Napoléon III. 1808-1873

Kaiser der Franzosen

  • 1808

    20. April: Charles Louis Napoléon Bonaparte (gen. Louis Napoléon) wird in Paris als Sohn von Louis Bonaparte, des zeitweiligen Königs von Holland und Bruders Napoléon I., und seiner Frau Hortense de Beauharnais als letztes von drei Kindern geboren.

  • 1815-1817

    Napoléon wird mit seiner Mutter, die Napoléon I. bei dessen Rückkehr aus dem Exil unterstützt hatte, aus Frankreich ausgewiesen. Sie ziehen ohne festen Wohnsitz umher.

  • 1817-1822

    Napoléon lebt mit seiner Mutter im deutschen Exil. Er erhält erst Privatunterricht und geht dann auf das evangelische Gymnasium in Augsburg.

  • Ab 1822

    Die Schweiz gewährt Napoléon und seiner Mutter Asyl. Er besucht die Militärschule in Thun, dient als Artillerieoffizier in der Schweizer Armee und erhält die Schweizer Staatsbürgerschaft.

  • 1831

    Februar: Inspiriert durch die Junirevolution 1830 in Paris, beteiligt er sich mit seinem Bruder Napoléon Louis (1804-1831) an den Aufständen der nationalen Bewegung der "Carbonari" in Mittelitalien.

  • 1832

    Nach dem Tod seines Vetters Napoléon Franz Joseph Karl Bonaparte (1811-1832), Herzog von Reichstadt, gen. Napoléon II., wird Louis Napoléon erster Anwärter auf die französische Kaiserkrone.

  • 1836

    Oktober: Er initiiert in Straßburg einen Putschversuch gegen den französischen König Louis Philippe (1773-1850).
    November: Napoléon wird gefangen genommen, aber von König Louis Philippe unter der Bedingung begnadigt, ins amerikanische Exil zu gehen.

  • 1837

    Als seine Mutter im Sterben liegt, kehrt Napoléon aus den USA in die Schweiz zurück. Frankreich fordert seine Auslieferung, die Schweiz verweigert sie jedoch aufgrund Napoléons Schweizer Staatsbürgerschaft (sog. Napoleonhandel). Napoléon geht ins Londoner Exil und verfasst sein Werk "Idées Napoléoniennes", in dem er seine Idee einer "hierarchischen Demokratie" formuliert.

  • 1840

    August: Zweiter Putschversuch in Boulogne, der ebenfalls scheitert.

  • 1846

    25. Mai: Flucht aus der Haft ins Exil nach London.

  • 1848

    Februar: Die Revolution in Frankreich und die Gründung der Zweiten Republik ermöglichen die Rückkehr Napoléons nach Paris.
    Juni: Wahl in die Nationalversammlung, doch er lehnt das Mandat ab.
    10. Dezember: Er gewinnt mit 74 Prozent die Wahl zum Präsidenten der französischen Republik. Innenpolitisch ungefestigt und missachtet von der Nationalversammlung sucht er Rückhalt bei monarchistischen Kreisen und in außenpolitischen Initiativen.

  • 1849

    Juni: Einmarsch französischer Truppen in Rom, nachdem italienische Revolutionäre anstelle des Kirchenstaates die "Römische Republik" ausgerufen hatten. Napoléon präsentiert sich als Verteidiger des Katholizismus.

  • 1851

    2. Dezember: Napoléon führt kurz vor dem Ende seiner Amtszeit mit Hilfe des Militärs einen lang vorbereiteten und blutigen Staatsstreich durch, entmachtet die Nationalversammlung und nimmt den quasi-monarchistischen Titel "Prince-Président" an. Eine erfolgreiches Plebiszit über eine neue Verfassung verleiht ihm diktatorische Vollmachten.

  • 1852

    2. Dezember: Nach dem gelungenen Plebiszit vom 21. November 1852 lässt sich Napoléon zum erblichen Kaiser der Franzosen ausrufen und nennt sich Napoléon III.. Damit ist die Zweite Republik beendet und das Zweite Kaiserreich beginnt.

  • 1852-1860

    Napoléon gelingt es mit Hilfe von Armee und Kirche, die politische Opposition zu unterdrücken ("Empire autoritaire"): Bonapartisten besetzen die wichtigsten Funktionen, Oppositionelle werden in Strafkolonien ausgewiesen oder verhaftet.

  • 1853

    Napoleon ernennt Georges-Eugène Baron Haussmann (1809-1891) als Präfekt von Paris und beauftragt ihn mit der Neugestaltung der französischen Hauptstadt. Der bis in die 1870er Jahre dauernden und weltweit größten städtebaulichen Modernisierung fällt nahezu das gesamte mittelalterliche Paris zum Opfer.

  • 1854-1856

    Frankreich kämpft im Krimkrieg mit Großbritannien und dem Osmanischen Reich erfolgreich gegen Russland. Die Siege lassen Napoléons Ansehen in Europa steigen. Es gelingt ihm, Frankreich als führende Großmacht auf dem Kontinent zu etablieren.

  • 1856

    Februar/März: Als Schiedsrichter während des Pariser Friedenskongresses erwirbt Napoleon die europaweite Anerkennung für das seit dem Wiener Kongress 1815 isolierte Frankreich. Er ist auf dem Höhepunkt seines internationalen Ansehens. Er unterstützt die Nationalbewegungen in Polen, Italien und auf dem Balkan durch wirtschaftliche, soziale und technische Beihilfen. Innenpolitisch setzt er sich für die Gründung von Kranken- und Altersrentenkassen sowie für die Eisenbahnbau ein.

  • 1858

    14. Januar: Napoléon überlebt ein Attentat des italienischen Revolutionärs Felice Orsini (1819-1858).
    Juli: Abschluss eines Geheimvertrags mit Piemont-Sardinien, in dem Nizza und Savoyen an Frankreich versprochen wird, wenn er Italiens Einigung unterstützt.

  • 1859

    Mai-Juni: Österreich, das Gebiete in Norditalien besetzt hält und die italienische Einigung ablehnt, erklärt Piemont-Sardinien den Krieg. Napoléon gewinnt den "Sardinischen Krieg" gegen Österreich auf Seiten Italiens.
    10. November: Mit dem Frieden von Zürich erhält Napoléon von Österreich die Lombardei, die er gemäß dem Geheimvertrag an Piemont-Sardinien weitergibt.

  • 1860-1870

    Wirtschaftskrisen und außenpolitische Rückschläge zwingen den Kaiser, dem Parlament mehr Rechte zu zugestehen, die Pressefreiheit zu erweitern und Gewerkschaften zu zulassen.

  • 1862-1867

    Als sich Mexiko weigert, seine Staatsschulden an Frankreich zu begleichen, marschieren französische Truppen in Mexiko ein. Napoleon löst die mexikanische Republik auf, um ein von Frankreich abhängiges Kaiserreich zu errichten. Er setzt den jüngeren Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph I., Maximilian I. (1832-1867), als Kaiser von Mexiko ein. Die Intervention endet mit der Hinrichtung Maximilians und der Niederlage Frankreichs.

  • 1866

    Während des Deutschen Krieges zwischen Österreich und Preußen bleibt Frankreich neutral, da ein starkes Preußen als weniger gefährdend betrachtet wird als ein starkes Österreich. Napoléon fordert vom preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck Luxemburg und Belgien als Ausgleich für den in Folge des Sieges über Österreich erzielten preußischen Machtzuwachses in Norddeutschland.

  • 1867

    Mit der Initiative, einen Kaufvertrag über das Großherzogtum Luxemburg abzuschließen, greift er in die Belange des Deutschen Bunds ein. Starke deutsche Proteste führen zur sogenannten Luxemburg-Krise, die erst mit dem Londoner Vertrag vom 11. Mai beendet werden kann. Darin wird die Neutralität des Großherzogtums festgeschrieben.

  • 1870

    Juli: Napoléon erwartet von Preußen immer noch territorialen Ausgleich. Im Streit um die spanische Thronnachfolge erklärt er nach der Veröffentlichung der Emser Depesche dem Norddeutschen Bund den Krieg. Er ging davon aus, dass sich Österreich und Italien in einem Deutsch-Französischen Krieg auf seine Seite stellen und die süddeutschen Staaten neutral bleiben würden.
    2. September: Napoléon wird nach der verlorenen Schlacht von Sedan gefangen genommen und auf Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel unter Arrest gestellt.
    4. September: Ausrufung der dritten französischen Republik und Absetzung Napoléons als Kaiser.

  • 1871

    9. März: Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft geht Napoléon erneut ins Londoner Exil.

  • 1873

    9. Januar: Charles Louis Napoléon Bonaparte stirbt an den Folgen einer Operation und wird im Familienmausoleum von Farnborough (Grafschaft Hampshire, Großbritannien) beigesetzt.

(jfp)
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