Leo von Caprivi 1831-1899

Militär, Politiker

  • 1831

    24. Februar: Georg Leo von Caprivi wird als Sohn des preußischen Geheimen Obertribunalrats Leopold von Caprivi und dessen Frau Emilie (geb. Köpke) in Charlottenburg bei Berlin geboren.

  • 1849

    Caprivi beginnt die Laufbahn eines Berufsoffiziers im preußischen Heer.

  • 1870

    Im Deutsch-Französischen Krieg ist Caprivi Oberstleutnant und Chef des Generalstabs des X. Armeekorps.

  • 1871

    Abteilungsleiter im preußischen Kriegsministerium.

  • ab 1872

    Kommandeurstellungen in Stettin, Berlin und Metz.

  • 1883

    Caprivi wird als Vizeadmiral und Chef der Kaiserlichen Admiralität zur Marine versetzt und hat wesentlichen Anteil an deren Aufbau. Allerdings ist Caprivi ein Gegner des späteren Baus von hochseetüchtigen Schlachtschiffen und sieht die Aufgabe der deutschen Seestreitkräfte hauptsächlich im defensiven Küsten- und Handelsschutz.

  • 1888

    Caprivi kehrt als Kommandierender General des X. Armeekorps zum Heer zurück.

  • 1890

    20. März: Kaiser Wilhelm II. ernennt Caprivi zum Nachfolger Otto von Bismarcks als Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten. Bismarck selbst hatte ihn als möglichen Kandidaten für seine Nachfolge ins Auge gefasst und steht ihm zunächst wohlwollend gegenüber. Wilhelm II. glaubt in dem Befehl und Gehorsam gewohnten Berufssoldaten einen geeigneten Ausführungsgehilfen für sein "persönliches Regiment" gefunden zu haben.
    Caprivi schlägt in der Außen- und Innenpolitik einen "Neuen Kurs" ein. Das Bismarcksche Bündnissystem mit verdeckten Verträgen nach verschiedenen Seiten hält er für zu riskant und zu unübersichtlich. Caprivi überzeugt daher kurz nach seinem Amtsantritt Wilhelm II., den 1887 von Bismarck ausgehandelten Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht zu verlängern. Parallel bemüht er sich mit Unterzeichnung des Helgoland-Sansibar-Vertrags, die Beziehungen zu Großbritannien enger zu knüpfen. Vertragsbestandteil ist auch ein schmaler Landstreifen in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, der den Zugang zum Sambesi ermöglicht und bis heute nach dem Reichskanzler "Caprivizipfel" genannt wird.
    In der Innenpolitik setzt Caprivi auf Ausgleich und Zusammenarbeit mit allen Parteien, ausgenommen den Sozialdemokraten, die für den gemäßigt konservativen und strikt kaisertreuen Offizier als Gesprächspartner nicht in Frage kommen. Ganz den Intentionen des Kaisers folgend, versucht Caprivi, die Arbeiterschaft durch eine Verbesserung der sozialen Lage nachhaltig an den Staat zu binden und der Sozialdemokratie zu entfremden.
    In der Handelspolitik strebt er mit der Abkehr von den Schutzzöllen eine wirtschaftsliberale Richtung an.

  • ab 1891

    Caprivi schließt eine Reihe von Handelsverträgen u.a. mit Österreich-Ungarn, der Schweiz, Belgien, Italien, Spanien, Rumänien und Serbien, die der Liberalisierung der gegenseitigen Handelsbeziehungen dienen sollen.
    Unter Caprivis Ägide erfolgt die Novellierung der Gewerbeordnung und darin insbesondere die Einführung gesetzlicher Höchstarbeitszeiten, das Verbot der Sonntagsarbeit sowie das Verbot der Fabrikarbeit für Kinder unter 13 Jahren.
    Erhebung in den Grafenstand.

  • 1892

    23. März: Nach dem Scheitern seines Schulgesetzentwurfs, der den Kirchen wieder einen Teil des Einflusses auf die Volksschulen zurückgeben sollte, tritt Caprivi als preußischer Ministerpräsident zurück. Sein Nachfolger wird Botho Graf von Eulenburg (1831-1912).

  • 1893

    Mai: Nach dem Scheitern seiner Gesetzesvorlage zur neuerlichen Erhöhung der Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres löst Caprivi den Reichstag auf. Mit dem neugewählten Reichstag setzt er seine Heeresreform durch, muss aber Konzessionen hinsichtlich der Wehrdienstzeit der Fußtruppen machen, die aus Kostengründen von drei auf zwei Jahre reduziert wird.

  • 1894

    Caprivi schließt einen Handelsvertrag mit Russland und stößt damit auf den erbitterten Widerstand der seit 1893 im Bund der Landwirte (BdL) zusammengeschlossenen Großagrarier. Sie fürchten die Einfuhr des billigeren russischen Getreides. Caprivis Hoffnung, der Handelsvertrag werde eine Art Ersatz für den Rückversicherungsvertrag darstellen, erfüllt sich nicht.
    Als sich Wilhelm II. in seiner Enttäuschung über die ausbleibenden Erfolge der Sozialpolitik hinsichtlich der Schwächung der Sozialdemokratie entschließt, zu einer Politik verschärfter Repression gegenüber der SPD zurückzukehren, kommt es zum Bruch: Caprivi weigert sich, die so genannte Umsturzvorlage des Kaisers einzubringen, da er sicher ist, im Reichstag keine Mehrheit für einen Gesetzesentwurf zu erlangen, der aufgrund seiner weitgefassten Formulierungen eine weitgehende Einschränkung der Versammlungs- und Pressefreiheit bedeutet hätte.
    28. Oktober: Caprivi wird aus dem Amt des Reichskanzlers entlassen. Zu dessen Nachfolger ernennt Wilhelm II. den freikonservativen Politiker Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst.
    Der unverheiratete Caprivi zieht sich auf das Landgut einer Nichte in Skyren bei Crossen an der Oder zurück, wo er die nächsten Jahre zurückgezogen lebt.

  • 1899

    6. Februar: Georg Leo Graf von Caprivi stirbt in Skyren.

Dorlis Blume
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