Carl Diem 1882-1962

Sportwissenschaftler, Sportfunktionär

  • 1882

    24. Juni: Carl Diem wird in Würzburg geboren.
    Nach dem frühen Tod seines Vaters verläßt er die Schule, um zusammen mit seiner Mutter den Lebensunterhalt zu verdienen. Diem wird Lehrling in einer Tuchfabrik. Die Familie zieht schließlich nach Berlin.

  • 1899

    Der begeisterte Freizeitläufer Diem gründet mit dem SC Marcomannia Berlin seine erste Sportvereinigung.

  • 1904

    Diem übernimmt den Posten eines Schriftführers bei der "Deutschen Sportbehörde für Athletik" und gründet den Verband Berliner Athletik-Vereine.

  • 1908

    Er avanciert zum Vorsitzenden der deutschen Zentralbehörde, die danach stärker an erziehungspolitischem Einfluß im Deutschen Kaiserreich gewinnt.

  • 1913

    Diem begründet die Verleihung des "Deutschen Sportabzeichens", das bis heute für besondere athletische Leistungen vergeben wird.

  • 1913-1933

    Als Generalsekretär des "Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen" setzt sich der als nationalkonservativ geltende Funktionär für einen kontinuierlichen Aufbau des nationalen Sportwesens ein.

  • 1920

    Die von Diem konzipierten "Reichsjugendwettkämpfe" finden erstmals in Berlin statt. Sie sind die Vorläufer der heutigen Bundesjugendwettkämpfe.

  • 1921

    Diem versucht als Mitbegründer der "Deutschen Hochschule für Leibesübungen", Sport als akademische Disziplin zu manifestieren. In Anlehnung an den humanistischen Gedanken entwickelt sich "die Bildung der menschlichen Individualität durch den Sport" zum zentralen Bezugspunkt seiner Lehre. Das von ihm propagierte Erziehungsideal trägt aber auch eindeutige sozialdarwinistische Züge.
    Er erhält die Ehrendoktorwürde von der medizinischen Fakultät der Universität Berlin.

  • 1930-1933

    Der Sportwissenschaftler Diem lehrt an der Berliner Universität.

  • 1934

    Bereits kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Diem als "politisch unzuverlässig" eingestuft und offiziell beurlaubt.

  • 1936

    Trotzdem gelingt es ihm, seinen Posten als verantwortlicher Generalsekretär des Organisationskomitees zu behalten und die Olympischen Spiele von Berlin entscheidend zu gestalten. Verschiedene Veränderungen werden aufgrund seiner Veranstaltungskonzeption eingeführt, die die Zeremonie und Inszenierung der traditionellen Sportveranstaltung betreffen. So initiiert er den bis heute üblichen Fackellauf von Griechenland zur jeweiligen Austragungsstätte. Als der wohl bedeutendste Sportfunktionär seiner Zeit fühlt sich der Deutsche als "geistiger Erbe" der Olympischen Idee im Sinne von Pierre de Coubertin (1863-1937), der 1896 die ersten Spiele der Neuzeit in Athen veranstaltet hatte.

  • 1938-1945

    Nach dem internationalen Erfolg der Olympischen Spiele übernimmt Diem die Leitung des Olympischen Instituts in der Reichshauptstadt. Er tritt vor allem als Autor ideologischer und wissenschaftlicher Literatur auf, die zu etwa einem Drittel in nationalsozialistischen Publikationen erscheinen. Während dieser Zeit entsteht sein dreibändiges Werk "Olympische Flamme". Es gilt neben den Filmen von Leni Riefenstahl als wichtiges Zeitdokument nationalsozialistischer Sportpropaganda.

  • 1945

    Er erhält eine Stellung als Lehrbeauftragter an der Universität in Berlin und leitet fortan das "Institut für körperliche Erziehung und Schulhygiene".

  • 1947

    12. April: Diem nimmt mit Hilfe der britischen Militärverwaltung seine Arbeit als erster Rektor der von ihm gegründeten "Deutschen Sporthochschule" in Köln auf. Diese Stellung behält er bis zu seinem Tod.

  • 1949

    Zusammen mit seiner wesentlich jüngeren Frau Lieselott, die ihm später als Rektorin nachfolgt, verfaßt er die Autobiographie "Ein Leben für den Sport".

  • 1953

    Diem wird das Bundesverdienstkreuz verliehen.

  • 1956

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verleiht dem Sportfunktionär Diem den Olympischen Orden.

  • 1962

    17. Dezember: Carl Diem stirbt in Köln.

(rf)
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