
{"id":965,"date":"2017-06-08T11:07:13","date_gmt":"2017-06-08T09:07:13","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=965"},"modified":"2019-04-16T14:05:14","modified_gmt":"2019-04-16T12:05:14","slug":"jagdlappen","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2017\/06\/08\/jagdlappen\/","title":{"rendered":"Jagdlappen"},"content":{"rendered":"<h1>Jagdlappen<\/h1>\n<p><strong>&#8222;Zum Jagen tragen&#8220; oder &#8222;Durch die Lappen gehen lassen&#8220; \u2013 wussten Sie, dass diese Redewendungen aus dem Bereich der Jagd stammen und viel \u00fcber die deutsche Geschichte des 18. Jahrhunderts erz\u00e4hlen? In unserer Reihe <a href=\"\/blog\/tag\/wozu-das-denn\/\" target=\"_blank\">&#8222;Wozu das denn?&#8220;<\/a> m\u00f6chten wir Sie mit auf eine kleine Geschichtsreise der Jagd nehmen und Ihnen die Redewendungen anhand besonderer Objekte aus unserer <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/?nomobile=1\" target=\"_blank\">Dauerausstellung<\/a> erl\u00e4utern.<\/strong><\/p>\n<h3>F\u00fcrsten, Adlige, Staatsm\u00e4nner: die Faszination der Jagd vom Mittelalter bis heute<\/h3>\n<p>Vom hohen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war die Jagd auf Hoch- und Niederwild das alleinige Recht des Adels und vor allem der F\u00fcrsten. Die Jagdkultur hatte in ganz Europa \u00e4hnliche Auspr\u00e4gungen. Bis heute haben sich Reste davon erhalten, so wurden in der alten Bundesrepublik gro\u00dfe Staatsjagden unter den Ministerpr\u00e4sidenten Franz Josef Strau\u00df oder Ernst Albrecht abgehalten, und im Ostblock waren Leonid Breschnew, Nikola Ceauscescu und Erich Honecker aufgrund ihrer Jagdleidenschaft f\u00fcr die Weiterentwicklung f\u00fcrstlicher Jagden bekannt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst diente die Jagd der Gewinnung von Nahrung, dem &#8222;Wildbret&#8220;, und der Bek\u00e4mpfung von Sch\u00e4dlingen in der Landwirtschaft. Bald jedoch wurde sie zum Gegenstand der h\u00f6fischen Repr\u00e4sentation und zum Ausdruck f\u00fcrstlicher Herrschaft und Souver\u00e4nit\u00e4t. Adel und F\u00fcrsten luden sich gegenseitig zur Jagd ein und wetteiferten dabei im Aufwand. Unz\u00e4hlige Jagdschl\u00f6sser in Deutschland zeugen von der Verbreitung der Jagd und der Berliner Tiergarten verdankt seine Existenz der Tatsache, dass der Hof bei jeder Gelegenheit das Schloss zum Jagen verlie\u00df.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahrhunderte pr\u00e4gten sich unterschiedliche Arten der Jagd aus. Die &#8222;sportlichste&#8220; Variante war die &#8222;Parforcejagd&#8220;, von der noch heute die Parforceheide zwischen dem S\u00fcden Berlins und dem Osten Potsdams zeugt. Zu Pferde und mit Hunden wurde oft stundenlang ein Wild durch die Flur gehetzt. Das Tier hatte dabei eine reelle, &#8222;waidm\u00e4nnische&#8220; Chance zu entkommen und auch der J\u00e4ger konnte verletzt werden oder sein Leben verlieren. Wie der Damensattel in der Dauerausstellung zeigt, nahm auch der weibliche Adel an dieser Jagd teil.<\/p>\n<h3>&#8222;Durch die Lappen gehen&#8220;: Einfluss der Jagd auf die Sprache<\/h3>\n<p>Am anderen Ende der Chancenskala f\u00fcr Wild und J\u00e4ger stand das &#8222;eingestellte Jagen&#8220; \u2013 in Deutschland weit verbreitet und auch &#8222;teutsche Jagd&#8220; genannt \u2013, weil es viel Gelegenheit zur h\u00f6fischen Repr\u00e4sentation in den gr\u00f6\u00dferen und auch kleineren deutschen Staaten gab. In tagelanger Vorbereitung wurde durch die f\u00fcrstlichen Jagdbediensteten daf\u00fcr ein ganzes Waldgebiet umgestaltet. Lappen, Netze und T\u00fccher grenzten ein Areal ab, in das das Wild von unz\u00e4hligen Treibern hinein getrieben wurde. Am Ende stand dann eine Lichtung oder ein freies Feld, auf denen Jagdschirme oder \u00fcberdachte St\u00e4nde errichtet wurden, in denen die f\u00fcrstliche Gesellschaft das Wild erwartete. Hier konnten auch Damen &#8222;zum Jagen getragen&#8220; werden. Treiber, H\u00f6rnerklang und Hundemeute trieben das Wild auf die Lichtung, wo es von der Jagdgesellschaft mit Gewehren erlegt wurde. Auf der Lichtung konnte das Wild dann auch &#8222;waidgerecht aufgebrochen&#8220;, um dann verspeist zu werden, wenn es nicht vorher &#8222;durch die Lappen gegangen&#8220;, also seitlich ausgebrochen und dadurch entkommen war. Das alles gab Gelegenheit f\u00fcr ein h\u00f6fisches Fest. Dabei konnte modern anmutendes Picknickgeschirr, aber auch Weinflaschen in Form von Jagdgewehren verwendet werden, wie in unserer Dauerausstellung zu sehen ist. In unserer Dauerausstellung sind zwei Jagdlappen mit dem Wappen des Grafen von Hanau-Lichtenberg, Johann Reinhard III. (1665\u20131736), zu sehen. Sie geben nicht nur Aufschluss dar\u00fcber, woher die Redewendung &#8222;durch die Lappen gehen&#8220; stammt, sondern zeugen auch von den vielen kleinen deutschen Staaten im 18. Jahrhundert.<\/p>\n<h3>Jagdutensilien als Zeugnisse f\u00fcr Territorialanspr\u00fcche und Erbstreitigkeiten<\/h3>\n<p>Die Grafschaft Hanau-Lichtenberg, gelegen im s\u00fcdlichen Hessen bis hin\u00fcber ins heute franz\u00f6sische Elsass, geh\u00f6rte zu den vielen kleinen selbst\u00e4ndigen, also souver\u00e4nen L\u00e4ndchen, die den Flickenteppich des Heiligen R\u00f6mischen Reiches ausmachten. Sie alle konkurrierten miteinander und liefen st\u00e4ndig Gefahr, von den gr\u00f6\u00dferen Nachbarl\u00e4ndern geschluckt zu werden. Johann Reinhard III. starb als letzter Graf von Hanau-Lichtenberg ohne Erben, und um sein L\u00e4ndchen stritten sich die ungleich gr\u00f6\u00dferen benachbarten Territorien der Landgrafen von Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Im Schloss Kranichstein der Landgrafen von Hessen-Darmstadt, einer der Sieger im Kampf um dieses L\u00e4ndchen, \u00fcberlebte ein ganzer Stapel von Jagdlappen mit dem Wappen der Grafen von Hanau-Lichtenberg. Erworben vom Deutschen Historischen Museum geben sie heute Auskunft \u00fcber die Geschichte des Jagens ebenso wie \u00fcber die deutsche Geschichte des 18. Jahrhunderts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Jagdlappen<span><\/h2>\n<p>&#8222;Zum Jagen tragen&#8220; oder &#8222;Durch die Lappen gehen lassen&#8220; \u2013 wussten Sie, dass diese Redewendungen aus dem Bereich der Jagd stammen und viel \u00fcber die deutsche Geschichte des 18. Jahrhunderts erz\u00e4hlen? In unserer Reihe &#8222;Wozu das denn?&#8220; m\u00f6chten wir Sie mit auf eine kleine Geschichtsreise der Jagd nehmen und Ihnen die Redewendungen anhand besonderer Objekte aus unserer Dauerausstellung erl\u00e4utern.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":967,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1763],"tags":[81,898,75],"class_list":["post-965","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wozu-das-denn","tag-dauerausstellung","tag-jagd","tag-wozu-das-denn"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/965","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=965"}],"version-history":[{"count":4,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/965\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":977,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/965\/revisions\/977"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/967"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=965"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=965"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=965"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}