
{"id":830,"date":"2017-04-26T12:26:54","date_gmt":"2017-04-26T10:26:54","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=830"},"modified":"2017-04-27T09:44:22","modified_gmt":"2017-04-27T07:44:22","slug":"fake-news-1937-2","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2017\/04\/26\/fake-news-1937-2\/","title":{"rendered":"Fake News 1937: Deutschland bestreitet die Bombardierung Guernicas"},"content":{"rendered":"<h1>Fake News 1937:<br \/>\nDeutschland bestreitet die Bombardierung Guernicas<\/h1>\n<p><strong>Heute, am 26. April 2017 um 16.40 Uhr werden im baskischen Gernika wieder die Glocken l\u00e4uten. Genau 80 Jahre ist es dann her, dass die ersten Flugzeuge der deutschen <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/ns-regime\/aussenpolitik\/legion-condor.html\" target=\"_blank\">Legion Condor<\/a> \u00fcber der Kleinstadt auftauchten und sie in einem dreieinhalbst\u00fcndigen Bombardement in Schutt und Asche legten. Der Luftangriff des Spanischen B\u00fcrgerkrieges vom 26. April 1937 ist in die Geschichtsb\u00fccher eingegangen als erstes Beispiel f\u00fcr die fl\u00e4chendeckende Bombardierung einer ungesch\u00fctzten, nicht direkt am Kriegsgeschehen beteiligten Stadt in Europa. Lange allerdings war das, was wir heute als historische Wahrheit betrachten, hei\u00df umstritten: Jahrzehntelang versuchten die Hauptverantwortlichen ihre Schuld mit Fake News oder mit demonstrativen Schweigen zu verschleiern. Erst 1997 bekannte sich die Bundesrepublik Deutschland zur &#8222;schuldhaften Verstrickung deutscher Flieger&#8220; und bat die \u00dcberlebenden und Nachkommen um Vers\u00f6hnung.<\/strong><\/p>\n<h3>Der 26. April 1937: zwischen Wahrheit und L\u00fcge<\/h3>\n<p>Dass heute nahezu jeder den bis in die 1980er Jahre gebr\u00e4uchlichen spanischen Ortsnamen Guernica kennt, ist in erster Linie zwei Menschen zu verdanken: dem Briten George Steer, der f\u00fcr die Londoner Times den <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/ns-regime\/aussenpolitik\/spanischer-buergerkrieg.html\" target=\"_blank\">Spanischen B\u00fcrgerkrieg<\/a> beobachtete und die Nachricht von der Zerst\u00f6rung Guernicas durch deutsche Flugzeuge in einem Aufsehen erregenden Artikel um die Welt schickte. Und <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/pablo-picasso\" target=\"_blank\">Pablo Picasso<\/a>, der diese Berichte zum Anlass nahm, seine Pl\u00e4ne f\u00fcr das bei ihm in Auftrag gegebene Bild f\u00fcr den Ausstellungspavillon der Spanischen Republik auf der Weltausstellung in Paris zu verwerfen. In nur wenigen Wochen entstand in seinem Atelier in Paris das weltber\u00fchmte Gem\u00e4lde &#8222;Guernica&#8220;, das zum Antikriegszeugnis par excellance werden sollte und die Erinnerung an die Bombardierung bis heute wachh\u00e4lt \u2013 obschon die Hauptverantwortlichen das Geschehen \u00fcber Jahrzehnte hinweg dementierten. Bereits einen Tag nach der Zerst\u00f6rung behaupteten die aufst\u00e4ndischen Truppen unter <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/biografie-francisco-franco.html\" target=\"_blank\">General Franco<\/a>, denen die Legion Condor im Spanischen B\u00fcrgerkrieg zur Seite stand, dass die Republikaner Guernica mit Dynamit zerst\u00f6rt und angez\u00fcndet h\u00e4tten. Und auch auf deutscher Seite schien sich schon nach wenigen Tagen niemand mehr an den Lufteinsatz vom 26. April erinnern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Der lange Weg zum deutschen Schuldeingest\u00e4ndnis<\/h3>\n<p>Hintergrund dieser kollektiven Amnesie waren die sofort einsetzenden internationalen Proteste. Die Brutalit\u00e4t des Angriffes, der offensichtlich der Zivilbev\u00f6lkerung galt, schockierte die Welt\u00f6ffentlichkeit. Zudem erregte der Einsatz der deutschen Luftwaffe auf Seiten Francos angesichts des existierenden Nicht-Interventionspaktes die Gem\u00fcter. Erst nach dem Ende des Spanischen B\u00fcrgerkrieges 1939 wurde das Engagement der Legion Condor in Spanien offiziell publik gemacht und in Hitler-Deutschland als Beleg der deutschen Kriegstauglichkeit gefeiert. \u00dcber Guernica aber wurde weiter der Mantel des Schweigens gedeckt.<br \/>\nZwei Faktoren beg\u00fcnstigten diesen Verdr\u00e4ngungsprozess: In Spanien verhinderte die Franco-Diktatur bis zum Tod des Diktators 1975 jede Aufarbeitung der Geschehnisse oder auch nur ein \u00f6ffentliches Erinnern von baskischer Seite. In Deutschland wiederum begann die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der deutschen Wehrmacht sehr sp\u00e4t. Erst als Anfang der Achtzigerjahre verst\u00e4rkt Stimmen aus dem Baskenland zu vernehmen waren, die eine Vers\u00f6hnungsgeste von Seiten der Bundesrepublik forderten, gelangte das Thema mehr und mehr an die \u00d6ffentlichkeit. Eine wirkliche Dynamik entwickelte sich dann, als sich die Gr\u00fcnen-Politiker <a href=\"http:\/\/www.hdg.de\/lemo\/biografie\/petra-kelly.html\" target=\"_blank\">Petra Kelly<\/a> und Gert Bastian das Thema Gernika auf die Fahnen schrieben. Ihr unerm\u00fcdlicher Kampf f\u00fcr eine Anerkennung der deutschen Schuld sorgte gemeinsam mit den 1995 im Zusammenhang mit der <a href=\"http:\/\/www.hdg.de\/lemo\/bestand\/objekt\/foto-ausstellung-verbrechen-der-wehrmacht.html\" target=\"_blank\">Hamburger Wehrmachtsausstellung<\/a> einsetzenden Diskussionen um die Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht f\u00fcr ein neues Bewusstsein. Zum 60. Jahrestag der Bombardierung 1997 bekannte sich Bundespr\u00e4sident Roman Herzog in einem Gru\u00dfwort an die Bev\u00f6lkerung Guernicas zur deutschen Schuld und bat die \u00dcberlebenden des Angriffes um Vers\u00f6hnung.<\/p>\n<h3>Wie das Thema ins Museum kam<\/h3>\n<p>Als ein Jahr sp\u00e4ter im Rahmen der Sonderausstellung <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/archiv\/ausstellungen\/artpow\/\" target=\"_blank\">&#8222;Kunst und Macht&#8220;<\/a> im Deutschen Historischen Museum das Gem\u00e4lde &#8222;Schwarze Flugzeuge. Madrid 1937&#8220; von Horacio Ferrer de Morgado gezeigt wurde, rief die k\u00fcnstlerische Verarbeitung der deutschen Luftangriffe Betroffenheit bei den Besuchern hervor. Am Wahrheitsgehalt aber zweifelte niemand mehr. Heute erinnert in der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums ein anderes Gem\u00e4lde von Ferrer de Morgado an den Einsatz der Legion Condor im Spanischen B\u00fcrgerkrieg: Die dramatische Fluchtdarstellung &#8222;\u00c9xodo&#8220; entstand \u2013 wie das Bild &#8222;Schwarze Flugzeuge&#8220; und Picassos &#8222;Guernica&#8220; \u2013 1937 unter dem direkten Eindruck der Bombardierungen durch die deutsche Luftwaffe und wurde 1999 angekauft \u2013 zwei Jahre nachdem das Ringen um das deutsche Schuldeingest\u00e4ndnis sein Ende gefunden hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Fake News 1937:<br \/>\nDeutschland bestreitet die Bombardierung Guernicas<span><\/h2>\n<p>Heute, am 26. April 2017 um 16.40 Uhr werden im baskischen Gernika wieder die Glocken l\u00e4uten. Genau 80 Jahre ist es dann her, dass die ersten Flugzeuge der deutschen Legion Condor \u00fcber der Kleinstadt auftauchten und sie in einem dreieinhalbst\u00fcndigen Bombardement in Schutt und Asche legten. Der Luftangriff des Spanischen B\u00fcrgerkrieges vom 26. April 1937 ist in die Geschichtsb\u00fccher eingegangen als erstes Beispiel f\u00fcr die fl\u00e4chendeckende Bombardierung einer ungesch\u00fctzten, nicht direkt am Kriegsgeschehen beteiligten Stadt in Europa. Lange allerdings war das, was wir heute als historische Wahrheit betrachten, hei\u00df umstritten: Jahrzehntelang versuchten die Hauptverantwortlichen ihre Schuld mit Fake News oder mit demonstrativen Schweigen zu verschleiern. Erst 1997 bekannte sich die Bundesrepublik Deutschland zur &#8222;schuldhaften Verstrickung deutscher Flieger&#8220; und bat die \u00dcberlebenden und Nachkommen um Vers\u00f6hnung.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":831,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[805,807,801,484,803],"class_list":["post-830","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichten-aktuell","tag-erinnerungskultur","tag-fake-news","tag-guernica","tag-krieg","tag-spanien"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/830","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=830"}],"version-history":[{"count":3,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/830\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":842,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/830\/revisions\/842"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/831"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=830"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=830"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=830"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}