Friedrich Olbricht 1888-1944

Militär

  • 1888

    4. Oktober: Friedrich Olbricht wird als Sohn des Mathematikprofessors Richard Olbricht in Leisnig (Sachsen) geboren.

  • 1907

    Nach dem Abitur wird er Fahnenjunker beim Infanterieregiment 106 in Leipzig.

  • 1914-1918

    Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Regimentsadjutant und Generalstabsoffizier.

  • 1919

    Übernahme in die Reichswehr als Hauptmann.

  • 1923

    Insbesondere nach dem "Hitler-Putsch" steht Olbricht gemeinsam mit Hans Oster, Erwin von Witzleben und Georg Thomas (1890-1946) der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) distanziert gegenüber. Sie befürchten eine Anziehungskraft der NS-Bewegung auf Angehörige des Militärs.

  • 1926

    Berufung als Referent in die Abteilung T 3 (Abteilung Fremde Heere) im Reichswehrministerium.

  • 1933

    Olbricht wird Stabschef der Dresdener Division.

  • 1934

    Während der Mordaktion im Zuge der "Röhm-Affäre" schützt Olbricht einige Männer vor der Erschießung, indem er die bereits Verhafteten mit der Begründung militärpolitischer Aufgaben unter Armeeschutz stellt.

  • 1935

    Ernennung zum Stabschef des in Dresden stationierten IV. Armeekorps.

  • 1938

    Er wird Kommandeur der 24. Infanteriedivision.
    Olbricht fordert erfolglos von führenden Militärs, sich gegenüber Adolf Hitler für die Rehabilitierung des der Homosexualität verdächtigten Oberbefehlshabers des Heeres Werner Freiherr von Fritsch einzusetzen.
    Über seinen Freund Oster erhält Olbricht Kontakt zu Widerstandskreisen um Generaloberst Ludwig Beck. Die "Sudetenkrise" vereinigt verschiedene militärische Oppositionelle. Das Münchner Abkommen beseitigt vorerst die von Hitler provozierte Kriegsgefahr.

  • 1939

    Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs nimmt Olbricht als Divisionskommandeur am Angriff auf Polen teil und wird mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

  • 1940

    15. Februar: Beförderung zum General der Infanterie. Olbricht wird die Leitung des Allgemeinen Heeresamts im Oberkommando der Heeresleitung (OKH) übertragen. Neben der Verantwortung für den gesamten materiellen und personellen Ersatz der Landstreitkräfte übernimmt er damit die Führung der Zentralnachrichtenstelle der Wehrmacht.

  • 1942

    Bei einem Treffen mit Oberst Henning von Tresckow und Carl Friedrich Goerdeler erklärt Olbricht seine Bereitschaft, Vorbereitungen für einen Umsturz zu treffen.

  • 1943

    Er wird zusätzlich zum Leiter des Wehrersatzamts beim Oberkommando der Wehrmacht (OKW) ernannt.
    Olbricht bemüht sich um die Einschleusung Oppositioneller in wichtige militärische Positionen. Er gewinnt Claus Schenk Graf von Stauffenberg und wenig später Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim als Mitarbeiter.
    Nach dem fehlgeschlagenen Versuch, Hitler durch eine Sprengstoffladung an seinem Flugzeug umzubringen, plant Olbricht gemeinsam mit Stauffenberg und Quirnheim unter dem Decknamen " Operation Walküre " einen Umsturz. Die Auslösung des Alarms ist offiziell für eine etwaige Landung der Alliierten oder für einen Aufstandsversuch ausländischer Zwangsarbeiter vorgesehen. Nach dem Attentat auf Hitler sollen der "Walküre"-Alarm ausgelöst und die militärische Macht übernommen werden.

  • 1944

    Olbrichts Vorgesetzter, der Leiter der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres Generaloberst Friedrich Fromm (1888-1945), erhält Kenntnis von den Umsturzplänen. Er duldet die Verschwörung, ohne sie zu unterstützen.
    11. Juli: Da Olbricht die gemeinsame Beseitigung von Hitler, Hermann Göring und Heinrich Himmler fordert, führt Stauffenberg wegen der Abwesenheit Himmlers und Görings das Attentat auf Hitler während eines Besuchs auf dem "Berghof" nicht aus.
    15. Juli: Das geplante Attentat Stauffenbergs muß zum wiederholten Male verschoben werden. Olbricht hatte bereits den "Walküre"-Alarm ausgelöst. Es gelingt, die Operation als Übungsalarm darzustellen.
    20. Juli: Nach dem Attentat Stauffenbergs im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" (Ostpreußen, heute: Polen) erreicht Olbricht in Berlin eine unklare Nachricht, in der weder das Gelingen noch das Fehlschlagen des Attentats mitgeteilt wird. Ein wiederum fälschlicherweise ausgelöster "Walküre"-Alarm wäre nicht mehr zu vertuschen. Daher entschließt sich Olbricht, erst nach dem Eintreffen einer eindeutigen Nachricht zu handeln. Auf das Dringen Quirnheims startet er dennoch einige Stunden später die "Operation Walküre". Olbricht, Beck und Generaloberst a.D. Erich Hoepner sprechen sich gegen den Plan von Hans Bernd Gisevius (1904-1974) aus, Führungskräfte des Militärs und der Schutzstaffel (SS) zu erschießen.
    Fromm verweigert die Zusammenarbeit und wird von den Verschwörern in Berlin verhaftet. Die Nachricht von Hitlers Überleben erreicht Joseph Goebbels, der über den Rundfunk das Scheitern des Staatsstreichs verkünden läßt. Den Nationalsozialisten gelingt die Niederschlagung des Umsturzversuchs.
    Olbricht wird gemeinsam mit Beck, Hoepner, Stauffenberg, Quirnheim und Werner von Haeften von regierungstreuen Einheiten festgesetzt.
    20./21. Juli: Auf Veranlassung Fromms erschießen in der Nacht Angehörige der Wehrmacht Friedrich Olbricht, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim, Werner von Haeften und Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Hof des Bendlerblocks in Berlin. Ludwig Beck wird Gelegenheit zum Selbstmord gegeben. Nach mehreren Fehlschüssen wird er ebenfalls hingerichtet.
    21. Juli: Die Erschossenen werden mit ihren Ehrenzeichen in Uniform bestattet. Himmler ordnet die Exhumierung der Leichen an und veranlaßt deren Verbrennung. Die Asche wird verstreut.

(se)
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