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    Handgezeichnete Karikatur als Entwurf für eine Flugblattillustration des NKFD, 1944

> Der Zweite Weltkrieg > Widerstand

Das Nationalkomitee "Freies Deutschland" (NKFD)

Um den Widerstand von Deutschen gegen das NS-Regime zu fördern, ließ Josef Stalin auf einer Konferenz am 12. und 13. Juli 1943 in Krasnogorsk bei Moskau das Nationalkomitee "Freies Deutschland" (NKFD) gründen. Präsident wurde der Schriftsteller Erich Weinert (1890-1953), Organ des NKFD war die Wochenzeitung "Freies Deutschland". Ihre erste Ausgabe vom 19. Juli 1943 veröffentlichte das vom Journalisten Rudolf Herrnstadt (1903-1966) und dem Schriftsteller Alfred Kurella (1895-1975) entworfene "Manifest an die Wehrmacht und das deutsche Volk", das die wesentlichen Ziele des NKFD formulierte: Zerschlagung des NS-Regimes, sofortiger Friedensschluss, ein "freies unabhängiges Deutschland".

Dem NKFD gehörten kommunistische Funktionäre und Intellektuelle im sowjetischen Exil sowie Wehrmachtssoldaten an. Unter der maßgeblichen Führung der deutschen Exilkommunisten Weinert, Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht forderte das NKFD über den Radiosender "Freies Deutschland" die Bevölkerung im Deutschen Reich zum Staatsstreich gegen Hitler auf. An der Front konzentrierte sich die Tätigkeit des NKFD ebenfalls auf -weitgehend wirkungslose - propagandistische Maßnahmen: Mit Lautsprecherdurchsagen und Abwurfflugblättern rief es die Wehrmachtssoldaten zur Einstellung der Kämpfe und zum Überlaufen auf die sowjetische Seite auf. Die Zeitung "Freies Deutschland" und die Mehrzahl der abgeworfenen Flugblätter waren eingerahmt in den nationaldeutschen Farben Schwarz-Weiß-Rot, um alle Deutschen unabhängig ihrer politischen Überzeugung anzusprechen. Das NKFD war jedoch eine Organisation mit unverkennbar kommunistischer Ausrichtung: Gefangene oder übergelaufene Soldaten mit Interesse an der Mitarbeit im NKFD nahmen in Lagern an kommunistischen Umschulungen teil.

Manche deutschen Kriegsgefangenen waren mit der kommunistischen Ideologie seit den zwanziger oder dreißiger Jahren vertraut und traten dem NKFD aus Überzeugung bei. Der Großteil ihrer zum Übertritt bereiten Kameraden hingegen sah nur in einer Mitgliedschaft im NKFD die Möglichkeit, der Härte der sowjetischen Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Viele von ihnen entwickelten sich während ihrer Tätigkeit in dem bis November 1945 existierenden NKFD zumindest nach außen zu überzeugten Anhängern des sowjetischen Systems. Einige hochrangige Offiziere in Kriegsgefangenschaft wollten zwar ebenfalls gegen das NS-Regime agieren, eine Mitarbeit im NKFD lehnten sie aber aus ideologischen Gründen ab.

Rund 100 Offiziere gründeten daher am 11. und 12. September 1943 im Lager Lunjowo in der Nähe von Moskau den "Bund Deutscher Offiziere" (BDO), der jedoch nur wenig später mit dem NKFD personell und institutionell verschmolzen wurde. BDO-Mitglieder wie General der Artillerie Walther von Seydlitz-Kurzbach (1888-1976), der Präsident des BDO, oder der in Stalingrad gefangen genommene und 1944 dem BDO beigetretene Generalfeldmarschall Friedrich Paulus waren für Adolf Hitler, für treue Angehörige der Wehrmacht sowie für die meisten Deutschen Verräter.

Arnulf Scriba
22. August 2014

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