Jacob Grimm 1785-1863

Philologe

  • 1785

    4. Januar: Jacob Grimm wird in Hanau als Sohn des Justizmanns Philipp Wilhelm Grimm und dessen Frau Dorothea (geb. Zimmer) geboren. Er ist der ältere Bruder von Wilhelm Grimm.

  • 1798-1802

    Grimm besucht das Lyceum Fridericianum in Kassel.

  • 1802-1805

    Er studiert Rechtswissenschaften ohne Abschluss in Marburg. Hier lernt er den Juraprofessor Friedrich Carl von Savigny (1779-1861) kennen und beginnt sich mit der deutschen Sprache, Literatur und Geschichte zu befassen. Über Savigny schließt er Bekanntschaft zu namhaften Vertretern der Romantik.

  • 1805

    Grimm besucht seinen Lehrer Savigny in Paris, um diesem bei seinen literarischen Arbeiten zu helfen. Hier wird ihm eine moderne wissenschaftliche Archivarbeit gelehrt, und er wird an mittelalterliche Handschriften herangeführt.

  • 1806

    Er kehrt nach Kassel zurück und nimmt dort eine Stelle als Verwaltungsbeamter im Sekretariat des Kriegskollegiums an. In Kassel lebt Grimm, für den die Familie - vor allem Bruder Wilhelm - immer ein wichtiger Bezugspunkt seines Lebens bleiben wird, mit seiner Mutter und den Geschwistern zusammen.
    Durch Vermittlung Savignys arbeiten er und sein Bruder Wilhelm anonym an Achim von Arnims (1781-1831) und Clemens Brentanos (1778-1842) Liedersammlung "Des Knaben Wunderhorn" mit.

  • 1807/08

    Nach der Besetzung Kassels durch Napoleon (1769-1821) wird Grimm aufgrund seiner Französischkenntnisse in der Verpflegungskommission für Soldaten eingesetzt. Doch da diese Tätigkeit für ihn lästig und nicht erfüllend ist, kündigt er seine Anstellung und ist ohne festes Einkommen.

  • 1808-1813

    Grimm ist als Vorsteher der Privatbibliothek des Königs Jérôme von Westfalen (1784-1860) auf Schloss Wilhelmhöhe bei Kassel tätig. Weil diese Anstellung nicht besonders zeitintensiv ist, können er und sein Bruder Wilhelm den Bibliotheksbestand für ihre eigenen Studien nutzen.

  • 1809-1813

    Er fungiert als Beisitzer beim Staatsrat des Königsreiches Westfalen in Kassel.

  • 1811

    Grimm gibt seine erste selbständige Schrift "Über den altdeutschen Meistergesang" heraus.

  • 1812

    Die Brüder Grimm veröffentlichen nach fünfjähriger Arbeit den ersten Band ihrer "Kinder- und Hausmärchen" mit einer Auflage von 900 Exemplaren. Durch ihre Märchenkollektion wird der Name Grimm noch zu Lebzeiten der beiden Brüder auch der breiteren Öffentlichkeit ein Begriff. Jedoch wird sich erst ein größerer Absatz einstellen, nachdem die Sammlung in anderen Sprachen übersetzt und mit Bildern versehen worden ist.

  • 1813-1815

    Aufgrund seiner Erfahrung im Staatsdienst ist Grimm als Legationssekretär des kurhessischen Gesandten in Anstellung.

  • 1813-1816

    Zusammen mit seinem Bruder Wilhelm publiziert er die Zeitschrift "Altdeutsche Wälder".

  • 1814

    April: Er wird vom Hessischen Kurfürsten entsandt, um die Rückführung der hessischer Kulturgüter vorzubereiten, die während der französischen Okkupation nach Frankreich gelangt waren.
    September: Grimm nimmt als Gesandtschaftssekretär der hessischen Delegation am Wiener Kongress teil. Den Aufenthalt in Wien nutzt er auch für seine privaten Interessen und befasst sich in der Wiener Bibliothek mit alten Handschriften.
    Er arbeitet an der liberalen Zeitschrift "Der Rheinische Merkur" mit, dem wichtigsten politischen Blatt jener Tage.

  • 1815

    Grimm wird Beauftragter Preußens und reist das dritte Mal nach Paris. Er ist mit der Überwachung der Rückgabe von Handschriften beauftragt.
    Er und sein Bruder Wilhelm publizieren den zweiten Band ihrer "Kinder- und Hausmärchen" mit einer Auflage von 1.100 Stück. Ab 1819 übernimmt Wilhelm Grimm die Alleinverantwortung für die Sammlung.

  • 1816

    Die Brüder Grimm veröffentlichen den ersten Teil der "Deutschen Sagen".

  • 1816-1829

    Er ist seinen persönlichen Interessen gefolgt und als zweiter Bibliothekar der kurfürstlichen Bibliothek in Kassel angestellt.

  • 1818

    Von den Brüdern Grimm wird der zweite der Teil der "Deutschen Sagen" herausgegeben.

  • 1819

    Er bekommt von der Universität Marburg die Ehrendoktorwürde verliehen.
    Grimm publiziert den ersten Teil der "Deutschen Grammatik".

  • 1828

    Er gibt die "Deutschen Rechtsaltertümer" heraus.

  • 1830-1837

    Grimm ist als Professor der Deutschen Sprache und Literatur und zweiter Bibliothekar der Universitätsbibliothek in Göttingen tätig. Die beiden Brüder folgten den Ruf ins im Königreich Hannover, nachdem es zum Herrschaftswechsel im Kurfürstentum Hessen gekommen war und der neue Landesherr, der ihr Wirken nicht schätzte, Grimm und seinem Bruder die Arbeit durch niedere Tätigkeiten erschwert hatte.

  • 1831-1834

    Er ist Mitglied der staatlichen Prüfungskommission für Schulamtskandidaten in Göttingen, wobei er zeitweiliger Vorsitzender ist.

  • 1834

    Er unternimmt eine Studienreise nach Belgien und Frankreich.

  • 1835

    Grimm veröffentlicht die "Deutsche Mythologie".

  • 1837

    Nachdem Ernst August I. neuer König von Hannover geworden ist und die liberale Verfassung aufgehoben hat, fordert er von den Beamten den Eid auf die neue Verfassung. Sieben Göttinger Professoren ("Göttinger Sieben"), zu denen auch die Brüder Grimm zählen, reagieren hierauf mit einer Protestation. Dieser Protest wird von Ernst August I. als Amtsbeugung angesehen und mit einer Amtsenthebung der beteiligten Professoren beantwortet. Jacob wird zusätzlich des Landes verwiesen.
    Jacob kehrt nach Kassel zurück und findet bei seinem jüngeren Bruder Ludwig Emil (1790-1863) Quartier.

  • 1837-1841

    Grimm arbeitet als Privatgelehrter in Kassel.

  • 1838

    Grimm und sein Bruder Wilhelm beginnen mit den Vorbereitungen für das "Deutsche Wörterbuch". Er wird hierbei die Buchstaben A, B, C und F (bis "Frucht") bearbeiten.

  • 1840

    Grimm und sein Bruder werden an die Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin gerufen. Besonders die seit langer Zeit mit den Brüdern freundschaftlich verbundene Bettina von Arnim (1785-1859) empfahl dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die beiden Brüder. Aber auch andere Freunde wie Savigny oder Alexander von Humboldt (1769-1859) setzten sich für die Grimm Brüder ein.

  • 1841-1863

    Er ist in Berlin als Privatgelehrter und ordentlicher Professor tätig. In diesen "Berliner Jahren" arbeiten die beiden Brüder intensiv am "Deutschen Wörterbuch".

  • 1842

    Er bekommt den preußischen Orden "Pour le Mérite" verliehen.

  • 1843/44

    Grimm unternimmt Studienreisen durch Italien und Skandinavien.

  • 1846

    Er wird zum Vorsitzenden der ersten Germanistenversammlung in Frankfurt/Main gewählt.

  • 1847

    Bei der Germanistenversammlung in Lübeck hat Grimm den Vorsitz.

  • 1848

    Er nimmt als Abgeordneter von Mülheim/Ruhr an der nach der Märzrevolution abgehaltenen Nationalversammlung in der Paulskirche teil, wobei er einen Ehrenplatz erhält. Jacob gehört keiner Partei an, was seine doch eher liberal geltende Gesinnung widerspiegelt. Da die Nationalversammlung nur sehr schleppend verlaufen ist und enttäuschend für ihn Ergebnisse geliefert hat, legt er im Oktober sein Mandat nieder und hält sich fortan an aus dem aktiven politischen Leben heraus.
    Er beendet seine Vorlesungstätigkeit an der Universität Berlin und publiziert die "Geschichte der deutschen Sprache".

  • 1854

    Der erste Band des "Deutschen Wörterbuches" wird von Grimm und seinem Bruder veröffentlicht.

  • 1860

    Er gibt den zweiten Band des "Deutschen Wörterbuches" heraus.

  • 1862

    Der dritte Band des "Deutschen Wörterbuches" wird von Grimm publiziert.

  • 1863

    20. September: Jacob Grimm stirbt in Berlin an den Folgen eines Schlaganfalls.

Janette Rau
29. September 2010
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