a>, sich wieder mit Zustimmung der sowjetischen Besatzungsmacht f\u00fcr die Architekturen Schinkels und Tessenows interessierte. Die Statuen der preu\u00dfischen Gener\u00e4le der Befreiungskriege, die zur urspr\u00fcnglichen Konzeption geh\u00f6rten, wurden 1950 auf Befehl von Walter Ulbricht entfernt oder versetzt. Die Neue Wache selbst erschien im rekonstruierten Gewand seit 1960 als \u201eMahnmal f\u00fcr die Opfer des Faschismus und Militarismus\u201c, seit 1969 statt Tessenows W\u00fcrfel und Lorbeerkranz mit Ewiger Flamme in einer Schale aus Jenaer Glas. Auch die Decke wurde geschlossen. Erde aus Konzentrationslagern und von Schlachtfeldern sowie sterbliche \u00dcberreste unbekannter H\u00e4ftlinge und Soldaten als Opfer von Widerstand und Krieg erwiesen der Gr\u00fcndungslegende und der Staatsr\u00e4son der DDR pathetisch ihre Referenz. Au\u00dfen stellten Doppelposten und Wachabl\u00f6sung im Feldgrau der NVA die SED-Variante des Pazifismus sicher, was freilich bis 1990 eine Attraktion der Berlinbesuchenden blieb.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"733\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ADN_1987_0913_1N-1024x733.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6748\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ADN_1987_0913_1N-1024x733.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ADN_1987_0913_1N-300x215.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ADN_1987_0913_1N-768x550.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ADN_1987_0913_1N.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Partei- und Staatsf\u00fchrung der DDR in der zum Mahnmal f\u00fcr die Opfer des Faschismus und Militarismus umgestalteten Neuen Wache, nach 1969, Berlin, Deutsches Historisches Museum \u00a9 Bundesarchiv Koblenz, 1987\/0913\/1N<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Seit 1990: Kohl und Kollwitz \u2013 die zentrale Gedenkst\u00e4tte der Bundesrepublik Deutschland f\u00fcr die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach<a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/kapitel\/deutsche-einheit.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/kapitel\/deutsche-einheit.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Mauerfall und Wiedervereinigung 1990<\/a> wurde die Urfassung Tessenows f\u00fcr die neue, nun gesamtdeutsche Gedenkst\u00e4tte weitgehend rekonstruiert. Nur der Granitw\u00fcrfel mit Eichenlaub, das sich sogar erhalten hatte, erschien nicht mehr vermittelbar. Auf Wunsch von Bundeskanzler Helmut Kohl wurde eine stark vergr\u00f6\u00dferte Kopie der Skulptur \u201eMutter mit totem Sohn\u201c von K\u00e4the Kollwitz aufgestellt. \u00dcber Zul\u00e4ssigkeit und Relevanz wurde lange diskutiert, schlie\u00dflich wurden erl\u00e4uternde Bronzetafeln gegossen, um die Opfergruppen zu benennen, die sich zugeh\u00f6rig f\u00fchlen durften. Seit 1993 dient die Neue Wache als \u201eZentrale Gedenkst\u00e4tte der Bundesrepublik Deutschland f\u00fcr die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft\u201c. Milit\u00e4risches Zeremoniell gibt es nur bei Gelegenheit durch die Bundeswehr im Rahmen ihrer reduzierten M\u00f6glichkeiten. Es scheint, als h\u00e4tte Bundeskanzler Kohl recht gehabt: die Skulptur von K\u00e4the Kollwitz wird heute von Betrachtenden aus der ganzen Welt als Ausdruck pers\u00f6nlichen Schmerzes verstanden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"808\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Modell-NeueWache-1024x808.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6752\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Modell-NeueWache-1024x808.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Modell-NeueWache-300x237.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Modell-NeueWache-768x606.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Modell-NeueWache.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Modell der Neuen Wache mit der geplanten Umgestaltung durch Aufstellung der vergr\u00f6\u00dferten Skulptur von K\u00e4the Kollwitz \u201eMutter mit totem Sohn\u201c, Berlin, 1993 \u00a9 Deutsches Historisches Museum<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Preu\u00dfens Gener\u00e4le sind hier unerw\u00fcnscht<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein bitteres Nachspiel hat die Sache. Die Erben von <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/kaethe-kollwitz\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/kaethe-kollwitz\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">K\u00e4the Kollwitz<\/a> hatten als Preis ihrer Zustimmung zur Vergr\u00f6\u00dferung der urspr\u00fcnglichen Skulptur erreicht, dass die Standbilder der f\u00fcnf preu\u00dfischen Gener\u00e4le, die zur allersten Gedenkst\u00e4ttenkonzeption geh\u00f6rten, bis zum Ablaufen der Kollwitz\u2019schen Urheberrechte 2015 nicht wieder an die Neue Wache zur\u00fcckkehren sollten. Nach allen Verlautbarungen aus Wissenschaft, Kunst, Politik und Verwaltung und nicht zuletzt nach dem, was K\u00e4the Kollwitz selbst gedacht hatte, sollte sp\u00e4testens nach dem Wiederaufbau des Schlosses die Rekonstruktion der Ursprungsaufstellung erfolgen. Inzwischen stehen Yorck, Bl\u00fccher und Gneisenau getarnt und verbannt noch im Unterholz des hinteren Prinzessinnengartens. Schon damit war die urspr\u00fcngliche Konzeption zerst\u00f6rt. Aber ausgerechnet die Standbilder des aus dem B\u00fcrgertum stammenden und eher demokratisch gesinnten Scharnhorst und des musisch begabten, charaktervollen und vers\u00f6hnlichen B\u00fclow verschwanden 2021 von der Neuen Wache, w\u00e4hrend der Haudegen Bl\u00fccher und der Reaktion\u00e4r Yorck bleiben durften: Nachsicht mit dem, der das Richtige will und das Falsche tut!<\/p>\n\n\n<table style=\"height: 291px;\" border=\"0\" width=\"840\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<p style=\"text-align: center;\">\n<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6753\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Lueken_09_\u00a9Bruns-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Lueken_09_\u00a9Bruns-200x300.jpg 200w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Lueken_09_\u00a9Bruns-683x1024.jpg 683w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Lueken_09_\u00a9Bruns-768x1152.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Lueken_09_\u00a9Bruns-1024x1536.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Lueken_09_\u00a9Bruns-1365x2048.jpg 1365w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Lueken_09_\u00a9Bruns-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p>Foto: DHM\/Thomas Bruns<\/p>\n<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4>&nbsp;<\/h4>\n<h4>&nbsp;<\/h4>\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Sven L\u00fcken<\/h4>\n<p style=\"color: #000000; padding: 0px 10px 5px 10px;\">Sven L\u00fcken ist Leiter der Sammlung Militaria am Deutschen Historischen Museum<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Die Neue Wache \u2013 vom Wachlokal zum Nationaldenkmal<span><\/h2>\n<p>Neben dem Zeughaus befindet sich die Neue Wache, die heute zentrale Gedenkst\u00e4tte der Bundesrepublik Deutschland f\u00fcr die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ist. Anl\u00e4sslich des Volkstrauertags gibt Sven L\u00fcken, Sammlungsleiter Militaria, einen Einblick in die Geschichte des Geb\u00e4udes.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6742,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2540,685,2539,2541],"class_list":["post-6754","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichten-aktuell","tag-architektur","tag-gedenkstaette","tag-neue-wache","tag-volkstrauertag"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6754","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6754"}],"version-history":[{"count":4,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6754\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6786,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6754\/revisions\/6786"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6742"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6754"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}