
{"id":9553,"date":"2025-03-06T09:57:30","date_gmt":"2025-03-06T08:57:30","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=9553"},"modified":"2025-03-06T09:57:57","modified_gmt":"2025-03-06T08:57:57","slug":"chauvinismus-im-schafspelz-ein-blick-auf-die-frauen-der-aufklaerung-und-wie-sie-uns-bis-heute-praegen","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2025\/03\/06\/chauvinismus-im-schafspelz-ein-blick-auf-die-frauen-der-aufklaerung-und-wie-sie-uns-bis-heute-praegen\/","title":{"rendered":"Chauvinismus im Schafspelz. Ein Blick auf die Frauen der Aufkl\u00e4rung und wie sie uns bis heute pr\u00e4gen"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Chauvinismus im Schafspelz. Ein Blick auf die Frauen der Aufkl\u00e4rung und wie sie uns bis heute pr\u00e4gen<\/h1>\n\n\n\n<p>Harriet Merrow | 6. M\u00e4rz 2025<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit der Aufkl\u00e4rung verbinden wir die Forderung nach Gleichheit und Emanzipation. Doch galt das auch f\u00fcr Frauen? Die Antwort auf diese Frage ist zwiesp\u00e4ltig: auf der einen Seite ein sich aufgekl\u00e4rt gebender Chauvinismus, auf der anderen Seite starke Frauen, die sich dennoch ihren Platz in der Gesellschaft erk\u00e4mpften. Harriet Merrow, Projektassistentin der Ausstellung <\/strong><a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/was-ist-aufklaerung-fragen-an-das-18-jahrhundert\/\"><strong>\u201eWas ist Aufkl\u00e4rung? Fragen an das 18. Jahrhundert\u201c<\/strong><\/a><strong>, blickt anl\u00e4sslich des Weltfrauentages 2025 auf die verschiedenen Rollen der Frau in dieser Epoche.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung?\u201c stammt aus einer Fu\u00dfnote eines kritischen Beitrags \u00fcber die Zivilehe in der Berlinischen Monatsschrift vom Dezember 1783. Gestellt hatte sie der konservative Theologe Johann Friedrich Z\u00f6llner (1753\u20131804). In seinem Aufsatz \u201eIst es rathsam, das Eheb\u00fcndni\u00df nicht ferner durch die Religion zu sanciren?\u201c warnt der Pfarrer vor dem drohenden Verfall der Sitten, sollte die Ehe zweier Heiratswilligen nicht mehr religi\u00f6s (sondern nur noch zivilrechtlich) geschlossen werden und fragt in einer Fu\u00dfnote: \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung? Diese Frage, die beinahe so wichtig ist, als: was ist Wahrheit, sollte doch wo[h]l beantwortet werden, ehe man aufzukl\u00e4ren anfinge! Und noch habe ich sie nirgends beantwortet gefunden!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorsto\u00df, die Zivilehe einzuf\u00fchren, hatte zum gr\u00f6\u00dften Teil mit dem aufkl\u00e4rerischen Ideal der religi\u00f6sen Toleranz zu tun (bei dieser Eheschlie\u00dfungsform k\u00f6nnten etwa Paare unterschiedlicher Konfessionen oder sogar Religionen heiraten). Den Ehekontrakt als Vertragsschluss <em>vor dem Staat<\/em> zu sehen hatte jedoch auch f\u00fcr die Gattinnen n\u00fctzliche Implikationen. Eine Ehe, die nicht mehr nur \u201evor den Augen Gottes\u201c gekn\u00fcpft wurde, konnte sich auch ohne g\u00f6ttlichen Segen entzweien und bedeutete mehr Scheidungsfreiheit. \u201eGegenseitige Abneigung\u201c oder \u201eNicht-\u00dcbereinstimmung der Charaktere\u201c<a href=\"#_edn1\" id=\"_ednref1\">[i]<\/a> geh\u00f6rten nun zu Trennungsgr\u00fcnden und ein \u201epartnerschaftlicher Umgang\u201c<a href=\"#_edn2\" id=\"_ednref2\">[ii]<\/a> zwischen Eheleuten wurde angestrebt. Sich im 18. Jahrhundert f\u00fcr aufgekl\u00e4rt zu halten hie\u00df auch, mit seiner Auffassung von Eherechten und -pflichten den \u201ehohen zivilisatorischen Standard des Zeitalters\u201c<a href=\"#_edn3\" id=\"_ednref3\">[iii]<\/a> zum Ausdruck zu bringen. Ist die Aufkl\u00e4rung mit ihren Debatten um die Zivilehe also der gro\u00dfe Gleichmacher zwischen den Geschlechtern? Das stimmt so nicht ganz. Die Frau als Ehe- und Lebenspartnerin wurde im bildungsb\u00fcrgerlichen Milieu zwar als \u201ekultivierter\u201c <em>sparring partner<\/em> idealisiert, eine teilweise \u2013 geschweige denn vollkommene \u2013 Gleichberechtigung erlangte sie allerdings nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"814\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0051_Die-gelehrte-Frau_Goettingen-814x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9555\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0051_Die-gelehrte-Frau_Goettingen-814x1024.jpg 814w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0051_Die-gelehrte-Frau_Goettingen-238x300.jpg 238w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0051_Die-gelehrte-Frau_Goettingen-768x967.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0051_Die-gelehrte-Frau_Goettingen-1220x1536.jpg 1220w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0051_Die-gelehrte-Frau_Goettingen.jpg 1589w\" sizes=\"auto, (max-width: 814px) 100vw, 814px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Die gelehrte Frau<\/em> von Johann Heinrich Ramberg, Dresden, 1802 \u00a9 Kunstsammlung der Georg-August-Universit\u00e4t G\u00f6ttingen, Foto: Katharina Anna Haase<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen sahen die bekanntesten Aufkl\u00e4rer die Frau als \u201eau\u00dferhalb der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft m\u00fcndiger, gleichberechtigter B\u00fcrger\u201c<a href=\"#_edn4\" id=\"_ednref4\">[iv]<\/a> stehend; das Ideal der ebenb\u00fcrtigen Gef\u00e4hrtin war performativ und gefiel doch eher in der Theorie. Eine Grundausbildung sollte eine gute Ehefrau erhalten haben, damit sie im Gespr\u00e4ch mithalten und auch mal am\u00fcsieren konnte \u2013 zu weit durften ihre Ambitionen allerdings selten gehen. Im satirischen Kupferstich \u201eDie gelehrte Frau\u201c von Johann Heinrich Ramberg (1763\u20131840) \u00fcbertreibt der K\u00fcnstler augenzwinkernd die Risiken, die eine Ablenkung von Haushalt und Kindeserziehung wohl mit sich bringen w\u00fcrde. Das Beispiel der Zivilehe und der Rolle der Frau in Zeiten der Aufkl\u00e4rung illustriert deutlich ein Spannungsfeld, das diese Epoche mit Blick auf die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau pr\u00e4gt. Man k\u00f6nnte von einem sich aufgekl\u00e4rt gebenden Chauvinismus, einem Chauvinismus im Schafspelz sprechen.Gleichzeitig \u2013 auch das zeichnet die Aufkl\u00e4rung aus \u2013 gibt es Frauen, die sich mit dem Status quo nicht abfinden und sich ihren Platz in der Gesellschaft erk\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellung \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung? Fragen an das 18. Jahrhundert\u201c, die nach Z\u00f6llners mittlerweile weltber\u00fchmter, viel zitierter Fu\u00dfnoten-Frage benannt ist, thematisiert diesen sozialen Kontext, und stellt Frauengeschichten in allen R\u00e4umen der Ausstellung vor. Frauen, die nicht nur zuf\u00e4llige Produkte des 18. Jahrhunderts waren, sondern ohne die die Aufkl\u00e4rung \u201enur unzureichend geschildert und verstanden werden\u201c<a href=\"#_edn5\" id=\"_ednref5\">[v]<\/a> kann. So bildet die Ausstellung auch auf rein struktureller Ebene die Tatsache ab, dass Frauen in diesem philosophischen, von m\u00e4nnlichen Denkern dominierten Zeitalter auf vielf\u00e4ltige Weise ihre Zeichen setzen konnten: Aufkl\u00e4rerische Protagonistinnen findet der\/die Besucher*in nicht nur im Raum \u201eGeschlechtermodelle\u201c, sondern auch in allen weiteren R\u00e4umen, wie etwa \u201eHerrschaft der Vernunft\u201c, \u201eWissenschaft\u201c oder \u201eStaatskunst\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"765\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0054_Dorothea_Erxleben_MLU-Halle-765x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9556\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0054_Dorothea_Erxleben_MLU-Halle-765x1024.jpg 765w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0054_Dorothea_Erxleben_MLU-Halle-224x300.jpg 224w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0054_Dorothea_Erxleben_MLU-Halle-768x1028.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0054_Dorothea_Erxleben_MLU-Halle.jpg 1003w\" sizes=\"auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Portr\u00e4t der Dorothea Christiane Erxleben, der ersten promovierten deutschen \u00c4rztin \u00a9 Public Domain 1.0 \/ Halle, Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaftlich engagierte Frauen, die in \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung?\u201c pr\u00e4sentiert werden, deren Leben allerdings noch viel intensiver erforscht werden m\u00fcssten, sind etwa \u00c9milie du Ch\u00e2telet (1706\u20131749), <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/blog\/2024\/12\/12\/wozu-das-denn-zwei-chemische-zeichnungen-von-marie-lavoisier\/\">Marie-Anne Pierrette Paulze Lavoisier<\/a> (1758\u20131836) oder Dorothea Christiane Erxleben (1715\u20131762). W\u00e4hrend die Marquise du Ch\u00e2telet sich zeit ihres Lebens der Physik Newtons widmete und dessen Werke \u00fcbersetzte, kommentierte und dem franz\u00f6sischen Publikum vermittelte, beteiligte sich Marie-Anne Lavoisier an den chemischen Experimenten ihres 15 Jahre \u00e4lteren Gatten Antoine. Mit ihrer detaillierten Dokumentation der Versuchsanordnungen in seinem Labor und der \u00dcbersetzung wissenschaftlicher Publikationen trug sie auch \u00fcber seinen Tod hinaus entscheidend zur Formulierung der Erkenntnisse und ihrer empirischen \u00dcberpr\u00fcfbarkeit bei. Dorothea Erxleben, die nur in Begleitung eines m\u00e4nnlichen Verwandten Medizin h\u00e4tte studieren d\u00fcrfen, wandte sich 1741 mit ihrer Bitte um einen Studienplatz an Friedrich II. (1712\u20131786). Auf dessen Veranlassung wurde sie an der Reformuniversit\u00e4t in Halle zugelassen. &nbsp;\u00dcber ein Jahrzehnt sp\u00e4ter reichte sie im Alter von 39 Jahren ihre Dissertation ein und wurde somit 1754 zur ersten promovierten Frau Deutschlands.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellung thematisiert auch k\u00fcnstlerisch t\u00e4tige Frauen der Aufkl\u00e4rung, wie etwa die Dichterin Phillis Wheatley (ca. 1753\u20131784), die Autorin <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/blog\/2025\/02\/19\/ein-gespraech-ueber-die-aufklaerung-mit-der-literarischen-aufklaererin-angela-steidele\/\">Luise Gottsched<\/a> (1713\u20131762) oder die Malerin Anna Dorothea Therbusch (1721\u20131782). Der 1773 erschienene Gedichtband der mehrfachdiskriminierten Versklavten Phillis Wheatley machte sie zur ersten Autorin afrikanischer Herkunft in Amerika, die unter ihrem Namen ver\u00f6ffentlicht hat.<a href=\"#_edn6\" id=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Die \u201eGottschedin\u201c publizierte unterdessen schon in der ersten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts mehrere Theaterst\u00fccke unter eigenem Namen. Mehr noch: inzwischen geht die Forschung davon aus, dass einige der Werke ihres Ehemanns Johann Christoph Gottsched (1700-1766) eigentlich von ihr geschrieben wurden \u2013 zum Beispiel etliche Passagen der moralischen Wochenschrift \u201eDie vern\u00fcnftigen Tadlerinnen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"832\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-1060_Selbstbildnis-Therbusch-im-Garten-mit-Familie-1024x832.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9557\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-1060_Selbstbildnis-Therbusch-im-Garten-mit-Familie-1024x832.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-1060_Selbstbildnis-Therbusch-im-Garten-mit-Familie-300x244.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-1060_Selbstbildnis-Therbusch-im-Garten-mit-Familie-768x624.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-1060_Selbstbildnis-Therbusch-im-Garten-mit-Familie-1536x1248.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-1060_Selbstbildnis-Therbusch-im-Garten-mit-Familie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Familienbildnis im Freien<\/em> von Anna Dorothea Therbusch \u00a9 Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Michael Setzpfandt, Berlin<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die k\u00fcnstlerische Laufbahn der Anna Therbusch ist \u2013 gerade f\u00fcr eine Zeit, in der Frauen der Zugang zur Ausbildung an Akademien kaum m\u00f6glich war \u2013 beachtenswert: Die Berliner K\u00fcnstlerin f\u00fchrte sogar Auftr\u00e4ge f\u00fcr den europ\u00e4ischen Adel aus und signierte nach ihrer Aufnahme in die Pariser Acad\u00e9mie Royale 1767 ihre Werke fortan mit \u201ePeintre du Roi de France\u201c , auf Deutsch: \u201eMaler des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Wissenschaft ist es oft der gesellschaftliche Wandel, der eng mit unserem Bild der Aufkl\u00e4rung verkn\u00fcpft ist. Und so ist es kaum verwunderlich, dass die Zeit auch von sozialkritischen, politisch engagierten Denkerinnen gepr\u00e4gt ist. Dazu geh\u00f6ren etwa die franz\u00f6sische Revolution\u00e4rin Olympe de Gouges (1748\u20131793) oder die englische Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft (1759\u20131797). De Gouges setzte sich nicht nur f\u00fcr die gleichen Rechte f\u00fcr Mann und Frau ein, sondern ist auch ein Beispiel einer wei\u00dfen Frau, die in ihren Schriften und Theaterst\u00fccken gegen den Rassismus ihrer Zeit k\u00e4mpfte. Die Einf\u00fchrung eines Scheidungsrechts forderte sie ebenfalls.<a href=\"#_edn7\" id=\"_ednref7\">[vii]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"635\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0427_Wollstonecraft_Vindication-of-the-Rights-of-Women_20005906-635x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9558\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0427_Wollstonecraft_Vindication-of-the-Rights-of-Women_20005906-635x1024.jpg 635w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0427_Wollstonecraft_Vindication-of-the-Rights-of-Women_20005906-186x300.jpg 186w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0427_Wollstonecraft_Vindication-of-the-Rights-of-Women_20005906-768x1239.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0427_Wollstonecraft_Vindication-of-the-Rights-of-Women_20005906-952x1536.jpg 952w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/AK-0427_Wollstonecraft_Vindication-of-the-Rights-of-Women_20005906.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 635px) 100vw, 635px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>A Vindication of the Rights of Woman (Verteidigung der Frauenrechte)<\/em> von Mary Wollstonecraft, London, 1792\u00a9 Deutsches Historisches Museum, Foto: Arne Psille<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mary Wollstonecraft, deren Hauptwerk <em>Die Verteidigung der Frauenrechte<\/em> von 1792 gleich zu Beginn der Ausstellung zitiert wird, sprach sich unterdessen klar gegen die Reduzierung der Frau auf die Rolle der hingebungsvollen Ehegattin aus \u2013 ob mit oder ohne Scheidungsrecht. Die mitunter als Mutter der <em>Frankenstein<\/em>-Autorin Mary Shelley bekannte Philosophin und \u00dcbersetzerin lebte jahrelang unverheiratet mit dem Vater ihres ersten Kindes zusammen. Ihren Einfluss auf die Entwicklung der K\u00e4mpfe um Gleichberechtigung im europ\u00e4ischen Raum erlebte sie wegen ihres fr\u00fchen Todes durch das Kindbettfieber nur im Ansatz. Dabei sollte sie mit ihrer Argumentation f\u00fcr eine die eines Mannes gleichende Vernunftbegabung der Frau Folgegenerationen pr\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frauen der Aufkl\u00e4rung hatten in einer \u00c4ra des Chauvinismus im Schafspelz ein ganz sch\u00f6nes P\u00e4ckchen zu tragen und konnten sich selten darauf verlassen, mit ihrem Schaffen die geb\u00fchrende Aufmerksamkeit zu erlangen. Dank der jahrzehntelangen Forschungsarbeit von (oft explizit feministisch motivierten) Historiker*innen sind ihre Geschichten noch heute nachvollziehbar und bilden Teile des Fundaments der modernen Frauenbewegung, die knapp ein Jahrhundert nach Ausklingen der Aufkl\u00e4rung, im Jahr 1911, die Einf\u00fchrung des Weltfrauentags durch international vernetzte Sozialistinnen hervorbrachte. Eine traurige Ironie besteht darin, dass die beiden L\u00e4nder, Frankreich und England, die mit Wollstonecraft und de Gouges die radikalsten K\u00e4mpferinnen f\u00fcr Frauenrechte hervorgebracht haben, erst vergleichsweise sp\u00e4t das Frauenwahlrecht eingef\u00fchrt haben, n\u00e4mlich 1928 (GB) und 1944 (FR).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[i]<\/a> Buchholz, Stephan: \u201eEhe\u201c, in: Schneiders, Werner (Hrsg.), Lexikon der Aufkl\u00e4rung), M\u00fcnchen 2001: S. 87\u201388.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[ii]<\/a> Stollberg-Rilinger, Barbara: Die Aufkl\u00e4rung, 5. Aufl. Stuttgart 2021: S.147.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[iii]<\/a> Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[iv]<\/a> Meyer, Annette:&nbsp;<em>Die Epoche der Aufkl\u00e4rung<\/em>, 2. Aufl. Berlin 2018: S. 189.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[v]<\/a> Ebd.: S. 188.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[vi]<\/a> Vgl. Bissig, Florian: \u201eEinleitung\u201c, in: Wheatley, Phillis: Nie mehr, Amerika! Gedichte und Briefe. Aus dem Englische von Florian Bissig. Berlin 2023: S. 13.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\" id=\"_edn7\">[vii]<\/a> Vgl. Stokowski, Margarete: \u201eFreiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit\u201c, in: De Gouges, Olympe:&nbsp;<em>Die Rechte der Frau und andere Texte<\/em>: Stuttgart 2022: S. 74\u201375.<\/p>\n\n\n<table style=\"height: 291px;\" border=\"0\" width=\"840\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9549 size-medium\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hariet_Merrow_01-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hariet_Merrow_01-200x300.jpg 200w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hariet_Merrow_01-683x1024.jpg 683w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hariet_Merrow_01-768x1151.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hariet_Merrow_01-1025x1536.jpg 1025w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hariet_Merrow_01-1366x2048.jpg 1366w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Hariet_Merrow_01-scaled.jpg 1708w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Harriet Merrow<\/h4>\n<p style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Harriet Merrow ist die Projektassistentin am Deutschen Historischen Museum f\u00fcr die Ausstellung \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung? Fragen an das 18. Jahrhundert\u201d.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Chauvinismus im Schafspelz. Ein Blick auf die Frauen der Aufkl\u00e4rung und wie sie uns bis heute pr\u00e4gen<span><\/h2>\n<p>Mit der Aufkl\u00e4rung verbinden wir die Forderung nach Gleichheit und Emanzipation. Doch galt das auch f\u00fcr Frauen? Die Antwort auf diese Frage ist zwiesp\u00e4ltig: auf der einen Seite ein sich aufgekl\u00e4rt gebender Chauvinismus, auf der anderen Seite starke Frauen, die sich dennoch ihren Platz in der Gesellschaft erk\u00e4mpften. Harriet Merrow, Projektassistentin der Ausstellung \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung? Fragen an das 18. 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