Johannes Popitz 1884-1945

Jurist, Politiker

  • 1884

    2. Dezember: Johannes Popitz wird in Leipzig als Sohn des Apothekers Heinrich Popitz und dessen Frau Anna (geb. Rudolph) geboren.

  • 1902-1907

    Er studiert in Dessau, Lausanne (Schweiz), Leipzig, Berlin und Halle Rechts- und Staatswissenschaften und schließt sein Studium mit der Promotion ab.

  • 1907-1910

    Popitz ist Regierungsreferendar in Köln.

  • 1910-1913

    Regierungsassessor in Beuthen (Ostschlesien, heute: Polen).

  • 1913

    Assistent am Berliner Oberverwaltungsgericht.

  • 1914-1919

    Referent im preußischen Innenministerium.

  • 1916-1919

    Zugleich ist Popitz auch Referent im Reichsschatzamt.

  • 1918

    Veröffentlichung seines "Kommentars zum Umsatzsteuergesetz".
    Er heiratet Cornalia Slot. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor.

  • 1919

    Januar: Nach der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung wird er Geheimrat im Reichsfinanzministerium.

  • ab 1922

    Popitz ist zudem Honorarprofessor für Steuerrecht und Finanzwirtschaft an der Berliner Universität.
    Er legt einen Entwurf zum "Gesetz von der Anziehungskraft des zentralen Etats" vor. Damit erlangt der parteilose Popitz wissenschaftliche Anerkennung.

  • 1924/25

    Nach der Inflation in der Weimarer Republik gestaltet Popitz die Finanzreform entscheidend mit.

  • 1925-1929

    Er ist Staatssekretär im Reichsfinanzministerium. Unter dem sozialdemokratischen Finanzminister Rudolf Hilferding arbeitet Popitz als Sachverständiger an der Neuordnung des Steuerwesens und der Finanzreform mit.

  • 1928-1944

    Er ist Präsident der "Gesellschaft für Antike Kultur".

  • 1929

    Juni: An den Verhandlungen über den Young-Plan nehmen Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht und der Großindustrielle Albert Vögler teil, nicht aber Mitglieder des Finanzministeriums. Popitz und Hilferding protestieren gegen das Vorgehen Schachts und die im Youngplan festgelegte lange Laufzeit der Reparationen.
    21. Dezember: Wegen politischer Differenzen mit der Reichsregierung werden Popitz und Hilferding in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
    Seiner Tätigkeit als Honorarprofessor geht Popitz weiterhin nach.

  • 1932

    1. November: Popitz wird reaktiviert und im Präsidialkabinett von Kurt von Schleicher Reichsminister ohne Geschäftsbereich sowie in Preußen kommissarischer Finanzminister.
    Er sieht sich selbst als Vertreter des monarchistisch-nationalkonservativen Flügels der Regierung und Verfechter eines dezentralisierten Einheitsstaats mit starker Staatsautorität.

  • 1933

    21. April - Juli 1944: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist Popitz, obwohl nicht Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), preußischer Finanzminister. Er ist der einzige preußische Minister, der nicht zugleich Reichsminister ist.
    Nach eigenen Angaben hofft er, daß ein autoritärer Führerstaat der staatlichen Erneuerung Deutschlands weiterhelfen werde. Er dient Adolf Hitler daher aus voller Überzeugung.

  • 1937

    Ihm wird das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP verliehen.

  • 1938

    Nach dem Novemberpogrom protestiert Popitz mit einem Rücktrittsgesuch gegen die massive Judenverfolgung. Das Gesuch wird abgelehnt.

  • 1938-1940

    Zunehmend wird er im Widerstand gegen das NS-Regime aktiv. In dem Widerstandskreis um Carl Friedrich Goerdeler sowie in der Mittwochsgesellschaft nimmt er an der Vorbereitung von Umsturzplänen gegen Hitler teil.
    Popitz erarbeitet ein "Vorläufiges Staatsgrundgesetz", das nach einem erfolgreichen Sturz Hitlers in Kraft treten soll. Sein Entwurf gilt als rechtskonservativ mit stark autoritären Zügen. Popitz befürwortet die Wiedereinführung der Monarchie.

  • 1939-1944

    Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs versucht Popitz, Verbündete für seine Pläne in der Führung der Wehrmacht und in den Ministerien zu finden. Er hat Kontakt zu Ludwig Beck und zum Kreisauer Kreis.

  • 1943

    Popitz trifft sich zu Geheimgesprächen mit dem Reichsführer der Schutzstaffel (SS) und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler. Er will ihn zu Friedensverhandlungen mit den Westmächten überreden.
    Die Kontakte zu den Machthabern des NS-Regimes und seine Einzelaktionen machen ihn in der Widerstandsbewegung umstritten.
    Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) beginnt mit der Überwachung von Popitz.

  • 1944

    21. Juli: Einen Tag nach dem Attentat auf Hitler wird Popitz in Berlin verhaftet. Er war als Finanz- und Kulturminister der neu einzusetzenden Regierung vorgesehen.
    3. Oktober: Der Volksgerichtshof unter Roland Freisler verurteilt Popitz zum Tode.

  • 1944/45

    In der Haft verfaßt Popitz seinen Lebensbericht.

  • 1945

    2. Februar: Johannes Popitz wird in Berlin-Plötzensee gehängt.

mü/Arnulf Scriba
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