
{"id":7256,"date":"2023-04-20T09:35:45","date_gmt":"2023-04-20T07:35:45","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=7256"},"modified":"2023-04-26T12:11:06","modified_gmt":"2023-04-26T10:11:06","slug":"das-unsichtbare-der-industriefotografie","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2023\/04\/20\/das-unsichtbare-der-industriefotografie\/","title":{"rendered":"Das Unsichtbare der Industriefotografie"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Das Unsichtbare der Industriefotografie<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gespr\u00e4ch \u00fcber die Umweltfolgen des Fortschritts<\/h2>\n\n\n\n<p>20. April 2023<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In der Ausstellung <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/fortschritt-als-versprechen-industriefotografie-im-geteilten-deutschland\/#\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/fortschritt-als-versprechen-industriefotografie-im-geteilten-deutschland\/#\/\" target=\"_blank\">\u201eFortschritt als Versprechen. Industriefotografie im geteilten Deutschland\u201c<\/a> werden Auftragsfotografien im Kontext ihrer zeitgen\u00f6ssischen Verwendung gezeigt: in vielf\u00e4ltig gestalteten Printmedien der Stahl-, Chemie-, Textil- und Automobilindustrie. Sie vermitteln ein durchweg positives Bild von Betrieben und Unternehmen in Ost und West. Zugleich wirft diese umfassende Pr\u00e4sentation von Auftragsfotografien die Frage nach dem <em>nicht Gezeigten<\/em>, <em>unsichtbar Gemachten<\/em> oder <em>Aussortierten<\/em> auf. Anl\u00e4sslich der F\u00fchrungsreihe <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/fortschritt-als-versprechen-industriefotografie-im-geteilten-deutschland\/begleitprogramm\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/fortschritt-als-versprechen-industriefotografie-im-geteilten-deutschland\/begleitprogramm\/\" target=\"_blank\">\u201eDoppelt belichtet\u201c<\/a> mit Zeitzeug*innen hat Felix Hampel (Bildungsreferent, DHM) Carlo Jordan (ehemaliger DDR-B\u00fcrgerrechtler, Umweltaktivist und Politiker) und Peter Wensierski (Autor und Journalist aus Westdeutschland mit Ver\u00f6ffentlichungen zur Umweltbewegung in der DDR) in Berlin getroffen, um \u00fcber die in den Auftragsfotografien unsichtbaren Umweltfolgen des Fortschritts zu sprechen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Felix Hampel:<\/strong> Gleich im ersten Raum der Ausstellung befindet sich eine Schwarz-Wei\u00df-Fotografie, die den Industriefotografen Ludwig Windstosser mit Kamera zeigt, im Hintergrund eine typische Industrielandschaft des Ruhrgebiets: Kohlebergbau, rauchende Schornsteine. Das Ganze wirkt stark \u00e4sthetisiert, inszeniert. Wir wollen \u00fcber eine andere \u00c4sthetik sprechen, die durch den kritischen Blick auf die Umweltprobleme und Folgeerscheinungen des industriellen Fortschritts entstanden ist. Wie hat sich in Ost und West ab den 70er-Jahren ein Bewusstsein f\u00fcr das Umweltthema entwickelt und welche Rolle spielte dabei die Fotografie?<br>Peter, du warst in den 80er-Jahren h\u00e4ufig als Korrespondent in der DDR, um \u00fcber Umweltprobleme zu berichten. Kannst du deine Eindr\u00fccke schildern?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"690\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/1-690x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7264\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/1-690x1024.jpg 690w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/1-202x300.jpg 202w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/1-768x1140.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/1-1034x1536.jpg 1034w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/1.jpg 1347w\" sizes=\"auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><figcaption>Ludwig Windstosser mit Kamera, Ruhrgebiet, 1950\/1960 \u00a9 Berlin &#8211; Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Peter Wensierski: <\/strong>Wenn ich durch die DDR gefahren bin, sah ich \u00fcberall die Umweltverschmutzung aus den Schornsteinen quellen. Man roch sie. Man sah die verrauchten, zerfressenen Fassaden an Kirchen, an alten Geb\u00e4uden, die teilweise schon zusammenfielen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Carlo Jordan:<\/strong> Es gab sogar Smog-Alarm in Sachsen oder im Chemiedreieck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PW:<\/strong> Es gab Situationen im Winter, wo in der Gegend um Bitterfeld<a href=\"#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Fackeln an Kreuzungen aufgestellt wurden, damit die Arbeiter den Eingang zu ihren Werkstoren fanden. Industrienebel hie\u00df das.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Davon sieht und liest man nichts in den Auftragsfotografien der Betriebe und in den Zeitschriften, in denen sie ver\u00f6ffentlicht wurden. In der Zeitschrift <em>DDR-Export<\/em> von 1974 \u00fcber die Leuna-Werke hei\u00dft es zum Beispiel, die Forschung schaffe \u201eGrundlagen zur umweltfreundlichen Gestaltung des Kombinats\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PW:<\/strong> Das war die gro\u00dfe Erz\u00e4hlung, die immer absurder wurde, weil sie mit der Realit\u00e4t immer weniger zusammenpasste. Als Journalist hatte ich jeden Tag alle DDR-Zeitungen auf meinem Schreibtisch, die Zeitungen berichteten immer von Plan\u00fcbererf\u00fcllungen, Produktionssteigerungen, Wachstumssteigerungen, nie von den Problemen, die damit verbunden waren, und das DDR-Fernsehen und -Radio sowieso nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Waren damals in der DDR die Umweltsch\u00e4den sichtbarer als im Westen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PW:<\/strong> Man hat im Ruhrgebiet versucht, den sogenannten blauen Himmel \u00fcber der Ruhr<a href=\"#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> zu verwirklichen, erst durch h\u00f6here Schornsteine, dann durch Filter in den Schornsteinen. Wir haben im Westen in den 80er-Jahren viel \u00fcber Dioxine und Super-Gifte geredet, die man nicht sieht. Es gab Informationen aus Amerika, wo etwa DDT oder Asbest schon verboten waren. Es drehte sich viel um Umweltgifte, die nicht direkt sichtbar waren, aber von Wissenschaftlern in der Nahrung oder in der Luft entdeckt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Carlo, du hast dir in den 80er-Jahren Industriegebiete im Westen angeschaut. Was waren deine Eindr\u00fccke?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CJ: <\/strong>Mein Eindruck in Bochum war: Eine l\u00e4ndliche Landschaft mit Apfelb\u00e4umen und hinten eine Halle, aus der der Opel Astra kam. Man hat nur ein leises Rattern geh\u00f6rt. Wenn ich nachts mit dem Zug durchs Ruhrgebiet gefahren bin, habe ich sehr gro\u00dfe beleuchtete Industrieanlagen gesehen. Da war \u00e4u\u00dferlich keine Umweltbelastung zu erkennen. Ich habe sp\u00e4ter erfahren, dass der stoffliche Umsatz vieler Anlagen teilweise noch viel gr\u00f6\u00dfer war als im Osten, aber die Erscheinung war grunds\u00e4tzlich unterschiedlich. In der DDR konnte man die Umweltsch\u00e4den sehen, riechen, schmecken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Trotzdem gab es lange Zeit kein Bewusstsein f\u00fcr das Ausma\u00df der Umweltsch\u00e4den und die Folgen, da sie von offizieller Seite in der DDR nicht thematisiert wurden. Wie konnte sich in diesem Kontext eine Umweltbewegung herausbilden und welche Rolle spielte die Fotografie?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CJ:<\/strong> Die Anf\u00e4nge haben mit Kunst und Reisen zu tun. Es gab ja zahlreiche Einschr\u00e4nkungen der Reisefreiheit, deswegen reisten wir zumindest st\u00e4ndig in der DDR herum. Ich hatte als 18-\/19-j\u00e4hriger ein Netzwerk, das sich von Berlin nach Jena spannte wo \u00fcberall Freunde waren, die einen aufnahmen, so etwas wie die DDR-68er. Au\u00dferdem gab es damals K\u00fcnstler, die sich mit der \u00c4sthetik des Verfalls besch\u00e4ftigten, also ganz bewusst die zusammenfallenden mittelalterlichen St\u00e4dte fotografierten und k\u00fcnstlerisch darstellten. Wir sind viel herumgefahren und haben fotografiert. Man sah sich alles bewusst an und versuchte diesen Eindruck festzuhalten: den einer untergehenden Welt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2000\" height=\"1333\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7265\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2-1024x682.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2-768x512.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2-1536x1024.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><figcaption>Carlo Jordan und Peter Wensierski haben einige Fotografien aus ihrem Privatarchiven zum Gespr\u00e4ch mitgebracht. Diese Fotografie bildet geradezu ein symbolisches Gegenbild zum Windstosser-Eingangsbild der Ausstellung. Zu sehen ist Siegbert Schefke<a href=\"#_ftn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>, ebenfalls mit Kamera ausgestattet, jedoch in Alltagskleidung, ohne Auftrag, auf selbstst\u00e4ndiger Erkundungstour, im Hintergrund das Kernkraftwerk Stendal. Es solle das gr\u00f6\u00dfte Kernkraftwerk der DDR werden, wurde aber nie fertiggestellt.<br>&nbsp;<br>Siegbert Schefke mit Kamera\/ Privatarchiv Carlo Jordan<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>FH: <\/strong>Und daraus sind dann sp\u00e4ter die ersten Umweltgruppen entstanden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CJ: <\/strong>Die Umweltbewegung war besonders stark in den Gebieten, in denen die industriellen Folgesch\u00e4den besonders sichtbar waren. In der Uckermark zum Beispiel waren die Umweltver\u00e4nderungen enorm aufgrund der Industrialisierung der Landwirtschaft. In Ha\u00dfleben gab es ein riesiges Schweinemastkombinat &#8211; in der <em>Arche Nova<\/em><a href=\"#_ftn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> sollte Ha\u00dfleben wie Bitterfeld zum Symbolwort werden. Man hatte dort nicht genug Wasser, um die G\u00fclle zu verd\u00fcnnen und zu bestimmten Zeiten aufs Feld zu bringen. In einem einzigartigen Waldgebiet wurde ein G\u00fcllesee angelegt und die G\u00fclle wurde mit angestauten Gew\u00e4ssern (Kuhzer See) verd\u00fcnnt auf die Felder gebracht, wodurch zum Beispiel die Ufervegetation abstarb und die Wasserqualit\u00e4t schlechter wurde. Dort entstand d\u00f6rflicher Widerstand, teilweise organisiert von Gemeinde-Krankenschwestern, die vor Ort die bessere Connection zu den Leuten hatten &#8211; und so konnten wir dann den letzten See, der noch angestaut werden sollte, retten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"817\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3-1024x817.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7266\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3-1024x817.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3-300x239.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3-768x612.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3-1536x1225.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/3.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Radfahrer vor Espenhain 1988, im Hintergrund die Braunkohleschwelerei Espenhain in der N\u00e4he von Leipzig mit auff\u00e4llig gro\u00dfen Rauchwolken. Foto: Matthias Voigt\/ Privatarchiv Carlo Jordan<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Auf der zweiten Fotografie, die du mitgebracht hast, sind Radfahrer*innen zu sehen. In der Umweltbewegung spielten die sogenannten Rad-Demos eine wichtige Rolle. Geh\u00f6rten sie zu den ersten \u00f6ffentlichen Protestaktionen, die ihr organisiert habt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CJ:<\/strong> Ja, wir haben mit Rad-Demos angefangen, zum Beispiel mit der <em>Friedensfahrt ohne Sieger<\/em>.<sup> <a href=\"#_ftn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> <\/sup>Das gro\u00dfe \u00dcberthema war damals Frieden. Aber die Friedensbewegung hatte 1983 ihren H\u00f6hepunkt \u00fcberschritten und der apokalyptische Gedanke eines atomaren Overkills verlagerte sich immer mehr auf Umweltthemen. J\u00fcngere Leute haben die ersten Umweltgruppen gebildet und 1982\/83 mit Umweltseminaren und Baumpflanzaktionen angefangen. Es wurde immer viel fotografiert, zun\u00e4chst vor allem k\u00fcnstlerische Darstellungen, die im Freundeskreis und sp\u00e4ter in Ausstellungen in kirchlichen R\u00e4umen gezeigt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Peter, du bist damals als Journalist aus dem Westen auf diese Umweltgruppen gesto\u00dfen und hast auch Fotos von den Baumpflanzaktionen mitgebracht. Wie haben diese Bilder und Themen dann eine breitere \u00d6ffentlichkeit erreicht? Wie hast du das wahrgenommen?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"641\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/4-1024x641.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7267\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/4-1024x641.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/4-300x188.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/4-768x481.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/4-1536x962.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/4.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Das B\u00e4ume- und Waldsterben in der DDR wurde immer sichtbarer, insbesondere im Erzgebirge<a href=\"#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>. Auf dieser Abbildung einer Protestaktion beim Zementwerk R\u00fcdersdorf sind im Hintergrund zwei abgestorbene B\u00e4ume zu erkennen.<br>Zementwerk Ru\u0308dersdorf\/ Foto: Martin Claus\/ Privatarchiv Carlo Jordan<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>PW:<\/strong> Ich war in der DDR ab 1979 als Journalist unterwegs und stie\u00df dann recht schnell auf die ersten Umweltgruppen. In Schwerin habe ich die ersten Baumpflanzaktionen begleitet. Diese Gruppe von wirklich jungen Leuten wollten praktisch etwas tun, ohne gleich mit dem Staat in Konfrontation zu geraten. Sie haben sogar versucht, einen staatlichen Betrieb, \u201eVEB Stadtgr\u00fcn\u201c, einzubeziehen und von denen die B\u00e4ume zu bekommen. Da wurden noch keine gro\u00dfen Forderungen gestellt. Aber es gab bereits das kirchliche Forschungsheim Wittenberg mit Peter Gensichen<a href=\"#_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>, das eine lange Naturschutztradition hatte. Peter Gensichen hat versucht, mit in kleiner Auflage hergestellten Schriften die ersten Umweltgedanken zu verbreiten. Die Schriften waren nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch bestimmt, verbreiteten sich aber schnell auch au\u00dferhalb der Kirche. Das waren anfangs vor allem Appelle an den Einzelnen wie: Lebensstil \u00e4ndern, Ressourcen sparen, Rad benutzen statt Auto fahren. Es war noch keine politische Umweltbewegung, es entwickelte sich aber daraus die Nachfrage: \u201eWie steht es denn um die Umwelt?\u201c Man wollte Fakten wissen und da wurde es sehr schnell politisch, weil man an Grenzen stie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"628\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-1-1024x628.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7268\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-1-1024x628.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-1-300x184.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-1-768x471.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-1-1536x942.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><a href=\"https:\/\/www.archiv-buergerbewegung.de\/archiv\/interviewsammlung\/oekologie-und-umweltgruppen\/598-geredet-wird-viel-ueber-den-umweltschutz-getan-wird-sehr-wenig-joern-mothes-schwerin-1980\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Eine Schweriner Gruppe junger Christen organisierte seit 1979 Baumpflanzaktionen. Man wolle nicht nur kritisieren, sondern auch etwas Praktisches tun, das die Bev\u00f6lkerung aufmerksam macht.<\/a><br>&nbsp;<br>Peter Wensierski\/ Privatarchiv Peter Wensierski<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"629\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-2-1024x629.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7269\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-2-1024x629.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-2-300x184.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-2-768x472.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-2-1536x944.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/5-2.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Eine&nbsp;zweite Baumpflanzaktion fand im M\u00e4rz 1980 in Schwerin mit 100 Teilnehmer*innen unter der Leitung des 18-j\u00e4hrigen Jugendlichen J\u00f6rn Mothes statt. Selbst&nbsp;derartige Pflanzaktionen wurden seitens des DDR-Staates argw\u00f6hnisch betrachtet und als staatsfeindlich eingestuft.<br>&nbsp;<br>Peter Wensierski\/ Privatarchiv Peter Wensierski<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Welche Grenzen waren das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PW:<\/strong> Man merkte sehr schnell, dass eine Umweltbewegung ohne eine Demokratisierung nicht m\u00f6glich ist. Zur Umweltbewegung geh\u00f6rt auch, darauf aufmerksam machen zu k\u00f6nnen, dass ein Fluss v\u00f6llig verseucht ist, dass man einl\u00e4dt, den Fluss zu besichtigen, zu demonstrieren, dass man einl\u00e4dt, mit dem Fahrrad durch ein Industrierevier zu fahren. Und da war die DDR ja h\u00f6chst neurotisch: Schon wenn mehr als zwei, drei, vier Leute zusammen Fahrrad fuhren, witterte man eine Staatsgef\u00e4hrdung. Es wurde sofort politisch durch den Einsatz von Stasi und Volkspolizei und Lehrer, die die Sch\u00fcler ma\u00dfregelten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Obwohl die DDR ja interessanterweise schon 15 Jahre vor der Bundesrepublik ein eigenes Umweltministerium hatte.<a href=\"#_ftn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Wie passt das zusammen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CJ:<\/strong> Die DDR erkannte das Thema Umwelt in der internationalen Diskussion, und wollte es nutzen, um den Prozess der internationalen Anerkennung voranzutreiben. Das Umweltministerium war zun\u00e4chst recht progressiv, was die Gesetzgebung betraf, aber die Existenzbedingungen des Staates verschlechterten sich, es gab weniger \u00d6l aus der Sowjetunion und infolgedessen wurde alles auf Braunkohle umgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Das Energieproblem der DDR wird auch in einem in der Ausstellung gezeigten Artikel aus der Zeitschrift <em>F\u00fcr Dich<\/em> von 1975 thematisiert: da ist vom \u201egeplanten Zuwachs der Warenproduktion die Rede\u201c und von \u201eRationalisierungsma\u00dfnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs\u201c, aber der stieg stetig an: 1985 stammte 30 Prozent der weltweiten Braunkohleproduktion aus der DDR. Obwohl teilweise sogar B\u00fcrger*innen der DDR direkt von Umweltsch\u00e4den gesundheitlich betroffen waren, <a href=\"#_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> wurden die Umweltdaten geheim gehalten. Und dass die Daten geheim waren, war lange Zeig auch nicht bekannt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PW:<\/strong> Dieser Geheimhaltungsparagraph von 1982 wurde selbst geheim gehalten, es gab keine \u00f6ffentliche Mitteilung dar\u00fcber, dass er existierte, dass dieses Gesetz verabschiedet wurde.<a href=\"#_ftn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>CJ: <\/strong>Der Staat machte dann eine nachholende Entwicklung durch. Mit Gr\u00fcndung des Kulturbunds sollte alles der entstehenden Umweltbewegung aufgenommen werden: von dem letzten Hobby bis zum speziellsten Naturforscher. Dort entstand die Gesellschaft f\u00fcr Natur und Umwelt. Wir machten das erste Berliner \u00d6kologie-Seminar zum Thema Stadt-\u00d6kologie und dann gr\u00fcndete der Staat Stadt-\u00d6kologie-Gruppen. Das hat auch best\u00e4tigt, wir sind nicht blo\u00df die b\u00f6sen Konterrevolution\u00e4re, sondern an dieser Problematik ist wirklich etwas dran.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FH:<\/strong> Welche Rolle spielte der Austausch und die Zusammenarbeit der Umweltbewegungen in West- und Ostdeutschland?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CJ:<\/strong> Wir hatten die M\u00f6glichkeit, vor allem in der taz, aber auch im Spiegel zu publizieren und unsere Filme wurden im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt, das war nat\u00fcrlich der gr\u00f6\u00dfte Aufkl\u00e4rungserfolg<a href=\"#_ftn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a>. Das ist f\u00fcr die Leute vom Kulturbund v\u00f6llig unm\u00f6glich gewesen, die durften noch nicht einmal kleine Informationshefte ausgeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PW:<\/strong> Ich konnte sieben Jahre recht kritisch auch aus der DDR berichten und \u00fcber die Umweltprobleme einige Informationen zusammenstellen. Meine B\u00fccher kursierten auch in Ostdeutschland, wurden versteckt, wurden gelesen, sie konnten zum Beispiel in der Umweltbibliothek eingesehen werden. Eines Tages hie\u00df es dann an der Grenze, dass meine Einreise und meine Arbeit nicht mehr erw\u00fcnscht und nicht genehmigt sind. Aber meine Arbeiten wurden sowohl in den Umweltgruppen in der DDR als auch bei den Umweltaktivisten und den Gr\u00fcnen im Westen gelesen. Es entstand mehr und mehr das Bewusstsein, dass die Umweltproblematik ein gesamtdeutsches Problem war. Es gab auch Aktionen, bei denen Ost- und West- Umweltsch\u00fctzer gemeinsam protestiert haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FH: <\/strong>Wenn man sich die Industriefotografien der Automobilindustrie im letzten Raum der Ausstellung anschaut, fallen vor allem die gro\u00dfen Unterschiede zwischen Ost und West auf, zum Beispiel bei der Herstellung des Trabant im Vergleich zur Massenproduktion bei VW, wo die Produktionsb\u00e4nder in die Unendlichkeit zu laufen scheinen. Warum war dennoch auch Konsumkritik ein gesamtdeutsches Thema und in beiden Staaten wichtig f\u00fcr die Umweltbewegung?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PW:<\/strong> Ich wunderte mich, dass die jungen Leute in den Umweltgruppen in der DDR auch von Konsumverzicht sprachen. Im Westen gab es in den 60er- und 70er-Jahren eine Konsumwelle und es war v\u00f6llig einleuchtend, dass dagegen Kritik laut wurde. In der DDR dachte ich zuerst: wie kann man in einem Land, in dem die Mehrheit der B\u00fcrger dauernd dar\u00fcber klagt, dass es nichts zu konsumieren gibt, oder nicht das, was man gerade will, wie k\u00f6nnen da die jungen Leute sagen: wir m\u00fcssen auf Konsum verzichten, wir m\u00fcssen unseren Lebensstil vereinfachen und \u00e4ndern. Durch die Gespr\u00e4che mit Umweltaktivisten in der DDR habe ich begriffen: die Knappheit f\u00fchrte dazu, dass die Menschen st\u00e4ndig in Gedanken mit Konsum besch\u00e4ftigt waren. Und daran haben sie sich gest\u00f6rt. Dazu kam eine Kritik an der Saturiertheit ihrer Elterngeneration, die m\u00f6glicherweise ein Auto, eine Schrankwand, Neubauwohnungen im Plattenbau hatten. Sie distanzierten sich von diesen Lebensstilen und suchten Gemeinschaft mit anderen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CJ:<\/strong> Es gab viele Gemeinschaftsprojekte und eine Kultur des bewussten Verzichts und Recycelns. Dinge, die die Allgemeinheit entwertet hatte, wurden pl\u00f6tzlich aufgewertet. Man wollte nicht den hohen Preis zahlen, den die \u201eherrschende Arbeiterklasse\u201c zahlte, damit sie diese Annehmlichkeiten hatte, diese Schrankwand war ja teuer, dieses Fernsehger\u00e4t kostete 6000 Mark, ein halbes Jahresgehalt. Das haben wir von vornherein nicht erreichen k\u00f6nnen. Anders als in Westdeutschland gab es Anfang der 80er-Jahre genug Altbauwohnungen, weil die \u201eherrschende Arbeiterklasse\u201c in das Wohnungsbauprogramm von Erich Honecker gezogen ist. Deswegen war es relativ leicht, eine Wohnung zu finden. Das war eine Freiheit im Kleinen: Wer sich jetzt auf ein einfaches Leben beschr\u00e4nkte, konnte da eigentlich ganz gut leben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dies ist die editierte Fassung eines zweieinhalbst\u00fcndigen Gespr\u00e4chs<\/strong> <strong>und gemeinsamen Rundgangs durch die Ausstellung. Vielen Dank an <\/strong><strong>Carlo Jordan und Peter Wensierski.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Rahmen der F\u00fchrungsreihe <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/fortschritt-als-versprechen-industriefotografie-im-geteilten-deutschland\/begleitprogramm\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/fortschritt-als-versprechen-industriefotografie-im-geteilten-deutschland\/begleitprogramm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDoppelt belichtet\u201c<\/a> bietet sich die Gelegenheit, \u00fcber diese und andere Themen mit Peter Wensierski (22. April) bei einem Rundgang durch die Ausstellung ins Gespr\u00e4ch und zu kommen. Zum Thema \u201eArbeitswelten von Frauen\u201c haben im M\u00e4rz bereits zwei Rundg\u00e4nge mit der Zeitzeugin Jeanette Goldmann stattgefunden. Weitere Themenf\u00fchrungen mit Zeitzeug*innen finden am 27. April mit Mustafa Yeni und am 1. Mai mit Dr. Edith Pichler zum Thema \u201eArbeitsk\u00e4mpfe\u201c statt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> \u201eDer Himmel \u00fcber dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden\u201c ist eine bekannt gewordene Forderung, die Willy Brandt 1961 in einer Wahlkampf-Rede benutzt hatte. \u201eDamit r\u00fcckte Brandt \u2013 lange bevor es die Begriffe Umweltschutz oder Umweltpolitik gab \u2013 ein regionales und bis dahin vernachl\u00e4ssigtes Problem ins Blickfeld gesellschaftspolitischer Debatten. Er machte aufmerksam auf die Schattenseiten des deutschen Wirtschaftswunders\u2026\u201c [Vgl. <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/presse\/pressemitteilungen\/umweltbundesamt-der-himmel-ueber-der-ruhr-ist\">https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/presse\/pressemitteilungen\/umweltbundesamt-der-himmel-ueber-der-ruhr-ist<\/a>].<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Die Region um Bitterfeld geh\u00f6rte zum sogenannten Chemiedreieck, das eine der am st\u00e4rksten von Umweltzerst\u00f6rungen belasteten Regionen der DDR war.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> Siegbert Schefke, B\u00fcrgerrechtler und Journalist, geh\u00f6rte neben Carlo Jordan 1986 zu einem der Mitgr\u00fcnder der oppositionellen Um-weltbibliothek in der Ost-Berliner Zionskirchgemeinde.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Die <em>Arche Nova<\/em> war die Untergrundzeitschrift des Gr\u00fcn-\u00f6kologischen Netzwerk <em>Arche, <\/em>das Carlo Jordan 1988 mitbegr\u00fcndet hat. Die <em>Arche<\/em> war der erfolgreichste Versuch, die Umweltprobleme der DDR zum Thema oppositioneller Politik zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> In Anspielung auf die allj\u00e4hrliche \u201eInternationale Friedensfahrt\u201c wurde im Mai 1983 eine \u201eFriedensfahrt ohne Sieger\u201c durch das \u00f6kologisch verw\u00fcstete Berliner Umland (R\u00fcdersdorf) durchgef\u00fchrt. Das Motto war: \u201eIm Frieden darf es keinen Sieger geben, sonst werden wir nie in Frieden leben!\u201c Die zweite Fahrt im Folgejahr wurde von der Polizei verhindert und die Teilnehmer mit Ordnungsstrafverfahren \u00fcberzogen [Vgl. R\u00fcddenklau 1992, St\u00f6renfried DDR-Opposition. 1986-1989. Mit Texten aus den Umweltbl\u00e4ttern. S. 47, 49f.].<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Peter Wensierski hat 1987 einen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UfcvGYnHFxI\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UfcvGYnHFxI\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dokumentarfilm<\/a> \u00fcber die Waldsch\u00e4den im Erzgebirge gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>  Peter Gensichen war seit 1975 Leiter des Forschungsheims, das zu einem zentralen Organ und Multiplikator der Umweltbewegung wurde. Gensichen f\u00f6rderte die T\u00e4tigkeit kirchlicher Umweltgruppen, die mit Ausstellungen, Seminaren, Veranstaltungen und Publikati-onen zum Thema Umweltschutz informierten.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Das Ministerium f\u00fcr Umweltschutz und Wasserwirtschaft der DDR (MUW) wurde am 1. Januar 1972 gebildet. Das Bundesministerium f\u00fcr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit wurde am 6. Juni 1986 gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> In einem <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PiQeRm0MHHc\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PiQeRm0MHHc\" target=\"_blank\">Dokumentarfilm<\/a> berichtete Peter Wensierski 1990 \u00fcber die Situation der Kinder in Bitterfeld. Von Seiten der <em>Krise-Hygiene-Inspektion<\/em> war bekannt, dass Regionen wie Bitterfeld f\u00fcr Kinder eigentlich unbewohnbar sind sie wegen der nicht eingehaltenen Grenzwerte f\u00fcr Giftstoffe h\u00e4tten evakuiert werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> In der <em>Arche Nova 2<\/em> wurde erstmals die geheime Regierungsanweisung \u00fcber die doppelte Geheimhaltung der DDR-Umweltdaten von dem Wissenschaftler Reinhard Klaus ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> 1988 erschienen zum Beispiel Ausz\u00fcge aus dem von einer DDR-Umweltgruppe illegal gedrehten <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ULaE5o3n3Bc\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ULaE5o3n3Bc\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dokumentarfilm<\/a> \u201eBitteres aus Bitterfeld\u201c in der Sendung Kontraste, f\u00fcr die damals Peter Wensierski Redakteur war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Das Unsichtbare der Industriefotografie. Gespr\u00e4ch \u00fcber die Umweltfolgen des Fortschritts<span><\/h2>\n<p>In der Ausstellung \u201eFortschritt als Versprechen. Industriefotografie im geteilten Deutschland\u201c werden Auftragsfotografien im Kontext ihrer zeitgen\u00f6ssischen Verwendung gezeigt: in vielf\u00e4ltig gestalteten Printmedien der Stahl-, Chemie-, Textil- und Automobilindustrie. Sie vermitteln ein durchweg positives Bild von Betrieben und Unternehmen in Ost und West. Zugleich wirft diese umfassende Pr\u00e4sentation von Auftragsfotografien die Frage nach dem nicht Gezeigten, unsichtbar Gemachten oder Aussortierten auf. Anl\u00e4sslich der F\u00fchrungsreihe \u201eDoppelt belichtet\u201c mit Zeitzeug*innen hat Felix Hampel (Bildungsreferent, DHM) Carlo Jordan (ehemaliger DDR-B\u00fcrgerrechtler, Umweltaktivist und Politiker) und Peter Wensierski (Autor und Journalist aus Westdeutschland mit Ver\u00f6ffentlichungen zur Umweltbewegung in der DDR) in Berlin getroffen, um \u00fcber die in den Auftragsfotografien unsichtbaren Umweltfolgen des Fortschritts zu sprechen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":7260,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[1187,2574,2591,2589],"class_list":["post-7256","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-leute","tag-ddr","tag-industriefotografie","tag-interview","tag-umweltbewegung"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7256"}],"version-history":[{"count":10,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7287,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7256\/revisions\/7287"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7260"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}