Film

Betrogen bis zum jüngsten Tag

DDR 1957, R: Kurt Jung-Alsen, 74‘

Freitag, 06. April 2018, 19.00 Uhr

Zeughauskino

Betrogen bis zum jüngsten Tag

DDR 1957, R: Kurt Jung-Alsen, B: Kurt Bortfeldt, K: Walter Fehdmer, D: Rudolf Ulrich, Wolfgang Kieling, Hans-Joachim Martens, Walther Suessenguth, Renate Küster, 74‘ · 35mm

FR 06.04. um 19 Uhr · Einführung: Günter Agde

Eine „unerhörte Begebenheit“ (Goethe) strengsten Zuschnitts: Buchstäblich am Tag vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 töten drei Wehrmachtssoldaten an der deutsch-litauischen Grenze die Tochter ihres Hauptmanns – versehentlich, ein Jagdunfall. Alle wollen das Unglück verschleiern und vertuschen, auch um sich selbst zu retten. Alle wollen Kameraden sein.

Die Verquickung von Gewissensnöten, Karrieredruck, Offiziersdünkel, gesundem Menschenverstand und NS-Ideologie im Zweiten Weltkrieg zeichnete Franz Fühmann (1922–1984) in seiner Novelle Kameraden (1955) nach. Kameraden war eines der frühesten Prosawerke der DDR-Literatur, das sich mit Wahrhaftigkeit und psychologischem Einfühlungsvermögen dem seinerzeit schwierigsten Thema zuwandte – dem Krieg, der nur 10 Jahre zurücklag.

Betrogen bis zum jüngsten Tag folgt konsequent den Intentionen Fühmanns, vermeidet Pathos und Heroisierung ebenso wie Landser-Romantik und Sentimentalität. Er setzt auf die innere Folgerichtigkeit der Story und bleibt ein nuanciertes Kammerspiel voller Spannung. Die herb-faszinierende Poesie des Films, unterstützt von strengem Schwarz-Weiß, ergibt sich aus der Nüchternheit der Erzählweise und aus der darstellerischen Kraft der Schauspieler. Die DEFA-Produktion war für die Filmfestspiele in Cannes 1957 nominiert, konnte aber infolge einer Intervention der Bundesrepublik nur außerhalb des Wettbewerbs gezeigt werden. (ga)

Zurück
Zurück zur Terminübersicht

Ihre Suche lieferte keine passenden Ergebnisse.
Bitte wählen Sie eine andere Kategorie, Schlagwort oder Tag um passende Veranstaltungen zu finden.

zur Terminübersicht