Ernst vom Rath 1909-1938

Diplomat

  • 1909

    3. Juni: Ernst vom Rath wird in Frankfurt/Main als Sohn eines höheren Beamten geboren.

  • 1927-1932

    Er studiert Rechtswissenschaften in Frankfurt/Main.

  • 1932

    Mai: Rath legt das erste juristische Staatsexamen ab.
    14. Juli: Er tritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein.

  • 1933

    April: Rath wird Mitglied der Sturmabteilung (SA).

  • 1934

    Das Auswärtige Amt beruft ihn in die juristische Abteilung. Dort durchläuft er eine Diplomatenausbildung.

  • 1935

    Februar: Rath beginnt seine Laufbahn als persönlicher Sekretär seines Onkels Roland Köster (1870-1935), des deutschen Botschafters in Paris.

  • 1936

    24. Juni: Rath besteht die diplomatisch-konsularische Prüfung und wird danach am Generalkonsulat in Kalkutta (Indien) eingesetzt.

  • 1938

    März: Rath muß wegen eines Darmleidens Indien verlassen.
    13. Juli: Er wird an die deutsche Botschaft in Paris versetzt und zum Gesandtschaftsrat I. Klasse ernannt.
    7. November: Rath wird in Paris von dem 17jährigen Juden Herschel Grynszpan angeschossen. Unmittelbar vor dem Attentat hatte Grynszpan in der deutschen Botschaft um Ausreisepapiere nachgesucht. Grynszpan will mit dieser Tat gegen die Zwangsdeportation seiner Eltern und weiterer 15.000 Juden aus Deutschland protestieren. Der Attentäter stellt sich den französischen Behörden und wird in das Jugendgefängnis Fresnes bei Paris überstellt.
    Der schwer verletzte Rath wird ins Spital gebracht. Adolf Hitler sendet seinen Leibarzt Karl Brandt (1904-1948) und den Medizinprofessor Georg Magnus (1883-1942) aus Münster zur medizinischen Versorgung Raths nach Paris. Jeglicher öffentlicher Kontakt zu Rath wird unterbunden.
    8. November: Hitler befördert Rath um drei Stufen zum Botschaftssekretär I. Klasse.
    9. November: Ernst vom Rath erliegt seinen Verletzungen in Paris.
    Am Abend wird Staatssekretär Ernst von Weizsäcker nach Paris geschickt, um die Überführung der Leiche zu organisieren.
    Am 15. Jahrestag des Hitler-Putschs finden überall in Deutschland Kundgebungen und Feierstunden der NSDAP statt. Hitler und Reichspropagandaminister Joseph Goebbels verkünden in ihren Reden in München den "Märtyrertod" von Rath. Sie fordern Vergeltung von den Juden.
    9./10. November: In der Nacht des Novemberpogroms nutzen die Nationalsozialisten das Attentat als Vorwand, um Anschläge gegen Juden und jüdische Einrichtungen durchzuführen.
    11. November: Goebbels rechtfertigt den Pogrom mit der angeblich "berechtigten und verständlichen Empörung des deutschen Volkes über den feigen jüdischen Meuchelmord".
    14./15. November: In feierlicher Form wird Raths Leiche nach Deutschland überführt. Während des Leichenzugs werden Raths Verdienste für Deutschland gewürdigt, der Meuchelmord angeklagt und antisemitische Pogromstimmung geschürt.
    17. November: An dem propagandistisch inszenierten Staatsbegräbnis für Rath in Berlin nehmen Hitler und die gesamte Führung des NS-Regimes teil. Rath wird von den Nationalsozialisten als Märtyrer und "Blutopfer im Kampf des Weltjudentums gegen das Dritte Reich" stilisiert.
    18. November: Er wird in Düsseldorf begraben.

mü/Arnulf Scriba
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