Asta Nielsen 1881-1972

Schauspielerin

  • 1881

    11. September: Asta Nielsen wird als Tochter des Arbeiters Jens Christian Nielsen und seiner Frau Ida Frederikke (geb. Petersen) in Kopenhagen geboren. Sie wächst unter ärmlichen Verhältnissen in Dänemark und Schweden auf.

  • 1895

    Nachdem ihr Vater gestorben ist, beendet Nielsen die Schule und arbeitet bei einer alten Dame. Ihr Traum ist es, gegen den Willen der strengen Mutter Schauspielerin zu werden. Sie lernt den Autor Peter Jerndorff (1842-1926) kennen, der ihr kostenlos privaten Schauspielunterricht erteilt.

  • 1901

    10. Juli: Geburt der unehelichen Tochter Jesta. Trotz damaliger gesellschaftlicher Vorurteile gegenüber alleinerziehenden Müttern entscheidet sie sich bewußt gegen eine Ehe mit dem Vater des Kindes.

  • 1902-1909

    Nach ihrer Ausbildung bei Peter Jerndorff und Karl Mantzius (1860-1921) an der Schauspielschule des Königlichen Theaters arbeitet sie als Darstellerin am Dagmar-Theater und am Neuen Theater in Kopenhagen sowie bei einer Wanderbühne. Interessante Rollenangebote erhält sie jedoch nur selten.

  • 1910

    Bei ihrer Arbeit am Theater lernt sie den jungen dänischen Regisseur Urban Gad (1879-1947) kennen. Gemeinsam drehen sie ihr Filmdebüt "Abgründe", der einer der ersten Langfilme überhaupt ist und überraschend ein internationaler Erfolg wird.

  • 1911

    Nielsen und Gad drehen zwei weitere Produktionen ("Der schwarze Traum", "Die Ballettänzerin") in Dänemark.
    Exklusivvertrag mit der deutschen Bioscop-Gesellschaft über 24 Filme innerhalb der nächsten drei Jahre. Die Aufführung ihres ersten deutschen Werks "Heißes Blut" wird zunächst wegen offenherziger Ehebruchszenen von der Zensur im Kaiserreich verboten.

  • 1911-1916

    In Berlin spielt Nielsen in einer Vielzahl erfolgreicher Stummfilme mit. In dieser Zeit steigt sie durch ihre zurückhaltende und wenig theatralische, aber dennoch ausdrucksstarke Gestik und Mimik schnell zu einem der ersten europäischen Filmstars auf. Dies wird zusätzlich unterstützt durch eine geschickte Vermarktungsstrategie und offensive Werbekampagne der Produktionsgesellschaft. Sie erhält den Beinamen "Die Duse des Films", bezogen auf den damals populären Theaterstar Eleonora Duse (1858-1924). Vor allem mit der Darstellung der modernen Frau, die sich abseits von gesellschaftlichen Konventionen bewegt und dabei in Konflikte gerät, aber auch mit komischen Rollen gelingt es ihr, das deutsche Kinopublikum zu begeistern.

  • 1912

    Heirat mit Urban Gad, mit dem sie bis zur Scheidung 1918 mehr als 30 gemeinsame Filme dreht.

  • 1916-1918

    Während der letzten Jahre des Ersten Weltkriegs kehrt sie nach Dänemark zurück.

  • 1919

    Heirat mit dem schwedischen Kapitän und Reederssohn Freddy Wingaardh, von dem sie sich 1927 scheiden lässt.

  • ab1919

    Wieder in Berlin, kann sie auch in der Weimarer Republik schnell an ihre vorherigen Erfolge anknüpfen. Nun sind es vor allem Literaturverfilmungen, die ihr internationales Renommee einbringen. Dazu zählen Ernst Lubitschs "Rausch" (1919) nach einem Schauspiel von August Strindberg (1849-1912), Leopold Jessners (1888-1945) "Erdgeist" (1923) nach Frank Wedekind und Franz Ecksteins "Hedda Gabler" (1925) nach Henrik Ibsen (1828-1906).
    Aufgrund ihrer Popularität wird Nielsen zu einer begehrten Werbeikone, die u.a. eine eigene Zigarettenmarke vertreibt.

  • 1920-1922

    Sie verwirklicht die Filme "Hamlet" (1920), "Fräulein Julie" (1921) und "Absturz" (1922) mit ihrer eigenen Produktionsfirma, der ArtFilm GmbH. Vor allem die Inszenierung des Shakespeare-Klassikers "Hamlet", in der Nielsen die Hauptrolle übernimmt, erscheint gewagt, da hier die Handlung insofern geändert wird, daß Hamlet eine als Mann verkleidete dänische Prinzessin ist.

  • ab 1925

    Zu ihren bedeutenden späten Rollen zählen das Straßenmädchen Marie Lechner in "Die freudlose Gasse" (1925) mit Greta Garbo (1905-1990) unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst und eine alternde Prostituierte in Bruno Rahns (1887-1927) "Dirnentragödie" (1927).

  • 1932

    23. Dezember: Nach fast 70 Stummfilmen wird ihr erster und einziger Tonfilm "Unmögliche Liebe" uraufgeführt. Doch da ihr Spiel ganz den Anforderungen des Stummfilms angepaßt ist, endet mit dem Aufkommen der neuen Technik des Tonfilms ihre Filmkarriere. Sie ist fortan nur noch auf Theatertourneen zu sehen.

  • ab 1936

    Nielsen zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und verlagert ihren Wohnsitz endgültig nach Kopenhagen. Angebote des NS-Regimes für eine Filmproduktion und eine Rückkehr nach Deutschland lehnt sie ab.
    In Kopenhagen versucht sie wiederholt, eine Konzession für den Betrieb eines Kinos zu erhalten, was immer wieder abgelehnt wird.

  • 1945/46

    Veröffentlichung ihrer Memoiren "Den tiende Muse" ("Die schweigende Muse": 1961 in Deutschland erschienen), die von der Kritik als literarisches Meisterwerk bezeichnet werden.

  • ab 1946

    Nielsen betätigt sich weiterhin künstlerisch mit dem Schreiben von Zeitungsartikeln, dem Verfassen von über 50 Novellen, in dänischen Radiosendungen und mit dem Erstellen von Stoffcollagen, in denen sie teilweise ihre alten Filmkostüme verarbeitet.

  • 1964

    Der Tod ihres Schwiegersohns und der Selbstmord der Tochter Jesta einige Monate später stürzen sie in tiefe Depressionen.

  • 1968

    Nachdem eine Fernsehproduktion über ihr Leben ihre Erwartungen enttäuscht hat, verfilmt sie selbst als Regisseurin und Produzentin ihre Biographie in der Dokumentation "Asta Nielsen", für die sie auf der Berlinale 1968 geehrt wird.

  • 1970

    Heirat mit dem 70jährigen Kunsthändler Christian Theede, mit dem sie viele Reisen unternimmt und - nach eigener Aussage - die glücklichsten Jahre ihres Lebens verbringt.

  • 1972

    25. Mai: Asta Nielsen stirbt in Frederiksberg nach einem schweren Unfall.

(ch)
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