
{"id":9568,"date":"2025-03-12T11:38:44","date_gmt":"2025-03-12T10:38:44","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=9568"},"modified":"2025-06-04T10:55:06","modified_gmt":"2025-06-04T08:55:06","slug":"privates-und-oeffentliches-sammeln-die-bibliothek-des-reichsgrafen-joachim-von-ortenburg-und-die-sammlungspraxis-der-bibliothek-des-deutschen-historischen-museums","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2025\/03\/12\/privates-und-oeffentliches-sammeln-die-bibliothek-des-reichsgrafen-joachim-von-ortenburg-und-die-sammlungspraxis-der-bibliothek-des-deutschen-historischen-museums\/","title":{"rendered":"Privates und \u00f6ffentliches Sammeln. Die Bibliothek des Reichsgrafen Joachim von Ortenburg und die Sammlungspraxis der Bibliothek des Deutschen Historischen Museums"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Privates und \u00f6ffentliches Sammeln<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Bibliothek des Reichsgrafen Joachim von Ortenburg und die Sammlungspraxis der Bibliothek des Deutschen Historischen Museums<\/h2>\n\n\n\n<p>Dr. Matthias Miller | 12. M\u00e4rz 2025<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/blog\/tag\/sammeln\/\">Blogserie zur Arbeit der Sammlungen<\/a> im Deutschen Historischen Museum (DHM) geht es um zentrale Punkte wie den Entscheidungen f\u00fcr oder gegen die Aufnahme von Objekten, um die unterschiedlichen Wege der Zug\u00e4nge, die sich \u00e4ndernden Forschungsfragen an die Sammlungen, um die Erforschung der Herkunft der Objekte und viele weitere Aspekte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Bibliothek des DHM sammelt und bewahrt Werke, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der deutschen Geschichte und Kultur von zentraler Bedeutung sind. Bibliotheksleiter Matthias Miller erl\u00e4utert die Sammlungspraxis der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/sammlung\/bibliothek\/\">DHM-Bibliothek<\/a> an einem ausgew\u00e4hlten Beispiel.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"762\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-1-Portraet-Joachim-von-Ortenburg-RA-98-1651-Hinterspiegel-762x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9575\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-1-Portraet-Joachim-von-Ortenburg-RA-98-1651-Hinterspiegel-762x1024.jpg 762w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-1-Portraet-Joachim-von-Ortenburg-RA-98-1651-Hinterspiegel-223x300.jpg 223w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-1-Portraet-Joachim-von-Ortenburg-RA-98-1651-Hinterspiegel-768x1032.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-1-Portraet-Joachim-von-Ortenburg-RA-98-1651-Hinterspiegel-1143x1536.jpg 1143w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-1-Portraet-Joachim-von-Ortenburg-RA-98-1651-Hinterspiegel.jpg 1488w\" sizes=\"auto, (max-width: 762px) 100vw, 762px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: Portr\u00e4t Joachim von Ortenburg im Alter von 46 Jahren, 1576 (auf den Hinterspiegel geklebter Kupferstich in DHM-Bibliothek, RA 98\/1651)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der niederbayerische Reichsgraf Joachim von Ortenburg (1530\u20131600) [Abb. 1] war ein begeisterter Sammler von B\u00fcchern. Als er am 19. M\u00e4rz 1600 kinderlos starb, hinterlie\u00df er eine gro\u00dfe Bibliothek von etwa 550\u2013600 B\u00e4nden. Zu diesen geh\u00f6rten zun\u00e4chst solche, die er w\u00e4hrend seines Studiums 1543\u20131545 in Ingolstadt ben\u00f6tigte. Dann solche, die w\u00e4hrend seines Jurastudiums 1545\u20131548 in Padua hinzukamen und sp\u00e4ter B\u00fccher, die sich mit seiner Familiengeschichte, der Geschichte allgemein und der Theologie besch\u00e4ftigten. Als humanistisch gebildeter Adeliger scheute er auch vor Texten auf Latein oder Griechisch nicht zur\u00fcck. Die Sammlung der B\u00fccher erfolgte stets zweckgebunden. Von seinem Vater \u201eerbte\u201c er einen seit 1549 schwelenden Prozess vor dem Reichskammergericht, in dem es um die Frage der Reichsunmittelbarkeit der Grafschaft Ortenburg ging, ob also Ortenburg dem Kaiser direkt oder mittelbar zun\u00e4chst den Herz\u00f6gen von Bayern unterstellt sei. Au\u00dferdem war es Joachim von Ortenburg wichtig, seine Familie vom sogenannten Uradel herzuleiten, also von den Adelsgeschlechtern, die sp\u00e4testens im Jahr 1400 diesem Stand angeh\u00f6rten. Hierf\u00fcr betrieb Joachim von Ortenburg umfangreiche Studien zu seiner Familiengeschichte, die ihn auch veranlassten, ein Buch \u00fcber die franz\u00f6sischen Gro\u00dfhofmeister aus dem Jahr 1555 zu erwerben, in dem sein angeblicher Vorfahre Arnulphe de Artemberg, um 900 Graf von Paris, neben einer Abbildung seines Wappens erw\u00e4hnt wird. Zentrales Anliegen war ihm jedoch die Religion. Wahrscheinlich beeinflusst von seinem Schwager Ulrich Fugger, konvertierte Joachim von Ortenburg 1563 zum Protestantismus und f\u00fchrte diese Glaubensrichtung gem\u00e4\u00df dem seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 geltenden Rechtsprinzip <em>cuius regio, eius religio<\/em> \u2013 wessen Gebiet, dessen Religion \u2013 auch in seiner kleinen Grafschaft ein, was f\u00fcr die Herz\u00f6ge von Bayern nat\u00fcrlich ein Affront war. Ein Geschenk Ulrich Fuggers aus dem Jahr 1561, eine zweib\u00e4ndige Pracht-Bibel in der \u00dcbersetzung Martin Luthers, 1534 von Heinrich Steiner in Augsburg auf Pergament gedruckt, k\u00f6nnte der Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Konfessionswechsel zwei Jahre sp\u00e4ter gewesen sein (DHM-Bibliothek, RA 92\/2968 -1 und RA 92\/2968 -2). [Abb. 2,1 und 2,2] Dies alles wissen wir \u2013 neben archivischen Quellen \u2013 aus Besitzeintr\u00e4gen und anderen Randbemerkungen in den B\u00fcchern von Joachim von Ortenburg, die sich seit 1600 erhalten haben. Das Sammeln von B\u00fcchern hatte f\u00fcr ihn pers\u00f6nlich also nicht nur politische, religi\u00f6se und genealogische Gr\u00fcnde, sondern die B\u00fccher dienten ihm auch als strategische Instrumente in den Konflikten seiner Zeit.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"687\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-21-Ortenburg-Bibel-Bd-1-RA-92_2968-1-Titelblatt-1-687x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9577\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-21-Ortenburg-Bibel-Bd-1-RA-92_2968-1-Titelblatt-1-687x1024.jpg 687w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-21-Ortenburg-Bibel-Bd-1-RA-92_2968-1-Titelblatt-1-201x300.jpg 201w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-21-Ortenburg-Bibel-Bd-1-RA-92_2968-1-Titelblatt-1-768x1145.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-21-Ortenburg-Bibel-Bd-1-RA-92_2968-1-Titelblatt-1-1030x1536.jpg 1030w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-21-Ortenburg-Bibel-Bd-1-RA-92_2968-1-Titelblatt-1.jpg 1341w\" sizes=\"auto, (max-width: 687px) 100vw, 687px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2,1: Biblia, Das ist die gantze heilige Schrifft Deudsch. \u2013 Augsburg: Heinrich Steiner, 1535 (sogenannte Ortenburg-Bibel), Bd. 1, Titelblatt (DHM-Bibliothek, RA 92\/2968 -1)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"576\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-22-Ortenburg-Bibel-Bd-2-RA-92_2968-2-Titelblatt-NT-576x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9578\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-22-Ortenburg-Bibel-Bd-2-RA-92_2968-2-Titelblatt-NT-576x1024.jpg 576w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-22-Ortenburg-Bibel-Bd-2-RA-92_2968-2-Titelblatt-NT-169x300.jpg 169w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-22-Ortenburg-Bibel-Bd-2-RA-92_2968-2-Titelblatt-NT-768x1365.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-22-Ortenburg-Bibel-Bd-2-RA-92_2968-2-Titelblatt-NT-864x1536.jpg 864w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-22-Ortenburg-Bibel-Bd-2-RA-92_2968-2-Titelblatt-NT.jpg 1125w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2,2: Das New Testament. \u2013 Augsburg: Heinrich Steiner, 1535 (sog. Ortenburg-Bibel), Bd. 2, Titelblatt (DHM-Bibliothek, RA 92\/2968 -2)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Heute, Jahrhunderte nach seinem Tod, versucht die Bibliothek des DHM, die wertvollen Best\u00e4nde aus seiner Sammlung, die nach einer Auktion im Jahr 1999 weit verstreut sind, nicht nur virtuell zu rekonstruieren, sondern auch, sofern sie ins Sammlungsprofil passen, real zu erwerben. Dies wirft Fragen auf, wie das Sammeln von B\u00fcchern damals \u2013 im 16. Jahrhundert \u2013 im Vergleich zu den modernen Bestrebungen des DHM, historische Sammlungen zusammenzuf\u00fchren und zu bewahren, verstanden werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sammeln an sich l\u00e4sst sich nach Manfred Sommer (Sammeln. Ein philosophischer Versuch, Frankfurt\/Main, 1999) in zwei Kategorien einteilen: das \u00f6konomische Sammeln (mit dem sp\u00e4teren Verschwinden), wie etwa das Sammeln von Pilzen, sowie das \u00e4sthetische Sammeln (mit dem Ziel des dauerhaften Bewahrens), wie z.B. bei Gem\u00e4lden. Beiden Sammlungen gemein ist, dass sie gezeigt sein wollen: die Pilze vor dem Kochen als Ausdruck des Findergl\u00fccks, die Bilder an heimischen W\u00e4nden als Ausdruck der Kunstbeflissenheit. In welchen Bereich jedoch geh\u00f6ren B\u00fccher? Sind sie Objekte des \u00f6konomischen Sammelns oder des \u00e4sthetischen? Wollen sie gezeigt werden oder sollen sie, nur mit dem Buchr\u00fccken sichtbar, im Regal stehen? Und welche Art des Sammelns ist Auftrag einer Museumsbibliothek wie der des DHM?<\/p>\n\n\n\n<p>Waren die Sammlungspraktiken von Joachim von Ortenburg im 16. Jahrhundert noch stark von seinen politischen und religi\u00f6sen Zielen gepr\u00e4gt, verfolgt die Bibliothek des DHM einen anderen, historisch und kulturell orientierten Ansatz. Das DHM ist das zentrale Geschichtsmuseum in Deutschland und seine Bibliothek dient in erster Linie der wissenschaftlichen Forschung und der kulturellen Bildung. Die Bibliothek des DHM sammelt und bewahrt Werke, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der deutschen Geschichte und Kultur von zentraler Bedeutung sind. Wie erw\u00e4hnt ist es die laufende Bem\u00fchung der DHM-Bibliothek, die verstreuten Best\u00e4nde aus der Bibliothek von Joachim von Ortenburg wieder zusammenzutragen, sei es virtuell oder real. Diese Aufgabe stellt eine spannende Herausforderung dar, denn die B\u00e4nde, die nun weit verstreut sind, repr\u00e4sentieren nicht nur ein bedeutendes kulturelles Erbe, sondern sind auch eine Br\u00fccke zwischen der Sammlungspraxis des 16. Jahrhunderts und der modernen Museumsarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus professioneller Sicht, also aus Sicht derjenigen, die beruflich damit beauftragt sind, eine Sammlung von B\u00fcchern zur deutschen Geschichte zu betreuen und zu erweitern, ist festzustellen, dass das Sammeln und auch das Nichtsammeln von B\u00fcchern zu einem so weiten Gebiet wie der deutschen Geschichte eine enorme Herausforderung darstellt, gerade weil es keine inhaltlichen, zeitlichen oder formalen Einschr\u00e4nkungen gibt. Eine Spezialisierung in der Sammlung ist daher geboten, vor allem, weil dem B\u00fcchersammeln dar\u00fcber hinaus neben \u00f6konomischen Grenzen \u2013 die eigentliche Erwerbung kostet wie die Inventarisierung und die Erschlie\u00dfung der Best\u00e4nde Geld \u2013 auch \u00f6kologische Hindernisse entgegenstehen: B\u00fccher m\u00fcssen transportiert, auf lange Zeit klimatisiert gelagert sowie ggf. restauriert werden, was alles zus\u00e4tzliche Ressourcen verbraucht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"648\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-31-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Titelblatt-648x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9579\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-31-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Titelblatt-648x1024.jpg 648w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-31-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Titelblatt-190x300.jpg 190w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-31-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Titelblatt-768x1213.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-31-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Titelblatt-972x1536.jpg 972w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-31-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Titelblatt.jpg 1266w\" sizes=\"auto, (max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3,1: Raphael Seiler (Hrsg.): Camergerichts Bei- und Endurthail. \u2013 Frankfurt (Main): Martin Lechler, 1572, Teil 1, Titelblatt (DHM-Bibliothek, RA 98\/1651 -1\/2.1)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"409\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-32-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Ortenburg-Urteil-1024x409.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9580\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-32-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Ortenburg-Urteil-1024x409.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-32-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Ortenburg-Urteil-300x120.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-32-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Ortenburg-Urteil-768x306.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-32-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Ortenburg-Urteil-1536x613.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-32-Reichskammergerichtsurteile-RA-98-1651-Ortenburg-Urteil.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3,2: Raphael Seiler (Hrsg.): Camergerichts Bei- und Endurthail. \u2013 Frankfurt (Main): Martin Lechler, 1574, Teil 2, S. 205 (DHM-Bibliothek, RA 98\/1651 -1\/2.2) mit der Bemerkung von Joachim von Ortenburg: <em>Ortenburg Exemption Urtl contra Beyrn<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Aber wo immer es sinnvoll und machbar ist, wird die Bibliothekssammlung um passende Objekte entweder aus inhaltlicher und formaler Sicht oder auch aufgrund einer bedeutenden Herkunft ausgebaut. Und so kam im Jahr 1992 die zu Beginn bereits erw\u00e4hnte sogenannte Ortenburg-Bibel in den Bestand der DHM-Bibliothek und bildete den Auftakt einer kleinen Spezialsammlung innerhalb der gro\u00dfen B\u00fcchersammlung des DHM. Aus der oben erw\u00e4hnten Auktion 1999 hat das DHM einen weiteren Band aus der Ortenburger Bibliothek hinzuerwerben k\u00f6nnen. [Abb. 3,1 und 3,2] Ganz im Sinne des ausgew\u00e4hlten Sammelns, Aussonderns und Neues oder Anderes sammeln, wiederholt sich der Kreislauf bei B\u00fcchern in Privatbesitz und im Handel etwa alle 25\u201330 Jahre. Dies h\u00e4ngt mit der Dauer einer Generation zusammen und der Aufl\u00f6sung von Sammlungen nach dem Tod des Sammlers oder der Sammlerin. Seitdem nun nach 25 Jahren immer mal wieder B\u00e4nde aus der Ortenburger Bibliothek im Handel auftauchen, versucht das DHM (wenn es preislich realisierbar ist), sie f\u00fcr das DHM zu kaufen. Denn die B\u00fccher verraten immer auch etwas \u00fcber den Menschen Joachim von Ortenburg, der sie urspr\u00fcnglich einmal gesammelt hatte. Markant f\u00fcr seine B\u00fccher sind die zahlreichen Besitzeintr\u00e4ge, Unterstreichungen und Randbemerkungen, denn Joachim von Ortenburg hatte immer eine Feder beim Lesen in der Hand und hat sich in seinen B\u00fcchern ausf\u00fchrlich verewigt. Inzwischen besitzt das DHM zwanzig Titel aus seiner Bibliothek, darunter als Erwerbung im Jahr 2024 auch den <em>Catalogue des tres illustres Grandsmaistres de France<\/em> von Jehan Le F\u00e9ron (Paris: Michel de Vascosan, 1555; DHM-Bibliothek, RA 2024\/12), den Band, in dem Joachim von Ortenburg seinen fr\u00fchen Vorfahren Arnulphe de Artemberg mit dem Ortenburger Wappen entdeckt und mit einem Eintrag markiert hat. [Abb. 4,1 und 4,2]<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-41-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-Titelblatt-730x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9581\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-41-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-Titelblatt-730x1024.jpg 730w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-41-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-Titelblatt-214x300.jpg 214w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-41-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-Titelblatt-768x1078.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-41-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-Titelblatt-1094x1536.jpg 1094w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-41-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-Titelblatt.jpg 1425w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 4,1: Jehan le F\u00e9ron: Catalogue des tres illustres Grands-Maistres de France \u2026 \u2013 Paris: Michel de Vascosan, 1555, Titelblatt (DHM-Bibliothek RA 2024\/12)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"721\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-42-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-S-19-721x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9582\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-42-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-S-19-721x1024.jpg 721w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-42-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-S-19-211x300.jpg 211w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-42-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-S-19-768x1091.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-42-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-S-19-1081x1536.jpg 1081w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb-42-Arnulphe-de-Artemberg-RA-2024_12-S-19.jpg 1408w\" sizes=\"auto, (max-width: 721px) 100vw, 721px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb 4,2: Jehan le F\u00e9ron: Catalogue des tres illustres Grands-Maistres de France \u2026 \u2013 Paris: Michel de Vascosan, 1555, S. 19 (DHM-Bibliothek RA 2024\/12)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Joachim von Ortenburg seine Sammlung zeit seines Lebens als pers\u00f6nliche Ressource betrachtete, die er aktiv pflegte und nutzte, erfolgt das Sammeln und Bewahren im DHM heute unter dem Gesichtspunkt des kulturellen Erbes und des historischen Bewahrens. Die R\u00fcckf\u00fchrung von verstreuten Best\u00e4nden aus Ortenburgs Sammlung durch das DHM verdeutlicht den modernen Ansatz des \u201eaktiven Sammelns\u201c: Anstatt einzelne Sammlungsst\u00fccke nur als private Besitzt\u00fcmer zu betrachten, wird heute gro\u00dfer Wert darauf gelegt, historische Sammlungen zu rekonstruieren und zu bewahren, um das kulturelle Erbe einer breiten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das DHM verfolgt hier die langwierige und oft komplexe Arbeit, die nicht nur auf den Erwerb von B\u00fcchern abzielt, sondern auch auf die Wiedervereinigung und den Erhalt einer historischen Sammlung, die durch Versteigerungen und private Verk\u00e4ufe auseinandergerissen wurde. Das Sammeln von B\u00fcchern wird dabei von einem institutionellen Interesse gepr\u00e4gt, das darauf abzielt, Wissen zu bewahren und die historische Bedeutung von Sammlungen und ihrer Provenienzen im Kontext der Geschichte Deutschlands f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen zu sichern. Joachim von Ortenburgs Bibliothek war ein privater und exklusiver Ort, zu dem der Zutritt und die Nutzung auf den Grafen, seine Familie und seine engsten Berater beschr\u00e4nkt war. In der heutigen Zeit sind Bibliotheken wie die des DHM \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich und dienen der wissenschaftlichen und kulturellen Bildung der Gesellschaft. Der Versuch der Rekonstruktion der Bibliothek Joachim von Ortenburgs durch das DHM ist somit auch ein Schritt hin zur breiteren Zug\u00e4nglichkeit und dem Teilen des kulturellen Erbes. In diesem Sinne dient \u00e4sthetisches Sammeln von B\u00fcchern auch dem \u00f6ffentlichen Zeigen und Ausstellen. [Abb. 5]<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"742\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb.-5-Wappen-Ortenburg-RA-16_1595-Vorderspiegel-742x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9583\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb.-5-Wappen-Ortenburg-RA-16_1595-Vorderspiegel-742x1024.jpg 742w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb.-5-Wappen-Ortenburg-RA-16_1595-Vorderspiegel-217x300.jpg 217w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb.-5-Wappen-Ortenburg-RA-16_1595-Vorderspiegel-768x1060.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb.-5-Wappen-Ortenburg-RA-16_1595-Vorderspiegel-1113x1536.jpg 1113w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Abb.-5-Wappen-Ortenburg-RA-16_1595-Vorderspiegel.jpg 1449w\" sizes=\"auto, (max-width: 742px) 100vw, 742px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 5: Wappenexlibris der Reichsgrafschaft Ortenburg (auf den Vorderspiegel geklebter Kupferstich in DHM-Bibliothek, RA 16\/1595)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/sammlung\/bibliothek\/\">Bibliothek des Deutschen Historischen Museums<\/a><br>Zugang: Hinter dem Gie\u00dfhaus 3, 10117 Berlin<br>Mo-Do 9-16 Uhr, Fr 9-13 Uhr<\/p>\n\n\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-6459 size-large\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Matthias_Miller_01_kl-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Matthias_Miller_01_kl-683x1024.jpg 683w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Matthias_Miller_01_kl-200x300.jpg 200w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Matthias_Miller_01_kl-768x1152.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Matthias_Miller_01_kl.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a9 DHM\/Thomas Bruns<\/p>\n<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Matthias Miller<\/h4>\n<\/p>\n<p style=\"color: #000000; padding: 0px 10px 5px 10px;\">Matthias Miller ist Leiter der Bibliothek und der Sammlung Handschriften \/ Alte und wertvolle Drucke am Deutschen Historischen Museum.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Privates und \u00f6ffentliches Sammeln. Die Bibliothek des Reichsgrafen Joachim von Ortenburg und die Sammlungspraxis der Bibliothek des Deutschen Historischen Museums<span><\/h2>\n<p>Im Rahmen der Blogserie zur Arbeit der Sammlungen im Deutschen Historischen Museum (DHM) geht es um zentrale Punkte wie den Entscheidungen f\u00fcr oder gegen die Aufnahme von Objekten, um die unterschiedlichen Wege der Zug\u00e4nge, die sich \u00e4ndernden Forschungsfragen an die Sammlungen, an die Erforschung der Herkunft der Objekte und viele weitere Aspekte. Die Bibliothek des DHM sammelt und bewahrt Werke, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der deutschen Geschichte und Kultur von zentraler Bedeutung sind. Bibliotheksleiter Matthias Miller erl\u00e4utert die Sammlungspraxis der DHM-Bibliothek an einem ausgew\u00e4hlten Beispiel.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":9571,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[180,2935,199],"class_list":["post-9568","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-inside-dhm","tag-bibliothek","tag-sammeln","tag-sammlung"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9568"}],"version-history":[{"count":7,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9568\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9920,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9568\/revisions\/9920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9571"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}