Alexander von Humboldt 1769-1859

Gelehrter, Naturforscher

  • 1769

    14. September: Alexander von Humboldt wird als Sohn des Majors und Kammerherrn Alexander Georg von Humboldt (1720-1779) und dessen Frau Marie-Elisabeth (geb. Colomb, 1741-1796) geboren.

  • 1775-1777

    Er wird auf Schloss Tegel und in Berlin zusammen mit seinem Bruder Wilhelm von dem Pädagogen Joachim Heinrich Campe (1746-1835) erzogen.

  • 1777-1788

    Die Brüder erhalten eine universelle Ausbildung durch Gottlob Johann Kunth (1757-1829) in Geschichte, Deutsch, Mathematik, Latein, Griechisch und Französisch. Ab 1785 werden sie durch Fachlehrer wie Christian Wilhelm von Dohn (Nationalökonom; 1751-1820), Ernst Ferdinand Klein (Jurist; 1743-1810) und Johann Jakob Engel (Philosoph; 1741-1802) gezielt auf ein Universitätsstudium vorbereitet.

  • 1787/88

    Humboldt studiert ein Semester mit seinem Bruder Wilhelm Kameralistik (Wirtschafts-, Finanz- und Verwaltungskunde) an der Universität Frankfurt/Oder. Danach kehrt er nach Berlin zurück und betreibt mit dem Botaniker Karl Ludwig Willdenow (1765-1812) erste Studien.

  • 1789

    25. April: Er immatrikuliert sich an der Universität Göttingen, die als eine der besten ihrer Zeit gilt, für Naturwissenschaften, Mathematik und Sprachen.
    24. September bis Anfang November: In Begleitung des Botanikers Steven Jan van Geuns (1767-1795) unternimmt er seine erste Studienreise von Göttingen über Speyer nach Mainz, dort zu Besuch beim Naturforscher und bekannten Reiseschriftsteller Georg Forster (1754-1794), dann über Köln nach Pempelfort, dort zu Besuch beim Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819) und über Münster zurück nach Göttingen.

  • 1790

    Februar: Humboldt publiziert sein erstes Werk „Mineralogische Beobachtungen über einige Basalte am Rhein“.
    25. März bis Ende Juli: Er beendet sein Studium in Göttingen und begibt sich nach Mainz. Von dort aus tritt er seine erste Forschungsreise in Begleitung von Forster an. Sie reisen über Köln und Brüssel nach Amsterdam und setzen nach England über. In London macht Humboldt die Bekanntschaft mit berühmten Entdeckungsreisenden wie dem Botaniker Joseph Banks (1743-1820), der James Cook (1728-1779) auf seiner ersten Weltumseglung begleitet hat. Diese Eindrücke bestärken Humboldts Pläne für eine Forschungsreise nach Mittel- und Südamerika. Zurück reisen sie über Paris, wo Humboldt Augenzeuge des revolutionären Geschehens wird. Humboldt zeigt sich fasziniert von der Französischen Revolution 1789 und ihrer politischen Ideen.

  • 1790/91

    August bis April: Humboldt studiert an der Handelsakademie von Johann Georg Büsch (1728-1800) in Hamburg.
    14. Juni: Er beginnt sein Studium an der Bergakademie im sächsischen Freiberg.

  • 1792

    Er beendet das Studium an der Bergakademie und kehrt nach Berlin zurück.
    6. März: Humboldt wird zum „Assessor cum vote“ im preußischen Bergdepartment ernannt.
    6. September: Er wird zum Oberbergmeister in den gerade preußisch eingegliederten Gebieten Ansbach und Bayreuth befördert. Darauf unternimmt er eine bergmännisch-halurgische Bildungsreise über Bayreuth, München und Salzburg nach Wien.

  • 1794

    14.-19. Dezember: Er trifft erstmals Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) in Jena, wo sein Bruder Wilhelm wohnt. Sie verbindet von da an eine enge Freundschaft.

  • 1796

    Dezember: Humboldt beginnt mit den Planungen für eine Forschungsreise nach Mittel- und Südamerika und scheidet auf eigenen Wunsch aus dem Bergdienst aus.

  • 1797

    Er intensiviert seinen Kontakt mit Goethe und Friedrich Schiller (1759-1805) und stellt den ersten Band seines Werks „Versuche über die gereizte Muskel- und Nervenfaser“ fertig.

  • 1798

    24. April: Er reist nach Paris und macht die Bekanntschaft mit dem Botaniker Aimé Bonpland (1773-1858), der ebenfalls eine Expedition in ferne Länder plant.

  • 1799

    Humboldts Werke „Versuche über die chemische Zerlegung des Luftkreises“ und „Über die unterirdischen Gasarten“ werden veröffentlicht.     
    Januar bis Mai: Er reist über Barcelona nach Madrid. Dort holt er sich beim spanischen König die Erlaubnis zu einer Forschungsreise durch die spanischen Kolonien in Mittel- und Südamerika ein. 
    5. Juni: Humboldt und Bonpland stechen von La Coruña aus mit der „Pizarro“ in See zu einer fünfjährigen Amerikareise.
    16. Juli: Humboldt erreicht Cumanà (im heutigen Venezuela).
    4. September: Er bricht zu den Missionen der Chaymas auf.
    November: Er reist weiter nach Caracas.

  • 1800

    7. Februar: Von Caracas aus beginnen Humboldt und Bonpland eine Expedition über den Orinoko.
    30. März bis 9. Mai: Über den Orinoko gelangen sie zum Rio Negro. Sie weisen entgegen der damals vorherrschenden Lehrmeinung den Casiquiare als Gabelteilung des Orinoko nach.
    Dezember: Fahrt nach Kuba.

  • 1802

    6. Januar bis 21. Oktober: Im heutigen Ecuador besteigen Humboldt und Bonpland die Vulkane Pichincha sowie den Chimborazo bis ca. 400 Meter unterhalb des Gipfels. Dieser galt damals als der höchste Berg der Welt. Zuvor ist niemals nachgewiesen worden, ob ein Mensch in solche Höhen vorgedrungen ist. Die europäische Öffentlichkeit verfolgt interessiert bis begeistert Humboldts Forschungsreise.    

  • 1804

    29. April bis 19. Mai: Sie setzen über nach Philadelphia in die Vereinigten Staaten. Danach sind sie drei Wochen zu Gast bei Präsident Thomas Jefferson (1743-1826) in Washington. Humboldt und Jefferson teilen ein liberales politisches Weltbild, positionieren sich jedoch unterschiedlich zur Sklaverei, die Humboldt als Tyrannei und widernatürlich versteht.
    9. Juli bis 3. August: Überfahrt von Philadelphia nach Bordeaux. Humboldt begibt sich anschließend nach Paris. Er bringt 60.000 Pflanzenproben von 6.000 Arten mit, von denen fast 2.000 europäischen Botanikern noch unbekannt sind. Die Amerikareise prägt seine künftigen Studien und Forschungen bis zu seinem Lebensende. Bei seiner Rückkehr nach Europa wird er als prominenter Wissenschaftler empfangen. Durch seine Reise zählt er zu den berühmtesten Persönlichkeiten Europas.
    In Paris macht er die Bekanntschaft mit dem späteren Führer des südamerikanischen Unabhängigkeitskampfes Simón Bolívar (1783-1830), der sich während der Kriege gegen die spanische Kolonialherrschaft von 1809 bis 1825 immer wieder auf Humboldts Schriften bezieht und damit zu dessen Popularität in Südamerika (bis heute) beiträgt.

  • 1805

    19. Februar: Humboldt wird zum ordentlichen Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften ernannt. 
    11. März bis Ende Oktober: Er besucht seinen Bruder Wilhelm in Rom, der dort als preußischer Gesandter tätig ist. In Begleitung von Joseph Louis Gay-Lussac (1778-1850) und Leopold von Buch (1774-1853) reist er nach Neapel und besteigt den Vesuv.    
    16. November: Humboldt trifft nach neunjähriger Abwesenheit erstmals wieder in Berlin ein. Dort fühlt er sich jedoch fremd und sehnt sich wieder nach Paris. Sowohl in Berlin als auch in Paris und anderen europäischen Städten ist Humboldt regelmäßig gefeierter Gast bei zahlreichen Salons und gesellschaftlichen Ereignissen.

  • 1805-1834

    Humboldt arbeitet an seinem großen Reisewerk „Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent“, das insgesamt 35 Bände umfasst und dessen erstes Buch 1807 in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Ideen zu einer Geographie der Pflanzen“ verlegt wird. Darin legt er sein neues Verständnis von der Natur als Einheit dar.

  • 1807

    Herbst: Er zieht nach Berlin, um an seinem Reisewerk weiter zu arbeiten und andere Publikationen zu verfassen.    
    November: Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) schickt seinen Bruder Prinz Wilhelm (1783-1851) in Begleitung von Humboldt nach Paris, um mit den Franzosen günstigere Besatzungsbedingungen zu verhandeln, nachdem Napoleon Bonaparte (1769-1821) das preußische Heer 1806 bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen und dann Berlin besetzt hat. Humboldt pflegt zu dieser Zeit nicht nur ein internationales Netzwerk mit zahlreichen bekannten Wissenschaftlern, sondern auch gute Beziehungen zur französischen Elite. Sie finden zwar keinen Kompromiss, aber dennoch gestattet ihm Friedrich Wilhelm III., zu Forschungszwecken in Paris zu bleiben. Humboldts Sympathie für die französische Nation erregt auf preußischer Seite viel Kritik.

  • 1814

    Juni: Die Brüder Humboldt reisen im Gefolge von König Friedrich Wilhelm III. nach London. Alexander von Humboldt baut dort sein gesellschaftliches Netzwerk weiter aus. Er hofft, über diese Kontakte endlich von der Ostindien-Kompanie eine Reiseerlaubnis in die britische Kolonie zu erhalten. Die Möglichkeit, nach Indien zu reisen, bleibt ihm jedoch bis zu seinem Lebensende verwehrt.

  • 1822

    Mitte September: Humboldt begleitet den preußischen König zu einem Kongress nach Verona. Seinen höfischen Verpflichtungen geht er nur ungern nach, aber er benötigt das Gehalt für seine Forschungsarbeiten. Dort trifft er auf den österreichischen Außenminister Klemens Fürst von Metternich (1773-1859), der Humboldts wissenschaftliche Arbeiten bewundert, jedoch dessen politischen Liberalismus ablehnt und stattdessen ein restauratives Weltbild vertritt. Anschließend besucht Humboldt Neapel und besteigt mehrmals den Vesuv.

  • 1827

    14. April: Auf Anordnung des preußischen Königs verlässt Humboldt Paris, hält sich kurz in London auf und installiert dann seinen festen Wohnsitz wieder in Berlin.

  • 1827/28

    Er hält kostenlos seine „Kosmos“-Vorlesungen an der Universität Berlin und in der Singakademie. Sie ziehen erstmals auch Frauen in großer Zahl sowie Zuhörer aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten an und werden zu einer Sensation in der preußischen Hauptstadt. Humboldt vermittelt seinem Publikum in der Vortragsreihe ein „ganzes großes Naturgemälde“, wie seine Schwägerin Caroline von Humboldt (1766-1829) berichtet.

  • 1830-1848

    Humboldt wird nach seiner Rückkehr aus Russland von der preußischen Regierung bis zur Revolution 1848 auf acht diplomatische Missionen nach Paris geschickt, um dem preußischen Königshaus Bericht zu erstatten.

  • 1834

    Humboldt beginnt sein Hauptwerk „Kosmos, Versuch einer physischen Weltbeschreibung“, an dem er bis an sein Lebensende arbeitet. Er setzt sich als Ziel, „die ganze materielle Welt“ in einem großen Werk darzustellen und lässt darin sein gesamtes gesammeltes Wissen einfließen. Seine Korrespondenz nimmt in dieser Zeit noch mehr zu. In seiner Überzeugung, das Wissen ausgetauscht werden muss, schreibt er bis zu seinem Tod ungefähr 50.000 Briefe und empfängt mindestens doppelt so viele.

  • 1839

    Er tritt mit dem damals dreißigjährigen Charles Darwin (1809-1882) in Kontakt, der ein großer Bewunderer von Humboldt ist und ihm sein Reisewerk „Voyage of the Beagle“ widmet.

  • 1840

    8. Dezember: Er wird Mitglied des Preußischen Staatsrates.

  • 1842

    15. Januar bis 17. Februar: Humboldt reist im Gefolge von König Friedrich Wilhelm IV. nach London. Dort treffen Humboldt und Darwin, der gerade an seiner Evolutionstheorie arbeitet, erstmals persönlich aufeinander.

  • 1845

    Er publiziert den ersten Band von „Kosmos“.  Humboldt illustriert nicht nur seine riesige Sammlung, sondern erklärt ihre Zusammenhänge. Er eröffnet seinen Lesern somit eine neue Perspektive auf die Natur. Sein Werk wird schnell zu einem internationalen Bestseller. Weitere Bände folgen 1847, 1850, 1858 und postum 1862.

  • 1848

    März: Die Revolutionswelle in Europa erreicht nun auch Deutschland. Humboldt begrüßt zwar das Streben nach Reformen, lehnt das brutale Vorgehen der Revolutionäre jedoch ab. Nachdem Friedrich Wilhelm IV. Wahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung genehmigt hat, nimmt Humboldt an der Siegesfeier der Revolutionäre teil. Am folgenden Tag läuft er an der Spitze des Trauerzuges der Märzgefallenen mit.

  • 1857

    24. Februar: Er erleidet einen leichten Schlaganfall.

  • 1859

    6. Mai: Alexander von Humboldt stirbt als berühmter, aber – nachdem er fast sein ganzes Vermögen in seine Forschung investiert hat – verarmter Mann in seiner Wohnung in Berlin.
    11. Mai: Er wird im Familiengrab im Park von Tegel beigesetzt.

Josefine Preißler
29. August 2018

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