
{"id":9013,"date":"2024-09-25T12:21:25","date_gmt":"2024-09-25T10:21:25","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=9013"},"modified":"2024-12-18T10:08:42","modified_gmt":"2024-12-18T09:08:42","slug":"von-der-idee-zur-umsetzung-interview-mit-mathias-lang","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2024\/09\/25\/von-der-idee-zur-umsetzung-interview-mit-mathias-lang\/","title":{"rendered":"Von der Idee zur Umsetzung \u2013 Interview mit Mathias Lang"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Von der Idee zur Umsetzung \u2013 Interview mit Mathias Lang<\/h1>\n\n\n\n<p>25. September 2024<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit der Ausstellung <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/rein-ins-gemaelde-eine-zeitreise-fuer-kinder\/\">\u201eRein ins Gem\u00e4lde! Eine Zeitreise f\u00fcr Kinder\u201c<\/a> zeigt das Deutsche Historische Museum erstmals eine inklusiv gestaltete Ausstellung f\u00fcr Kinder im Grundschulalter. Ausgehend von dem Monatsbild \u201eJanuar \u2013 Februar \u2013 M\u00e4rz\u201c, das zu dem ber\u00fchmten Jahreszeiten-Zyklus der sogenannten \u201eAugsburger Monatsbilder\u201c aus dem 16. Jahrhundert und zu den bedeutendsten Kunstwerken der Sammlungen des DHM geh\u00f6rt, entfalten sich die Lebenswelten vor 500 Jahren wie eine begehbare 3D-Kulisse. Auf dem Gem\u00e4lde abgebildete Menschen treten in den Ausstellungsraum und werden zu historischen Erz\u00e4hlfiguren, die zum gemeinsamen Erforschen und Erleben einladen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit dieser <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/blog\/tag\/von-der-idee-zur-umsetzung\/\">Interviewreihe<\/a> m\u00f6chten wir die Personen und Teams vorstellen, die mit ihren Ideen und ihrer Expertise die Ausstellung erst m\u00f6glich gemacht haben.<\/strong> <strong>In diesem Beitrag spricht Gem\u00e4lderestaurator Mathias Lang \u00fcber die umfangreichen Restaurierungsarbeiten an dem zentralen Element der Ausstellung \u2013 dem sogenannten Augsburger Monatsbild \u201eJanuar \u2013 Februar \u2013 M\u00e4rz\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\"><em>\u201eBesonders die vielen winzigen Figuren, Menschen und Tiere, die \u00fcber die Gem\u00e4lde verteilt vorkommen, sind gekonnt, wie einfach aus dem Handgelenkt, pr\u00e4zise und schwungvoll in nur wenigen Pinselstrichen aufgemalt.\u201c<\/em><br><em>Mathias Lang, Gem\u00e4lderestaurator im DHM<\/em><\/mark><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eines der Augsburger Monatsbilder \u2013 ein Highlight der DHM-Sammlung. Sie haben sich in den vergangenen Jahren als Restaurator intensiv mit den Gem\u00e4lden besch\u00e4ftigt, mit seinen Inhalten, aber vor allem mit der k\u00fcnstlerischen Ausf\u00fchrung. Was ist f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich das Besondere an diesen Bildern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bilder waren, als sie nach ihrem Ankauf in den 1990er Jahren ins Haus kamen, J\u00f6rg Breu d. \u00c4. zu geschrieben. Nach eingehender Recherche und Bildvergleichen kann dies heute ausgeschlossen werden. Die Monatsbilder sind nicht von gleicher malerischer Qualit\u00e4t, die bei Breu hochkar\u00e4tig ist. Bei den Bildern aus der DHM-Sammlung handelt es sich um eine andere Malweise, die sehr \u201eeffizient\u201c und damit anzunehmender Weise relativ schnell ausgef\u00fchrt wurden. Es ist davon auszugehen, dass mehrere Maler mit unterschiedlichen Themen beauftragt waren. So z.B. f\u00fcr die Landschaften, f\u00fcr die Figuren und Gesichter. Auch hier gibt es aber qualitative Unterschiede und voneinander stilistisch abweichende Auffassungen. Es waren offensichtlich sehr unterschiedlich begabte Maler am Werk. Besonders die vielen winzigen Figuren, Menschen und Tiere, die \u00fcber die Gem\u00e4lde verteilt vorkommen, sind gekonnt, wie einfach aus dem Handgelenk, pr\u00e4zise und schwungvoll in nur wenigen Pinselstrichen aufgemalt. Das geht bei der Gr\u00f6\u00dfe der Gem\u00e4lde unter \u2013 begeistert mich und meine Kolleginnen aber besonders. Das hat zu der Idee von Ferngl\u00e4sern f\u00fcr die Kinder in der Ausstellung gef\u00fchrt, mit denen diese kleinen \u201eMalsch\u00e4tze\u201c auf die Entfernung besser erfahren werden k\u00f6nnen. Solange ich und meine Kolleginnen an den Bildern arbeiten, l\u00e4sst sich immer Neues entdecken, das liebevoll gestaltet ist und auch einen gewissen Humor der Ausf\u00fchrenden aufzeigt. Da gibt es eine miniaturgro\u00dfe Darstellung eines \u201eSch\u00e4ferst\u00fcndchen\u201c, einen Herrn, der sich vermutlich aufgrund zu viel Weingenusses aus einem Fenster heraus erleichtert, und vieles mehr. So werden die Gem\u00e4lde in ihrer Erz\u00e4hlvielfalt und nicht unbedingt aufgrund ihrer k\u00fcnstlerischen Umsetzung zu etwas ganz Besonderem.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"380\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/K1000527-_Vergleich_vor_nach_der_Vergroesserung_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9014\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/K1000527-_Vergleich_vor_nach_der_Vergroesserung_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/K1000527-_Vergleich_vor_nach_der_Vergroesserung_kleiner-fuer-Web-300x114.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/K1000527-_Vergleich_vor_nach_der_Vergroesserung_kleiner-fuer-Web-768x292.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum musste der Gem\u00e4ldezyklus restauriert werden? Welche Ma\u00dfnahmen wurden angewendet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gem\u00e4lde wurden in den 1990er Jahren nach dem Ankauf f\u00fcr eine ausstehende Ausstellung in Augsburg mit dem Namen \u201eKurzweil viel ohn`Ma\u00df und Ziel\u201c restauriert. Sie waren in sehr schlechtem Zustand. \u00dcber die Jahrhunderte sind sie gerollt, geknickt und gefaltet worden. Das hat zu Verlusten von Malerei gef\u00fchrt. Sch\u00e4den wurden innerhalb verschiedener Behandlungsphasen behoben. Fehlende Malerei wurde durch Retuschen und \u00dcbermalungen erg\u00e4nzt. Die Bilder wurden doubliert, d.h. die Leinwand wurde durch eine neue, darauf verklebte verst\u00e4rkt. Die Formate aller Bilder wurden ver\u00e4ndert, indem man sie rundherum abgeschnitten und neue R\u00e4nder durch aufgeklebte Leinwandstreifen geschaffen hatte. Die Restaurierung der Bilder bestand in der Abnahme gedunkelter Firnisschichten (Glanz\u00fcberzug), als auch in der Abnahme alter sich farblich ver\u00e4nderter Retuschen und \u00dcbermalungen. Lose Farbschicht wurde gefestigt. Partien fehlender Malerei wurden damals in Strichtechnik zur\u00fcckhaltend geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorbereitungen zur <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/besuch\/geschichte-geht-weiter\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.dhm.de\/besuch\/geschichte-geht-weiter\/\">neuen st\u00e4ndigen Ausstellung<\/a>&nbsp;erhob jetzt die Frage nach neuen Zierrahmen und wie die Gem\u00e4lde, die bisher ohne passende Zierrahmen nur in Notleisten pr\u00e4sentiert wurden, ausgestellt werden sollten. Da angenommen werden kann, dass sie urspr\u00fcnglich in Wandvert\u00e4felungen pr\u00e4sentiert wurden, wurde anhand zeitgen\u00f6ssischer Vorbilder ein Architekturrahmen der Renaissance entworfen und ausgef\u00fchrt, der ihre vermutete Ausstellung in seiner Form aufgreift. Originale Malerei war \u00fcberall auf Spannkanten erhalten und zu erg\u00e4nzende Bildteile rekonstruierbar. Im Rahmen dieser Ma\u00dfnahmen wurden Bereiche in Strichtechnik erg\u00e4nzter Malerei verfeinert. In einer vorhergehenden Restaurierungskampagne war dies bereits f\u00fcr die unteren Bereiche der Gem\u00e4lde begonnen worden. Dies, sehr zugunsten, jetzt besser wahrzunehmender Bilddetails.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"370\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/K1000527_UV_2024_kleiner-fuer-Web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9015\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/K1000527_UV_2024_kleiner-fuer-Web.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/K1000527_UV_2024_kleiner-fuer-Web-300x111.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/K1000527_UV_2024_kleiner-fuer-Web-768x284.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Erkenntnisse f\u00fcr die Forschung haben sich w\u00e4hrend des Restaurierungsprozesses ergeben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Urheberschaft bleibt offen. Die urspr\u00fcngliche Zuschreibung an J\u00f6rg Breu d. \u00c4.\/und Werkstatt ist nicht zu halten. Aufgrund der Maltechnik und verwendeter Materialien gehen wir davon aus, dass das Gem\u00e4lde nicht, wie fr\u00fcher angenommen, 1531 entstanden ist, sondern eher in der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gem\u00e4lde besitzen den gleichen maltechnischen Aufbau einer wei\u00dfen ersten Grundierung, mit einer folgenden grauen Schicht auf die gemalt wurde. Stilistisch scheinen jeweils zwei Bildpaare besser miteinander vergleichbar. Die Umsetzung von Perspektive und die F\u00fchrung von Licht und Schatten werden besonders im Gem\u00e4lde \u201eJuli-August-September\u201c sehr \u201emodern\u201c und schon fast barock anmutend umgesetzt. Es kann nur die weitere Besch\u00e4ftigung mit der tats\u00e4chlichen Provenienz der Bilder zu mehr Einsicht \u00fcber Urheberschaft und Herkunft f\u00fchren. Dies ist erschwert durch im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rte Archive.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n<p><!-- \/wp:post-content --><\/p>\n<table style=\"height: 291px;\" border=\"0\" width=\"840\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9028 size-medium\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Matthias-Lang-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Matthias-Lang-300x200.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Matthias-Lang-768x512.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Matthias-Lang.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<pre><em>Foto: Thomas Bruns<\/em><\/pre>\n<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Mathias Lang<\/h4>\n<p style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Mathias Lang ist Gem\u00e4lderestaurator im Deutschen Historischen Museum.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Von der Idee zur Umsetzung \u2013 Interview mit Mathias Lang<span><\/h2>\n<p>Mit der Ausstellung \u201eRein ins Gem\u00e4lde! 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