Fritz Koelle 1895-1953

Bildhauer

  • 1895

    10. März: Fritz Koelle wird in Augsburg als Sohn des Fabrikbesitzers Adolf Koelle und dessen Frau Walburga (geb. Graf) geboren.

  • 1909-1912

    Ausbildung als Klempner an der Städtischen Handwerkerschule in Augsburg.

  • 1911

    Koelle besucht an der Fachschule für Edelmetall-Industrie in Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg) Kurse für Gravieren und Ziselieren.

  • 1912

    Er arbeitet als Goldschmied in München.

  • 1913/14

    Koelle besucht die Münchner Staatsschule für angewandte Kunst.

  • 1914

    Im Münchner Glaspalast wird seine erste Plastik ausgestellt.

  • 1914-1917

    Als Freiwilliger dient Koelle im Ersten Weltkrieg. Er wird an der Westfront eingesetzt und erhält verschiedene Tapferkeitsauszeichnungen.

  • 1916

    König Ludwig III. von Bayern (1845-1921) kauft die Plastik "Löwen mit den drei Kugeln".

  • 1917

    Die Stadt München erwirbt Koelles Modell eines Frauenakts.

  • 1917-1923

    Koelle studiert an der Kunstakademie in München.

  • 1920

    Erstmalige Teilnahme an einer Ausstellung der "Münchener Neuen Sezession".
    Im Auftrag der Stadt gestaltet er an der Münchner Reichenbach-Brücke die Muschelkalkfigur des sitzenden Mädchens mit dem Titel "Spiel der Wellen".
    Studienreise nach Dänemark.

  • 1922

    Koelles erste Ausstellung im Münchner Kunstverein.
    Erste von zahlreichen Studienreisen in das Saargebiet. Er begleitet Grubenarbeiter auf deren Schichten und setzt diese Erfahrung künstlerisch um. In seinen vom Realismus geprägten Zeichnungen und Modellen des Tagebaus versucht er, einen festen Typus des Arbeiters herauszustellen. Dieser ist gekennzeichnet durch eine unpathetische wie selbstbewußte Darstellung, deren Form aber nicht ideologisch überhöht ist.

  • 1923

    Koelle wird Mitglied der "Neuen Münchener Secession".

  • 1924

    Das erste von mehreren Selbstbildnissen als Porträtkopf entsteht.

  • 1924-1926

    Auf zwei Studienreisen nach Italien setzt er sich vor allem mit Plastiken aus der Antike und Renaissance auseinander.

  • 1927

    Zusammen mit Käthe Kollwitz nimmt er an einer Kollektivausstellung in der Preußischen Akademie der Künste teil. Kurz darauf erwirbt die Berliner Nationalgalerie seine Plastik "Bergmann vor der Einfahrt".
    Die Stadt München richtet Koelle ein Staatsatelier ein.

  • 1928

    Für seine Studienaufenthalte im Saargebiet wird ihm auf dem Röchling-Werksgelände in Völklingen ein Atelier zur Verfügung gestellt. Er stellt die Büste "Der Walzmeister" her.

  • 1929

    Als Präsident der Preußischen Akademie der Künste schlägt Max Liebermann ihn für eine Professur in Berlin vor. Die Münchner Akademie verspricht Koelle eine ordentliche Berufung, woraufhin dieser den Ruf aus Berlin ablehnt.

  • 1930

    Auf dem Melusinenplatz (heute: Karl-Preis-Platz) in München wird die Bronzeplastik "Der Blockwalzer" aufgestellt.

  • 1933

    Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Koelle wegen seiner Arbeiterskulpturen unter Beobachtung gestellt, die Professur an der Münchner Akademie wird ihm verweigert. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) diffamiert die "Blockwalzer"-Skulptur als Beispiel "bolschewistischer Kunstauffassung". Der Stadtrat beschließt, den "Blockwalzer" zu entfernen.

  • 1934

    Der Stadtratpräsident beantragt Haft für Koelle im Konzentrationslager (KZ) Dachau . Koelle wird neun Tage von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) im Wittelsbacher Palais eingesperrt. Fortan steht er unter polizeilicher Kontrolle, kann jedoch aufgrund seines hohen Ansehens weiterarbeiten.
    Die Plastik "Betender Bergmann" entsteht.

  • 1935

    Anläßlich der Rückgabe des Saargebiets an das Deutsche Reich fertigt Koelle eine Medaille.

  • 1936

    Zusammen mit seinem Freund Georg Kolbe (1877-1947) erhält Koelle öffentliche Aufträge in Berlin. Er schafft für das NS-Regime einen Porträtkopf von Horst Wessel.
    Er geht für kurze Zeit nach England. Obwohl er dort überlegt, ins Exil zu gehen, kehrt er nach Deutschland zurück.

  • 1937

    Koelle richtet sich in Geiselgasteig (bei München) ein Atelier ein, in dem er zeitlebens arbeitet. Er schafft dort die Skulptur "Bergmann".
    Auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München wird sein "Bergarbeiter, sich die Hemdsärmel aufstülpend" gezeigt. Auf den folgenden Ausstellungen im "Haus der Deutschen Kunst" gehören seine Werke zu den wertvollsten Stücken.

  • 1937/38

    Für die Stadt München erschafft er die Plastik "Der Isarflößer".

  • 1938

    Im Auftrag der MAN-Werke stellt er in Augsburg den "Hochofenarbeiter" her, ein Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Werkarbeiter von MAN.

  • nach 1945

    Vergebliche Bemühungen um eine Professur in München und Augsburg. Koelles Arbeiten werden von Kritikern als Anpassung an die Kunsterwartungen des NS-Regimes betrachtet und lösen eine Diskussion über dessen Stellung zum Nationalsozialismus aus.

  • 1946

    Anerkennung als Politischer Verfolgter.
    Interne Ausstellung im Bayerischen Kultusministerium.
    Für einen Denkmalswettbewerb auf dem Gelände des KZ Dachau schafft er die Skulptur "Inferno". Nach Bekanntgabe der geplanten Aufstellung wird durch einen Zeitungsartikel in der "Süddeutschen Zeitung" eine erneute Diskussion um Koelle ausgelöst. Seine Kritiker verhindern eine Berufung an die Münchner Akademie.

  • 1947

    Auf dem Gelände des KZ Dachau wird "Inferno" aufgestellt.

  • 1949

    Koelle folgt einem Ruf als Professor für Plastik an die Staatliche Kunsthochschule in Dresden. Kurz darauf wird er Dekan der Abteilung Plastik.

  • 1950

    Koelle erhält eine Professur mit vollem Lehramt an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee.

  • ab 1951

    Für die Berliner Humboldt-Universität entwirft er sieben Standfiguren für die Hauptattika und stellt kleinformatige Modellfassungen her.

  • 1952

    Eine Büste von Karl Marx entsteht.

  • 1953

    4. August: Fritz Koelle stirbt bei Probstzella auf einer Reise im Interzonenzug München Berlin.

  • 1976

    Seine Plastik "Der Blockwalzer" wird wieder auf dem Karl-Preis-Platz in München aufgestellt.

(ka/mw)
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