Paul Reynaud 1878-1966

Politiker, Jurist

  • 1878

    15. Oktober: Paul Reynaud wird in Barcelonnette, Departement Basses-Alpes/Frankreich, als Sohn eines Händlers geboren.

  • 1919-1924

    Reynaud gehört als Abgeordneter des Departement Basses-Alpes zum "Bloc national républicain", der die wichtigsten Vertreter der politischen Rechten zusammenfaßt.

  • 1928-1938

    Er ist für die "Alliance républicaine démocratique (ard)" (gemäßigte Rechte) Abgeordneter des Departement Paris.

  • 1930

    2. März - 4. Dezember: Finanzminister von Frankreich.

  • 1931/32

    Französischer Kolonialminister.

  • 1932

    20. Februar - 10. Mai: Stellvertretender Regierungschef und Justizminister.

  • 1938

    10. April - 1. November: Reynaud bekleidet ein weiteres Mal den Posten des Justizministers.
    1. November: Er wird Finanzminister. In dieser Funktion hebt er Sozialleistungen wie die von der zuvor regierenden Volksfront, einem Bündnis aus Kommunisten, Sozialisten, Liberalen und den Gewerkschaften, eingeführte 40-Stunden-Woche auf.
    Reynaud tritt aus der "Demokratischen Allianz" aus, nachdem sein Parteikollege Pierre-Étienne Flandin (1889-1958) das Münchner Abkommen vom September 1938 mit der Abtretung des sudetendeutschen Gebiets an das Deutsche Reich gebilligt hat.

  • 1940

    21. März: Wahl Reynauds zum Regierungschef und Außenminister.
    Während des Sitzkriegs an der deutsch-französischen Grenze zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bemüht er sich intensiv um eine Festigung der französisch-britischen Allianz.
    28. März: Er unterzeichnet einen Vertrag mit England, der es beiden Staaten untersagt, einen Separatfrieden mit dem NS-Regime zu schließen.
    18. Mai: Eine Woche nach Beginn der deutschen Westoffensive tritt Reynaud als Außenminister zurück und übernimmt das Verteidigungsministerium.
    Er versucht vergeblich, die drohende militärische Niederlage Frankreichs durch Einbeziehung von Militärs wie Henri Philippe Pétain und Charles de Gaulle in die Regierung zu verhindern und den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zu einem Kriegseintritt der USA an der Seite Frankreichs und Großbritanniens zu bewegen. Ein vom britischen Premier Winston Churchill unterbreiteter Vorschlag zur Gründung einer politischen Union beider Länder und zur Fortführung des Kampfs gegen Deutschland von den französischen Kolonien aus wird von Reynaud befürwortet.
    6.-17. Juni: Reynaud besetzt abermals das Amt des Außenministers.
    16. Juni: Sechs Tage nach der Flucht der französischen Regierung vor den vorrückenden deutschen Truppen nach Bordeaux tritt er als Regierungschef und Verteidigungsminister zurück, da der Plan, den Kampf von den Kolonien aus fortzusetzen, im französischen Kabinett keine Mehrheit findet.
    17. Juni: Pétain übernimmt das Amt des Regierungschefs und unterbreitet dem Deutschen Reich aufgrund der aussichtslosen militärischen Lage ein Waffenstillstandsangebot. Reynaud wird zum Botschafter in Washington ernannt; er entscheidet sich jedoch, in Frankreich zu bleiben und in Port-Vendres die Gegner des Waffenstillstands zu versammeln, um eventuell eine provisorische Regierung in Algier zu bilden.
    8. September: Auf Befehl Pétains, Staatschef des Vichy-Regimes, werden Reynaud, der Radikalsozialist und ehemalige Ministerpräsident Édouard Daladier sowie General Maurice Gamelin (1872-1958) im Château de Chazeron (Departement Puy-de-Dôme) unter Hausarrest gestellt.

  • 1941

    15. Oktober: Reynaud, Daladier und Gamelin sowie Léon Blum werden im Fort du Pourtalet (Departement Pyrénées-Atlantiques) inhaftiert.

  • 1942

    November: Reynaud wird an das NS-Regime ausgeliefert und in das Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen deportiert, später kommt er in Buchenwald in KZ-Haft.

  • 1945

    5. Mai: Die Amerikaner befreien die Inhaftierten der Burg Itter in Österreich, unter denen sich Reynaud befindet.

  • 1946

    Reynaud kehrt auf die Bühne der französische Politik zurück und ist Abgeordneter in der gesetzgebenden Versammlung.

  • 1946-1962

    Als Abgeordneter des Departement Nord hat Reynaud für die konservativen Unabhängigen Republikaner einen Sitz in der Nationalversammlung.

  • 1948

    26. Juli - 27. August: Er bekleidet die Posten des Wirtschafts- und Finanzministers. 1949-1954
    Präsident des Wirtschafts- und Finanzausschusses des Europarats.
    Als Befürworter der deutsch-französischen Verständigung und Anhänger der europäischen Einigung ist er Abgeordneter im Europarat (1949-1955) und der Gemeinsamen Versammlung der Montanunion (1952-1958).

  • 1950

    2.-4. Juli: Minister für Indochina und den Fernen Osten unter Ministerpräsident Henri Queuille (1884-1970).

  • 1953/54

    Reynaud ist stellvertretender Ministerpräsident.

  • 1958

    August: Präsident des beratenden Komitees für die Ausarbeitung der Verfassung der Fünften Republik.

  • 1962

    Aus Anlaß des Referendums zur Wahl des Staatspräsidenten mit allgemeinem Wahlrecht wird er zu einem politischen Gegner von De Gaulle. In der Entkolonialisierungspolitik stimmen sie jedoch überein.

  • 1965

    Bei den Präsidentschaftswahlen unterstützt Reynaud Jean Lecanuet (1920-1993), einen Gegenkandidaten De Gaulles.

  • 1966

    21. September: Paul Reynaud stirbt in Neuilly-sur-Seine.

(mkg)
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