Heinrich Wilhelm August Freiherr von Gagern 1799-1880

Jurist, Politiker

  • 1799

    20. August: Heinrich von Gagern wird in Bayreuth als Sohn des Diplomaten und Politikers Hans Christoph Ernst Freiherr von Gagern und dessen Frau Charlotte (geb. Freiin von Gaugreben) als eines von zehn Kindern geboren. Er besucht das Gymnsium Philippinum in Weilburg (Hessen).

  • 1812-1814

    Nach dem Abitur besucht Gagern die Kadettenanstalt in München.

  • 1814-1815

    Eintritt in das 1. Nassauisch-Weilburgische Infanterieregiment als Unterleutnant.
    Teilnahme an den Befreiungskriegen gegen die Napoleonischen Armeen, unter anderem an der Schlacht bei Waterloo.

  • 1816-1820

    Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg, Göttingen, Jena und Genf. Mitglied, Mitbegründer und Vorstand in verschiedenen Burschenschaften.

  • 1818

    Mitbegründer der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft, eines deutschlandweiten Zusammenschlusses von Studentenverbindungen.

  • 1820

    Ablegung des juristischen Staatsexamens.

  • 1821

    Eintritt in den Staatsdienst von Hessen-Darmstadt als Hofgerichtsassessor.

  • 1824

    Er wird Regierungsassessor.

  • 1828

    Heirat mit der aus hessischem Adel stammenden Luise von Pretlack.

  • 1829

    Beförderung zum Regierungsrat.

  • 1830

    Beförderung zum Kammerherr mit leitenden Funktionen im Innen- und Justizministerium.

  • 1832

    Wahl zum Abgeordneten in die zweite Kammer des Landtags von Hessen-Darmstadt, wo er umgehend zum Präsidenten des Finanzausschusses und Führer der bürgerlich-liberalen Abgeordneten aufsteigt.

  • 1833

    Auflösung des Landtags nach Konflikten mit dem Großherzog Ludwig II von Hessen und bei Rhein (1777-1848) um eine Liberalisierung des Verwaltungswesens. Gagern wird aus seinem Amt als Kammerherr entlassen und scheidet frustriert vollständig aus dem Staatsdienst aus.

  • 1834-1836

    Abgeordneter in der zweiten Kammer des Landtags.

  • 1836

    Der Landtag wird wiederum aufgelöst. Gagern zieht sich aus der aktiven Politik zurück, wird Grundbesitzer in Monsheim bei Worms. Präsident eines landwirtschaftlichen Bunds in Rheinhessen.

  • 1839

    Heirat mit der Gutsbesitzertochter Barbara Tillmann.

  • 1847

    8. Mai: Mitbegründer der liberalen Deutschen Zeitung.

  • 1848

    8. Februar: Gagern stellt im Landtag den Antrag auf die Bildung einer Nationalversammlung mit Vertretern aller Staaten und eines gemeinsamen Oberhaupts.
    5. März: Teilnahme an der Heidelberger Versammlung, einem Treffen liberaler und demokratischer Politiker, das den Anstoß für das Frankfurter Vorparlament gibt.
    5. März-31. Mai: Leiter des Staatsministeriums, des Innen- und Außenministeriums der revolutionären hessisch-darmstädtischen Märzregierung.
    31. März-3. April: Teilnahme am Vorparlament in der Frankfurter Paulskirche.
    18. Mai: Eröffnung der Frankfurter Nationalversammlung, an der Gagern als hessischer Repräsentant der liberalen Casino-Fraktion teilnimmt. Am Tag darauf wird er zu dessen Präsidenten ernannt und mehrmals wiedergewählt. In dieser Funktion setzt er sich für ein geeintes Deutschland unter preußischer Führung ein, das Österreich aber nicht ausschließt.
    24. Juni: Gagerns „kühner Griff“: enttäuscht von den deutschen Fürsten, die nicht zu Zugeständnissen an die Nationalversammlung bereit sind, fordert er die verschiedenen Abgeordneten als Kompromiss auf, selbst eine provisorische Zentralgewalt einzusetzen.
    29. Juni: Der von Gagern als kommissarisches Staatsoberhaupt vorgeschlagene österreichische Erzherzog Johann von Österreich (1782-1859) wird zum Reichsverweser gewählt.
    17. Dezember: Vorsitzender Reichsminister des Regierungskabinetts und Außen- sowie Innenminister, dafür Aufgabe des Vorsitzes der Nationalversammlung. Gagern ist ein entschiedener Befürworter der konstitutionellen Monarchie unter preußischer Führung. Zugleich möchte er aber Österreich mit dem vereinigten Deutschland verbunden wissen, was er durch sein Konzept vom „engeren im weiteren Bund“ realisieren will.

  • 1849

    28. März: Mit dem Simon-Gagern-Pakt schmiedet Gagern ein Bündnis zwischen den Liberalen und einer Gruppe von demokratischen Abgeordneten, mit deren Hilfe die Reichsverfassung verabschiedet und der preußische König Friedrich Wilhelm IV (1795-1861) zum deutschen Kaiser gewählt wird.
    3. April: Gagern ist Mitglied der Kaiserdeputation, die Friedrich Wilhelm IV. im Namen der Nationalversammlung die erbliche Kaiserwürde anträgt. Dieser lehnt die Krone ab.
    21. Mai: Da die von Gagern angestrebte deutsche Einigung damit vorerst gescheitert ist, erklärt er seinen Austritt aus der Nationalversammlung, nachdem er schon seine Ämter in der Reichsregierung niedergelegt hat. Er unterstützt weiterhin die preußische Unionspolitik.
    26.-28. Juni: Teilnahme am Nachparlament in Gotha.

  • 1850-1864

    20. März-29.April: Teilnahme am Erfurter Unionsparlament.
    Freiwillige Teilnahme am Schleswig-Holsteinischen Krieg.
    Gagern zieht sich nach Monsheim, 1852 nach Heidelberg zurück und schreibt dort die Biographie seines Bruders Friedrich Freiherr von Gagern. Er distanziert sich von der preußischen reaktionären Politik, vor allem seit dem preußischen Verfassungskonflikt und hofft nun auf die Initiative Österreichs für die Einigung Deutschlands.

  • 1862

    Mitbegründer des Deutschen Reformvereins, der die großdeutsche Lösung propagiert.

  • 1864-1872

    Hessischer Gesandter in Wien.

  • 1868-1872

    Abgeordneter in der zweiten Kammer des hessischen Landtags.

  • 1880

    22. Mai: Heinrich von Gagern stirbt in Darmstadt.

Bianca Hoenig
3. März 2017
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