
{"id":8652,"date":"2024-04-22T14:46:18","date_gmt":"2024-04-22T12:46:18","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=8652"},"modified":"2024-04-22T16:33:12","modified_gmt":"2024-04-22T14:33:12","slug":"die-geschichte-der-klimakrise-offen-oder-unvermeidbar","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2024\/04\/22\/die-geschichte-der-klimakrise-offen-oder-unvermeidbar\/","title":{"rendered":"Die Geschichte der Klimakrise: offen oder unvermeidbar?"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die Geschichte der Klimakrise: offen oder unvermeidbar?<\/h1>\n\n\n\n<p>Christian Pfister | 22. April 2024<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Anl\u00e4sslich des Tages der Erde ver\u00f6ffentlichen wir den folgenden Artikel von Historiker Christian Pfister, der zuerst in dem <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/publikation\/roads-not-taken-oder-es-haette-auch-anders-kommen-koennen\/\">didaktischen Begleitheft<\/a> zur Ausstellung <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/roads-not-taken-oder-es-haette-auch-anders-kommen-koennen\/\">\u201eRoads not Taken. Oder: Es h\u00e4tte auch anders kommen k\u00f6nnen\u201d<\/a> erschien.  <\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einleitend seien einige \u00dcberlegungen zur Offenheit von Geschichte im Falle der Klimakrise angestellt. Offen ist die Geschichte vor allem dann, wenn es um menschliches Handeln oder Nichthandeln geht. Z\u00e4suren in der politischen Geschichte orientieren sich an Ereignissen, die hohe Wellen schlugen und die Weichen f\u00fcr die Zukunft stellten, wie die Entstehung des deutschen Kaiserreichs, die beiden Weltkriege und der Fall der Berliner Mauer. Die Klimageschichte der letzten 170 Jahre beruht dagegen auf der schleichenden Ver\u00e4nderung der materiell-energetischen Struktur der Atmosph\u00e4re durch die Nutzung fossiler Energietr\u00e4ger. Diese Ver\u00e4nderung folgt einer naturgesetzlich begr\u00fcndeten Kausalit\u00e4t.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Wandel des Weltklimas war f\u00fcr die Mehrheit der Menschen lange Zeit kaum wahrnehmbar und konnte daher kaum als historischer Wendepunkt erkannt werden. Einmal angesto\u00dfen, folgt er Naturgesetzen, die sich historischen Zuf\u00e4lligkeiten im Sinne von Kontingenz auf den ersten Blick verschlie\u00dfen. Das Schmelzen des Polareises etwa wird durch den Ausgang einer Schlacht oder das Handeln einzelner Politiker*innen kaum beeinflusst. Kontrafaktische Gedankenspiele dar\u00fcber, wie eine Geschichte des Klimas anders h\u00e4tte verlaufen k\u00f6nnen, scheinen vor diesem Hintergrund fast obsolet. Dennoch l\u00e4sst sich auch hier eine gewisse Offenheit von Geschichte erkennen \u2013 und zwar in der Bewusstseinsbildung f\u00fcr die Gefahren dieser Entwicklung. Will man trotz der oben genannten Faktoren sinnvolle kontrafaktische Gedankenexperimente wagen, muss man sich die Frage stellen, an welchem Punkt der Umweltgeschichte sich alternative Entwicklungspfade zur jetzigen Klimakrise h\u00e4tten beschreiten lassen. Voraussetzung hierf\u00fcr ist eine genaue Kenntnis dessen, was Umweltgeschichte ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Geschichte der Umwelt ist erst in den letzten Jahrzehnten entstanden. Bedingt durch ein wachsendes Bewusstsein f\u00fcr die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt steht sie heute auf derselben Stufe wie die Geschichte der Politik, die Geschichte der Wirtschaft und die Geschichte der Kultur. Unter anderem hat sie herauszuarbeiten, wo die Epochenschwelle anzusetzen ist, die der heutigen Klimakrise zugrunde liegt, und welche Triebkr\u00e4fte die wesentlichen Ver\u00e4nderungen verursacht haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"557\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/TPII_6_1-1024x557.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8661\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/TPII_6_1-1024x557.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/TPII_6_1-300x163.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/TPII_6_1-768x418.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/TPII_6_1-1536x836.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/TPII_6_1.jpg 1900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u201eDie Ver\u00e4nderung des Weltklimas\u201c, \u00a9 Christoph Scholz, 2019<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Epochen auf dem Weg zur&nbsp;Klimakrise<\/strong><br><br>Die Biosph\u00e4re der Erde bildet ein gewaltiges Solarenergiesystem. Gr\u00fcne Pflanzen wandeln einen kleinen Teil der eingestrahlten Sonnenenergie in Biomasse um. In Form von Nahrungsmitteln, Futtermitteln f\u00fcr das Vieh sowie von Holz zur W\u00e4rmegewinnung war Biomasse vor der Industrialisierung der wichtigste Energietr\u00e4ger. Mechanische Drehbewegungen wurden mit Wasser- und Windr\u00e4dern oder mit tierischer Kraft erzeugt. Alle Restprodukte waren biologisch abbaubar. Die verf\u00fcgbare Energie pro Kopf war zehnmal geringer als heute, aber sie war unbeschr\u00e4nkt erneuerbar. Die Menschen waren verletzlich f\u00fcr Missernten und f\u00fcr Naturgewalten, hatten aber ein entsprechendes Risikobewusstsein entwickelt.<br><br>Durch die Erschlie\u00dfung der im Erdinneren w\u00e4hrend Millionen von Jahren gespeicherten fossilen Solarenergie wurde ein wachstumsorientiertes Wirtschaftssystem geschaffen, das eine gr\u00f6\u00dfere Weltbev\u00f6lkerung ern\u00e4hrte und in den L\u00e4ndern des Nordens vielen Menschen Wohlstand bescherte. Dass diese Entwicklung die Zusammensetzung der Atmosph\u00e4re von Jahr zu Jahr geringf\u00fcgig ver\u00e4nderte, wurde erst sp\u00fcrbar, als die Nutzung fossiler Energietr\u00e4ger ein unvorstellbares Ausma\u00df angenommen hatte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1196\" height=\"698\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Primaerenergie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8711\" style=\"width:778px;height:auto\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Primaerenergie.jpg 1196w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Primaerenergie-300x175.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Primaerenergie-1024x598.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Primaerenergie-768x448.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1196px) 100vw, 1196px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">A terawatt (TW) = a billion watts<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Wer nach der Ursache der heutigen Klima\u00adkrise fragt, wird auf den Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verwiesen. Im Prinzip ist diese Auffassung richtig. Doch wie die oben abgebildete Grafik zeigt, wird sie der Gr\u00f6\u00dfenordnung und der Dynamik der Entwicklung nicht gerecht. Drei Perioden lassen sich unterscheiden: Bis um 1850 wurde nur Biomasse genutzt, deren Umfang sich seither kaum ver\u00e4ndert hat. Mit dem intensiven Abbau von Kohle trat Deutschland in den 1850er Jahren in den Kreis der Industrienationen ein. Die F\u00f6rderung unter Tage blieb arbeitsintensiv und teuer. Es lohnte sich, energiesparende Technologien zu entwickeln und mit Kohle hauszuhalten. Von den sp\u00e4ten 1950er Jahren an stieg die Nutzung von fossilen Energietr\u00e4gern bis heute um etwa das Sechsfache an. Rund eine Billion Tonnen Roh\u00f6l wurden von 1861 bis 2018 gef\u00f6rdert, 97&nbsp;% davon nach 1957, dazu gro\u00dfe Mengen an Kohle und Erdgas. Die fundamentale Weichenstellung im Verh\u00e4ltnis des Menschen zur Umwelt in den 1950er Jahren ist unter dem Namen \u201e1950er-Syndrom\u201c bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Kollaps der Energiepreise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Anfang steht die Erschlie\u00dfung der scheinbar unersch\u00f6pflichen mittel\u00f6stlichen Erd\u00f6lreserven. Bis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert fristete Erd\u00f6l in Form von Lampen\u00f6l ein Nischen\u00addasein als Lichtquelle der l\u00e4ndlichen Welt, bevor die Gl\u00fch\u00adbirne die Petrollampe abl\u00f6ste. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs erlangte \u00d6l als Treibstoff f\u00fcr englische Kriegsschiffe strategische Bedeutung. In der Zwischenkriegszeit erschloss ihm die aufkommende Motorisierung einen st\u00fcrmisch wachsenden Absatzmarkt, zun\u00e4chst vor allem in den USA. 1933 schloss die Stanford Oil of California mit dem saudischen K\u00f6nig Ibn Saud einen Vertrag, der ihr die Sch\u00fcrf- und F\u00f6rderrechte in Saudi-Arabien f\u00fcr 60 Jahre auf einem Gebiet von 500.000 km<sup>2<\/sup> abtrat, was der anderthalbfachen Fl\u00e4che der Bundesrepublik entspricht. Eine Hundertschaft von US-Amerikanern bohrte w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs in der W\u00fcste Saudi-Arabiens nach \u00d6l. Ihre Ergebnisse \u00fcbertrafen die k\u00fchnsten Erwartungen. Ein Mitglied des Teams gab zu Protokoll, das \u00d6l in dieser Region sei der gr\u00f6\u00dfte Schatz, den die Geschichte der Menschheit kenne.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den 1950er Jahren an \u00fcberschwemmte das mittel\u00ad\u00f6stliche \u00d6l die M\u00e4rkte. In vielen F\u00f6rderl\u00e4ndern floss es wie Wasser aus dem Bohrloch. Die \u00d6lgesellschaften hielten den \u00d6lpreis zun\u00e4chst hoch, was ihnen m\u00e4rchenhafte Gewinne bescherte. Von 1957 an geriet er ins Rutschen. Bis 1970 fiel er auf ein F\u00fcnftel des Preises von 1950. Das billige \u00d6l fegte die teure Kohle von den M\u00e4rkten, sofern diese nicht wie in Deutschland durch Ma\u00dfnahmen gest\u00fctzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"640\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/GCP-00050258.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8663\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/GCP-00050258.jpg 800w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/GCP-00050258-300x240.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/GCP-00050258-768x614.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">F\u00fcr den Massenbau geplantes Solarhaus des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Lexington, USA, 1958<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Billigenergie als \u00adWachstumsbeschleuniger<\/strong><br>Der Kollaps der Energiepreise stellte die Weltwirtschaft auf den Kopf. Die Periode zwischen 1950 und 1973, die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders, tritt auch durch eine historisch einzigartige Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums hervor. Die Forschung verweist auf vielf\u00e4ltige Ursachen: das Bev\u00f6lkerungswachstum, rationellere Produktionsmethoden wie das Flie\u00dfband, ebenso die unter dem Einfluss des Kalten Krieges eingef\u00fchrte internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, in Westeuropa die Anschub\u00adfinanzierung der USA durch den Marshall-Plan und die Milderung der sozialen Gegens\u00e4tze durch den neu eingef\u00fchrten umverteilenden Wohlfahrtsstaat. Die Verbilligung der Energiepreise wird nicht thematisiert, weil sie im Alltag nicht sp\u00fcrbar wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"738\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S44-1953_BRD_VW_Karosserien-an-Transportb\u201endern-Werksfotografie_CMYK_300_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8664\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S44-1953_BRD_VW_Karosserien-an-Transportb\u201endern-Werksfotografie_CMYK_300_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S44-1953_BRD_VW_Karosserien-an-Transportb\u201endern-Werksfotografie_CMYK_300_kleiner-fuer-Web-300x221.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S44-1953_BRD_VW_Karosserien-an-Transportb\u201endern-Werksfotografie_CMYK_300_kleiner-fuer-Web-768x567.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Massenfabrikation des VW-K\u00e4fer in einer Werkshalle, Wolfsburg, 1953<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Nachfrage nach einem Gut wird nicht nur durch seinen Preis beeinflusst, sondern auch durch die Preis\u00e4nderung anderer G\u00fcter. W\u00e4hrend des Booms wurden Arbeitskr\u00e4fte knapp, wodurch die L\u00f6hne massiv angehoben wurden. Es lag nahe, fossile Energie einzusetzen, um Lohnkosten zu sparen, etwa indem Arbeitsprozesse trotz eines hohen Transportaufwands in Billiglohnl\u00e4nder ausgelagert wurden. In der Landwirtschaft erlaubte der massive Einsatz von billigem D\u00fcnger und Importfutter f\u00fcr die Massentierhaltung substanzielle Produktivit\u00e4tsgewinne. Dadurch konnten die Nahrungsmittelpreise gesenkt werden, was Kaufkraft freisetzte. Dass rasch steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise unser Budget belasten und die Wirtschaft bremsen, ist heute wieder zur Alltagserfahrung geworden. Es leuchtet ein, dass der umgekehrte Prozess, die von den sp\u00e4ten 1950er Jahren an massiv sinkenden Energiepreise, die Wirtschaft stimulierte und den Konsum befeuerte. Vermutlich h\u00e4tte es ein ansehnliches Wachstum in der Nachkriegszeit auch ohne Billigenergie gegeben, nur in einer weniger verschwenderischen Form.<br><br>Wollte man einen kontrafaktischen Geschichtsverlauf zum verschwenderischen Umgang mit fossiler Energie seit Beginn der 1950er Jahre entwerfen, m\u00fcsste man zun\u00e4chst nach einem historisch triftigen Ereignis suchen, an dem sich die politischen, \u00f6konomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Nachkriegszeit grundlegend h\u00e4tten \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"680\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S45_S53_S-63_51273740-2-1024x680.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8669\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S45_S53_S-63_51273740-2-1024x680.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S45_S53_S-63_51273740-2-300x199.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S45_S53_S-63_51273740-2-768x510.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S45_S53_S-63_51273740-2-1536x1020.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S45_S53_S-63_51273740-2-2048x1360.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">US-Pr\u00e4sident Jimmy Carter bei einer Pressekonferenz vor einer Solaranlage auf dem Dach des Wei\u00dfen \u00adHauses, Washington D.C., USA, 20. Juni 1979<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Der Aufbruch in die Konsumgesellschaft<\/strong><br>Wie tiefgreifend sich der Alltag nach den 1950er Jahren ver\u00e4nderte, zeigt ein Blick auf die Lebensweise im gebeutelten Nachkriegsdeutschland und anderswo in Europa. Die meisten Haushalte konnten sich nur Nahrungsmittel, Kleider und einige Genussmittel leisten. 1950 hatte ein Facharbeiter f\u00fcnf Stunden zu arbeiten, um zehn Liter Benzin zu tanken, weshalb auch Kleinstwagen die Stra\u00dfen bev\u00f6lkerten. Unerschwinglich waren Flugreisen.<br><br>Fr\u00fch erkannte der Kulturkritiker Vance Packard die Zeichen der neuen Zeit. \u201eIn seiner ganzen Geschichte hat der Mensch einen oftmals verzweifelten Kampf gegen die \u00admaterielle Not gef\u00fchrt\u201c, schrieb er 1960 in seinem Buch \u201eThe Waste Makers\u201d (dt. Die gro\u00dfe Verschwendung, 1961). Heute bestehe das gro\u00dfe Problem darin, \u201emit einer drohenden \u00dcberf\u00fclle an notwendigen, angenehmen und \u00fcberfl\u00fcssigen Dingen des Lebens fertig zu werden. Sp\u00e4tere Histori\u00adker*innen werden unsere Zeit vielleicht einmal als die \u00c4ra der Verschwendung bezeichnen.\u201c Die lange Wachstumsperiode zog eine Reihe von Konsumanreizen nach sich, die den Alltag grundlegend ver\u00e4nderten. Namentlich spielten sie eine Rolle in mehreren sogenannten Revolutionen: Massenmotorisierung unter Bevorzugung immer gr\u00f6\u00dferer Fahrzeuge, Zersiedelung, Bau von Einkaufszentren auf der gr\u00fcnen Wiese und rekordtiefe Tarife im Luftverkehr, die zu billigen Ferien in \u00dcbersee verlockten.<br><br>Energiesparende Technologien wie die noch in den Kinderschuhen steckende Solarenergie wurden in den 1980er Jahren aufgegeben&nbsp;\u2013 tats\u00e4chlich wurde schon 1958 in den USA ein Solarhaus gebaut, das im Winter etwa zur H\u00e4lfte mit Solarenergie geheizt wurde. Vierzig Jahre Solarforschung sind auf diese Weise verlorengegangen.<br><br>Hinsichtlich eines kontrafaktischen Entwurfs der Umweltgeschichte mit Blick auf die heutige Klimakrise w\u00e4re also ein weiterer Ansatz, nach glaubhaften Entscheidungsmomenten in der Politik- und Wirtschaftsgeschichte zu suchen, an denen die Entwicklung und Nutzung energiesparender Technologien weltweit die Oberhand h\u00e4tte gewinnen k\u00f6nnen. Als Beispiel f\u00fcr einen solchen Moment kann die Amtszeit des demokratischen US-Pr\u00e4sidenten Jimmy Carter gelten. Seit seinem Amtsantritt 1977 f\u00f6rderte er die Entwicklung und Nutzung der Solarenergie&nbsp;\u2013 eine Entwicklung, die mit seiner Abwahl 1981 ein j\u00e4hes Ende nahm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom behaglichen zum bedrohlichen Klimawandel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um 1900 schloss der schwedische Nobelpreistr\u00e4ger Svante Arrhenius, dass die zunehmende Verbrennung von Kohle die Temperatur der Atmosph\u00e4re ansteigen lasse. Eine Verdopplung des CO2, berechnete er, w\u00fcrde die Temperatur der Erde um etwa 5 oder 6&nbsp;\u00b0C anheben, aber bis dahin w\u00fcrden Tausende von Jahren vergehen. Seine Vermutung wurde durch ein bisher wenig bekanntes Ph\u00e4nomen unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel ging seit dem Ende der letzten Eiszeit als Folge von periodischen Ver\u00e4nderungen der Erde bei ihrem Umlauf um die Sonne sehr langsam zur\u00fcck. Dadurch wurde es dort bis ins fr\u00fche 19.&nbsp;Jahrhundert k\u00e4lter. Im Alpenraum trat die Abk\u00fchlung durch weitreichende Vorst\u00f6\u00dfe der Gletscher zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert in Erscheinung, die als \u201eKleine Eiszeit\u201c bezeichnet werden. Der langsame Temperaturanstieg im Gefolge der kohlebefeuerten Industrialisierung wirkte der solaren Abk\u00fchlungstendenz entgegen. Er \u00e4u\u00dferte sich f\u00fcr viele Jahrzehnte in einem R\u00fcckgang der kalten Extreme, was der \u201eKleinen Eiszeit\u201c ein Ende setzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schub in der Nutzung fossiler Energietr\u00e4ger als Folge der \u00d6lschwemme seit den sp\u00e4ten 1950er Jahren ist humangeschichtlich einzigartig. Er zog eine historisch einzigartige rasche Zunahme von Treibhausgasen nach sich (siehe rechts abgebildete Grafik). Dadurch wurde der Mensch zu einer geologischen Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau vom Zeitpunkt der einsetzenden \u00d6lschwemme im Jahre 1958 an wurde die CO2-Konzentration in der Atmosph\u00e4re auf dem Mauna Loa in Hawaii kontinuierlich gemessen. Damit erhielt der Antrieb des Klimawandels ein Gesicht. Es war dies ein gl\u00fccklicher Zufall.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"584\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S46_Mauna-Loa386592095_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8670\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S46_Mauna-Loa386592095_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S46_Mauna-Loa386592095_kleiner-fuer-Web-300x175.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/S46_Mauna-Loa386592095_kleiner-fuer-Web-768x449.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\nMessstation auf dem Mauna Loa der University Corporation for Atmospheric Research, Hawaii, USA<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Zusammenfallen des Beginns der Messungen auf dem Mauna Loa mit dem ungebremsten Verbrauch fossiler Energien kann als Moment historischer Kontingenz gedeutet werden. Ohne diese Messungen w\u00e4re ein Bewusstsein f\u00fcr die Gefahren des menschlichen Einflusses auf das Klima wahrscheinlich noch sp\u00e4ter entstanden. Auf welchem Wege die wissenschaftliche Evidenz dieser Messungen die Menschheit schneller f\u00fcr die Gefahren ihres verschwenderischen Energieverbrauchs h\u00e4tte sensibilisieren k\u00f6nnen, bleibt allerdings offen.<br>Auf den rascheren Anstieg der CO2-Konzentration reagierte die globale Temperatur erst 1989&nbsp;\u2013 also mit 30-j\u00e4hriger Verz\u00f6gerung&nbsp;\u2013 mit einem Sprung auf ein h\u00f6heres Niveau. Dieses ist h\u00f6her als in den vergangenen 2000 Jahren und umfasst erstmals alle Jahreszeiten.<br><br>Die tr\u00e4ge Reaktion des Klimasystems verz\u00f6gerte die Probleml\u00f6sung. Zwar verfolgten Physiker*innen und Klimato\u00adlog*innen die Fieberkurve der Treibhausgase schon fr\u00fch mit steigender Besorgnis. Der deutsche Klimatologe Hermann Flohn schrieb 1981 in der Fachzeitschrift Physikalische Bl\u00e4tter, es gehe \u201eum das Schicksal unserer Kinder und Enkel auf der ganzen Erde\u201c. Aber solange die Bev\u00f6lkerung die Bedrohung nicht am eigenen Leib sp\u00fcrte, fehlte der Politik der n\u00f6tige R\u00fcckhalt, um griffige Ma\u00dfnahmen durchzusetzen. Von den 1990er Jahren an geriet das Klimaproblem zudem in den Hickhack der nationalen und internationalen Politik, wobei die Gegner*innen von Ma\u00dfnahmen vor keinem Mittel zur\u00fcckschreck(t)en, um die Klimawissenschaft zu diskreditieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1590\" height=\"750\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Erderwaermung-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8714\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Erderwaermung-3.jpg 1590w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Erderwaermung-3-300x142.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Erderwaermung-3-1024x483.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Erderwaermung-3-768x362.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Erderwaermung-3-1536x725.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1590px) 100vw, 1590px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">1750 bis 1957 stieg der vorindustrielle Wert von 280 ppm (parts per million) auf 316 ppm, von 1958 bis 2019 auf 415 ppm (2021: 420 ppm). \nBei einer Fortdauer des langsamen CO2-Anstiegs nach 1957 w\u00e4re der Wert von 415 ppm (2019) erst im Jahr 2140 \u00aderreicht worden\n<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Fazit<\/strong><br><br>Von den sp\u00e4ten 1950er Jahren an \u00fcberflutete die mittel\u00f6stliche \u00d6lschwemme den Weltmarkt. Billigstenergie ebnete den Weg zu einer verschwenderischen Lebens- und Wirtschaftsweise. Die klimatischen Folgen haben wir heute \u00adauszubaden. Ein namhaftes Wirtschaftswachstum im Auf\u00adschwung der Nachkriegszeit w\u00e4re auch ohne Billigstenergie m\u00f6glich gewesen, nur in einer weniger verschwenderischen Form. Eine solche Entwicklung h\u00e4tte uns mehr Zeit zur L\u00f6sung der Klimakrise gelassen. Gleiches gilt f\u00fcr ein z\u00fcgi\u00adgeres Umsteigen auf alternative Energietr\u00e4ger ab den 1990er Jahren, ohne die lange und fruchtlose Auseinandersetzung mit Klimaleugner\u00ad*innen.<br><br>Diese verpassten Chancen, wie eine verst\u00e4rkte Nutzung regenerativer Energien und die fr\u00fchzeitige Inangriffnahme von Klimaschutzma\u00dfnahmen, lassen sich in ihren Folgen f\u00fcr die Offenheit der menschlichen Geschichte kaum absch\u00e4tzen. Der Mangel an Zeit engt unsere Handlungsspielr\u00e4ume empfindlich ein. Dennoch bleibt die Geschichte und damit auch die Zukunft der Menschheit offen f\u00fcr Zuf\u00e4lle und vor allem f\u00fcr den bestimmenden Faktor des menschlichen Handelns.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hermann Flohn: Klima\u00e4nderung als Folge der CO2-Zunahme? In: Physikalische Bl\u00e4tter 37 (1981), 7, S.\u2005184\u2013190.<\/p>\n\n\n\n<p>Angus Maddison: Contours of the World \u00adEconomy. 1\u20132030 AD. Oxford 2007.<\/p>\n\n\n\n<p>Raphael Neukom et al.: No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era. In: Nature 571 (2019), 7766, S.\u2005550\u2013554.<\/p>\n\n\n\n<p>Vance Packard: Die gro\u00dfe Verschwendung. D\u00fcsseldorf 1961.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian Pfister und Heinz Wanner: Klima und Gesellschaft in Europa. Die letzten tausend Jahre. Bern 2021.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian Pfister: Das 1950er Syndrom. Die umweltgeschichtliche Epochenschwelle zwischen Industriegesellschaft und Konsumgesellschaft. In: Christian Pfister (Hrsg.): Das 1950er Syndrom. Der Weg in die Konsumgesellschaft. Bern 1995, S.\u200551\u201397.<\/p>\n\n\n\n<p>Vaclav Smil: Energy Transitions. Global and National Perspectives. Santa Barbara 2017.<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Yergin: The Prize. The Epic Quest for Oil, Money &amp; Power. New York 2008.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Prim\u00e4renergie werden die in der Natur vorkommenden Energierohstoffe, etwa Holz oder Roh\u00f6l, sowie nat\u00fcrliche Energiequellen vor ihrer Umwandlung in Endenergie wie Strom oder Benzin verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Energie ist die zentrale Kraft, die Prozesse in der materiellen Welt antreibt. Der aus der Physik stammende Begriff wurde in den 1970er Jahren in die Alltagssprache \u00fcbernommen. Er ist im Sinne von Energiedienstleistungen wie Nahrung, Heizung, Transport, Kommunikation und mechanische Arbeit zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der medizinische Begriff Syndrom bezeichnet im \u00fcbertragenen Sinn ein Zusammenwirken von Erscheinungen, die einem Ph\u00e4nomen zugrunde liegen.<\/p>\n\n\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\u00a0<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Christian Pfister<\/h4>\n<p style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Christian Pfister ist emeritierter Professor der Universit\u00e4t Bern. Er gilt als Mitbegr\u00fcnder des geschichtswissenschaftlichen Zweiges der Umwelt- und Klimageschichte, der historische Forschung und Naturwissenschaft miteinander verbindet. Heute arbeitet er am Oeschger-\u00adZentrum f\u00fcr Klimaforschung. Im folgenden Artikel gibt er einen \u00dcberblick \u00fcber die Ursachen, den Verlauf und die Entscheidungsmomente der globalen Klimakrise.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Die Geschichte der Klimakrise: offen oder unvermeidbar?<span><\/h2>\n<p>Einleitend seien einige \u00dcberlegungen zur Offenheit von Geschichte im Falle der Klimakrise angestellt. Offen ist die Geschichte vor allem dann, wenn es um menschliches Handeln oder Nichthandeln geht. Z\u00e4suren in der politischen Geschichte orientieren sich an Ereignissen, die hohe Wellen schlugen und die Weichen f\u00fcr die Zukunft stellten, wie die Entstehung des deutschen Kaiserreichs, die beiden Weltkriege und der Fall der Berliner Mauer. Die Klimageschichte der letzten 170 Jahre beruht dagegen auf der schleichenden Ver\u00e4nderung der materiell-energetischen Struktur der Atmosph\u00e4re durch die Nutzung fossiler Energietr\u00e4ger. Diese Ver\u00e4nderung folgt einer naturgesetzlich begr\u00fcndeten Kausalit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":8658,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[701],"tags":[560,2807,2803],"class_list":["post-8652","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne","tag-klimawandel","tag-umwelt-de","tag-umweltgeschichte"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8652"}],"version-history":[{"count":34,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8730,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8652\/revisions\/8730"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8658"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}