
{"id":8061,"date":"2023-12-27T09:57:17","date_gmt":"2023-12-27T08:57:17","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=8061"},"modified":"2024-01-19T12:40:17","modified_gmt":"2024-01-19T11:40:17","slug":"kohle-ist-knapp-geld-im-flutsch-futsch-kampf-dem-zins-es-lebe-das-kunstgeld","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2023\/12\/27\/kohle-ist-knapp-geld-im-flutsch-futsch-kampf-dem-zins-es-lebe-das-kunstgeld\/","title":{"rendered":"&#8222;Kohle ist knapp, Geld im Flutsch futsch! Kampf dem Zins! Es lebe das Kunstgeld! &#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Kohle ist knapp, Geld im Flutsch futsch! Kampf dem Zins! Es lebe das Kunstgeld! &#8230;&#8220;<\/h1>\n\n\n\n<p>Lili Reyels | 28. Dezember 2023<\/p>\n\n\n\n<p><strong> \u2026 so hie\u00df es im Strategiepapier<sup>1<\/sup> der Gruppe Io\u00eb Bsaffot f\u00fcr die Aktion \u201eKnochengeld-Experiment \u2013 K\u00fcnstler machen Geld\u201c, welches der Lyriker und Dichter Bert Papenfu\u00df verfasst hatte.<sup>2<\/sup>  Lili Reyels, Sammlungsleiterin f\u00fcr Finanz- und Wirtschaftsgeschichte am DHM, widmet sich in diesem Beitrag dem Kunstgeld, das vor 30 Jahren als Kunstaktion in Berlin gestartet wurde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und so kam es, dass vor 30 Jahren, im Dezember 1993, die Frage: \u201eKann man hier auch mit Knochen bezahlen?\u201c rund um den Berliner Kollwitzplatz und bis nach Mitte mit \u201eJa\u201c beantwortet werden konnte. Drei Jahre nach der Wiedervereinigung war dies nicht als anarchische W\u00e4hrungsreform oder Verdruss \u00fcber die neue gesamtdeutsche W\u00e4hrung gemeint. Vielmehr handelte es sich um eine humorvoll und geschickt inszenierte Kunstaktion der Galerie \u201eo zwei\u201c in der Oderberger Stra\u00dfe unter der Leitung und Organisation des K\u00fcnstlers und Galeristen Wolfgang Krause. Die K\u00fcnstler*innen erh\u00f6hten ihre Bekanntheit und konnten auf die durchaus vorkommende Geldnot in ihrem Metier auf spielerische Weise aufmerksam machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt 55 individuell gestaltete Kunstscheine entstanden aus der Zusammenkunft internationaler und deutscher K\u00fcnstler*innen aus Ost und West. Durchnummeriert und als B\u00fcndel mit einer Banderole versehen waren sie von Anfang an perfekt f\u00fcr Sammler geeignet und wurden als vollst\u00e4ndiger Satz f\u00fcr 1.000 DM verkauft \u2013 im Dezember 1993 auch an das Deutsche Historische Museum. So gelangten sie in die Sammlung Finanz- und Wirtschaftsgeschichte. In ihrer Rolle als \u201eDezentralbank\u201c gab die Galerie die Knochengeldscheine aus. Als \u201eNotenpresse\u201c diente den K\u00fcnstler*innen ein herk\u00f6mmlicher Kopierapparat zur Vervielf\u00e4ltigung, danach wurden die Scheine von Hand signiert. Die Auflage eines jeden K\u00fcnstler*innen-Knochengeldscheins betrug 100 St\u00fcck \u2013 was einen Emissionswert von 106.000 DM ausmachte<sup>3<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die G\u00fcltigkeit der Knochenscheine<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Clou war zudem, dass die als Freigeld angelegten Knochen kontinuierlich an Wert verloren. So sollte, angelehnt an die Schwundgeldtheorie von Silvio Gsell, die Hortung des Kunstgeldes durch Sammler*innen und Kunstspekulant*innen verhindert werden. Daher auch der Name, der auf den Philosophen Diogenes Bezug nahm: Dieser hatte vorgeschlagen, aus Knochen Geld zu machen, denn der bei der Lagerung entstandene Geruch w\u00fcrde das Horten verhindern. Ein zeitgen\u00f6ssischer Beobachter formulierte es so: \u201e[E]chte Kunst ist falsches Geld, falsches Geld wird im Gebrauch zu echtem Geld, wobei das Kunstgeld nach seinem inflation\u00e4ren Verfall gegen\u00fcber der DM nach Abschluss der Aktion im DM-Wert nat\u00fcrlich auch wieder steigen kann\u201c<sup>4<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schweizer K\u00fcnstler G.P. Adam hatte also f\u00fcr die L\u00e4den, welche Knochengeldscheine als Zahlungsmittel annahmen, einen Original-Aufkleber hergestellt, einschlie\u00dflich Knochen-Logo mit dem Hinweis: \u201eWir nehmen Knochen\u201c. Man h\u00e4tte sich also morgens im \u201eallet m\u00f6gliche\u201c in der Schliemannstra\u00dfe mit den Knochenscheinen eine Zeitung kaufen, nebenan im \u201eSchliemann\u201c sein Fr\u00fchst\u00fcck bezahlen, eine Schallplatte bei \u201eOM\/Sounds\u201c in der Sretzkistrasse erstehen und abends in der \u201ePinte\u201c in der Lychener Stra\u00dfe ein Bier trinken k\u00f6nnen.<sup>5<\/sup> Das Wechselgeld war echtes Geld. Die beteiligten Gesch\u00e4fte konnten die erworbenen Scheine in der Galerie gegen echtes Geld zur\u00fccktauschen oder die Scheine als Kunstwerke und Kapitalanlage behalten. Zwei Musterb\u00fccher im \u201eInitiativkomittee\u201c, also in der Galerie, waren hinterlegt, um die Echtheit zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Themen der Knochenscheine <\/h2>\n\n\n\n<p>Die Themen auf den Kunstgeldscheinen changieren von witzig, historisch, satirisch bis hin zu ironisch oder abstrakt \u2013 und nat\u00fcrlich hatten sie oft mit Knochen zu tun. Bei manchen ist der typische Stil des K\u00fcnstlers oder der K\u00fcnstlerin zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"475\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/NU930061_a_Zuschnitt.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8141\" data-link=\"\/blog\/2023\/12\/27\/kohle-ist-knapp-geld-im-flutsch-futsch-kampf-dem-zins-es-lebe-das-kunstgeld\/nu930061_a_zuschnitt\/\" class=\"wp-image-8141\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/NU930061_a_Zuschnitt.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/NU930061_a_Zuschnitt-300x143.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/NU930061_a_Zuschnitt-768x365.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"477\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/NU930061_b_Zuschnitt.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8142\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/NU930061_b_Zuschnitt.jpg\" data-link=\"\/blog\/2023\/12\/27\/kohle-ist-knapp-geld-im-flutsch-futsch-kampf-dem-zins-es-lebe-das-kunstgeld\/nu930061_b_zuschnitt\/\" class=\"wp-image-8142\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/NU930061_b_Zuschnitt.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/NU930061_b_Zuschnitt-300x143.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/NU930061_b_Zuschnitt-768x366.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">Bert Papenfu\u00df: Knochengeldschein Knochengeldschein Nr. 50<br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der von Bert Papenfu\u00df gestaltete Schein beispielsweise&nbsp;tr\u00e4gt auf rotem Grund die Aufschrift \u201eNat\u00fcrlich ist mir der Kommunismus n\u00e4her als die Jacke\u201c. Sein Kunstgeld zieren auch erfundene Buchstaben und Satzzeichen sowie das Motto: \u201eWo Durft ist, &#8218;darf man&#8216; etwas verh\u00f6kern, L\u00f6cher p\u00f6keln\u201c. Sein Sprachwitz zeigte sich sowohl in den Strategiepapieren, also auch&nbsp;auf dem Kunstgeldschein.&nbsp;Mit Papenfu\u00df als&nbsp;einem wichtigen Vertreter der k\u00fcnstlerischen&nbsp;DDR Underground-Szene&nbsp;steht die&nbsp;Kunstaktion&nbsp;auch in der Tradition der DDR-Samistat-Grafiken und -Texte.<sup>6<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"480\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8064\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=8064\" class=\"wp-image-8064\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-300x144.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-768x369.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"473\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8065\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=8065\" class=\"wp-image-8065\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-300x142.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930025_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-768x363.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">Jenny Rosemeyer: Knochengeldschein Nr. 14<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine kleine Gesellschaft lachender Monster mit gro\u00dfen Z\u00e4hnen scheint auf dem Schein von Jenny Rosemeyer kleine Kn\u00f6chelchen verschlingen zu wollen. Vielleicht stellen sie den Raubtierkapitalismus dar, denn die Szene hat auch etwas Morbides.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"468\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_a_zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8066\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_a_zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=8066\" class=\"wp-image-8066\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_a_zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_a_zuschnitt_kleiner-fuer-Web-300x140.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_a_zuschnitt_kleiner-fuer-Web-768x359.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"469\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8067\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=8067\" class=\"wp-image-8067\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-300x141.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930042_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-768x360.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">Christine Schlegel: Knochengeldschein Nr. 31<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Christine Schlegel w\u00e4hlte eine Frauenb\u00fcste statt des oftmals \u00fcblichen Politikerkopfes auf ihrem Schein. F\u00fcnf abstrahierte Augen beobachten sie vom Rand und scheinen etwas auszuspucken. Das Motiv des Knochens taucht auf der R\u00fcckseite in verdrehter Form auf, eine Fotomontage, aus dem die F\u00fc\u00dfe hervorstehen.<sup>7<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"478\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8068\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=8068\" class=\"wp-image-8068\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-300x143.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-768x367.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"483\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8069\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=8069\" class=\"wp-image-8069\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-300x145.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930041_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-768x371.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">MK K\u00e4hne: Knochengeldschein Nr. 30  \u00a9 VG Bild-Kunst, Bonn 2023  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der K\u00fcnstler MK K\u00e4hne wiederum hat in einem Schein ein Thema gefunden, dass er sp\u00e4ter wiederholt aufgriff: die Idee, soziale Milieus zu vertauschen und die Thesen seiner Arbeit durch Persiflage zu verdeutlichen. In provokanter Mine schauen gut situierte und gekleidete Menschen den Betrachtenden von einem Foto auf dem Geldschein aus an und fragen: \u201eWir lieben Geld. Du auch?\u201c<sup>10<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"497\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8070\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=8070\" class=\"wp-image-8070\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-300x149.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_a_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-768x382.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"494\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" data-id=\"8071\" data-full-url=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg\" data-link=\"\/blog\/?attachment_id=8071\" class=\"wp-image-8071\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-300x148.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/NU930012_b_Zuschnitt_kleiner-fuer-Web-768x379.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">Breeda CC: Knochengeldschein Nr. 1<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein paar Jahre nach der Knochengeldaktion hat die K\u00fcnstlerin Breeda CC ihren Satz Knochengeldscheine verkauft. Von dem Erl\u00f6s kaufte sie einen Teil ihres fahrbaren Untersatzes f\u00fcr das mobile Theater \u201eIcke Mobil\u201c. Auf ihrem Schein hatte sie bereits \u201eIn Bank we trust\u201c formuliert, eine Abwandlung des Wahlspruchs der Vereinigten Staaten von Amerika \u201eIn God we trust\u201c, welches seit 1955 f\u00fcr alle M\u00fcnzen und das Papiergeld per US-Gesetz verbindlich ist. Einerseits wird hier der Bezug zu Amerika als kapitalistische Gesellschaft, die ironisch-kritisch gesehen wird, gezeigt, andererseits der Verweis auf Gott negiert, indem das Geld beinahe als (Ersatz)religion unserer Tage, welcher getrost vertraut werden kann, interpretiert wird.<sup>8<\/sup><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Ende der Aktion<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Laufzeit der Scheine endete am 29. Dezember 1993. Nach Ablauf der sieben Wochen hatte das \u201eGeld\u201c nur noch Kunstwert. Daher nahmen auch die Landeszentralbanken keinen Ansto\u00df an der \u201ePrenzlberger W\u00e4hrungsreform\u201c. Da mit den Bl\u00fcten keine Geld\u00e4hnlichkeit angestrebt sei, so die Bundesbank, handelte es sich auch nicht um Falschgeld. Das Knochengeld wiederum zu f\u00e4lschen sei aber auch verboten, da dann das Urheberrecht der K\u00fcnstler*innen verletzen w\u00fcrde. Anfang 1994 wurden schlie\u00dflich auch die im November und Dezember gelaufenen Scheine<sup>9<\/sup> f\u00fcr 80.000 DM versteigert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein l\u00e4ngerer Artikel zum Thema Knochengeld wird in der Zeitschrift \u201eGeldgeschichtliche Nachrichten\u201c 332 im M\u00e4rz 2024 erscheinen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Tannert, Christoph: Knochengeld, in: Krenzlin, Kathleen (Hg): Wochenmarkt und Knochengeld, S. 122-123, Berlin 2006<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcter, Alexa und Bernhard Weisser: Muse macht Moneten, K\u00fcter, Alexa, Bernhard Weisser: Kunst pr\u00e4gt Geld. MUSE MACHT MONETEN. Eine Ausstellung des M\u00fcnzkabinetts mit Leihgaben der Sammlung Haupt \u201eDrei\u00dfig Silberlinge \u2013 Kunst und Geld\u201c, Das Kabinett 16, Berlin 2016, S. 153-156<\/p>\n\n\n\n<p>Steguweit, Wolfgang: Scheingeld zu 20 Knochen, in: Numismatisches Nachrichtenblatt 43, 1994, S. 20f.<\/p>\n\n\n\n<p>Io\u00eb Bsaffot: Strategiepapiere I bis V, Berlin 1993<\/p>\n\n\n\n<p>Petzold u.a. : Boheme und Diktatur in der DDR. Gruppen, Konflikte, Quartiere. 1970-1989. Katalog zur Ausstellung des Deutschen Historischen Museums vom 4.September bis 16.Dezember 1997<\/p>\n\n\n\n<p>Fengler, Hein: Knochen-Geld in Prenzlauer Berg, in: Geldscheinsammler 9\/93, S. 25 f.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><sup>1<\/sup> Io\u00eb Bsaffot: Strategiepapier II, Berlin d. 25.9.1993<\/p>\n\n\n\n<p><sup>2<\/sup> Der Name der Gruppe war aus dem Ganoven-Rotwelsch-Terminus f\u00fcr \u201egef\u00e4lschte Scheine\u201c entstanden (Io\u00eb = falsch, gef\u00e4lscht; Bsaffot = Papiere, Ausweis, Pass)<\/p>\n\n\n\n<p><sup>3<\/sup> K\u00fcter, Alexa; Weisser, Bernhard: Muse macht Moneten, S. 154 <\/p>\n\n\n\n<p><sup>4<\/sup> Der Freitag, 12. November 1993, Nr. 46, Detlef Kuhlbrodt: K\u00fcnstler drucken eigenes Geld.<\/p>\n\n\n\n<p><sup>5<\/sup> Siehe Berichterstattung im Telegraph, 12\/1993: Lothar Feix: Verr\u00fcckt \u2013 Prenzlberger drucken eigenes Geld, S.10<\/p>\n\n\n\n<p><sup>6<\/sup> Vielen Dank an die Hinweise von Herrn Tom Riebe von POESIE SCHMECKT GUT e.V., Jena, vlg. auch: Kaiser, Paul und Claudia Petzold (Hrsg.): Boh\u00e8me und Diktatur in der DDR. Gruppen, Konflikte Quartiere 1970-1989. Katalog zur Ausstellung des Deutschen Historischen Museums vom 4. September bis 16. September 1997, Berlin 1997<\/p>\n\n\n\n<p><sup>7<\/sup> Interview mit Christine Schlegel am 15.08.2023<\/p>\n\n\n\n<p><sup>8<\/sup> Interview mit Breeda CC am 15.08.2023<\/p>\n\n\n\n<p><sup>9<\/sup> Als \u201egelaufene Scheine\u201c bezeichnet man Scheine, die tats\u00e4chlich benutzt worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p><sup>10 <\/sup>Interview mit MK K\u00e4hne am 14.7.2023<\/p>\n\n\n<table style=\"height: 291px;\" border=\"0\" width=\"840\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<p style=\"text-align: center;\">\n<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8077 size-medium\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Lili_Reyels01-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Lili_Reyels01-200x300.jpg 200w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Lili_Reyels01-683x1024.jpg 683w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Lili_Reyels01-768x1152.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Lili_Reyels01-1024x1536.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Lili_Reyels01-1365x2048.jpg 1365w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Lili_Reyels01-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Dr. Lili Reyels<\/h4>\n<p style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Dr. Lili Reyels ist Leiterin der Sammlung Finanz- und Wirtschaftsgeschichte am Deutschen Historischen Museum.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>&#8222;Kohle ist knapp, Geld im Flutsch futsch! Kampf dem Zins! Es lebe das Kunstgeld! &#8230;&#8220;<span><\/h2>\n<p>\u2026 so hie\u00df es im Strategiepapier der Gruppe Io\u00eb Bsaffot f\u00fcr die Aktion \u201eKnochengeld-Experiment \u2013 K\u00fcnstler machen Geld\u201c, welches der Lyriker und Dichter Bert Papenfu\u00df verfasst hatte. Lili Reyels, Sammlungsleiterin f\u00fcr Finanz- und Wirtschaftsgeschichte am DHM, widmet sich in diesem Beitrag dem Kunstgeld, das vor 30 Jahren als Kunstaktion in Berlin gestartet wurde.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":8134,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2699,2696,2697,199],"class_list":["post-8061","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichten-aktuell","tag-finanzgeschichte-2","tag-knochengeld","tag-kunstgeld","tag-sammlung"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8061","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8061"}],"version-history":[{"count":12,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8061\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8150,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8061\/revisions\/8150"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8134"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8061"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8061"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8061"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}