
{"id":7647,"date":"2023-09-13T11:47:42","date_gmt":"2023-09-13T09:47:42","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=7647"},"modified":"2023-09-13T11:47:44","modified_gmt":"2023-09-13T09:47:44","slug":"spielkasten-und-muenzschnur-ein-blick-in-die-sammlungsarbeit","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2023\/09\/13\/spielkasten-und-muenzschnur-ein-blick-in-die-sammlungsarbeit\/","title":{"rendered":"Spielkasten und M\u00fcnzschnur. Ein Blick in die Sammlungsarbeit"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Spielkasten und M\u00fcnzschnur. Ein Blick in die Sammlungsarbeit<\/h1>\n\n\n\n<p>Nico Geisen | 13. September 2023<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In den <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/sammlung\/unsere-sammlung\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/sammlung\/unsere-sammlung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sammlungen<\/a> des Deutschen Historischen Museums sind alle Objekte inventarisiert, ihre urspr\u00fcnglichen Herkunfts- und Gebrauchskontexte aber nicht immer gut ersichtlich. Es ist daher eine der Hauptaufgaben der Sammmlungsvolont\u00e4r*innen, die inhaltliche Erschlie\u00dfung dieser Objekte zu vervollst\u00e4ndigen. Nico Geisen besch\u00e4ftigte sich intensiv mit zwei Objektkonvoluten in der Sammlung Angewandte Kunst, die die kunstvoll gestalteten Gebrauchsgegenst\u00e4nde des Hauses bewahrt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eines dieser Objekte ist ein 2014 angekaufter Brettspielkasten mit 30 Spielsteinen (Inv. Nr. KG 2014\/26.1-26.32). Der urspr\u00fcngliche Datensatz erl\u00e4uterte, dass der um 1700 produzierte Kasten aus Holz feine Marketerien hat und Spielfl\u00e4chen f\u00fcr Schach, M\u00fchle und Tric Trac enth\u00e4lt und damit ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr die Tradition der Brettspiele ist. Die zugeh\u00f6rigen Spielsteine mit Herrscher*innenportr\u00e4ts und allegorischen Darstellungen sind nur beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt. Kaum weitere Informationen waren bisher aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00067942_Bild-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7652\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00067942_Bild-1-1024x683.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00067942_Bild-1-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00067942_Bild-1-768x512.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00067942_Bild-1-1536x1025.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00067942_Bild-1-2048x1367.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Eine Katze springt einem sitzenden Mann an das entbl\u00f6\u00dfte Geschlecht. Die lat. Inschrift lautet \u00fcbersetzt: \u201eDer Schwanz, ah! Er h\u00e4ngt herab, Vorsicht, der Kater wird ihn fassen\u201c [Bilddatei: ME00067942]<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Insbesondere die fein bearbeiteten Spielsteine bergen jedoch weitere Informationen, die f\u00fcr zuk\u00fcnftige Ausstellungen von Bedeutung sein k\u00f6nnen. Hierzu z\u00e4hlt zum Beispiel das Herstellungsverfahren. Sie wurden mit einer Stempeltechnik in Serienproduktion hergestellt. Dabei wird ein Holzbalken auf einen gew\u00fcnschten Durchmesser gedrechselt und in die ben\u00f6tigte Anzahl von Holzrohlingen aufgeteilt. Die Rohlinge werden in eine Druckpresse gelegt, um die Darstellungen auf die Vorder- und R\u00fcckseite zu pressen. Holz eignet sich eigentlich nur bedingt f\u00fcr dieses Druckpressverfahren, da es ein sehr bruchf\u00e4lliges Material ist. Durch den schwierigen Herstellungsprozess galten die Spielsteine daher als sehr wertvoll, auch wenn mit Ahorn und Birnbaum zumeist h\u00e4rteres Holz verwendet wurde. <a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In N\u00fcrnberg gab es um 1700 eine Hochphase der Spielsteinproduktion. Zu dieser Zeit fanden die Abbildungen des Stempelschneiders Martin Brunner eine weite Verbreitung. Sein K\u00fcrzel \u201eMB\u201c befindet sich auch auf den meisten Spielsteinen des erfassten Konvolutes. Die Abbildungen dienten u.a. zur additiven Unterhaltung beim Spielen. Neben Bildnissen von Herrscher*innen, die gegebenenfalls zum politischen Austausch anregten, setzten viele Liebes- und Sex-Darstellungen oder Allegorien einen ironischen Unterton, der belustigen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Spielsteine sind nun systematisch und mit einem Foto erfasst. Sie sind zus\u00e4tzlich zu den Basisdaten wie Datierung und Hersteller mit der genauen Benennung der Herstellungstechnik und einer \u00dcberblicksgeschichte zum Gegenstand sowie mit einer Identifizierung der abgebildeten Personen auch ikonographisch in der Sammlungsdatenbank tiefenerschlossen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/KG001331_Bild-2-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7653\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/KG001331_Bild-2-1024x768.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/KG001331_Bild-2-300x225.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/KG001331_Bild-2-768x576.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/KG001331_Bild-2-1536x1152.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/KG001331_Bild-2-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>M\u00fcnzkette, sorbischer Brautschmuck, Silber, Sachsen, 1599\/1901 (Inv. Nr. MK 83\/473)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Auch eine sorbische Brautkette (Inv. Nr. MK 83\/473), die 1983 als Zeugnis b\u00e4uerlicher sorbischer Kultur erworben und nach der Erstinventarisierung nicht weiter erforscht wurde, galt es zu erschlie\u00dfen. Die sogenannte <em>\u0160n\u00f3ra<\/em> (aus dem Sorbischen, deutsch: Schnur) ist eine M\u00fcnzkette. In neun Reihen sind 28 M\u00fcnzen mit L\u00f6t\u00f6sen aneinandergef\u00fcgt, die jedoch noch nicht identifiziert wurden. Die M\u00fcnzen stammen zum gr\u00f6\u00dften Teil aus Sachsen, doch auch mehrere bayerische und \u00f6sterreichische sind angeh\u00e4ngt. Die Umschriften mit Herrscher*innentiteln wie \u201eD.G.MAX.IOS.U.B.&amp;P.S.D.C.P.R.S.R.I.A.&amp;EL.L.L\u201c<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> sind manchmal schwer zu entziffern, bieten jedoch n\u00fctzliche Informationen. In manchen F\u00e4llen l\u00e4sst sich zum Beispiel nur \u00fcber die jeweilige M\u00fcnzhoheit die Umlaufjahre der M\u00fcnze einsch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00069795_Bild-3-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7654\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00069795_Bild-3-768x1024.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00069795_Bild-3-225x300.jpg 225w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00069795_Bild-3-1152x1536.jpg 1152w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00069795_Bild-3-1536x2048.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/ME00069795_Bild-3-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Abbild des bayerischen Herzogs Maximilian Joseph [Bilddatei: ME00069795]<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die <em>\u0160n\u00f3ra<\/em> ist ein in der Oberlausitz in katholischen Familien getragener sorbischer Brautschmuck. Zumeist sind die ersten M\u00fcnzreihen einer Kette schon im 19. Jahrhundert angefertigt und im Verlaufe der Zeit erg\u00e4nzt worden. Sie werden traditionell an die T\u00f6chtergenerationen weitergegeben und bei der Heirat zur Hochzeitstracht angezogen. Die Anordnung der M\u00fcnzen an der Kette folgt nur geringf\u00fcgig einer Systematik.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese und weitere Rechercheergebnisse sind nun in der Sammlungsdatenbank des DHM erg\u00e4nzt worden, so dass die Objekte f\u00fcr die Forschung ausf\u00fchrlich erfasst sind und f\u00fcr zuk\u00fcnftige Ausstellungsprojekte gezielter gesucht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Weitere ausf\u00fchrliche Informationen in einer \u00fcbersichtlichen Darstellung finden sich im Bestandskatalog des Germanischen Museums N\u00fcrnberg: Mau\u00e9, Hermann, Spielsteine mit Bildern, 16. bis 19. Jahrhundert. Bestandskatalog des Germanischen Nationalmuseums, N\u00fcrnberg 2020.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vollst\u00e4ndig: \u201eDei Gratia Maximilianus Iosephus Utriusque Bavariae et Palatinus superioris Dux, Comes Palatinus Rheni, Sacri Romani Imperii, Archdapifer et Elector Landgrafius Leuchtenbergii\u201c [\u00dcbersetzung: \u201eVon Gottes Gnaden Maximilian Joseph Herzog von Bayern und Kurf\u00fcrst von Oberpfalz und Kurpfalz, Imperator des Heiligen R\u00f6mischen Reiches und Landgraf von Leuchtenberg\u201c]<\/p>\n\n\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Nico Geisen<\/h4>\n<p><\/p>\n<p style=\"color: #000000; padding: 0px 10px 5px 10px;\">Nico Geisen ist Volont\u00e4r in der Abteilung Sammlungen am Deutschen Historischen Museum.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Spielkasten und M\u00fcnzschnur. Ein Blick in die Sammlungsarbeit<span><\/h2>\n<p>In den Sammlungen des Deutschen Historischen Museums sind alle Objekte inventarisiert, ihre urspr\u00fcnglichen Herkunfts- und Gebrauchskontexte aber nicht immer gut ersichtlich. Es ist daher eine der Hauptaufgaben der Sammmlungsvolont\u00e4r*innen, die inhaltliche Erschlie\u00dfung dieser Objekte zu vervollst\u00e4ndigen. 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